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„Warum denn nicht?" fragte er neugierig und strich sich den kleinen, dunkelblonden Schnurrbart.
„Weil du," rief Hedwig und suchte nach einer richtigen Bezeichnung, „weil du ein Egoist bist!"
„Sieh mal an!" lachte er und fuhr sich über die Stirn, denn er hatte einen widerspenstigen Kater. Wenn er aber den Kater hatte, »var sein Gehirn stets von einer verblüffenden Geistesschärfe. Dann konnte er Weisheiten von sich geben, die unwiderrufbar klangen und von einer unerhörten Schlagkraft waren.
„Jawohl," rief sie empört, „du bist ein Egoist!"
„Der Egoismus ist die Religion der Zukunft!"
„Laß mich mit deinen Verrücktheiten in Frieden!"
„Das weibliche Gehirn befindet sich noch im Embryonalzustand. Deshalb kannst du den Sinn meiner Worte nicht erfassen. Denke dir eine Zeit, in der alle Menschen Egoisten sein werden!"
,^Jch werd mich hüten," rief sie rasch. „Die ganze Welt mit solchen Leuten wie du einer bist, dafür bedank ich mich. Was tust du denn?"
„Muß der Mensch denn immer etwas tun?"
„Du bist faul und lebst von deiner Eltern Geld. Ich würd mich schämen, wenn ich die Schulen besucht hätte- wie du, und mit vierundzwanzig Jahren auch noch einen Pfennig annehmen würde."
„Das hört auch auf!" erwiderte er selbstbewußt.
„Wirklich?" rief sie glücklich und nahm ihn bei der Hand. „Du willst wirklich arbeiten und fleißig sein, Privat- stunden geben und Geld verdienen?"
„Hm!" machte er und stützte den Kopf in die Hände.
„Sieh mal, Hugo!" sprach sie auf ihn ein. „Es geht wirklich nicht so weiter. Vater brummt und Mutter seufzt. Und wenn Vater erfährt, daß sie dir immer noch Geld nebenbei geschickt hat, da gibt's einen höllischen Krach. Du solltest doch Vernunft annehmen. Ein Mensch wie du, der gesund ist und soviel gelernt hat, der sollte sich doch sein Brot allein verdienen können. Ich arbeite doch auch den ganzen Tag!"
„Es wird an dir liegen!" erwiderte er dumpf und feierlich. „Ganz allein an dir!"
„Aber wieso denn?" lächelte sie unsicher. „An mir? Was kann ich denn dabei tun. Hugo! So sag'A doch, was ich tun soll."
„Wart's ab!" rief er, trat vor sie hin und drückte ihre Hand. „Ich kann mich auf dich verlassen!"
„Ja, was soll denn das heißen? Freilich kannst du dich auf mich verlassen, ich bin doch deine Schwester.^
„Es ist gut!" sprach er und zog sie an sich. „Du bist das beste Madel, das ich keime! Rur darfst du mich nicht im Stiche lassen!"
Dann ging er hinaus. Es war ihm doch etwas schwül geworden. Draußen schritt eben der Vater vorbei,, um nach dem Vorwerk zu gehen. Hugo schloß sich ihm an. August Knorreck sprach kein Wort.
„Weißt du, Vater!" sagte Hugo, als sie aus dem Dorfe traten. „Ich verehre dich!"
„Laß die Albernheiten!" knurrte er ihn an.
„Im Ernst!" beschwor Hugo.
„Du bist eiir Nichtsnutz!"
_ "P €n deswegen. Ich merke, daß mir was fehlt. Und das ist gerade das, was du im Uebermaß besitzt."
„Weiß schon, das Geld!" erwiderte August Knorreck. „Wirst dich aber grimmig täuschen."
,,-^u verkennst mich aus deni Grunde!" verteidigte sich Hugo gewandt. „Ich meine deine Biereifrigkeit auf die Arbeit. Ich bin nun einmal das direkte Gegenteil Und daraus machst du mir einen Vorwurf. Ich tue doch nur dasselbe, waS du tust!"
Der Vater blieb stehen und sah seinen Erstgeborenen fragend an.
„ „ ist sol" rief Hugo auftrumpfeiü». -,Du lebst dich aus, ich auch." ^
meincc Tasche!" sprach ruhig der Vater und
schritt weiter.
„Das hat aufgehört!" schwur Hugo fest. „Von heute ab nehme ich keinen Pfennig mehr von dir an.“
cyi ."Sch?", schau!" antwortete der Vater ungläubig und blieb wieder stehen. „Ist das ein Wort?" 8
„Ern Mann ein Wort!" rief Hugo und streckte die Hand aus.
„Auch von Mutter nicht?" fragte August Knorreck vor> sichtig.
„Nein!" gelobte Hugo unerschütterlich.
„Und ohne Schulden zu machen?"
„Keinen Pfennig?"
,/Jünge!" sprach der Vater warm und drückte ihm die Hand. „Wenn du das ein ganzes Jahr durchhälst, dann glaub ich, daß noch was Vernünftiges aiis dir wird. Wenn nicht Pastor, dann was anderes."
„Was anderes!" wiederholte Hugo und steckte sich eine Zigarre an.
Dicht vor dem Vorwerk fanden sie Moritz Gassel, per schon wieder Ferien hatte. Er grub wilde Rosenstämmcheu aus und war wie gewöhnlich von einer Zaspel Kinder umgeben. Hugo ließ den Vater allein weitergehen und freundete sich geschwind mit Moritz Gassel an. Auf dem Rückwege erzählte ihm der von seinen Plänen, lud ihn ein, den Garten zu besichtigen, eine Tasse Kaffee nicht ausmschlagen und setzte die Mühle sofort in Bewegung, nachdem sich Hugo auf das Sofa ausgestreckt hatte. Denn er war noch immer etwas müde.
Nachdem Moritz Gassel eine halbe Stunde doziert hatte, richtete sich Hugo auf, verbrannte sich an dem heißen Getränk die Zunge und sagte: „Verflucht!" Moritz Gassel lachte ihn aus.
„Sie sind ein Idealist!" behauptete .Hugo. „Sehen Sie mich an, ich bin auch einmal so gewesen. Aber das ist schon lange her. Die Freiheit ist nur Chimäre. Es gibt nur eine Freiheit: die der Idee! Nur darf man sie nicht aufschreiben. Dann ist! sie nicht mehr frei."
„Aber Sie als Student!" rief Moritz Gassel verwundert. „Sie haben doch die akademische Freiheit. Wenn ich da an das Seminar zurückdenke! Wie die Sträflinge hat mau uns behandelt."
„Akademische Freiheit!" lachte Hugo verächtlich. „Ich Hab nichts davon gemerkt. Man belegt Vorlesungen uüd genießt die Freiheit, sich von einem Mummelgreis von Professor vorauatschen zu lassen, was er vorher aus drer- uudzwanzig Büchern abgeschrieben hat. Vor fünfhundert Jahren war diese Methode angebracht, aber heute ist sie ein Blödsinn. Da ist es doch besser, man setzt sich zu Hause auf die Hosen und liest die Bücher selbst. Schöne Freiheit, die freie Wissenschaft immer durch die Brille eines kurzsichtigen Prosessorchens genießen zu müssen."
„Doch Sie haben Verbindungen!" lvarf Moritz Gassel ein. „Da ist das Leben lustig uno frei."
Hugo schlug ein Höllengelächter an und setzte sich auf.
„Horen Sie mal!" keuchte er und hielt sich den Bauch. „Sre haben eine schöne Vorstellung von dem Zimt. Mit Scklachtmessern gehen sie aufeinander los und zersetzen sich das Gesicht. Ich habe vorgeschlagen, zu diesem Zweck den Gegenpol des menschlichen Körpers zu benutzen, weil da für Schmisse viel mehr Platz ist, bin aber nicht dnrchgedrungen. Und dann das fürchterliche Gesaus. Ich stell darin meinen Mann, weiß Gott! Aber kommandieren laß ich mir nicht. Die Freiheit im Genuß ist mir mehr wert, als diese Versicherung auf Gegenseitigkeit, die man Korpsbrüherschast nennt und die nur Bierbäuche und feudale .Hohlköpfe erzeugt."
„So?" fragte Moritz Gassel hilflos. „Was wollen Sie denn werden?"
n immer was werden?" gab Hugq mein Leben. Alles andere ist ja sv überhaupt eine erstrebenswerte Sache
„Mun man oenn immer was werden?' zurück. „Ich genieße
gleichgültig. Gibt es ._
auf dieser Welt, so ist es Geld."
„Da mach ich nicht mit!" sagte Moritz Gassel schlicht „Na!" meinte Hugo und schwang sich von dem hohen Pferd herunter. „Das verlangt> feiner von Ihnen (Ö t[t ein Glück, daß die Menschen verschieden sind. Kommen Sie mit zurtt Wiegelt, einen Schoppen trinken?"
„In einer kann ich nicht, gieren."
?4mbe!" sagte M , JdJ muß noch einen
(Fortsetzung folaU
reumant ooütfofer.
Eine ivahre Begebenheit aus unserem Kriege von Paul Burg, (Nachdruck verboten.)
DreiMÄ leuchtete der Name aufs Leutnant Zolltkoferl *3*1 Ärsche"- Das erstemal» In dem dchmiierigen K erhob sich der frühe und hastige Gast, über den so viele M


