Donnerstag, den 5. Juni
Lurück zur Scholle.
VLoman von Ewald Gerhard Seeligev.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
_ -,Jch bin der freieste Mann von Zdurotschin!" schrie ^ .otschin. „Mir kann keiner! Ich kann machen,
was ich null. Ich kann mir alles leisten! Hoch die Freiheit, sie soll leben, dreimal hock!"
..Prost!" sagte Hugo kleinlaut, denn er war an sei,rer wundesten Stelle getroffen worden.
Beim fünften Glase schickte Karl Zdurotschin den Kellner hinaus und vertraute seinem Kumpan daß große Geheimnis an. Hugo riß Mund und Augen auf.
„Menschenkind!" rief er überglücklich. „Dann bin ich ja dem Schwager!"
„Ssst!" machte Karl „
„Nicht so laut. Was mein!
„Keine Krage!" spra^ nicht! Wofür ist sie meine Schwester!
,Du könntest eigentlich ein Wort für mich einlegen
„Du könntest eigentlich schlug Karl Zdurotschin vor. .Hundert!" versprach j
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zögerte, die Summe .
nffen!" drängte Hugo eifrig, für dich agitieren ra
nennen.
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Ir ^—- vw lf »,uu, Hugo begeistert. „So einen Schwager Hab ich mir schon lange gewünscht. Wieviel hast du denn eigentlich?"
Karl Zdurotschin
„Das muß ich wissen gefähr bloß. Damit ich besser
Das sah Karl Zdurotschin ein.
„Nu, ich denke," flüsterte er zögernd, unter uns, ich denke, es werden so etiva sein."
„Taler?" fragte Hugo ziestewußt.
„Mark!" erwiderte Karl Zdurotschin ärgerlich, bist wohl verrückt?"
„Auch gut!" meinte Hugo gönnerhaft. „Mit zwei Millionen könnt ihr ganz gut auskommen."
„Nu, nu!" grinste Karl Zdurotschin. „Setz dir nur ferne Raupen in den Kopf. Bar Geld kriegst du nicht in die Finger. Einen Wechsel von dreitausend Mark sollst du haben."
„Viertausend!" schlug Hugo vor, dem sich die Zukunft rosig malte.
„Dreitausendsechshundert!" gab Karl Zdurotschin zu. „Aber keinen Pfennig mehr!"
„Abgemacht!" rtef Hugo glücklich und hielt ihm die Hand hin. i
Karl Zdurotschin schlug ein.
„Und das Testament?"
„Das ändere ich erst, wenn sie ja! sagt."
^schwur sich Hugo. Laß mich nur machen. Ich tverd ihr die Sache vom Standpunkte der reinen Vernunft erläutern."
Karl Zdurotschins Augen strahlten in seliger Woirne. Himmelfahrt komm ich!" stöhnte er glücklich. „Sie hat mich eingeladen!"
„Wozu willst du so lange warten!" hetzte ihn Hugo auf. „Komm gleich mit. Wir nehmen einen Wagen, und in zlyki Stunden ist die Sache perfekt."
„Nein!" sagte Karl Zdurotschin und schüttelte den Kopf. „Auf dem Wagen fahr ich nicht gerne. Und mit der Tür ins Haus fallen will ich auch nicht. Aber zu Ostierst,
was meinst du?"
„Gründonnerstag!" s.
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Hugo vor.
„Da sind die Frauen schlechter Laune," erwiderte Karl Zdurotschin. „Es bleibt bei Ostern. Wenn's am ersten Feiertag regnet, komm ich am zweiten!"
>rost!" schrie Hugo übersetz Dann bestellte Karl Zdurotschin Sekt.
Als Hugo am nächsten Morgen um vier Uhr auf den Marktplatz trat, war ihm zumute, als wäre er ein tanzender Stern im Weltenraume. Altes drehte sich um ihn herum. Aber er raffte fick zusammen, marschierte durch die frische Morgenluft und kam nach zwei Stunden in einer beinaye würdevollen Verfassung vor seinem Vaterhause an. August Knorreck war zum Glück schon auf den Feldern. Nur die Mutter empfing den Heimgekehrten.
■J&ugo!" rief sie und drückte ihn ans Herz. „Wie siehst du aus. Du bist gewiß) die ganze Nacht durchgefahren."
Er nickte, ließ sich ins Bett packen und schlief bis zum Mittagessen. Da erschien, er und grüßte herablassend na ' allen Seiten. Der Vater knurrte etwas in den Barl u reichte ihm flüchtig die Hand. Hedwig sah ihn an und dachte sich das richtige. Thomas Hauschild begrüßte ihn mit einer gewissen Herzlichkeit, die schon deutlich auf die zukünftige Verschwägerung hinwies. Und die Mutter sorgte sich um seinen Appetit, der überdies gar nicht schlecht war.
„Herr Zdurotschin kommt schon zu Ostern!" sprach Hugo leichthin, während er sich noch einmal den Teller füllte.
„Ach wie schön!" ries Hedwig schnell.
Alle schauten sie an, die Mutter verwundert, der Vater kopfschüttelnd, Thomas Hauschild ärgerlich und Hugo höchst Ausrieden. Jetzt ging alles gut! Die Freiheit des Drei- tausendsechshuiidertinarkwechsels war ihm sicher.
„Auf diesen Kerl freust du dich noch?" fragte der Vater mißbilligend.
„Wenn er doch so ein gutes Herz hat!" verteidigte sich Hedwig kleinlaut.
„Das hat er!" sprach Hugo vorwurfsvoll.
August Knorreck und Thomas Hauschild verließen kurz darauf das Zimmer. Auch Hedwig verschwand. Hugo mußte noch einige mütterliche Zärtlichkeiten über sich ergeben lassen, dann suchte er Hedwig aus, um seine hohe Mission iu erfüllen. Er traf sie in der Küche und wollte ihr einen ~ lß aufdrücken.
„Geh!" rief sie und stieß ihn zurück. „Bon dir schon gar nicht!"


