Mittwoch, den 2. )uni'

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Zurück zur Scholle.

ftoinan von Ewald Gerhard Seeliger (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

9 «och mehr Freude erlebte der alte Herr beim Aus »ageu der religiösen Memorierstoffe. Ohne Stocken und Ber sprechen rasselten die Sprüche und Gebete mit maschineller Sicherheit herunter. Die Gebirge Asiens konnten die Kinder lvie am Schnürchen hersagen, aber ob die schlesisckte Grenze vor oder hinter Zdurotschin lies, wußten sie nicht, lleber die Schlacht von Prag dagegen tonnten sie so genau de ruhten, als wären sie dabei gewesen. Als aber der Schul­rat nach dem Vater des Kaisers fragte, rieten sie auf

großen Kurfürsten und aus Karl den Großen. Sebaldus Pohl rang verzweifelt die Hände und inachte eine höchst unglückliche Miene. Und als ein Mädchen gar denHeiligen Vater Leo, den Dreizehnten" beschuldigte, wurde es dem Krersschulinspektor doch zu arg.

Da ist eine Lücke?" sprach er zu Sebaldus Pohl und tt'UH den Bor fall ins Protokoll ein. Um so besser wußten die Kinder über die Lebenslveise und das Anssehen des Vogels Strauß Auskunft zu geben. Doch von der .Honig­biene kannten sie kaum mehr als den Stachel.

Im ganzen aber verlies die Prüfung durchaus besrie digend, und der Schulrat begnügte sich, nachdem er die Kinder entlassen hatte, auf die kleinen Lücken im Wissen mündlich hinzuweisen.

Ä lege befonbereit Wert aus die Gemütsbilduna?" ^st^schuldigte sich Sebaldus Pohl mit zitternder Stimme. xZch betrachte jedes Kind als ein Erbe des Himmelreich'?."

Alles ganz schön?" wehrte der Schulrat ab.Aber vergessen Sie auch nicht, daß sich die Kinder zuerst hier aus der Erde zurechtfinden müssen?"

Sebaldus Pohl inachte eine Verbeugung, im Herze,i aber haßte er den alten Ketzer und Protestanten, in dessen Gewalt er gegeben war.

I,n Hausflur stellte ihn der Schulrat zur Rede, wes­halb er Moritz Gaffel den Inhalt der Karte nicht mit- geterlt hatte.

Herr Schulrat!" sprach Sebaldus Pohl geschmeidig und bücklingte wieder mit großer Ausdauer.Ich glaubte kerne Ermächtiguna dazu zu haben. Ich habe-die Karte als privates Schriftstück behandelt."

Das war ein Irrtum!" wies ihn der Gestrenge zurecht. ,,Es war erne amtliche Nachricht, die auch für Herrn Gaffel bestimmt war. Ich liebe es nicht, meine Lehrer zu über­raschen. Ich nähme von jedem ohne iveiteres an, daß er seine Pflicht tut. Ich rate Ihnen dringend, über den Be­griff des Wortes Kollegialität nachzudenken. Im übrigen werde ich das nächste Mal an Herrn Gaffel schreiben. Adieu!"

Eine Viertelstunde später ratterte die Hupserdroschke bei der Schmiede vorbei zum Dorfe hinaus, die alte Pappel­allee auf Guhre hinunter, wo sich der Schulrat zum Nach­mittag angemeldet hatte.

Moritz Gassel atmete 411? und fling semen Garten. Jetzt konnte er hier mit den Arbeiten anfangen. Und er griff zum Spaten und begann an der Scheunenecke, wo die Mittagssonne warm anlug, den Boden auszubrechen. Lange war er nicht allein, da kamen ein paar größere Junßen gelaufen, die ihm helfen wollten. Und bei denen blieb es nicht. Am Nachmittag sah sich Moritz Gassel von der Hälfte seiner Schulkinder umgeben- Und alle halsen ihm mit munteren Händen und freudigen Mienen. Er selbst stand mitten drin und schwang den Spaten. Keine Frage der Kinder ließ er unbeantwortet. Und sie kamen mit allerhand herbeigelausen, mit Wichtigem und Unwichtigen,, loas sie grade in der Erde fanden.

_ Um diese Zeit klapperte der alte Abraham an der Schule vorbei-, freute sich über das gute Geschäft, das er in Aussicht hatte, überlegte, ob er die Möbel in Kroto- schin oder in Breslau kaufen sollte, lvelche Handtverker er wählen konnte und aus wieviel Perzent er dabei kom­men würde. Doch er vergaß darüber das Nähere 'nicht. Als er beim Schulgarten vorbeikam und die fleißigen Hände sah, dielt er an und rief etwas über den Zaun. Moritz Gassel schaute ans, wischte sich den Schweiß von der Stirn und trat näher.

Nu, Herr Lehrer!" lachte der alte Abraham.Wie lvär's, wenn Sie mir ein kleines Geschäftchen geben möch­ten! Künstlichen Dünger vielleicht? Ich laß 'mir grade einen ganzen Waggon kommen. Nehmen Sie mir was ab?"

Warum nicht?" erwiderte Moritz Gassel.Wenn er was taugt?"

Wenn .er nichts taugt," rief der alte Abraham be­schwörend,dann brauchen Sie ihn nicht zu bezahlen. Es ist. mir nur um die Einführung bei den Bauern zu tun- Sie werden mich schon empfehlen, lvenn Sie zufrieden sind?"

Also zlvei Zentner?" sprach Moritz Gassel und hob den Spaten.

XI.

Als der alte ?ltlrahain mit dem ersten Möbelwagen von Zdurotschin ankutschiert kani, zog August Knorren die erste Frühjahrsfurche mitten durch den weichen, dunkelbraunen Boden des großen Rübenflecks. Schnurgerade verlief sie und endete bei Fürchtegott Fritschers wüstem, langgestreck­tem Felde, das wie ein schmales Band quer durch den Do- minialacker lief. Dann übernahm Daniel Zpnppack Zügel und Psluggrifse. Unermüdlich trieb der Inspektor die Dienst­leute zur Arbeit an. Thomas .Hauschild bemühte sich ihm gleichzutun. Am Abend kamen sie beide müde und abgehetzt nach Hause, aßen tüchtig und schliefen lies, um am nächsten Morgen mit den Hühnern auf den Beinen zu sein.