Bvrdeigeheu jai dem ara beschäftigten Thomas Hmischild, der grade die Karten mischte.
Der nickte nur, ohne nach der Uhr zu sehen.
Der Inspektor ging hinunter in die Kutscherstube und befahl Daniel Zpuppack, der da unten das große Wort Myrte, die Rappen anzuspanneu und vorzufahren. August Knorreck stieg wieder hinaus und wurde auf der Treppe von dem Zuckersiedereidireklor aufgehalten, der eben nach Hause wollte. Im Saale sah! er sich zuerst nach Hedwig um. Kaum hatte sie ihn erblickt, kam sie herbei und hängte sich ihm an den Arm.
„Amüsiert?" fragte er gutgelaunt.
„Danke, seht Hab' ich genug " erwiderte sie.
„Ich Hab schon den Zpuppack gerufen."
„Du Bater," schmeichelte sie, indem sie sich an ihn schmiegte, „aber nicht böse sein. Ich habe Karl Zdurotschin eingeladen."
Er schaute sie groß an, als n-enn er sie nicht ver-« standen hätte.
„Er wird uns Himmelfahrt besuchen!"
„Ter Kerl!" entfuhr es ihm unwillkürlich. „Du bist nicht bei Tröste!"
„Herr Gassel meint auch, er ist gar nicht so schlimm, wie die Leute reden."
„Aber was willst du denn mit ihm?" rief der Bater
entsetzt.
„Er hat doch so schrecklich viel Geld!" flüsterte Hedwig.
„Deswegen hckst fcm ihn eingeladen!" August Knorreck wurde an seiner Tochter fast irre. „Dir bist nicht recht gescheit!"
„Ich Hab mir gedacht," meinte sie altklug, „daß er dem Herrn Baron vielleicht helfen kann."
„Dafür sind Bartenstein und Levisohn da."
„Aber du schimpfst doch immer auf die beiden. Undj wenn Karl Zdurotschin das Geld gibt, —"
„Der ist vielleicht noch schlimmer," brummte August Knorreck unwirsch.
„Nein!" »vehrte sie sich eifrig. „Herr Gassel sagt, er ist ein herzensguter Mensch. Er ist nur ein bissel unge^ schliffen."
„So?" fragte er verwundert, dachte ein wenig nach und schüttelte dann den Kopf. „Geh zu Mutter und macht euch fertig. Wir fahren bald."
Dann schritt er in die Ecke, ioo Karl Zdurotschin und Moriü Gassel saßen.
„Meine Tochter hat Sie eingeladen?" sprach er ohne weitere Einleitung zu dem reichen Zdurotschiner.
„Ich komme!" rief der „Bestimmt! Himmelsahrt."
„Wie's Ihnen am besten paßt!" erwiderte der Inspektor gleichgültig und wandte sich an Moritz Gassel. „Wollen Sie mitfahren."
Der sagte freudig zu.
„Punkt halb drei!" ries August Knorreck zurück und suchte Frau und Tochter auf.
Moritz Gassel sah nach der Uhr, verabschiedete sich von Karl Zdurotschm, der schon halb schlief, und war zur rechten Zeit am Wagen.
Daniel Zpuppack zündete die Laternen an, denn die Nacht war finster.
Frau Knorreck und Hedwig stiegen zuerst ein.
„Kommen Sie, Herr Gassel!" forderte ihn Hedwig auf und rückte zu.
Da stieg er ein. Frau Knorreck fragte ihn, wie er sich anrüsiert habe und wie er über Karl Zdurotschin dächte und ob er wirklich so reich sei.
Der Inspektor wartete am offenen Schlag noch ein paar Minuten und schaute dreimal nach der Uhr. Mer Thomas Hauschild kam nicht.
„Los!" befahl er dann, schwang sich in den Wagen und schlug die Tür zu.
? Daniel Zpuppack hob die Peitsche und schnalzte laut, fn diesem Augenblick sauste Thomas Hauschild die Stufen erunter.
„Sie müssen ans den Bock!" sprach August Knorreck und schob das Fenster hoch.
Der Gehilfe kletterte über das Vorderrad, und Daniel Zpuppack ließ die Rappen laufen. Hedwig lehnte sich müde in bte Ecke und schloß die Augen. Moritz Gassel machte sich Mühe, das matte Gespräch im Gange zu erhalten. Als sie über die Grenze sichren, schlief es ein. Frau Knorreck gähnte zweimal und senkte den Kopf auf die Brust. Auch
Moritz Gassel mußte gegen die Müdigkeit ankämpseu. August Knorreck sprach kein Wort und schaute bei jeder Waldschneise links und rechts.
Nur Thomas Hauschild war inunter, denn die scharfe Nachtluft strich ihm frisch irm die Ohren. Er schlug den Mantelkragen in die Höhe und steckte die Hände in die Taschen. Dreiundachtzig Mark hatte er gewonnen. Zuletzt war sehr hoch gespielt worden. Jetzt konnte er die erste Abzahlung auf sein Reitpferd leisten. Das war erfreulich! Neber .Hedwig aber ärgerte er sich. Und er hätte sich noch mehr erbost, wenn er gewußt hätte, daß Moritz Gassel im Wagen saß. Argwohn schöpfte er nicht, und bei Daniel Zpuppack anzufragen, ging ihm wider den Strich. Der hatte auch genug zu tun, in der Finsternis nicht vom Wege abzukommen.
Als sie nach einer Stunde ins Dorf einlenkten, brannte im Herrenhaus noch Licht.
Fritz von Winkelberg hatte eben den angefangenen Brief beendet und wachte noch.
„Brr!" machte Daniel Zpuppack, und Thomas Hauschild sprang vom Bock herunter.
August Knorreck öffnete den Schlag. Zuletzt stieg Moritz Gassel aus. Der Wagen rollte davon. Thomas Hauschild ließ die drei andern vörangehen und stellte sich dann vor der: Nebenbuhler in Positur.
„Also Sie!" zischte er wütend.
„Ja ich!" erwiderte Moritz Gassel ruhig. „Wir dachten. Sie wollten noch länger bleiben, weil Sie so unpünktlich waren."
„Schulmeister!" schimpfte der Gehilfe grob.
Moritz Gassel drehte ihm den Rücken und ging.
„Na warte!" knirschte der andere und ballte die Faust hinter ihm drein. „Wir sprechen uns noch!"
X.
August.Knorreck gönnte sich nur zwei Stunden Schlaf. Um sechs Uhr war er schon in den Ställen. Dann letzte er sich vor seine Wirtschaftsbücher. Der Baron erwachte viel später. Erst als die Glocken vom nahen Turme das Ende der Messe anzeigten, erhob ec sich. Der Inspektor erschien sofort mit dem Frühstück. Fritz von Winkelberg gab ihm den Brief mit der Weisung, ihn in den Postkasten zu werfen.
„Befehlen der Herr Baron sonst noch etwas?"
„Jawohl, Knorreck!" sprach Fritz von Winkelberg und stellte sich mit dem Rücken gegen das Fenster. „Ich möchte meine Familie herüberkommen lassen. Aber erst, wenn's hier etwas freundlicher aussieht. Und deshalb müssen wir noch ein paar Zimmer dazunehmen."
„Wie groß ist die Familie des Herrn Baron?"
„Nur noch meine Frau und ein kleines Mädchen von drei Jahren."
„Da werden sechs Zimmer nötig sein," rechnete der Inspektor nach. „Drei für die Frau Baronin, zwei für die Baroneß und ein Speisezimmer."
„Wo denken Sie hin, Knorreck!" lachte der Baron. /,Zwei genügen vollkommen. Meine Frau trennt sich nicht von dem Kmde. Denken Sie doch an die Belastung des Etats durch Küche und Dienstboten."
.,Eine Köchin, ein Stubenmädchen, eine Kammerzofe, ein Kindersräulein, ein Diener, eine Schlenßerin," zählte August Knorreck aus.
„Den feudalen Teil können Sie ruhig streichen," erwiderte Fritz von Winkelberg lächelnd. „Bleibt übrig eine Köchin und ein Stubenmädchen."
„Wann werden die Frau Baronin und Fräulein Baroneß ihren Einzug halten?" fragte der Inspektor.
„Vor Ostern jedenfalls nicht. Erst muß ich hören, ob meine Frau schon kräftig genug ist, die Reise zu machen."
„Also noch acht Wochen Zeit!" rechnete August Knorreck iiach.
„Ich denke," sprach Fritz von Winkelberg und setzte sich an den Schreibtisch, „wir überleben die ganze Sache dein alten Abraham. Sind Sie damit einverstanden?"
„Wenn der Herr Baron befehlen!"
(Fortsetzung folgt.)


