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jiift wie sie ihr in den Sinn kam. Weder diese Melodie noch die kleine Mundharmonika waren etwas Außerordentliches, solch ein Instrument erhält man überall für ein ps rr Groschen, und ge­bildete Leute hätten wahrscheinlich für die 'Melodie auch nicht viel mehr gegeben. Das muß hier gesagt sein, «xnnit niemand glaubt, es handelte sich um etwas Besonderes.

Es muß alles zusammengekommen sein, daß von diesen paar, Tönen eine Wirkung ausging, die Lippen des Mädchens, ihr gol­denes Haar, die Augen darunter, blauer als der Himmel über den Dächern und die Stimmen der Sperlinge, die irgend etwas vom Frühling in ihrem Ton hatten, etwas von offenen Fenstern und »varmen Luftzügen. Sicher ist, daß alles um vieles hoffnungsvoller und feierlicher erschien, niemand empfand dies deutlicher als Anneliesens Freund, der Dichter, der im Zimmer saß und ihrem Spiel zuhörte und ihre feine Gestalt betrachtete, wie der Morgen-» sonnenschein einen Lichtrand um ihr Haar und um ihre Schultern legte.

Das ist eine Sacke, solch eine Mundharmonika, dachte er und nahm das Instrument und schob es in die Tasche, als das Mädchen mit ihrem Spiel aufhörte. Sicher glaubte er, damit alles mitzu­nehmen, was er soeben erblickt halte.

Willst Du sie haben?" fragte ihn Anneliese, un) als er nickte, freute sie sich darüber, ihrem Freund. ein Geschenk gemacht zu haben, sie hatte schon lange die Empfindung, noch niemals etivas Rochtes gegeben zu haben, wie es Leuten Vorkommen kann, die in der Unschuld ihres Reichtums nicht ahnen, daß sie auch ohne Gesckenke das ganze Glück eines airderen ausmachem

Der junge Mann mußte am gleichen Tage die Stadt verlassen und bestieg in der Abenddämmerung einen Zug, der an die Grenze fuhr mrd voller Soldaten war, die ins Feld hinaus sollten. Er hatte über vielerlei Beschäftigungen des Tages die kleine Mund­harmonika vergessen, aber als er nun, da der Zug sich in Beioegung setzte, nach seinem Feuerzeug suchte, um seine Pfeife anzuzünden, fühlte er einen harren Gegenwand in seiner Tasche und zog ihn heraus. Das trübe Licht des Eisenbahnwagens spiegelte sich in dem billigen Bleck, die Lackfarbe der Holzleisten roar schon etwas brüchig. Mein Gott, dackte er, ivas soll ich mit dem Ding? Solch eine Harmonika muß im Besitze eines Menschen sein, der darauf spielen kann. Hierin harre er reckt, denn er war unmusikalisch, und wir die meisten Dickter nrit Angelegenheiten beschäftigt, die ganz erheblich) über eine Mundharmonika binausgingen.

So wandte er fick an einen bärtigen Landsturmmann, der ihm gegenüber in einer Ecke lehnte, und hielt ihm das Instrument hin.

Vielleicht können Sie es draußen brauchen, oder irgend je­mand ..fragte er, nicht ohne Befangenheit und etwas schüchtern, wie man es bei Dichtern zuweilen sinder, ohne daß man deshalb all­zurasch aus Bescheidenheit schließen dari. Aber der Landstur mm ann sah nur die Mundharmonika, griff ohne viel Umstände zu, lächelte herablassend und sagte:

Gieb nur der." Wer nähme nicht gern eine Tasche voll Musik?

Er setzte sie gleich an seine Lippen, fodaß sein struppiger Bart sie fast ganz verdeckte, ui Seegras eine Strandmuschel die

Töne, die unter seiner Han) beroordrangen, waren alles andere als rauh, es waren ein wenig wehmütige, aber feine und süße Klänge eines Volksliedes, und unter ihnen füllte sich der »mwirt- licke Raum mit seinen kahlen Wänden »nil emer seltsamen Feier­lichkeit. Niemand sprach mehr laut, sogar ein alter Herr, der eigentlich in der zlveiren Klasse hatte fahren wollen, ließ seine Zeitung sinken und schaute über seine Brille aus den Kanonier, der Mundharmonika blies. Draußen zog in gelinder Eile das schlummernde «Land in der Dämmerung vorüber und es waren nicht mehr, wie eben noch, Acker, Wiesen und Wälder, sondern eS war das Vaterland. Besonders die Soldaten dachten es. als die kleine Zauberin ihre Stimme erschallen ließ. Seltsam, sogar der eintönige Takt der Räder aus den Schienen schien sich der Melodie anpassen zu wollen. Alle sahen einander freundlicher an und die Gedanken der Menschen, die in den Krieg hinaus mußten, wander- ten ihrem Ziele in einer ganz neuen Erhobenl>eit entgegen. Ihr Geschick erschien ihnen gut und ihr Los voller Ehren.

Nun hielt der Zug. und der Landsturm mann nahm das In­strument vom Mund. Es »var, als würden bunte Brlder ringsum- her ausgelöscht und man merkte, ivie trüb die Lampen in dem engen Wagen brannten. Draußen zog nun auch schon die Nacht herauf. Der Herr, der sich im letzten Augenblick doch für die dritte Klasse entschlossen hatte, räusperte sich und packte ein Butter­brot aus.

Der alte Soldat wischte fein Instrument am Rock ab, wie Kinder es mir einem angebissenen Apfel macken, der in den Slraßenstaub gefallen ist. und schob es in seinen Rucksack.Besten Dank." sagte er zum Dichter, der es leider nickt hörte, weil seine Gedanken bei dem oftenen Fenster einer Dachkammer weilten, ber den schreienden Sperlingen und beim Glanz der Morgensonne. Nun ja, jetzt hatte er sie sortgegeben, die Harmonika.Bitte," sagte er nachrräglich, denn ihm war. als habe er vorhin etwas wie ein Dankoswort gehört.

Aber die Mundharmonika blieb nicht lange im Besitz des alten Soldaten, er schenkte sie eines Tages draußen im Feld einem blut­jungen Infanteristen, der von der Schule fort in den Krieg ge­stürmt war, als hinge das Hei! des ganzen Reichs von den Taten

seiner jungen Seele ok Ich muß enoahnen, daß bereit- einer der tiefen Töne des Instrumentes völlig versagte, »veil der alte Kano­nier, besonders wenn er einen Marsch blies, viel entschiede», vorgegangen war. Es sind nun einmal Barbaren, diese Deutschen.

- Mer das Zauberreich des kleinen Instruments nahm von diesem Tage ab an Macht zu, es schien, als verbände sich sein Weg in den Krieg mit der Absicht einer heimlichen Güte, dies muß ge­sagt werden, denn eigentlich handelt cs sich hier nur um die Schick­sale der Mundharmonika. Es war wunderbar, wie ihre singende Seele nun in den Gemütern der Männer im Schützengraben und hinter den Festungswällen Gestalten und Bilder heroorzauberte. die ihren Wert und die unscheinbare Schönheit ihres Klangs weit übertrasen. In jedem Gemüt war es ein anderes Bild, die Sol­daten sahen alles, was sic liebren und zurückgelassen Hanen, Wälder und Stätte tauchten aus, laute Straßen und heimliche Stuben, sonnige Wege am Fluß und stille Dörfer in den Bergen. Auch waren es blonde, stürmische Kinderköpfe, oder die verweinten Angesichter mütterlicher Frauen. Und die Soldaten begriffen, daß die Trauer in diesen Zügen ihr ganzes Glück war. Einmal blieb sogar ein Offtzier stehen und lauschte.Es ist etwas Eigenes um die Musik," meinte er, und das will viel heißen, wenn ein Offtzier es sagt.

Jedoch das Geschick fügte es, daß der neue Besitzer der Mund­harmonika bei einem.. Sturmangriff gegen die verschanzten Stel­lungen des.Feindes ftel. Er wurde am Morgen an einem Wald- Hang gefunden, die Häwde um das Gewehr und die Stirn im Moos. Das ist das Los der Tapferen, hie für ihr Land kämtpien und sie hätten ihn ruhig zu den gestorbenen Brüdern seiner Ehre gebettet, wenn nicht ein Kamerad gerufen hätte:

Das ist ia Michael, der gespielt hat . .

Und über der Erinnerung an das kleine Instrument zögerten die Kameraden, die ihn aufhoben, einen Augenblick und sie schienen aus eigene Weise zu begreifen, daß diese verblichenen Lippen sich niemals mehr öffnen sollten. Einer von ihnen dachte: Wer hofft in der Heimat wohl, daß dieser Mund ihm wieder cntgegcnlacht, wem wird es das Herz brechen, daß er verstummt ist?

Wo hat er denn die Harmonika?" fragte einer, aber ein an­derer meinte, die müsse man ihm lassen. So ließ man sie ihm, und sie kam mit dem knoten unter den Rasen. Schließlich versagte ja ohnehin ein Ton, wenn es auch einer von den tiefen war, die man bei den alltäglichen Melodien für gewöhnlich nicht braucht.

Die Hagebutte.

Eine hauswirtschastliche Kriegsplanderei.

Bon L. Malte n.

Seitdem wir in so vielen Dingen, die das Kückenrcich beherr­schen, auf Neues gestoßen sind, ist es nicht zuletzt der Heimarboden, den» wir vieles abgewinnen. woran wir sonst machtlos oder nicht besonders achtungsvoll vorübergingen. Unter diesen Neuerun­gen dürste die Hagebutte in mancher Hausfrauen Kochtopf Ueber- raschungen bieten, die sie den kleinen gelbroten Aepfelchen garnicht zugetraut hätte.

Oft steht es draußen am Feldrain oder an Bergabhängen, wenn schon der Wintersturm um seine dornigen Zweige heult, und trotzt mit feuerrotem Kopf gegen Hagel und Sckmee. Keiner kümmert sich drum. Ein paar alte Mütterchen pflücken sie hier und dort, wo sie leicht erreichbar sind, und stoßen ihnen in langen Winterabenden, wo die Gartenarbeit ruht, mit einem harten Federkiel die haarigen Kerne ans dem rotgelben Leibe, legen die Hüllen zum Trocknen aus die Herdplatte und bringen sie in den Handel. Der Apotheker kauft sic. Ms Tee ausgebrüht ist es ein gutes heilsames Getränk. Sonst finden die Früchtchen nicht viel Liebhaber. Und doch sind sie nicht nur heilsam und zu jeder Zeit bekömmlich für den Organismus, sondern auch aromatisch und erfrischend, wenn sie gut zubereitet werden.

Die getrocknete Frucht gibt nicht nur den heilsamen Tec^ der die Nieren heilt und reinigt, sondern auch ein erfrischendes Som­mergetränk. Dazu werden die Früchte, die sehr ausgchen und ausgiebig sind, 24 Stunden in kaltem Wasser eingeweich. nach­dem sie selbstverständlich ziemlich oft heiß und kalt geivaschen wur den. Mit dem obigen Wasser iverden sie unter Beigabe von sein geschnittener Zitronen- und Apfelsinenschale, etivas Zitronensaft, wenig Zimt und Nelken sowie viel Zucker (1 Tassenkopf voll auf ein Achtel Pfund getrockneter Früchte auis Feuer gesetzt und gut durchgckocht. Dann wird die Prasse durch ein Sieb gerührt und erkalten gelassen. Man mischt sie mit Wasser oder halb Wasser halb Rotwein, was besonders sein schmeckt, auch der billige Avftl- ivein gibt eine schöne Mischung damit. Im Sommer auf Eis ge­kühlt ein gesundes und wohlschmeckendes Getränk.

Als Kompott ist zu empfehlen, die Früchte kürzer cinznichmoren und sofort ein Glas Rot- oder Apfelwein hinzuzufügen. Aeußerst gut schmeckt es, wenn einige gedörrte kalifornisthe Aprikosen mir eingeweicht und dann durchgeickmort werden. »Sie lassen den Zi Ironensast und die sonstigen Gewürze ebenso den Wcinzusatz ent­behren.

Am schönsten üi der Farbe und beioirder- aromatisch ist die Marmelade ans frischer» Hagebutten zubercitel, die sich besonders zur Füllung bei der Kuchen und Tortendäckerei verivenden läßt