Zurück zur Schotte.
öMman von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.) /
Hedwig merkte es wohl, aber sie kümmerte sich nicht darum, lieü sich von Thomas Hauschild den Hof machen und war überhaupt sehr vergnügt. Die Stadtkapelle, acht Mann hoch, mü aus der Galerie und spielte die Donauwellen. Beim drttten Gang erhob sich der Oberförster und brachte den alten Tamentocrlt aus. Er erzählte da von einem uralten HUnneklhünptling, der bei der Einnahme einer Burg alle Männer nmbringen und nur die Frauen leben ließ. Das lvollte denn der Oberförster auch tim und hob das Glas. Es war ein Kalauer. Doch von Kochalke erwartete keiner etwas anderes.
Alle Männer erhoben sich zu Ehren der Damen, sogar Moritz Gassel, der noch immer sehr andächtig aß, nur Karl Zdurotschin blieb sitzen. Das nahin ihni keiner iibel. Als sich aber die Wogen der Begeisterung gelegt hatten, stand Karl Zdurotschin auf, hob sein Glas und schrie zu August .Knorreek hinüber, den er nur dem Ansehen nach kannte: „Prost, Britzkawe soll leben!"
Moritz Gassel unterstützte ihn, und die Stydtkapelle m fiel ettt. August Knorreek trank Bescheid, obgleich er Karl Zdurotschm nicht sonderlich schätzte und er im stillen bedauerte, daß Moritz Gassel in diese Eksellschast geraten war. Auch Hedwig dankte für bxt außergewöhnliche Aufmerksamkeit, indem sie Moritz Gasjel freundlich zunickte und an ihrem Glase nippte. Besonders herzlich aber benahm sich Frau Knorreck, die mehrmals schnell hintereinander das Glas hob und dazwischen einen steinen Schluck trank. Thomas Hauschild dagegen inachte ein wütendes Gesicht und trommelte nervös aus dem Tischtuch.
Nim öffnete sich die kleine Bühne im Hintergrund, und der vierte Gang wurde serviert. Die Vorträge begannen. Ein langer, ungeschlachter Mann mit groben, weißbehandschuh- ten Händen und niedriger Stirn trat hinter die Rampe Mid solobeichtete den Anwesenden irgend einen tiefen Liebesschmerz im Bariton. Der Beifall war überwältigend Die Naiven klatschten aus Begeisterung und die Verständigen aus Spottlust. Der Künstler nahm das für Ernst lind streute noch zweimal das Gold seiner Kehle umher. Jetzt hüllten sich die Verständigen in eisiges Stillschweigen, und der Langer mit dem Blechorgan trat ab.
„Wer^war das?" fragte Moritz Gassel empört über diesen zweifelhaften Genuß.
„Der Gesangvereinsichuster!" gab Karl Zdurotschin
V ->DaS musikalische Genie von Zdurotschm. Belästigt er mich noch einmal, schicke ich ihn zur Strafe aufs Koikservallüium. Ich kann niir's ja leisten!"
Inzwischen hatte sich Thomas Hauschild von seinem Aerger erholt und begann mit Hedwig ein lebhaftes Gespräch über die Toiletten der anwesenden Damen. Hedwig hatte ein scharfes Auge dafür, und die Unterhaltung wurde immer angelegentlicher. Besonders von ferne sah es aus, als hätten die beiden ein Geheimnis miteinander. Karl Zdurotschin, der kein Auge von Hedwig ließ, stieg der Grimm in die Kehle.
„Wer ist der Schubiak, der neben ihr sitzt!" zischte er Moritz Gassel ins Ohr, wobei er ihn heftig in den Arm kniff. ^
„Thomas Hauschild heißt er, der Wirtschaftsgehilse."
„Haben die beiden was miteinander?"' knurrte Karl Zdurotschin böse.
Moritz Gassel steckte das dünnnste Gesicht auf, das ihm zur Verfügung stand. Diese Möglichkeit, daß sich zwischen Hedwig Knorreck und Thomas Hauschild etwas anspann!, hatte er noch gar nicht in Erwägung gezogen. Und er schaute verblüfft hinüber und nickte langsam. Allem Anschein nach hatten die beiden wirklich etwas miteinander!
„Den Kerl werd ich ausstechen!" schnaubte Karl Zdurotschin und schickte deu Kellner mit einer Flasche Sekt hinüber. Doch August Knorreck duldete nicht, daß Hedwig das Präsent anuahm, und schickte den Kellner wieder zurück.
„Weil du mich nicht vorgestellt hast!" schnaufte Karl Zdurotschin, wütend über den Korb, den er sich geholt hatte, und knuffte Moritz Gassel in die Flanke. „Sofort gehn wir hinüber!"
„Die Tafel wird ja gleich aufgehoben," beschwichtigte ihn Moritz Gassel, der sich, gesättigt, wieder mit seiner werteren Umgebung zu beschäftigen begann. „Dann macht sich dae ganz von selbst."
Doch diese Prophezeiung war verfrüht. Erst erschienen noch ein paar Spaßvögel, die die neuesten Eorrplets zum besten gaben, und die srdete Gerichtssitzung, in der sich der Gesangvereinssckplster als Tenorist gebärdete.
„Uff!" stöhnte Karl Zdurotschin und schob den Stuhl zurück.
Doch da kamen die drei Trinkgeldteller, einer für die Bedienung, der andere für die Küche und der dritte für die Musikanten. Moritz Gassel wurde dreißig Pfennig los, fünf Pfennig blieben ihm für eine Zigarre, und Karl Zdurotschin warf drei blanke Füuftnarkstücke, die er aus der Hosentasche tzog, auf die Nickelstiicke.
Jetzt hob der Oberförster die Tafel auf, indem er sich aufreckte und „Mahlzeit allerseits!" ries.
Die Tische wurden entfernt, der Pikkolo fuhr mit einem langen Besen über das Parkett, und die Stadtkapelle setzte mit einem.flotten Wal^r ein. Ehe Karl Zdurotschin, der einen jüngsten Freund Moritz Gassel wieder unter den Arm zefaßt hatte, aus der andern Seite des Saales war, flog Hedwig mit einem jungen Forstgehilfen im Kreise herum. Die Mutter zog sich mit ein paar Freundinnen in eine


