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schreit ungen begingen. Das Kvnzil zu Kastnitz vom Jahre 1.094 setzte deshalb fest, daß Pfingsten (ebenso wie Ostern) künftighin! nur noch drei Tage feiert werden solle. Diese dreitägige Feier bestand dann biS weit ms 18. Jahrhundert hinein. Friedrich II. von Preußen machte erst im Jahre 1779 den Anfang zu einer weiteren Herabsetzung der Mingstfeiertage aus zrvei. Mehr als ein halbe- Jahrhundert blieb Preußen das einzige Land mit einer zweitägigen Psingstseier, im Iochre 1831 aber trat das Königreich Hachsen der Anordnung Preußens bei. Schließlich gingen auch andere Landeskirchen dazu über.
* Der Pfingstochse. Neben seiner Bedeutung als kirchliches Fest war Pfingsten lange Zeit so recht das Fest der Hirten und der Landbevölkerung. Zu Pfingsten wurde daS Vieh zum ersten Male wicher auf die Weide getrieben, und die hinaus- ziehenden Ochsen. Kühe und Kälber erhielten allerlei. Puy von Blumen und irischem Grün. "Dieses Treiben abmten dann in den mittelalterlichen Städten auch die Metzaer nach. Da aber dort für ein großes Biehtreiben nicht so viel Play war. so begnügte sich jede Metzgerinnuug damit, am Pfingstfeste nur einen Dänen auszupuyen. Dieser wurde aber dafür um so bunter behängt. Alles an bunten Farben, ivas nur überhaupt aufzutreiben war, Flittergold, Blumen und grüne Zweiae wurden angehängt, und so ward das Tier umhergeführt uno schließlich auf dem Festplatz angebunden. So entstand das Wort vom Pfingstochsen, rn.it dem man setzt auch einen Menschen bezeichnet, der sich ausfallend bunt und unharmonisch herausstassierr hat. In den Städten ist h^ute der vierbeinige Pfingstochse nicht mehr anzutreffen, aber auf dem Lande ist vielfach die bunte Ausschmückung eines Ochsen zum Pfingstfest noch immer im Gebrauch. Namentlich die Bewohner einiger Bezirke Mecklenburgs putzen noch in jedem Jahre einen! Pfingstochsen aus.
* D t e Verluste der deutsch e*»» Aerzte im Kriege. Mehr als in früheren Kriegen werden heute die Aerzte, die unseren Truppen folgen, zum Op^er ihre- Berufes. Die moderne Kampfes- weise mit ihren langdauernden Gefechten zwingt die Aerzte sehr häufig, da man die Verwundeten nickt so lange liegen lassen kann, bis der Kampf beetibet ist, mitten im Jener sich uut die Versorgung jener zu kümmern. Die Verluststatistik stellt sich für die Aerzte nach de« ersten 200 Verlustliste»,, wie in der Zeitschrift für medizinische Fortbildung milgeteilt wird, im ganzen auf 608 Individuen, zu denen ' 6 Vermißte und 53 Gefangene gehören. Leicht verwundet umtoeit 220, sch,ver 66 Aerzte. Gefallen sind 120, infolge Krankheit verstorben 47. Tie Zivilärzte, die zum größten Teil in Lazaretten beschäftigt werden, haben die kleinste Derlustziffer, nä,nlich 16; die aktiven Militärärzte mit 210 die größte. Vor dem Kriege haben Chirurgen den Wunsch ausgesprochen, auf internationalem Wege Geiechtspausen -u vereinbaren, während derer die Aerzte sich der Verletzten anuehmen sollten. Damit würden die Aerzte geschont werden, aber auch daS Verbinden und die dringlicken Operationen an Verwundeten konnten exakter und sicherer auS- aeiührt werden, als dies unter dem Feuer möglich ist. Zweifellos ist dies eine gerechte Forderung, aber e< ist leider ebenso zweifellos, daß ihre Erfüllung in weiterer Ferne als je liegt.
* Don Papst Benedrkt XV. Erzählt ein Mitarbetter der .Sera' einig« interessante persönliche Züge: »Bor einigen TaKn kam Benedikt XV., ein wenig ermüdet durch eine lange Reihe von Audienzen mit ausländischen Diplomaten und Politikern, mit Franzosen, Belgiern. Deutschen, Engländern, Spaniern und Russen zurück. Mehrere Unterredungen hatten sehr lange gedauert; im Vorzimmer begegnete er einer Person, die ihn» seit der Zeit seines Episkopat- in Bologna sehr lieb war: er blieb stehen, hob lächelnd den Bologneser Edelmann, der niedergekniet war, auf und fragte ihn: »Sie haben doch häufig Gelegenheit, in das Ausland zu gehen, geben Sie uns einige Nachrichten. . . Was sagt man von unS?* „Ueberall/ antwortete der Gefragte, »hört man Beglückwünschungen wegen de- glücklichen AuSgangeS, den die Anregungen Etirer Heiligkeit besonders für den Austausch der verwundeten Gefangenen gO- nominen Habens Der Papst lächelte nicht mehr, ein Schatte»» von tieier Dra»,er überzog sei»» Gesicht, er machte eine unbestimmte Handbeivegung, und da»»»» jagte er: „ES »st wenig, eS lst zu we»»ig.
. Ich möchte etwas ganz anderes tun!" DaS Gespräch erlitt eine lauge und schmerzliche Pause, dann begann Benedikt XV. nach den letzten politischen Wahlen in Boloaua zu fragen, ließ sich über Einzelheiten unterrichten und äußerte seine Meinung . . . Es ,var schon spät, und der Papst begab sich zn seiner bescheidenen Tafel. Er bedient sich dabei niemals deS Fahrstuhls, u»n von dein Biblio- theksaale ztt den Wohnräutnen, die er in der letzten Loggia inne hat, hinauszugelangen. „Wem» ich alt sein »verde, »vill ich ihn benutzen/ sagte der Papst, und weist damit stets das Anerbieten, in den Fahrstuhl zu gehen, zurück. Er fühlt sich noch durchaus nicht alt: seine Arbeitskraft ist außerordentlich. Um 6 Uhr früh hält er die Messe und dann erteilt er bis nach 1 Uhr nachts eine Audienz nach der ander»», erledigt zahlretche Geschäfte u>»d studiert, arbeitet, diktiert Denkschriften, schreibt an Bischöfe, an Diplon»ateu, an Herrscher in ausgezeichnetem Italienisch, Französisch und Latein. Seine Tafel ist sparsam und bescheiden, und er nimmt seine Mahlzeiten allein ein; vom ersten Tage ab gab er die Gewohnheit, mit seinem Irenen Monsignore Migone z», speisen, auf. Von dem Augenblick ab, in de»n die Frage an ihn gerichtet wurde. bis zu
dein Augenblick, in dem er sein stolze- .Accepto* anttvortete, schien eine Ewigkeit vergangen : der einsame und etwas reizbare ttgurtsche Marchese, der asketische Erzbischof von Bologna ist der unnahbare Herrscher der Geister geworden und entzieht seine schlichte menschliche Gestalt jedem Blicke *
* Fort mit dem jungen Mann hintern» Ladentisch. Die Freiivilltgkeit der Rekrutierung vot» Lord Kttchene»- Heer nimmt allmählich merkwürdige Formen an. In vielen Fällen wird der Zwang, und nicht einmal ein sehr sanster, immer fühlbarer. Besonders ist die Londoner Presse unermüdlich in der Aufspürung neuer Stellen, an die die jungen Männer — nicht hin- gehören. Am meiste,» haben sie es aus de,» jungen Mann hinterm Ladentisch abgesehen. „ES ist keine Ausgabe für einen jungen Mann in Kriegszeiten, Bänder a»»S de»» Fachern in einem Lade»» zu reichen/ erklärt dte »Daily Mail* kategorisch und weist sogar aus die Deutschen als Vorbild hin, bei dene»» daS nicht »»»ögltch wäre. Die „Times' aber schickt eine Mitarbeiterin durch die Ge- schästsgegeuden, besonders im Westen der Stadt, »»nd läßt gena»» nachrechnen, »vievtei junge Männer noch in de»» verschiedenen Geschäftszweigen sich hinter dem Ladentisch betätigen. Die Ergebnisse sind sehr verschieden. I»n' ganze»» stellt die Dan,e fest, daß daß eine sehr große Zahl alter Männer a>» die Arbeitsstätte»» zurückgerusen ist »»nd daß eine verhältnismäßig fletne Zahl von Frauen an Stellen gekommen ist, tvo »na» sie früher vergeblich gesucht hätte, besonders in Juwelen- und Seidengeschästen. ES ivird gewissenhaft gebucht, daß bei einem großen Juwelier in Bond-Street nur drei Männer in dieuftfälügen» Alter »oaren, die aber nicht sehr kräftig auSsahen. Schlimm aber steht eS in einer Anzahl Geschäften, dte mit Teppichen, rnit Kuchenutenstlien, Klaviere»», Wasche »tsw. handeln; denn in ihnen sah die Datne säst nur junge Mänt»er, di» Kitchener unbedingt gebraucht hätte J>» einen» Laden, in den» ein junger Mann Schirme verkaufte, bot er einer Käuferin ein Exemplar mit den Worten an: „Dieses Muster hetgt »La Mililaire*, gnädige Fraul* Die Dame ,sandte sich verachtungsvoll ab, „Warum versuchen Sie den militärische»» Stil nicht selbst?" fragte sie und ließ den jungen Manu stehen. Hervorgehoben wird auch, daß die jungen Damen, die in den Geschäften tätig sind, sehr gute Rekruiierungsarbeit geleistet haben, indem sie nämlich ihre männlichen Kollege»» nicht schonten. DaS kann man ganz g»,t verstehen. . .
vüchertlsch.
— KriegSluftschifse und KrjegSflugzeuge. Der Verlag des Taschenbuches der Luftflotten hat soeben etn Werk herausgegeben, daS vorzüglich geeignet ist, an Hand von gute,» Abbildungen auftlärend über die Luftwaffe zu wirken. (KriegS- luftschtffe und KriegSflugzeuge der verschiedenen Staaten. 66 Bilder zur Feststellung von Luftschiffen und Flugzeugen. I. F. Lehmann- Verlag Mütichen. Preis Mk. 1.20.) Das Werk enthält alle Luftschiff- und Flugzeugtypeu der kriegführenden Staaten, so»vie auch der neutralen. Bei den L»»slschiffen sind auch Angaben gemacht über Nauinmhalt, Geschwindigkeit, Längedurchmejser imb Motoreu- kräste; beigegeben sind auch für das Erkenuen höchst zweckmäßige Schattenrisse.
"19 14. E i»» T a g e b u ch. DaS ne»»este Heft von Professor Eduard Engels i,n Erscheinen begriffenem, schnell allgemein bekannt gewordenem kriegsgeschichtlichen» Werk „1914. Ei« Tagebuch" (George Westermann, Braunschweig, Berlin, Hamburg) enthält folgende bemerkenswerte Ausführung : Ich lese in eine»»» Vortrag deS Wiener Professors L. M. Hartmann „Krieg in der Weltgeschichte über den Lohn des Krieges: „Dieser Lohn kann aber nicht in Eroberungen bestehen und in der Vrrknechtung anderer Völker. Unser Ziel ist ein weit höheres. Wir erwarten nach den vielen Antithesen dia-Synthese, nach de», Peripetien der Kriege die Katharsis.' — Daß »ch das Heit in den Papierkorb für die Katharsis »verfe, ist dar wenigste: leider ist mir durch diesen Basel dle gute Laune für den Rest de- Tages verdorben. Ach ja, die deutsche Katharsis —! _
Kann das Spiel verloren gehen, »venn noch Earreau-Äß und -König, also 15 Augen, im Skat liegen?
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des LogogriphS in voriger Nummert Laub, taub.
Schriftleitung: Aug. Dort». - Rotationsdruck imb Verlag der Brühl'fchen NniversitätS-Buck- «nd Eteindkuckerei. R. Lange. Gießen


