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Und endlich drehte und riß
ruhiger, begann zu überlegen . . uno t*n»uu, mtw uHu sie mit iittnnbciiJStnflrrw an bem .^ngevost^n^enfterschSlotz. «
güb nickt nach 1a lauschte sie mit angehaltenem Atem itKir still, niemand schien ün Hof zu sein.
Mit einen: kurzen Schlag zertrümmerte sie die Scheibe.
Land blutete: sie achtete es nicht. Vorsichtig streckte sie den zwischen den zackigen Glasrrsten hindurch, spähte mit nM offen« Lugen in den dunkeln Hof . . . Tann verbuchte fte sich durch den engen Fensterrahmen zu zwängen — lange wollte eS nicht gelingen, die Scherben zerfetzten ihre Kleider, verwundeten ste am Gesickst und an den Armen . . . Immer wieder und ivieder . . .
Endlich — fast hätte sie einen Jubelschrei ausgcstoßen — endlich gelang es ihr. die Füße voran, aus dem engen Gelaß zu schlüpfen: vorsichtig ließ sie sich an der niedrigen Mauer hinab, ihre Füße fühlten weichen Hoden — sie stand im Schlamm des
Hvfes. .
Da war es ihr, als vernehme sie tastende Schritte im $)aujc. Ihr Herz klopfte ihr bis in den Hals hinauf. Durch die Hintertür schlich sie sich leise in den schmalen Flur, flüsternde Stimmen kamen aus der Küche, der Riegel klirrte sachte.. .
Hastig kletterte sie die Treppe hinaus, lief mit im Dunkel tappeüden Schritten in die Kammer des Soldaten, warf einen ^tuhl um... Der Soldat regte sich nicht.
.Lieber, guter Gott!" dachte das Mädchen. „Ist er am End'
schon toi?" . __ , r . ti .
Sie tastete mit der Hand über das Bett, obwohl sie ein ekles Grauen schüttelte in der Furcht, in geronnenes Blut $u greifen ... Ter Soldat regte sich unter ihrer Hand, atmete tiefer
„Schnell, schnell, rvachet auf, lieber Herr Soldat!" wisperte sie ganz dicht an seinem Ohr. „Sie wollen Eiuh umbringen'.
Er fuhr verwirrt in die Höhe, stammelte noch l)alb aus dem Schlaf heraus: „Wer, was gibtS?^ ^
Schon warm die Schritte der Mörder auf der Treppe zu hören.
Als Fernand Beaugard katzenhaft in- Zimmer geschlichm kam. empfing ihn ein heller Feuerstrahl: gurgelnd brach er zusammen.
Zu gleicher Zeit belebte sich die Straße: schreiende Stimmen mischten sich mit dem Geheul ertappter Menschen. In dm Häusern, in bfnrn die haßvollm Bauern den deunäsen Soldatm anS Leben geivollt hatten, war großes Jammern und Wehklagen: nur einigen war es gelungm, die SÄafenden zu überrumpeln. Die andern wurden teils auf der Stelle erschossm oder niedcrgeschlagm, teils gebunden unb in Sicherheit gebracht.
„Mein liebe- Mädel, mein liebes Mädel!" konnte der gerettets Soldat in der Kammer des toten Fernand Beaugard nur immer stammeln, während er erschöpft auf dem Bette saß.
Er ließ die kleine Ivsine die ganze Nacht nichts von sich, und am andern Tage tat er alle-, uni dem \ “
vor der Mutter nicht sehm lassm durfte tu schaffen.
Zwei Tage später aber — die Infanterie blieb eine Woche in dem Dörfchen liegm — traf e- sich. daß eine Abteilung Leichtverwundeter in die Heimat abgefüHrt wurde. Einem von ihnen, der au- seinem Stwtchen stammte, konnte del deutsch» Soldat seinen Schützling übergeben, daß er ihn bei seiner Frau abliefern
,/Sag der kleinm Elisabeth," rief er dem Kinde nach nachdem er ihm mit Tränm m den Augen -um letztenmal die Wangen aeüreichelt und geküßt hatte, „daß du jetzt ihr Feine- Schwester! bist, und daß sie dich gar lieb habm soll, weil du doch ihrem lieben Papa ba« Leben gerettet hast."
gehetzten Kinde, Mg sich >, Unterkunft und Schutz
vermischter.
* Tie Tulpenblüte. Prächtige Tulpenbeete zierm jetzt trotz der schweren Krieg-zeit die öffentlichm Plätze, Anlagm und Gärten. Man mache uns deswegen nicht dm Vorwurf der Verschwendung. Unsere Gärtner verfügen über eine Unmasse von Tulpenzwiebeln, und diese müssen verbraucht werden. Der herrlich« Blütenflor des erstm Frühling- erfrmt ganz besonder- unser Auge und unser Herz, und namentlich unserm Benvundeten, die fern von den Kriegsschauplätzen ihrer Genesung entgegengehen, ist der Anblick all dieser Blütenpracht von Herzen zu gönnen. Tis Tulpe ist, seitdem sie im 16. Jahrhundert nach Mitteleuropa gekommen ist, eine unserer bevorzugtesten Frühlingsblumen, weil sie zu den ersten gehört, die tm Freien ihre wunderschönm Kelche entfalten. Die Herrlichkeit ihrer Blüte dauert zwar nur kurze Zeit: inzwischen sind aber viele andere liebliche Kinder de- Frühlings zum Blichen gekommm, sodaß wir dann reichlichm Ersatz für sie finden. Einst gab es eine Zeit, wo eine wahre Tulpenraserei einen großen Teil Europas erfaßt hatte: es war die Aera des im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts aufgekommenen Tulpenschwindels. der von Holland ausgegangen rvar. Tie Rückwirkungen des Krach'S taten erklärlicherweise der Beliebtheit der Blume er- l-eblichen Eintrag, sie ist aber niemals bei uns in Vergessenheit
geraten. Jetzt spielt sie auch als Schnittblume den ganzen Winter hiickurch eine hervorragende Rolle. Wir erinnern uns freudig und dankbar daran, daß wir diese herrliche Frühlingsblüte unserm tapferm Bundesgeiwssen, den Türken verdanken, die im Verein mit uns und den tapferen Oesterreichern dm schweren Kampf gegen die Truppen der Ententemächte zu bestehm haben. Bor dep Festsetzung der Türken in Europa kannte unser Erdteil die Tulpe nicht. Diese ist die Lieblingsblume der Türkm und ist in deren Heimat, in dm dürren, sonnigen Gefilden Turkcstans zu Hause; die Blume folgte den Türken aus allen ihrm SiegeSzügm und kam so auch nach Konstantinopel. Bon dort wandertc sie nach Italien und nach dem übrigen Europa. Sie heißt bei dm Türkm Tülbent oder Dulbaut: diesen Namen führt auch die bekannte frühere Kopfbedeckung der Türken, die später durch den Fez verdrängt wurde und die »vir Turban nmnen. Wegen der turban- ähnlichen Form ihrer Blüte hat die Pflanze von dm Türkm ihren Namen erhalten. Bei Lessing heißt die türkische Kopfbedeckung „Tulban" nick bei Goethe „Tulbend": diese Bezeichnung und der Name „Dulipan", dm die Tulpe früher bei uns führte, legen uns ebenfalls den Zusammenhang zwischen Turban unb Tulpe nahe. Die Türkm sind sehr große Blumenfreunde: sie brachten auch noch manche andere, bisher in Europa unbekannt gewesene Gewächse nach Europa. Unter diesen spielt neben der Tulpe der herrlich duftende Flieder die hervorragendste Rolle, der den Türkm zu Ehren auch hellte noch vielfach „türkischer Flieder" genannt lvird. Tie Türkm sind keinesnngs die Kultur- feiirde, als die sie früher immer dargestellt wurden. Sie haben; der europäischen Kultur manchen Fortschritt vermittelt: ganz
besonders aber müssm wir ihnm danken, daß sie die Tulpe und dm Flieder sowie noch manche andere Frühlingsblüten nach Europa gebracht habm, die ganz wesentlich dazu beigetragen habm, di« Blütenpracht unseres Frühlings zu erhöhm und zu verschönm.
vüchertisch.
O Delhagen L K lafingS Volksbücher (Vielefeld und Leipzig, Verlag von Velhagen & Klasing. Jeder Band 60 Pfg.) widinen den neuesten Band dem Generalfeldmasschall v. Hindenburg. Der Verfasser des BuckeS, Richard Schott, hat es verstanden, auf dem knappen Raum ein erschöpfende« klares LebeuSbild unseres großen FeldmarfchallS zu zeichnen, daS. in einem ,varmen patriotischen Herzen entsta«lden. z»t allen deutschen Herren sprechen wird. Tie Darstellung begleiten viele interessante Btloer auS dem militärischen und häirslichen Leihen deS großen Feldherrn. — Diesem Bande schließen sich drei weiter« an: Dr. Paul W e g l in stellt unter dein Titel „Unsere Feinde unter s t ch' eine Anzahl von Karikaturen auS englischen und französischen Witzblättern zusammen, die recht deutlich erweisen, wie ln, Grunde unsere Feinde voneinander denken und wie rein äußerlich ihr jetzige- Bündns- tft. — Dem Gedächtnis der L00jährigen Wiederkehr de« 30. April 1416, an dem Friedrich I. von Hohenzollern erster Kurfürst von Brandenburg wurde, widmet Prozessor Dr. Otto Kraust» einen reich illustrierten Aussatz „Hohenzollern und die Mark Brandenburgs, der allen Freunden vaterländischer Geschichte viel Belehrung bieten wird. — Zum Schluß entwirft Dr. Martin I a c o b i m dem Bande „FelixMendel-soh n-B artholdy* eine kurz, Leben-skizze de- melooienreichen Komponisten, dessen von deutschem Geiste erfüllte Lieder jetzt wieder im Frühling-walde überall erschallen. Auch diesen Band schmücken viele vortreffliche Abbildungen. _
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Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Ergänzungsrätsel- in voriger Nummexr Jugend. Rausch und Liebe sind Gleich drei schönen Frühlingstagen,'
Statt um ihre Flucht zu klagen,
Herz, genieße sie geschwind!
Sckriftleitnna: Aua. Goetz. - Rotationsdruck und Verlas der Brübl'schen UniversitälS-Buch- und Steindruckerei. R. Lgnae. Gießen


