Ausgabe 
19.5.1915
 
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August Knorreck hpb hilflos die Schultern.

Wollen Sie mir die Einladung besorgend Wenn der Herr Baron befehleu?" würgte der In­spektor heraus.

Schön, mein lieber Knorreck. Jetzt fangen Sie endlich an, klein beizugeben. Me diese sogenannten Standesunter­schiede sind für den wahrhaft freien Menschen lächerlich. Nicht die Geburt mach-t's, sondern das Können! Ich zum Beispiel bin gegen Sie in der lieben Landwirtschaft ein Schuljunge. Also lassen Sie Ihre Vorurteile und geben .Sie nie inen Wunsch an das Komitee."

Der Herr Baron bestehen darauf?" fragte August Knorreck, ohne vom Platze zu weichen.

Was soll das?" sprach Fritz von Winkelberg ver­wundert.Wir sind doch einigt

Wenn der Herr Baron daraus bestehen," erwiderte der Inspektor und atmete schwer,dann darf ich an diesem Feste nicht teilnehmen!"

Der Baron fuhr aus dem Stuhle empor, aber sein Widerstand war schon gebrochen.

Sie sind ein Tyrann, Knorreck!" sprach er leise, in­dem er sich wieder in den Stuhl fallen ließ.Sie tyranni? sieren nicht nur glich, sondern auch Ihre Familie. Ich werde an diesem Feste nicht teilnehmen/

Dem Inspektor entfuhr ein Seufzer der Erleichterung, als er die Treppe hinabstieg. Fritz von Winkelberg wandte sich wieder seinem Briefe zu, doch die Lust, ihn zu Ende zu bringen, war ihm vergangen. Er schloß ihn weg und suchte zeitiger als sonst sein Lager auf.

Acht Tage später trat Tauwetter ein. und August Kuor- ^kck ließ das Vieh von Zdurotschiu holen. Eine zahlreiche Herde Kühe und Ochsen wurde im langsamen Schritt durch den Wald getrieben. Daniel Zpuppack ging voran und knallte mit der Peitsche. Das gefiel ihm schon besser, als geben dem Düngerfuder herzulaufen. Am Abend stand die Herde im sichern Stall. Ein paar Tage später kamen die Sch^vse an. Der Schwei ne tra nsp ckN, der am letzten Sams­tag des Januars eintras, wurde von dem alten Abraham persönlich geleitet. Endlich fanden sich auch die Hühner, Panse, Enten und Tauben ein. Frau Knorreck und Hehwiä hatten alle Hände voll zu tun, und der Baron fand in dieser ganzen Zeit nicht die nötige Sammlung, den an- .esangenen Brief zu vollenden. Fr mußte sich damit be- lnugen. wre er schon vorher getan hatte, dem Briefträger >tn und wieder ein kurzes Telegramm, das nichts anderes - unverständliche englische Wörter enthielt, für

as Postamt m Luschelau mitzugeben.

Am Montag vor dem dreizehnten Februar, der auf enlen Samstag fiel, war das ganze große Gut Britzkawe Wteder im vollen Betrieb, dank der Rührigkeit des alten Abrahams. Auf dem Tauhenschlage gurrten die Tauben, ein großer Hofhund lag hinter dem Lore in seiner Hütte Und knurrte jchen an, deii er nicht kannte. Die Kühe brüll­ten, die Schafe blökten, die Schweine grunzten, und auf dem wachsenden Dungerberg scharrte unermüdlich das Ldhnervolk. Nur das Herrenhaus lag da wie tot. Bis auf drei, Fenster, dle nach dem Ho's gingen und hinter d'e beiden Zimmer des Barons lagen, waren alle Laden fest verschlossen. Sogar von Ratten und Mäusen war

Peter, der schwarz Kater, der d^' Menschen wieder enigefundei, hatte, mußte sein« Jagdlich im Parke an Spatzen und Meisen befriedigen.

s^in der alte Abraham zum ersten- ba l er sich gekauft batte, vor das Jnspektorhaus geklappert. Die alten Aufträge waren er- Ä .wollte er die Karpfenteiche haben August Knorr­

ig steckte ein murrnches Gesicht auf und schien schlecht zu büren. Aber der alle Abraham konnte um so besser «den Wir haben Tauwetter, Herr Knorreck!" rief er laut ük«h7upf'mch7mehr"^' E' dann nehm ich sie

si» ,nm «

^"orreL, ich dank auch schön!" bettelte er SV fi xf t f mcrben nicht mit einem andern ansangen,

& ^ut bedient habe. Schicken Sie mir doch die W\ld) nach Sulttsch und auch die Butter. Ich geb Ihnen

krieaen Pfennig mehr, als Sie in Zdurotschin

brauchen sie nur nach Luschelau zum ersten Luge zu liefern. Und wenn Sie muh irgendwo empfehlen

können, daun tun Sie's, ich bitte Sie darum. Jck> mach jetzt die größten Sachen."

knurrte ihn August Knorreck an, der plötz- jich an das goldene Halskettlein denken mußte, wandte sich ÜMg ins Haus. Der alte Abrahain aber zog höf­lich die Mütze und klapperte mit seinein Wägelchen eiligst das Dorf hinunter, um gleich morgen früh den beiden Teichen auf den Leib zu rücken. Sonst froren sie am Ende üneder zu. Hedwig saß am Fenster uno nähte, als der Vater rn die Stube trat. Er steckte die Pfeife an und schob sich in de So flecke. Schweigend paffte er dicke Schwaden vor sich hm. Bei ledeni Zuge gab er einen tiefen Brummlaut von sich, den er nur hören ließ, wenn er mit sich zufrieden war. Dann wollte er gefragt werden. Hsdwig ließ die Nadel ruhen, hyb den Kopf und sah ihn an.

. ^3^!" meinte er, und zog stärker an der Pfeife, daß

der dicke J^nafm wie weiße Haufenjvotken feisten Kops um­wogte.So pett wäveü wir nun'"

Was sehtt denn poch?" frag Barteststein und LevisohU m'

Ist denn, das so schwer?"

Das wut ich cheinen?" kngly Geld, ist heutzutage teuer, und

*&«*

Da stieß sie einen Seufzer über ihre Arbeit.

VIII.

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nzufrjeden,Das eil sind nicht da." engte sich eifriger

^oritzEGassel, der noch immer nur Lehrersteltvertreter war, sd)loßwnl^Samstag, den dreizehnten Februar, mittags ein Uhr den Schul sch rank, seufzte erleichtert auf lind ent­ließ die Kinder. Unter frohem Lärm verloren sie sich das Torf hinauf und hinunter. Moritz Gaffel gab grundsätzlich keine häuslichen Arbeiten auf. Dänn stellte er sich vor den Spirituskocher und bereitete sich recht und schlecht ein Mittagessen. Darin besaß er schon einige Uebung. Denn bei emeni monatlichen Gehalt von fünfzig Mark konnte er sich nur an Sonntagen den Luxus gestatten, bei Franz Wiegelt im Gasthaus zu speisen.

Während er jyi der saftigen 'Schweinsrippe herunr- nagte, die von einem bäuerlichen Schlachtfest den Weg ins Schulhaus gefunden hatte, überlegte er langsam, ob er den Fastnachtsball in Zdurotschin mitmachen sollte. Das unt allerhand Ausgaben verknüpft. Um das Festessen mU Weinzwang konnte man sich schließlich herumdrücken, doch den Truikgeldteslern, die späterhin herum gereicht wur­den, war weniger leicht zu entfliehen.

~ VH P Q f ^schirr ab Und zog sein Portemonnaie. Seclnig Psennrg laa^n drin. Und dabei war der Monat erst mr Halste herum. Es gehörte sehr viel Mut dazu, mit sechzig Pfennigen rn der Tasche auf einen Fastnachtshalt zu gehen' Zwar lagen rm Schrank nock) siebenhundert Mark in guten kterchsbgnknoten. Doch dieses Geld hatte er für die Verbesse­rung des Schulgartens bestimmt. Zeder Pfenniq war genau verrechnet. Aber der Bgll lockte stark. Der Gedanke, mit Hedwig Knorreck einen Walzer tanken zu dürfen, schwächte ^.^fahren, die seinem Geldbeutel lauerten, bedeutend ab das Merkwürdigste dabei war, daß Moritz Gaffel über­haupt nicht Watzer tanzen konnte. Darin lebte er in einer ^ronimen Täuschung. Er holte sein kohlrabenschwarzes Pril, nngsröcklein aus dem Schrank und besichtigte es genau-. Doch er wagte nrcht, es anzuziehe». Das Gefühl de? Ber- an Wartung war zu groß. Und so suchte er nach Hilfe. Er schloß die Haustnr und ging zun, katholischen >ohcgen hinüber nnt dem er gute Nachbarschaft hielt und von er toußte, > daß auch er erne Einladung erhalten hatte. Sebalduv Pohl legte den Rosenkranz weg, das lat er immer

willkommen'^ ä " ' r,m I,crthltrcit ' und hieß Moritz Gasse!

,Sehen Sie mit nach Zdurotschin?" fragte er.

Pohk, dessen salbunaz. volle Sprechweise zu seiner hageren Figur und seinen Ze-

K'b'T"lie^7K°M..'E'u- Mk d°r Mttlnst ab-

Moritz Gaffel gab einen Brnmmlaut von sich und sah us dem Tische eme Postkarte liegen, deren Schrift chin k^r^btckannt vorkam. Er machte einen langen Hals und las

Ist das nicht der Hupfer?" fragte er neugierig,. Jawohl!" erwiderte Sebaldus Pohl und nahm die arr sich.Das ist Herr Schiilrat Hupfer."

Mas schreibt er Jhirett denn?"

(Fortsetzung folgt.)

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