Lurück zur Scholle.
Roman von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Fritz von Winkelberg hatte sich's unterdessen in der warmen Sosaecke gemütlich gemacht und schaute mit stiller Freude auf Hedwig, die sich endlich vor den Spiegel gewagt hatte.
„Das mußt du zum Ball umhängen!" riet die glückliche Mutter
„Ball?" fragte erstaunt der Baron. „Hier in Britz- kawe?"
„Oh, nein!" lachte Hebung t-ell auf und holte vom Spiegeltisch eine kleine goldigeränderte Karte. „In Zdu- rotschin. Wir haben heut morgen die Einladung bekommen."
„Einladung für bett Fastnachtsball in ^durotschin," las Fritz von Winlelberg ihalblaut vor sich hin. „Hotel zur Sonne. Sonnabend, den dreizehnten Febritar. Tafel, Tanz. Das Komitee."
„Das ist der Oberförster Kochalke," erklärte Frau Knorreck. „Der arrangiert das ganz allem."
„Da ist's wohl immer sehr gemütlich?" fragte der Baron.
„Sehr!" sprach Frau Knorr eck mit SLachdruck. „Hedwig freut sich schon seit Weihnachten darauf."
„Aber Mama!" verteidigte die sich heftig. „Das interessiert doch den Herrn Baron nicht."
„Vielleicht doch!" warf Fritz von Winkelberg ein und wandte sich wieder an die mitteilsamere Mutter. „Wer kommt alles dahin?"
„Förster und Wirtschajtsbeamte und Lehrer und bessere Landwirte."
„So?" ries der Baron gedehnt. „Also auch bessere Landwirte? Weshalb habe ich keine Einladung erhalten?"
Hedwig machte ein? scharfe Wendung und schaute chn überrascht an.
„Mer, Herr Baron!" rief Frau Knorreck einigermaßen erschreckt und faltete die Hände. „Das ist doch nicht gut möglich!"
„Weshalb nicht?" fragte er eigensinnig. „Meinen 2ie, daß ich nicht zuweilen das Bedürfnis Habe, mich unter fröhlichen Menscheil zu bewegen? Können Sie mir einen einzigen Grund sagen, wedhalb ich an diesem Feste nicht teilnehmen sollte?"
Frau Knorreck schwieg: im stillen gab sie ihm recht.
„Vater wird es nicht lvollen!" erwiderte Hedwig bestimmt.
„Ich werde mit ihn: sprechen?" ries Fritz von Winkelberg, stand aus und verließ mit leichten! Grus; das Zimmer.
„Das ist unmöglich!" stieß .Hedwig unwillig heraus.
„Soll er vielleicht mit dem Kochalke Brüderschaft trinken? Das bleibt doch keinem erspart."
„Mer, wenn er durchaus will, Hedwig!" sprach die Mutter ergeben.
„Dann bleib ich hier!" rief Hedwig entschlossen.
Und die gute Mutter schlug wieder einmal entsetzt die Hände zusammen.
Fritz von Winkelberg suchte seinen Inspektor, konnte ihn aber nicht finden, denn er war ins Dorf gegangen. Thomas Hauschild, der noch immer bewundernd vor den Wallachen stand, erbot sich, ihn zu holen. Doch er fand ihn nicht sobald, denn er suchte Um nur bei Franz Wiegelt. Wo anders zu suchen, hielt der Gehilfe für zwecklos. Auch mußte er schnell noch ein paar Partien Sechsundsechzig spielen.
Inzwischen saß der Baron an seinem Schreibtische und hatte einen leeren Briefbogen vor sich liegen. Doch die Gedanken flatterten ihm immer wieder davon. Während er vor sich hrnsann, vertieften sich die kleinen, scharfen Fältchen an seinen Augenwinkeln. Müde sank ihm die Stirn in die Hand. Er legte die Feder hin und schloß die Augen. Und allmählich kam über ihn eine stille, sanfte, wehmütige Ruhe. Das rastlose Hetzen und Treiben der letzten Wochen versank vor seinem Blick, die dunklen Erinnerungen an seine Jugendzeit verblaßten, und er sah und genoß nur noch das reine, ungetrübte Menschenglück, das ihm drüben über dem Wasser blühte, und das er bald, bald herttberholen wollte, um es fest in seine Heimaz zu pflanzen. Heimat! Jetzt endlich hat dieses Wort für ihn einen tröstenden Klang.
Und nun konnte er schreiben. Hastig, mit kräftigem Scbwung und scharfen, steilen Wendungen eilte die Feder über das Papier. Doch er wurde gestört. Ehe die erste Seite gefüllt war, trat August Knorreck herein.
„Der Herr Baron wünschen mich zu sprechen?"
„Richtig!" fuhr Fritz von Winkelberg aus und sah sich lötzlich in die Wirklichkeit zurückversetzt. „Ich hätte wohl ust, den Fastnachtsbalt in Zdurotschin mitzumachen. Sie finden das natürlich sehr unpassend, ich weiß es. Trotzdem werde ich mich nicht abhalten lassen? Können Sie mir eine Einladung verschaffen?"
Der Inspektor rührte sich nicht vom Flecke und tat den Mund nicht auf.
„Nun, wie denken Sie darüber?"
„Wenn der Herr Baron das Bedürfnis nach Gesellschaft haben, so könnten der Herr Baron bei den benachbarten Herrschaften Besuche machen."
„Und das muten Sie mir zu, Knorreck? Diese benack)- barten Herrschaften haben vor dreizehn Jahren keine Gelegenheit versäumt, mich bei meinem Vater auzusckpvärzen und Steine aus mich zu werfen. Aus dem Kreise dieser benachbarter Herrschaften stammt jenes Weib, meine vielgeliebte Stiefmutter! Vielleicht habe ich das Glück, frc bei einem dieser Besuche zu treffen. Was raten Sie mir für diesen Fall? Soll ich sie ignorieren, oder soll ich ihr demütig die .Hand küssen/"
*


