Ausgabe 
17.5.1915
 
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gnädige Frau, denn

Der Chauffeur erwiderter Es ist doch besser, daß ich Sie begleite,

#0 treibt sich hier allerhand Volk herum."

Doch jetzt toollte die junge Frau ihre Tapferkeit beweisen. Nein, nein, warten Sie nur," und nachdem sie die Ackev- Loahe ein Stückchen heruntergegangen war, bog sie in eilte enge Gasse ein.

Nie hatte sie etwas Aehnliches erblickt. Trotz der beginnenden nrelhert sah sie noch genug, um das Elend, das hier herrschte, erkennen. Blasse, schmutzige Kinder spielten vor den Häusern .her, und nach der Merrge zu urteilen, mutzte jede Familie anzig Nachkommen haben. Ein ettva fünfzehnjähriger Bursche and vor einem solchen Kinderknäuel und, die Hände in den Taschen, einen Zigarrenstummel zwischen den gelben Zähnen, betrachtete er die Dame mit frechen Blicken.

iAber sie ging ruhia auf chin zu.

-Wissen Sie, wo Frau Manzke wvhnt?"

Sie hatte in so bestimmtem Ton gefragt, daß er verblüfft war und^ schweigend auf die geöffnete Haustür des naben Hauses zeigte. Sie trat ein, es war dunkel; tastend ging sie eine Treppe herauf, und als sie hinter den Türen, die sich in dem ersten Stock­werk befanden, Stimmen hörte, rief sie so laut sie konnte:

Frau Manzke, wohnt hier vielleicht Frau Manzke?"

Eine der Türen öffnete sich.

Hier wohnt sie, kommen Sie 'rein, na los doch, wenn ich eS Ihnen sage." i

Tie TaMe trat ein und blieb entsetzt am Eingang stehen. Die Hängelampe, die geblakt hatte, verbreitete einen fÜrcKerlichen Ge­such, in den sich Zwiebeldunst mischte, der von dem Herd in der Ecke herkam. Auf dem Fußboden wälzten sich etwa ein Dutzend Kinder balgend umher.

In einem Winkel satz ein alter Mann an einem Tisch und drehte sich nach der Eintretenden um. Mitten tm Zimmer thronte auf einem Strohsessel eine große, dicke Frau mit weißen Haaren. D4e Augen hinter der großen Brille waren so beweglich wie ihre Hände, die eifrig an einem Strickftrunrpf hantierten.

'Frau Manzke?" wiederholte mit schwacher Stimme die junge Frau, deren Mut mit jeder Sekunde mehr wich

T-as bin ich, und wer sind Sie?"

DaS Riesenweib fixierte die Besucherin durch die dicken Brillen­gläser.

Weshalb kommen Sie? Drei sind schon hier gewesen. Ich will nichts haben, sage ich Ihnen. Tas ist doch wirklich toll, daß man srch um die Leute kümmert, wenn sie es gar nicht wünschen. Frau Manzke braucht niemand. Tas ist in der ganzen Gegend be­kannt."

Tu weißt doch noch nicht, was sie will. Warte, bis sie eS sagt," brummte der Alte aus seinem Winkel heraus.

.. >,Stecke deine Nase nicht in alles . . . Mso junge Frau, waS ist Lös " begann die Ute und setzte eine würdige Miene aus.

>.Jch komme aus folgendenl Grund:"

Tie junge Frau sprach in entschiedenem Tone, ste war wieder ganz tapfer geworden.

. ,^)ch besuche Sie, um Ihnen zu danken. Ihr Sohn hat vor Argen Tagen meinem Manne in einem Gefecht das Leben ge­rettet."

Einige Sekunden herrschte Schweigen,- das Gesicht der Alten hatte einen anderen Ausdruck angenommen.

,Hch bin doch wirklich 'ne Giftnudel. Ta fall' ich über Sie Wi obne daß ich weiß- was Sie wollen. Mer so bin ich durch Min Geschäft aeroorden, ich hatte nänüich früher 'nen Stand in der Markthalle. Mso waö sagen Sie von Ihrem Mann^'

Er ist Hauptmann, Hanptmann von Carlsen. Wir sind zwei Jahre verheiratet Soeben habe ich eine Karte von ihm bekonv- wen. Ern paar Worte mit dem Bleistift geschrieben. Er hat ge- fürchtet, daß ich von anderer Seite erfahren könnte, was gescheKn "lchts Näheres, nur daß er in Gefahr war. Und da wollte ich Ihnen danken, weil Ihr Sohst ihnr da- Leben gerettet hat. Lieber Gott, ohne Ihren Sohn ..."

Bet dem entsetzlichen Gedanken brach sie in Schluchzen aus. Ein erregtes Geheul, das der Alte ausstteß, antwortete ihr.

Deshalb also, deshalb sind Sie gekommen . .

... 72! ^"nne der alten Frau versagte, ihr Mund öffnete

nch, ihr Gesicht zog sich zusammen, als ob sie in Tränen aus- brocheil wol te, sie schnitt aber nur eine entsetzliche Grimasse und fuhr trt ruhigem Tone fort:

Na, wenn unser Junge den Mann von einer so netten Person, wie Sre es smd, rettete, hat er lvas Gutes getan. Mer welcher Von ihnen hat es denn getan?"

Die Besucherin machte große-Augen.

Wie denn ... welck>er?" , .

^ sieben habe ich dabei." Alle sind sie im Osten. Bier davon sind verheiratet, denen gehören die Kinder da. Wir haben sie alle zu uns genomnrew Ter Alte kann nichts mehr tun, der «utz aus sie auspassen. Ick) besorge die Wirtsckmft, die Mütter sehen aus Arbeit, imt bekommen für die Frauen iind Kinder von der Dtadt ettvas, wir langen sehr gut, es braucht sich me- jmmb um uns zu kümmern. Na, Ihr Mann loird schon wisse::, welcher von den Jungen ihm das Leben gerettet hat."

,Nern, nach den: Vornamen hat er nicht gefragt. Er hat nur Manzke. Bernauer St

baS Leven mit eigener Lebensgefahr gerettet hat. ES war mitten m der voarht, mein Mann und er sind dann an verfchiedernck Posten gekommen, ohne sich wiederKusehen. Mso sieben haben Sie im Felde und ich weiß nicht, welcher es ist. . .

'Sfata wird es fein," rief ein dünnes Stimnrchen.

Ruhig, Luise," befahl die Alte dem vierjährigen Mädchen, daS auf dem Goden herumrutschte.Die will immer alleS für sich ?abeir. Meso soll es denn immer dein Vater sein. Ich glaubit eher, daß es August ist." '

Weil er dein Liebling ist," brummte der Alte.

Rede keiner Quatsch. Alle sind sie mir egal. Wenn ich es nnr überlege, ist es vielleicht Julius, das ist so ein Draufgänger."

. " an P £f. auch sein, das ist ern Schlauberger," sagte

Richard ist auch nicht von Pappe, der macht

alles mtt die Ruhe."

Schade daß ich cS nicht weiß," wiederholte die junge Frau.

Nein, da :,t nrchtS zu machen."

Tie Alte schüttelte den Kopf.WaS tut das? Es ist einer von den sieben und damit abgeniacht. Fragen kann man sie nicht danach. Da würden die andern, die nicht dabei waren, eifersüchtig werden. Und sie sind schon waghalsig genug. Man mutz sich nur wundern, daß sie noch nicht alle in Stücke gesessen sind."

Aber vielleicht schreibt Ihnen der, der meinem Mann das Leben gerettet hat?"

.Darauf muß man nicht warten. Viel lassen die nicht von süh hören Sie schreiben, daß sie nachher erzählen werden. Alle vierzehn Tage mal drei Worte, das ist alles. Und der Mte ant­wortet ihnen."

Ter Alte war aus seinem Winkel hervor gekommen. Unter der Larnpe konnte inan ihn besser erkennen. Die Hände, das Gesicht bis hinauf zu den weißen Haaren, waren mit Tinte beschmiert.

f?#® S#ich war gerade dabei, aber das ist 'ne fd^reeßf liche Geschichte. Jedem schreibe ich denselben Brief .... Drei Linien, das ist genug, wir . . ."

Er schüttelte traurig den Kopf und fügte binziur Es dauert aber lanae, ich habe so steife Finger und dann ist Schreiben auch nicht meme Sache , ? * K "

Darf ich nicht für Sie schreiben," rief die junge Frau,so kann ich doch etwas für Sie tun."

Das ist >ne feine Idee," sagte der Alt« entzückt.

Sie setzte sich in dem Winkel an den Tisch, nahm die alte Feder, das Heft mit dem linierten Papier, von dem die Hälfte der Seiten zerrissen waren und der Alte diktierte feierlich:

r,Jch will dir sagen, mein Junge, daß es hier allein gnt geht . . ."

Sie gab sich große Mühe, damit es sehr leserlich werde und bei xedem Brief saate sie sich, daß er wohl für den wäre, dev ihrem Mann daS Leben gerettet hatte und sie legte ihre ganze Dankbarkeit mit hinein . 5 . * .

geschrieben, daß der Soldat

nmauer Straße 5, ihm

Lin vergessenes Gemüse

bringt dasDaheim" in seiner neuesten Nummer wieder -u Ebren. Es handelt sich um den Kürbis, der als Schmuck- und Zierstück allgemein beliebt ist, den man aber als Nähr- und Ge­müsepflanze kaum noch kennt. Ein Vergessener also, der aber jetzt wieder nötig gebraucht wird. Zu Großvaters Zeiten fehlte kein Jahr in der kleinsten und der größten Landwirtschaft -wischen Kar­toffel und Kraut die Kürbiszeile, die bei guter Tstngung groß^ artigen Ertraa lieferte. Kürbisse über einen Zentner waren keine Seltenheit urrd prangten dann, neben anderen Feldftüchten, zum Erntedankfest auf dem Mtar der Kirche. Oder sie tvaren die Haupt­schaustücke auf landwirtschaftlichen Ausstellungen. Nicht nur, daß das Fleisch zu Suppen, Gemüse, zum Kuchenbelag, sogar im Christstollen viel verwendet wurde, gaben auch die Kerne ein vor­zügliches wohlschmeckendes Oel, von zart grünlicher Farbe, von jung und alt gern genommen, statt Butter zu Kartoffel und Quark, zum Backen der Pfannkuchen usw. Leinöl schmeckt bei weitem nicht so gut. Nierenlerdende sollen viel Kürbis essen, heißt es. Ueber- haupl gut bei Unterleibsbeschwerden. Jedes sonniggelegene Erdenfleckchen, jeder Komposthaufen, jeder bisher unbenützt« Gartenhang sollte, wenn möglich, Heuer zum Anbau der Kürbisse ausgenutzt werden.

Ter Ertrag von nur zwei gutbestandenen Kürbispftanzen ge­nügt für eine Familie auf ein Jahr als Zukost. Der eingelegte Kürbis hält sich sehr gut. Früher sah man auf jeden: Kartoffel- und Krautfelde Kürbiszeilen, in allen Farbentönen lagen im Herbst die mächtiger: Früchte da.

Wenn der Landwirt jetzt Zkürbis füttern könnte, so ersparte er den Ankauf der zurzeit fast nicht zu bezahlenden Kleie odär anderer teurer Kraftfutter. Man merkt sofort den Mehrertrag und die Güte der Milch und Butter be: Kürbissütterung. Ganz besonders trägt diese auch zur Gesundung unserer Viehbestände bei.

Ter Anbau der Kürb:sse ist einfach. In sonniger Lage füllt man eine Grube 40 qom und gleicher Tiefe mit Komposterde, darauf setzt man drei Pflanzen im Dreieck mit 20 cm Abstand, die man sich in einein Schüssclchen in Torfmull oder Kaffeesatz oder :n loeichen Sägespänen aus Kernen herangezogen hat oder jetzt vom Gärtner kommen läßt. Vor dem 20. Ma: kann wegen Spät-