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ohne bt n schuldigen Respekt aus den Augen zu lassen,daß man einem Menschen, der immer an den Himmel denkt, nicht einen so verantwortungsvollen Platz hier auf Erden geben darf!"

Hin!" sagte der Baron und blieb stehen,-rue mögen recht haben!"

Solange der alte Adelt die Schule hatte, wählte ganz Britzkawe konservativ. Und vor vier Jahren hatten wir schon dreizehn Zentrumsstimmen."

Lieber Knorreck," lachte Fritz von Winkelberg und legte ihm die Hand auf die Schulter,Sie haben nicht nur Vor­urteile, sondern auch Ideale. Das ist selten, aber unprak­tisch. Die ganze Politik ist nichts als ein Geschäft. Und es ist doch so gleichgültig, wer das Geschäft macht. Und wenn hier in Britzkawe nächstens dreizehn sozialdemokratische Stimmen abgegeben werden, ich lasse mir darüber keine grauen Haare wachsen. Jeder wählt schließlich den, der ihm am meisten verspricht. Und darin leisten alle politischen Par­teien gleichviel."

August Knorreck schwieg wohl, ließ aber nicht von seinen Vorurteilen und Idealen. Aus der Schmiede, an der sie dann vorbeikamen, klang Blasebalggestöhn und froher Hammer­schlag. Gleich dahinter lag das kleine Gewese Fürchwgott Fritschers. Das Hoftor hing schief in den Angeln, der Stall hatte ein Dach voller Scharten, das Fachrverk der Scheune war durchlöchert, die Fenster des Wohnhauses waren not­dürftig mit Papier verklebt, der Putz war überall von den Wänden gefallen, und das ganze Gehöft zeigte den Zustand der gröbsten Vernachlässigung. Es lag da wie ausgestorben. Fritz von Winkelberg schaute sich fragend um.

Er wird bald fertig sein!" meinte der Inspektor mit­leidig.Die Frau liegt schon seit sechs Jahren fest. Jetzt hat sich's ihr noch auf die Lunge geschlagen. Glaub's kaum, daß sie den Winter übersteht. Und Fürchtegott Fritscher war vorher ein Mann, an dem man seine Freude haben konnte. Ein Unglück bleibt selten allein. Jetzt sängt's mit seiner Mutter auch an. Die hat chm noch ein bissel geholfen. Aber die alten Füße wollen nicht mehr. Ehe das Frühjahr da ist, legt sie sich auch hin."

Und er?"

Sitzt hinter der Flasche und läßt den Kopf hängen."

Weshalb verkauft er die Klitsche nicht?"

,Lab's ihm schon oft geraten. Er hat da unten zwölf Morgen, die schneiden mitten durch unseren besten Rüben- sleck. Aber er will nicht. *ttm keinen Preis. Das ist einer, der fest am Boden klebt. Nimmt man ihm den, dann weiß er nicht wohin. Die Fritschers sitzen auf der Wirtschaft schon an die dreihundert Jahre. Aber er wird sich nicht hal­ten können. Auch wenn er sich wieder verheiratet. Kinder sind nicht da, aber wer nimmt so einen, der von der Flasche nicht loskonnnt. Wenn ihm das Wasser bis an den Hals steht, wird er sich aufhängen. Ich Hab einen solchen Fall schon erlebt."

Schweigend gingen sie weiter. Die kleinen Bauernhöfe, die links und rechts der Straße lagen, waren sauber und gut gehalten. Hier und da grüßte jemand dengnädigen Herrn". Fritz von Winkelberg gab jeden Gruß höflich zu­rück.

Wer wohnt da?" fragte er und deutete auf ein neues, Zweistöckiges Haus, das sich aus der rechten Seite protzig rn die Reihe der tzostore gedrängt hatte.

Christian Reuschel, der Windmüller, ein unruhiger Kopf. Ist aus dem Trebnitzer Kreis eingewandert und hat dem alten Tapperl die Mühle abgekauft. Geht in keine Kirche und führt in der Gemeinde das große Wort."

Und die andern lassen sich's gefallen?"

Sie haben alle Angst vor ihm."

Gleich daraus machte die Straße eine scharfe Biegung, und sie standen vor einem kantigen, nüchternen Rohbau. Fritz von Winkelberg entfuhr ein Laut der Mißbilligung.

Das ist die evangelische Schule," erklärte der In­spektor,es ist ein Regierungsbau."

Ein ganz abscheulicher Kasten!" lächelte der Baron verächtlich.Er verhunzt das ganze Dorf. Wer hatte vor Herrn Gassel die Stelle inne?"

Der Herr Baron werden sich gewiß noch an den alten Spätlich erinnern. Der hat noch ein ganzes Jahr in dem neuen Schulhaus gewohnt, konnte sich aber nicht einleben und ließ sich pensionieren. Jetzt ist er in Sulitsch. Nachher hatten wir vier oder fünf junge Leute als Vertreter hier. Einer gab immer dem andern die Klinke in die Hand.

Der letzte blieb etwa ein Jahr hier. Felix Winter hieß er. Hatte schon dreimal die zweite Lehrerprüfung nicht bestan­den. Und als sie ihn zum vierten Male durchfallen ließen, nahni er sich die Sache so zu Herzen, daß er sich drüben im Teiche bei der Schwedenschanze ertränkte. Und war sonst ein sehr tüchtiger Lehrer. Nur wenn er einen Vorgesetztem sah, war nichts mit ihm anzufangen."

Und Herr Gassel? Was halten Sie von dem?"

Macht einen ganz propern Eindruck. Muß sich aber noch die Hörner ablaufen. Wär schon zu wünschen, daß er hier bleibt. Daß der ewige Wechsel einmal ein Ende nimmt. Die Kinder mögen ihn gern. Der Herr Baron können leicht etwas für ihn tun."

Das will ich auch," sprach Fritz von Winkelberg und wandte sich zum Gehen.

Plötzlich hörten sie laute, schallende Hammerschläge, die von der Hinterseite der Schule kamen. Der Baron bog durch die Gartenpforte, und August Knorreck folgte ihm. Trotz der Schneedecke, die über den Beeten lag, sah man doch, daß dieser schöne große Garten schon seit Jahren keine Pflege genossen hatte. Die Beerensträucher waren verwildert, der Zaun war an vielen Stellen durchlöchert, die jungen Obst­bäume zeigten Wildsraß, und die alten waren längst reif für die Axt.

Moritz Gassel aber saß aus einem leichten Balken­gerüst mitten im Garten, drei Meter hoch über der Erde, und schwang seinen Hammer. Er bemerkte die beiden nicht sofort.

Was machen Sie da?" lachte der Baron.

Moritz Gassel suhr erschrocken herum, zog die Mütze und wollte herunterspringen.

Bleiben Sie nur oben!" ries Fritz von Winkelberg! gutgelaunt.Ich will nicht stören. Soll das ein Galgen werden?"

Ein Bienenschuppen!" erklärte Moritz Gassel.

So groß?" lachte der Baron.Wo haben Sie denn die Bienen?"

Ich werde im Frühjahr einen Schwarm kaufen. In fünf Jahren habe ich dann fünfundzwanzig Völker."

Aber Sie wissen ja noch gar nicht, ob Sie hier blei­ben!" warf August Knorreck ein.

Wenn ich darüber Nachdenken sollte," rief Moritz Gas­sel,dann käme ich überhaupt nicht zürn Arbeiten. Hier fehlen Bienen ini Torfe. Die Biene ist zur Pflanzenbefruch^ tung unumgänglich notwendig. Es gibt hier überhaupt so viel zu tun!"

Was denn?" fragte Fritz von Winkelberg neugierig.

Sehen Sie sich, bitte, den Garten an. Ist es nicht ein wahrer Jammer, ein gutes Stück Land so trostlos ver­kommen zu lassen? Daran ist die hlohe Regierung in Breslau schuld, Abteilung für Kirchen- und Schulwesen. Da ich dieser Schuld nicht teiLhaftig werden will, deshalb muß ich ar­beiten. Die großen Bäume kommen weg, und die kleinen auch. Die haben Ihre Hasen angefressen, Herr Baron! Die Beerensträucher stehen aus den besten Plätzen. Fort damit? Sie gehören in die Ecken und an die Zäune, lvo man nichts anderes pflanzen kann. Dort drüben werde ich Gemüse ziehen, beste Qualität. Den Samen habe ich mir schon aus Erfurt kommen lassen. Neben der Pumpe mache ich drei Mistbeete. Da drüben an die Stallwand kommt Zwergobst, an die Nachbarscheune ein Pfirsichspalier. Und da hinten, lvo früher Kartoffeln standen, eine wahre Schande für diesen Boden, lege ich eine Spargelvlantage an. Kartoffeln kann man da hinter den Zaun aus den Schulacker stecken!"

Sie reden ja wie ein Agrarier!" rief der Baron be­lustigt.

(Fortsetzung folgt.)

Die Wünschelrute.

Kriegshumoreske von Max Karl Böttcher -Chemnitz.

Gestern war der neue Nachschub gekommen, Ersatzreservisten. Männer mittleren Alters, prächtiges Material, 27 Mann für die Kompagnie.

Unteroffizier Band war mit einem Gefreiten nach dem kleinen Bahnhof y. gesandt worden, auf welchem der Transport eintraf, und von da sollten die Kriegsneulinge der Kompagine zugeführt werden.

Band, Karl Traugott Band, Malergehilfe aus Gelenau bei Thuin im Erzgebirge in Sachsen, war der trefflichste Korporal, den man sich denken konnte: mutig, flink, anstellig, sorgend für