Ausgabe 
8.5.1915
 
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selbst den Garaus machte? Lag ihm ohnedies nichts am Leben. Ter Schimmel schoß vorwärts und ließ die nachfolgenden Reuter weit hinter sich. Es kam alles daraus an, den Fliehenden den Weg abzuschneiden, denn ivenn sie vor den Verfolgern an den Kreuzweg kamen, mußte es ihnen gelingen, den Weg an die Grenze zu er­reichen. Wie toll rasten die Kürassiere hinter dem immer weiter sich entfernenden Führer her.

Mit einmal sah Max vor sich int Mondenschein einen andern Reiter, dessen Gaul spielend den Boden schlug. Ter Fähnrich rückte sich im Sattel zurecht uns schlug ein Jagen an. daß die Funken ans dem steinigen Wege stoben und daß die Kürassiere, saßen sie auch als Teufelskerle auf ausgesuchten Rossen, den Führer aus den Augen verloren. Emen Augenblick glaubte Max, Brencken- selds Schecken in dem Gaul des Verfolgten zu erkennen. Ta bog dieser scharf vom Wege zur Seite^ab, Büsche schlugen hinter ihm zusammen, und als Max an der Stelle vorüberschoß, ohne seinen Hengst gleich halten zu können, fuhr ein Feuerstrahl aus dem Tunket, der Schimmel schien getroffen und stürmte ohne .Halten weiter in die Mondnacht, so daß Max beide Hände brauchte, den Rasenden wieder in seine Gewalt zu bekommen. Dann wollte er nicht wieder des Einzelnen wegen umkehren, sondern machte erst halt, als er den ausgepumpten Gaul, dem das Blut den Hals hlnunterlief, ani Kreuz verschnaufen lassen konnte.

Schien noch zeitig zu sein. Unten im Tal hörte man den Huf schlag der ansprengenden Kürassiere. Max wollte nach seinem Schimmel sehen, da er nichts Verdächtiges getvahren konnte. Ta wurde der Hengst unruhig. Rings in den Büschen raschelte es. Ehe der Fähnrich recht zur Besinnung kam, sah er sich von )n, zwanzig andrängenDen Schatten umgeben, deren Piken und Morgensterne im Mondlicht glänzten. Das waren sie. Sollten sie doch noch entkommen?

Trans! Krach dem ersten die Pistole mitten ins Gesicht! Krach dem zweiten die Abgeschossene ins aufgerissene Maul!

flog der Pallasch aus der Scheide und ob auch die Mente von allen Seiten aus ihn eindrang, aus den bäumenden, kreisenden Schimmel fuhr der Junge wie der Blitz unter den Angreifern herum, und mit zusammengebissenen Zähnen ließ er dte Waste auf den Schädeln tanzen, daß im Handumdrehen drei der Angreifer am Boden lagen, und zweien das Blut in die Augen lief. Glerchwohl mußte dem Fähnrich der nächste Augenblick vbn Tod bringen. Ter Schimmel blutete aus Schulter und Brust, schnob dicke Blutwolken, brach erst hinten und dann vorne zu­sammen, sprang noch einmal ans und krachte dann mit dein eiser­nen Retter nieder mitten in die wie rasend sich geberdenden Feinde Mein. Eine Pike fuhr Maxen gegen die Brust, ein Morgenstern schmetterte wieder den Helm, niid er sank rücklings wieder die wudsch tagenden Hufe. Tann brachen zwar wie ein Orkan die fünfzehn Egestorffer herein und räuntten iin Handumdrehen den Platz, aber der Fähnrich hatte sein Teil ab und sah nichts mehr von der Wut ferner Reuter.

Ta trabte mit hängendem Zügel ein lediger Gaul auf den Kampfplatz und grüßte schnaubend die Gefährten. Hinter ihm her kam eine werbliche Gestalt geflogen, stand einen Augenblick suchend unter den Lerchen und stürzte dann mit einem Aufschrei unter vre Gruppe, die sich um den jungen Führer mühte.

Hol mich der Satan, das ist des Rittmeisters sein Schecken!" Und das Mädel die Wirtstochter aus der Rose!"Schau wre fte um den Fähnrich ist!"

, Im plumpem Staunen standen die Reuter im Kreis und sahen, wre Traute dem bewußtlosen Knaben die Helmbänder löste, das Koller ansernanderrrß, auf seinen Herzsckstag horchte und endlich m sassunasloses Wernen ausbrach, den Fähnrich umschlang und herlze Kusse auf dre bleichen Lippen drückte. Und verlegen folkn nch dre rauhen Geulten an, als von dm Mädchenlippen heiße Lrebesworte kamen, untermischt mit zärtlichen Klagen und ver­zweifelten Selbstvorwürfen.

Mit Verlaub, Jungfer," schob sich endlich der Wachtmeister feran,wollet uns sagen, wie Ihr mit des Rittmeisters Schecken

herauf kommen seid. Mag mich nicht in die Sach mischen, schernt mrr aber Order"

Mit einem wehen Blick, der dem alten Wachtmeister tief rns Herz schnitt, richtete sich das Mädchen auf.

Nehmt mich nur mit! Ist schon altes eins! Stirbt er, mag rck mmmer leben!" Und schreiend im SchmerzeStirbt er, Wachtmeister?

. nit hoffen, Jungfer. Aber in Pfleg kommen muß er

am der stell, sonst steh ich für nichts ein. Hebt ihn auf den Sckiecken, Leut, reit einer rechts und einür linlks und führ einev das Ron und dann Umsichtig zutal. Muß Euch schon ersuchen, uns zu folgen, Jungfer. Hab einen Verdacht, und ist Order"

ockinf Reiter blieben am Kreuz zurück. Ohne Widerstand ließ stch das Mädchen am ein Roß heben. Langsam ritt der Zug die Straße hinab. Ter Mond schien silbern ans die blinkenden Waffen Rechts von der Straße schoß der Bergbach mit eiligem Rauschen nieder.War' ich im Wasser," dachte das Mädchen.Wie wollten wir singen, war^ unser Fähnrich gesund." murmelten die Reuter

In derRoie' warteten Brenckenfeld und die andern Offiziere, denen cm Bote schon den Hergang berichtet hatte, auf die Air-' komm eirden.

Mo hat's ihn troffen, Wacht,neHer?

Brenckenfeld mühte sich um den bewußtlosen Fähnrich als ein Bater.

Schasst ihn in seine^Stub. Ter Bader wart't schon aus ihn.

Habts es den Lumpen gezeigt? Brav. Leute! In die Quartiers! Morgen sprechen wir weiter. Wachtmeister, kommt mit. Tie Jungfer mag sich zu einer Rücksprach bereit halten. Sorgt, daß ihr die Zeit nit lang werde! Sollt' meinen, Jungfer, daß Euch das soldatenhandwcrk ein wenig zu wohl gefallen fjat!*'

Droben in der stillen Stube lag der Fähnrich bleich in den Kissen.

Gefahr ist einstweilen keine. Zwei Rippen sind zerbrochen. Kops ist heil. Freilich, ohne den festen Helm war' er hin gewesen, der Herr Fähnrich."

Der Rittmeister verweilte nicht lange. Mit einem Blick voll Anerkennung und nicht ganz zu unterdrückeirdem Neid streifte er den Fähnrich und stampfte dann klirrend zur Tür hinaus. In der Wirtsstube warteten der Wachtmeister und die Offiziere mit Traute

Macht ergötzliche Sachen. Jungfer!" Brenckenfeld krachte die Tür ins Schloß, warf sich in den Sessel und trank.Hör', daß Ihr meinen Schecken zu einem Ausflug genutzt habt? Wie geU denn der Satan? Hätt's nimmer gedacht, daß er noch zum Tameuzelter avancieren würde!"

Traute starrte zu Boden.

Macht wetten, Ihr seid eine falsche Freundin gewesen, Jungfer!" Der Rittmeister lächelte höhnisch.Seid Jhrs nicht, so erzählt mir, was Euch zu nächtlicher Wckl auf einem fremden Gaul in solche Abenteuer treibt!"

Das Mädchen rührte sich nicht.

Wachtmeister, rapportiert!"

Der alte Haudegen berichtete, was er wußte. Brenckenfelds» Mienen wurden finster und finsterer. Als der Wachtmeister erzählte, wie Traute den Bewußtlosen geherzt und geküßt habe, wurde der schwarze Rittmeister trotz seinem braunen Gesicht um einen Schein bleicher und, pfiff durch die Zähne.

^. "Nim möcht ich Euch ersuchen, Jungfer, Euch zu erklären. Mußt mir zugeben, daß an der Geschichte manches dunkel ist. Zum letzten Mal also: Was wolltet Ihr droben am Kreuz? Weigert Ihr fortgesetzt Eure Red', muß ich Erich wider meinen Willen als hockwerdächtig zum Regiment schaffen lassen. Möcht in Zweiiel zrehn, ob Euch auch der Profoß so kavaliermäßig behandelt, wie ichs noch von den letzten Abenden her gewohnt bin."

Traute rang die Hände.

,Jlch kann nicht, Herr Rittmeister!"

Nun wohl, so muß ich Euch auf die Gedankeii Helsen. Was ist s mrt dem Fähnrich? Ist Euer Gefühl für den Jungen so mach- ttg, daß Ihr rhtm mit Eurer zarten Hand helfen wolltet? Gegen Eure eignen Leut'? Sagt ja, und Ihr seid frei und mögt Euch droben mit bart Fähnrich weiter über die Sach' benehmen. Oder^

Brenckenfeld senkte die Stimmesollts Gegenteil der Fall sein, daß Ihr droben am Kreuz andere Geschäfte hattet, etwa den Warner vor meinen Reutern spielen? He, Jungfer?" -

Traute war totenbleich. Ihr Mädchenstolz kämpfte einen schweren Kamps mit der Furcht vor dem unbarmherzigen Geschick, daS sie treffen mußte, wenn sie des Rittmeisters letzte Frage mit ja beantwortete.

Mit Verlaub, Herr Rittmeister" ließ sich noch einmal der Wachtmeister vernehmen,eins hält' ich fast übersehn. Möcht aber wichtig sein können. Tie Jungfer mag uns noch sagen, ob sie vor oder hinter unfern Leuten hergeritten ist?"

Traute schwieg immer noch. Tann schleppte der Wachtmeister die Knechte des Wirts heran, die zitternd und bebend aussagten, daß Traute, kaum habe die Patrouille ihren Bericht beendet ge­habt, des Rittmeisters Schecken aus dem Stall gerissen habe und davon gejagt sei. Mehr wüßten sie auch nicht.

Genügt uns auch und dürft die Sach klar machen, Gnaden Herr Rittmeister. Tie Jungfer hat Feindlich gegen uns im Schild geführt. Wollt vor unfern Leuten am Kreuz sein, um die Pascher zu unterrichten. Vielleicht sagt uns die Jungfer aber nun, wer den Schuß getan hat, ehe unser Fähnrich ans Kreuz kam? Hörten von unten deutlich, ,vie es ober uns krachte, lange bevor am Kreuzweg der Tanz losging."

Nun, so hört, Ihr Herren! Ja! Ich wollt meine Leut ein andern Weg weisen vor Euren Reutern! Ja, ich wollt den Fähnrich erschießen, weil er zu früh an Kreuz kommen mußt! Ja, ja, tausendmal ja. ich wollt meinen leiblichen Bruder, dev auch bei den Verfolgten war, vor Eurem wilden Volk erretten. Und ich Hab auf den Fähnrich geschossen, »venu er mir auch daS Liebste ist aus der Welt, und ich hält ihn müssen küssen, und wenn das allein hundertmal mein Tod geivesen wäre! Nun zu, greift mich, ich leids!"

Tas Mädchen wurde in den Turm geführt.

Brenckenfeld zechte weiter bis zum Hellen Morgen. Wie ein Rasender. Nach dem Bader, der ihm sagen kam. daß der Fähn­rich noch immer ohne Besinnen sei, warf er den blanken Pallasch. Tie Kumpane ließen ihn allein.

III.

Ter Fähnrich lag in schwerem Fieber. Starrte mit glänzenden Augen zur Balkeirdecke und bewegte nmrinelnd die Lippen. Fm Flieder drrrnten vom Fenster schlug eine Nachtigall. Der Fähn« rich hörte es nicht. Der Fähnrich ist nicht bei sich, er kann auch