Ausgabe 
8.5.1915
 
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Lurück zur Scholle.

Roman von Ewald Gerhard Seeliger.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Der Inspektor blieb, aber er mutzte dreimal zum Sitzen ausgesordert werden, ehe er aus dein Stuhle Platz nahm. Der Baron schrieb viele Zahlen untereinander und rechnete sie zusammen. Es ergab eine sehr hohe fünfstellige Summe. Die hielt er dem Inspektor vor die Augen.

Das ist sehr viel," sprach der, ohne mit der Wimper zu zucken.

Wieder ein Beweis," erwiderte der Baron, der den leisen Vorwurf wohl herausgehört hatte,daß die Winkel- bergs schlechte Haushalter sind."

Der Herr Baron brauchen sich vor mir nicht zu ent­schuldigen!"

Und doch fühle ich mich dazu verpflichtet. Einmal, um Ihnen die Genugtuung zu verschaffen, daß ich die Verach­tung, die Sie mir als Menschen entgegenbringen, vollauf verdiene. Und dann "

August Knorreck erhob sich stumm.

Bleiben Sie nur sitzen." lächelte spritz von Winkel­berg.ich bringe dem Herrn Baron, der diese Schulden ge­macht hat. um standesgemäß leben zu können, genau die­selben Gefühle entgegen. Doch versetzen Sie sich einmal in seine Lage. Er wird schwerkrank in ein minderwertiges Hospital in Reupork eingeliefert. Ohne Mittel und Freunde? Briefe, die er nach Britzkawe sendet, bleiben unbeantwortet. Da wendet er sich, um einen letzten Versuch zu machen, an einen Regimentskameraden hier in der Nahe. Durch dessen gnädige Vermittelung machen Bartenstein und Levisohn ein Angebot zu zwölf Prozent, für Amerika kein ungebräuch­licher Satz. Entweder zugreifen oder vor die Hunde? Und der Herr Baron griffen zu, gingen nach London, lebten nobel und verheirateten sich standesgemäß, aber ohne das nötige Kapital. Zu dieser Heirat hatten der Herr Baron kein Recht. Und trotzdem! Das Winkelbergsche Herz! Sie verstehen? Bartenstein und Levisohn mußten stärker heran­gezogen werden. Noch stärker, denn der Herr Baron begann, um Geld zu machen, an der Börse zu spielen. Ader leider blieb das Glück aus. Und es kam der Tag, an dem Barten- stein und Levisohn nichts mehr hergeben konnten. An diesem Tage legten sich der Herr Baron Fritz von Winkelberg hin und starben. Seitdem gibt es nur noch einen ganz gewöhn­lichen Menschen Fritz Winkelberg, der sich ein halbes Jahr lang in einem Bankbureau sein Brot verdient hat, rocht und schlecht wie jeder andere. Die ersten fünf Jahre zählen gar nicht mit. In Amerika Sturm und Drang! Da lebten der Herr Baron noch, und zwar trotz Goldgräberschaufel und Kellnerservtette. Ich habe ihn seitdem verachten gelernt."

Schweigend hatte August Knorreck zugehört. Dann hob er den Finger und wieS auf die Summe.

.Haben der Herr Baron das alles bei Bartenstein und Levisohn ausgenommen?"

,Zch kann's beschwören! Das ist die einzige Stelle in der ganzen Welt, wo der Herr Baron Kredit hatten."

Wir brauchen für Britzkawe ungefähr das Fünffache."

Das Fünffache!" ries der Baron bestürzt.Wo soll das Herkommens

Wo das hergekommen ist!" versetzte der Inspektor und wies auf das Papier.

Aber das Fünffach! Knorreck. bedenken Sie doch!"

Bieh!" zählte der Inspektor aus.Pferde, Strotz, Futter, Saatkorn. Geräte, Maschinen, Leute"

Hören Sie auf!" rief der Baron verzweifelt.Das ist unmöglich!"

Der Herr Baron werden sich auch einrichten wollen!"

Nein, nein! Das genügt mir hier vollkommen!"

Befehlen der Herr Baron, daß ich morgen nach Su- sitsch fahr? Ich »verde mir mal die beiden Juden auf die Seite nehmen. Auch von wegen der zwölf Prozent."

..Nein!" ries Fritz von Winkelberg energisch.Ich bin damals auf diese Bedingung eingegangen und wäre ein Schuft, wenn ich sie jetzt nicht anerkennen würde!"

Der Herr Baron haben mich mißverstanden," sprach August Knorreck ruhig. -

Was abgemacht ist, muß gehalten werden. Aber man kann sie damit in die Enge treiben, daß sie nachgeben und das Geld zu einem besseren Zinsfuß herbeischassen. Befeh­len der Herr Baron, daß ich nach Sulitsch fahre?"

Es ist unnötig!" erwiderte der Baron.Bartenstein und Levisohn wissen, daß ich hier bin. Sie werden nicht lange auf sich warten lassen."

Befehlen der Herr Baron noch etwas?" fragte der In­spektor an der Tür.

Jawohl?" ries Fritz von Winkelberg und schüttelte ihm herzlich die Hand.Daß Sie mich morgen möglichst lange schlafen lassen. Nur, wenn die Bude abbrennt, dürfen Sie mich wecken."

Mit einer tiefen Verbeugung zog sich August Knorr­eck zurück, drückte die hohe .Haustür ins Schloß, ohne sie abzuschließen, und nahm den Schlüssel mit. Langsam schritt er über den Hof. Seine Frau saß noch auf.

/Wie steht's?" fragte sie, als sie sein sorgenvolles Ge­sicht sah. .

Ec schaute sie eine Weile wortlos an, wobei er jan etwas ganz anderes dachte, hing die Mütze an den Nagel und griff zur Lampe.

Schlimm!" sagte er und stellte die Lampe auf die Klappe des Sekretärs.Geh zu Bett, ich habe noch zu arbeiten!"

Frau Knorreck verschwand lautlos.

Der Inspektor aber holte die Wirtschaftsbücher der letzten zehn Jahre her und begann zu rechnen. Drei Gründen saß er und schrieb Zahlen unter Zahlen, bis die Lampe zu verlöschen drohte. Aber er hatte da? Msultat