und daS, an Barem so und so viel und an Wein und s vom Guten — so viel; und wenn binnen jefct und einer Stunde der Bürgermeister für die fünf Herren Offiziers, m- aleichen für fünfzig kaiserliche Kürassiere mit insgesamt zwei- undsechzig Rossen angemessene Unterkunft geschafft faj*, toolle man selbst vom Quartiermaä>en abstehen. Ansonsten die Reuter für sich und die Gäule selbst Raum auszumachen gewält ,eim. So verkündet im Namen von Sr. Kaiserlichen Majestät Rittmeister von Brenckenseld. Trara — tarata! _
Dann ging das Lärmen von neuem an. Tie Reuter saßen ab, Hengste stiegen, juchten und schlugen aus, die Kerle fluchten als redjtc Teufel welsch und lästerlich durcheinander, ein Faß mit Wein ward angerollt, ein großmächtiges Feuer flammte aus — und in allem schien es, als ob sich mitten auf dem Altkirchev Marktplatz die Erde aufgetan habe und einen Blick in das uleia) des Gottseibeiuns verstatte. Die Bürger zündeten geweihte Lichter an und versprengten Weihwasser die Menge.
Die fünf Offiziere »oaren in den Krug gepoltert und Latten sich eisenrasselnd an den Rundtisch geworfen, von dem die Spießbürger scheu ins Dunkel gewichen waren. Hinterm Säienkttsch dienerte zitternd und ergeben der Wirt.
„Schaff' Wein! Dickwanst!" und „Ein Huhn, gebraten" und „Einen Stiefel von Euerm Roten, Wirt; und der Henker hol Euch, wenn ich das Licht durchscheinen sehe!" brüllten die Befehle durcheinander, und zum besseren Nachdruck spektakelten Sporen, Armschienen und Cisenhemden. Federhüte und Pallasche flogen in die Ecken, und wie die Herren oer Welt rekelten sich die frem- ven Kriegsleute am Honoratiorentisch von Alltkirch.
Mit lmigen, sehnigen Gliedern, trotzigem Kinn, flammroter yeldbinde lag der Rittmeister im Armsessel. Seine Augen, sicher Und frech, gingen in der Wirtsstube herum und blieben, als des Wirtes Töchterlein ihm den Zinnkrug hinschob, verzehrend an dem wunderfeinen Gesicht des Mägdleins hangen, dessen Gestalt und Gehaben alle Gesetze der Vererbung zu verlachen schienen. Eine Glutwelle überfuhr der Kleinen Gesicht, als des verwegenen Rei^ ters heischende Feueraugen in ihre blauen Sterne tauchten, unÄ sie konnte dock den Blick nicht wenden. Stand ein Weilchen wie staunend, bis die mrderen auf die zwei aufmerksam wurden, und ein grobes Scherzwort zwischen sie fiel. Mit einem selbstherrlichen Freibeuterlächeln sah der schwarze Rittmeister der davonhuschenden Kleinen nach. Sein roter Mund schien von durchkosten Nächten und Liebessiegen zu erzählen: aber er hielt es nicht füte der Mühe wert, zu antworten, als einer der Kameraden mit Grinsen fragte, ob das blonde Wirtstöchterlein seinen Passionen tauge. Dann tranken sie alle dem schwarzen Brenckenseld zu.
Der änderte seine Lage im bequemen Sessel nicht. Spreizte die Beine weit in die Stube und b'ewegte sich nur, wenn er den Krug an die Lippen führte. Stand auch nicht auf, als die aw- oern nach Verlauf einer Stunde sehen gingen, was der Brtrger- meister für die Quartiere getan habe.
Als dann die blonde Traute ihm den Krug zum wievielten Male füllte, fuhr er plötzlich hoch, faßte das Mädchen rund unt und sah ihm mit einem heißen Lächeln ins erglühende Gesicht, daß die Kleine wieder nicht »vußte, wie ihr geschah und wie ein gefangen Vöglein im Arnt des Mannes zitterte. So gab es sich, daß Traute neben dem Reiter saß und die Mutter mit den Mägden an Schenktisch und Herd schalten ließ. Und der wilde Brenckenseld erzählte ihr von seinen stürmenden Fahrten, vom heißen, jauchzenden Krtegsleben, vom siegenden, lackenden Tod, vom tollen Lagertreiben, von Mondscheinnacht und Sommernachtskosen, und als er gar die Laute vom Psleiler TCEfym und kecke, fremdartige Weisen mit süßen Akkorden begleitete, da war Traute, des Rosenwirts stolze Traute, die die Freier an den zehn Fingern nicht zählen konnte, dem überlegenen Zauber des fremden Mannes zu eigen, der ihr Feind und gesandt war, über die
E asfenhändler, also über ihren eigenen Bruder unter ihnen, ein nickt zu halten. Mit glühenden Wangen hing das Mädchen an n Lippen, die so spöttisch-abfertigende, so hinreißend-einschmeichelnde und so süß-betörende Worte formen konnten, gegen die alles Schönreden der Alttircher Freier ein eitel Gestammel schien.
Ms die anderen Offiziere wieder in die Stubq rasselten, tonnten sie noch vernehmen, wie das Mädel als Antwort auf Brencken-- felds heiße RÄren, das hübsche Köpfck>en zur Decke gewandt und die Arme im Nacken verschränkt, ttäumerisch vor sich hinsagte, daß ihm nichts verhaßter sei als der Mann, der in diesen Zeiten anr Herde sitze, und daß es keinen ansehen möge, dem der Krieg! nicht das Antlitz gezeichnet habe.
Nun war unter den fünf Offizieren »einer, der sich an Aussehn und Gebaren recht von den wilden Söhnen des Krieges unterschied; feiner an Wuchs, Wort und Geberden, mit blondem Gelock, blauen Knabenaugen und jungen, reinem Gesicht, über das Flammen schlugen, als er unter des Mädchens kriegerischen Worten seinen Sitz toieoer einnahm.
„Mordblei, Fähnrich," lachte der Rittmeister, „gewöhnt Euch das Rotwerden ab', wenn Euch einer Euren Msut und Eure Bravour nicht gleich vom Milchgesicht abliest. Euch hat die Dirne sicher nicht gemeint, und im übrigen bezeug' ich Euch, daß Ihr den Teufel im Leibe habt. Hol' mich der Satan, Madel, nur seine Klinge ist schuld, daß ihm noch keiner mit einer anderen über den Flaumvart gefahren ist l"
-Muß wahr sein! Eure Gesundheit, Wachenrott! Sollst leben, Max!" bekräfttgten die anderen das Lob.
Mar von Wackenrott aber faß stumm; nur selten schoß ein heißer Blick aus seinen Augen zu dem Mädchen hinüber, das zu Brenckenfelds rauher Lobrede halb spöttisch, halb ungläubig ge- lächelt hatte und nun unter dem Genuß des ungewohnten Weins vergaß, daß es bei Feinden saß und sich dem lockenden Zauber, der die verwegenen Gäste umgab, mit allen Sinnen überließ. Draußen kündete der Nachtwächter die zweite Morgenstunde, und immer noch saß Traute unter den zechenden Offizieren, die mit Lachen und polternden Komplimenten, rauhem Gesang und gewagtem Scherz die verräucherte Stube füllten. Nur den Fähnrich vernwchten sie nicht mitzureißcn; der tat zwar ihrem Zutrunk kräftig Bescheid, stimmte auch, wenn die Heiterkeit allzu deutlich wurde, in das Lachen ein. Wfret in seinem Knabengesicht arbeitete es; da wechselten Röte und Blässe.
„Wie, du seine Stolze, wenn ick dir rechts und links von meinem Schimmel ein paar von Euern Paschern durchs Tor schleppe, die doch sicher ihre Waffen nicht nur schmuggeln, sondern auch führen können! Mein Blut machst du wallen und hast mir doch den ganzen Abend noch keinen Blick gegönnt. O du, den ganzen Abend rief meine Seele nach der deinen, du, die dem Knaben als die Erfüllung aller Traumverheißungen erscheint. Und du sollst dem weiberverwühnten Brenckenseld leichte Beute werden? Du solltest nicht auch einmal für Mar von Dachenrott ein Auge haben/ Warte, du kriegerisches Mädel, du sollst ihm noch mehr als einen Blick schenken."
Und der Fähnrich stürzte einen Becher nach dem andern in die Kehle. >
Aber mit Traute- Blicken hatte es noch gute Weile. Einstweilen hingen sie selbstvergessen an des schwarzen Rittmeisters spöttisch-sordernden Munde. Nur flüchtig streiften sie den Jungen, der ab und zu seine unsichere Weisheit ins Gespräch warf, und! unter dessen hellblauer Feldbinde das Herz in heißen Schlügen immer schneller für das blonde, schlanke Mädchen schlug, das ihm beim ersten Ansehen als alles Glückes Krone erschienen war.
Und als Traute im Uebermut aus Brenckenfelds Krug auf einen Schelmenvers von Ofenhockern und Muttersöhnen anstieß, da schoß es Maxen siedend zu Herzen, und so laut, daß es alte in, der weinduftgeschwänaerten Stube hören konnten, stieß er hinaus: „Den Tod über all die Weiber, denen die harte Zeit den Sinn so verkehrt hat, daß sie den Liebsten lieber im Eisenhemd denn im Freiersgewand sehen mögen!"
Brenckenseld und bie Kumpane dröhnten ihr „Haha" und ,-Hoho" und „Was ficht dich an?" und „Sieh' einer den Fähnrich" durcheinander, und suchten mit dem Blaßgewordenen ein Wortgefecht zu beginnen. Traute aber schwieg von nun an, schlich sich bald vom Tische weg und stahl sich in ihre Kammer. Tie rauhew Reiter tranken noch ein weniges, randalietten noch eine halbe, Stunde und polterten auf den Wirt, der sein Tüchterlein versteckt habe, und brachen dann — „Wachenrott, zahl'!" — mit lauten, nicht mehr gewissen Schritten in ihre Quartiere auf.
Der Turm des Katharinentors glänzte schon zart in den ersten Strafen des Frühlichts.
II.
Tage vergingen. Außer ein paar Schlägereien zwischen den Egestorssschen Eisenfressern und störrischen Bauern, die keinen Wein ausgeben wollten, und Städtern, die vermeinten, die Alt-- kircher Mädchen seien nicht für fremdes Kriegsvolk geschaffen, ereignete sich nichts, was sich wesentlich von dem Leben in eurem! Landstädtlein unterscheidet, in das sich der Feind aesetzt hat. Die Bürger ballten die Faust im Sack, aber vom Waffenschmuggel hörte man nichts mehr. Brenckenfelds Reuter ließen keine Maus über die Grenzwege, und den Schleichpfaden war nicht mehr zu trauen, seit Wachenrotts Schimmel Tag für Tag den Hohlweg zum Berg-, wald einschlug.
Abends saßen die Offiziere beim Wein am Rundtisch des Rosenwirts; aber Traute ließ sich nur feiten mehr herbei, ihnen Gesellschaft zu leisten. Tat sie es, dann wanderten ihre Augen! von Brenckenfelds dunklen, sieggewohnten Zügen immer häufiger zu des Fähnrichs verschlossenem Knabengesicht, der ihr nicht Wort noch Blick mehr schenkte, sondern sein Herz niederzwang, in Strömen Weins das heiße Brennen in der Brust ertränken wollte und unter TagS in tollen Ritten mit dem Sturin seiner Gefühls uni die Welte raste.
Der Sommermorgen koste im Buchenschlag, grüngolden ioebte die Waldeinsamkeit zwischen den silbernen Stämmen, und hoch von der Halde ries unermüdlich der Kuckuck. Mit lofeni Zügel klomm des Fähnriä>s Schimmel den Waldtveg die Halde hinan und rupfte, unbekünrmert um den trännrenden Reiter, rechts und links vom Wege die lichtgrünen Blätter von Haselstanden und Buchew- ästen. Mit eincnunal fuhr er zur Seite und tat ein paar so ivilde Sätze, daß der überrasäfie Reiter Mühe hatte, im Sattel zu bleiben. Ein Gertenschlag hatte den Hengst getroffen, und als der Fähnrich nach einem hellen Laä>en den Kopf wandte, sah er es bunt durck Zlvcige am Wege schlüpfen: und am stachligen Stechpalni hing'ein weißes Tüchlein, daS dem Urheber des heiteren Ueber- falls zngehören mußte. Max lenkte den Säfimmel heran, bückte sich Mls dem Sattel und hob den Fund an die Mlgen. Bei Gott, das Tuch hatte er noch gestern abend in Trautes Hand gesehen. Traute, mein Mädchen, lvas willst bu von mir? Ein schauer


