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mid sprang auf. Ihr Gesicht glühte. Eine ganze Weile herrschte tiefes Schweigen.
Da trat Thomas Hauschild ein. Hedwig stellte ihn dem Baron vor und verschwand in die Küche.
Thomas tzauschild war aus anderem Holz geschnitzt als August Knorreck. Tie Gewißheit, einmal ein Bauerngut von dreiundsechzig Morgen Primaboden zu erben, gab ihm dem Baron gegenüber eine zuversichtliche Sicherheit des Auftretens. Außerdem wußte ja jeder in Britztawe, wie lies der Baron bei Bartenstein und Levisohn in der Kreide saß.
„Warum machen Sie sich nicht bei Ihrem Pater nützlich'^ fragte Fritz von Winkelbern, der geschwind wußte, wie es mit dem Gehilfen stand. „Da ist doch gewiß Arbeit genug?"
„Das wohl!" antwortete Thomas Hauschild. „Aber cs laßt mir nicht, zu Hause den Großknecht zu spielen. Lieber eh ich mir ein bissel die Wett an, bis mein Alter abgewlrt- chaftet hat. Hernach ist man doch angebunden. Ihm ist es auch ganz recht so. Wenn wir zusammen wären, würden wir doch keinen guten Faden spinnen. So vertragen wir uns aanz gut."
'Dann begann er Anglist Knorreck zu loben. Lächelnd hörte ihm der Baron zu. Der junge Mann gefiel ihm.
„Sie sind schon zwei Jahre in dieser Stellung?"
„Jawohl," antlvortete der Gehilfe und wurde plötzlich rot. „Man kann hier sehr viel lernen."
„Also ist Ihnen Britzkawe die Welt?"
„Drirck-auS nicht!" wehrte Thomas Hauschild ab, und sein Gesicht färbte sich bss unter die Haarspitzen. „Ich hatte die Absicht sortzugehen. ?lber jetzt lväre es geradezu eine Gemeinheit. Ich werfe die Büchse nicht ins Korn."
„DaS ist brav von Ihnen," rief Fritz von Winkelberg und drückte ihm die Hand, „daß Sie mich nicht im Stiche lassen!"
Jetzt ließen sich August Knorrecks schloere Tritte im Hausflur hären. Er ivar bei Franz Wregelt länger auf- aehalten tvorden, als ihm lieb war, und brachte zivei Flaschen Rheinwein niit. Gleich daraus erschien die ganze Familie. Hedwig stellte die Suppe aus den Tisch und füllte die Teller, »nährend Frau Knorreck, noch von der Hitze des Herdes angegluht, beu gnädigen Herrn Baron willkommen hieß und ihre Verlegenheit wacker bekämpfte. Fritz von Winkelberg hatte bei ihr leichtes Spiel. Als der Gänsebraten kam, lvar Frau Knorreck schon mitten im besten Erzählen von den alten Zeiten. Thomas .Hauschild füllte mit hingebungsvoller Ausdauer die Gläser, und man wurde schnell heiter. Hedwig war sogar ein »venig ausgelassen. Nur August Knorreck wich mit keinem Wort und kemer Bewegung üver die Respektsgrenze, die er sich selbst gezogen hatte. Jedesmal erhob er sich feierlich, wenn Fritz von Winkelberg mit ihm anstieß. Das störte immer wieder die Gemütlichkeit. Endlich stieß der Baron nicht mehr mit ihm an, um sich nicht über den Eigensinn seines Inspektors^ ärgern zu müssen. Und er ließ ihn sitzen und hielt sich an die andern. Als nian bei den Krachmandeln war, schaute sogar Frau Knorreck mißbilligend auf Hedwig, die Thomas Hauschrld mit Schalen bewarf und ihn mit Pelagia Dubin neckte. August Knorreck machte dazu ein besonders finsteres Gesicht. Thomas Hauschild aber ließ sich es gern gefallen, denn er hielt es für Eifersucht. Weil es aber immer ärger, tuurde, stand der Inspektor auf, hieß in einer kurzen, kräftigen Rede den Herrn Baron nochmals willkommen und stieß mit ihm auf eine glilckliche Zukunft an. Alle stimmten freudig bei. Nachher flog für ein paar Augenblicke ein Engel durch die Stube. Diese günstige Gelegenheit erwischte Thomas Hauschild.
„Herr Knorreck!" sagte er laut. „Ich Hab mir's überlegt. Ich bleib doch noch ein Jahr!" i
„Das freut mich!" rief August Knorreck, streifte Hedwig mit einem kurzen Blick und hob sein Glas. „Aber hessern müssen Sie sich. Das Bummeln muß aushören. Ich behalte Sie bloß, tveil Sie ehrlich sind!"
„Na!" lachte der Gehilfe, den der Wein noch munterer gemacht hatte, und klopfte sich auf die linke Westentasche. „Ich kann mir den Luxus leisten." Hedlvig warf ihm für die Prahlerei einen verächtlichen Blick zu.
Doch es war nur blanke Aufschneiderei, was Thomas Hauschild da vorbrachte. Denn sein Pater hielt ihn sehr kurz, und das Gehalt als Britzkawer Wirtschaftsassistent langte auch nicht iveit. Aber er war sparsam, fast geizig,
wenn er es auch gut $u verbergen per stand, und spielt« gern hoch und immer mit Glück. So war er niemals! ohne Geld.
Gegen Mitternacht brach Fritz von Winkelbera auf. August Knorreck begleitete ihn, und Thomas Hauschilb ging mit der Laterne voran. Mutter und Tochter blieben allein zurück.
„Hast du gesehen?" sprach die Mutter leise und rührte Hedwig an den Arm.
„Was denn?"
„Er ist doch nicht verheiratet!"
„So?" antwortete Hedwig gedehnt, denn sie war sehr müde.
„Er trägt keinen Ring."
„Ich Hab nicht darauf geachtet," versetzte Hedwig schläfrig, legte die schlanken Arme hinter die Stuhllehne und dehnte die Brust.
„Und du willst ein junges Mädchen sein?"
„Nein!" ries sie unwillig. „Tausendmal lieber wär ich ein Junge!"
„Das sind Redensarten, die sich nicht schicken. Hast du denn gar nichts gemerkt?"
.Hedwig schüttelte den Kops und sah die Mutter groß au.
„Daß du ihm gefällst?"
„Ach, Mutter!" rief Hedwig unwillig, legte die Hände in den Nacken und warf den Kops zurück, „was du nicht alles denkst!"
In diesem Augenblick trat Thomas Hauschild ein, blies die Laterne aus und nahm noch einen Schluck Wein.
„Ein seiner Kerl, der Barons" sagte er anerkennend.
„Für Sie ist er der Herr Baron!" rief Hedwig entrüstet und lief hinaus.
„Nanu?" machte der Gehilfe verblüfft und sah ihr nach.
Aber Frau Knorreck seufzte nur. Da wünschte er gute Nacht und machte, daß er zu Bett kam.
Auch August Knorreck wünschte eine gesegnete Nachtruhe, als er im Herrenhause die beiden Lichter auf dem Schreibtisch angesteckt hatte. Dann wollte er sich zurückziehen.
„Bleiben Sie, Knorreck!" bat Fritz von Winkelberg. „Ich kann doch nicht schlafen."
(Fortsetzung folgt.)
Vas weihe Tuch.
i.
Als eben der Nachtwächter sein Horn ansetzte, die elfte Stunde zu blasen, trug ihm der Sommernachtswind den dumpfen Klang! von fernem Hufschlag zu. Mit schiefem Kopf, aufgerissenem Mund, das Horn starr vor sich hinhaltend, horchte der Wächter nach der Richtung, aus der der Säiall kam; und als dem Lauschenden Waffengerassel und das Gepolter Schwergewappneter vernehmlich »vurden, warf er mit einem Ruck das Horn auf den Rücken. „Alle guten Geister..." Mit einem Satz verschwand er über fünf Steinstufen in der Tür des Kruges, auS der noch ein Licht einen breiten Streifen aufs Marktpslaster warf.
In der dumpfen Stube riefen seine herv.orgesprudclten Worte: Reuter kommen — mau hört ihre Ross' und Waffen! einen Sturm wach. Seit Wochen wartete nian auf den Feind. Jetzt war er da. Wie bei Feueralarm rannten die späten Gäste, das Wirtsehepaar, ein paar Knechte und Mägde die Kreuz und Quer, um, ehe sie wußten, was tun, zu Erz zu erstarren; denn eine freche Fanfare schnitt einem Messer gleich in ihr Gen/ühl, und dann tobte der Lärnt von fünfzig, sechzig mächtigen Rossen mit Eisenreitern durch die enge Giebelgasse vom Katharinentor her auf den holperigen Markt. Tie Lust war voll von Hufgestampf, dröhnendem Schall der Harnische und Waffen; Kommandogebrüll fuhr daztvischen, und über dem Tosen schwang sich wie ein Raubvogel die aufpeitschende Weise eines Signals in die alten Lindenkronen.
Wer Mut hatte, lugte vorsichtig durch die Ladenaussck-aritts wohlverwahrter Fenster. Tie andern stammelten vor dem Bilde der Muttergottes oder am Haussegen die frommen Worte, die in Kriegszeiten den Himmel zu stürmen berufen sind.
Allgemach ebbte das Toben der eisernen Wehr ab, nachdem sich die Schar zu einer Doppellinie formiert hatte. Da und dort wieherte ein Hengst den: ersehnten Stall einen schmetternden Gruß zu. Zwei Trompeter ritten vor; ihre Hörner gellten zum Nachthimmel. Tarata, tarata! Dann mit rauher Stimme der eine:
Egestorfser Kürassiere seien gekommen, hier in des Feinde« Stadt Altkirch Quartier zu beziehen, bis man Ruhe halte im Tal- rmd den gottlosen Waffenschmuggel unterlasse. 9ßn Leib und Leben werde gebüßt, wer ferner bei dem verfluchten Handwerk betroffen, sein Hof verbrannt, Weib und Kind und wer sonst ihm verwandt, weggeführt, tzu liefern habe die Stadt an Hafer, Heu ltjrb Stroh


