Lurück zur Scholle.
Roman von Ewald Gerhard Seeliger.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
IV.
Hedwig deckte gerade den Tisch, als Thomas Hauschild eintrat. Ec war den ganzen Tag nicht aus dem Aergern herausgekommen. Auch Pelagia Dubin, die sonst gar nicht so spröde war, hatte ihn heute ablausen lassen. Er setzte sich in die Ecke und ärgerte sich weiter. Hedwig nahm keine Notiz von ihm. Als sie aber mit dem silbernen Tafelaufsatz hereinkam, der nur bei feierlichen Anlässen aus dem Glasschrank genommen wurde, tat Thomas Hauschild den Mund aus.
„Nanu?" fragte er verwundert. „Heut noch Besuch?"
„Der Herr Baron kommt!" erwiderte sie kurz.
„Ach so!" sagte er gedehnt. „Ich hätte mtr's eigentlich, denken können. Na, mir kann's gleich sein. Ich werd doch nicht lange mit ihm nnrtschasten."
„Wissen Sie, Herr Hauschild?" sprach Hedwig erregt und trat vor ihn hin. „Jetzt die Flinte inS Korn -u werfen, daS find ich einfach gemein?"
„So?" antwortete er verblüfft. „Wenn Sie das meinen, Fräulein Hedwig, dann kann ich ja gern noch ein Jahr bleiben!"
„Nein!" ries sie und trat wieder einen Schritt zurück. „Ich meine gar nichts. Sie müssen selbst wissen, was sich gehört. Und jetzt machen Sie, daß Sie aus Ihr Zimmer kommen. Binden Sie sich eine bessere Krawatte um. Und Rasieren haben Sie auch groß nötig!"
Thomas Hauschild gehorchte wie ein Schulbrrbe, und Hedwig füllte den Tafelaufsatz mit Fuchsienblüten und RoSmarinzweigen, die sie von den Blumenstöcken schnitt, die aus dem Fensterbrett ihres Zimmerchens standen. Frau Knorreck richtete unterdessen in der Küche das Essen und war sehr aufgeregt. Als August Knorreck um halb sechs inS Zimmer trat, tvar der Tisch bereits fertig gedeckt. Hedwig half der Mutter in der Küche. Der Vater girrg
K zu Franz Wiegelt, um ihm die zwei Taler für chre zu bringen und ein paar Flaschen Wein zu
holeit.
Frau Knorreck Übersiel ein großer Schreck, als Fritz von Winkelberg, den die Einsamkeit aus dem Herrenhause
E ieben hatte, eine Viertelstunde zu zeitig im Jnspektor- etntraf. Hedwig mußte den Gast empfangen, denn die ter hatte noch gar nicht Toilette gemacht.
,Hch komme zu früh," lachte er und setzte sich in die warme Sosaecke.
„Bis sechs Uhr müssen Sie wartm. Herr Baron!" ant- rtete Hedwig und legte die Hände in den Schoß. „Der raten ist noch nicht gar/"
„Ihre Frau Mama macht meinetwegen Umstände, das ist mir nicht lieb!" , .
„Wir sind machtlos. Der Tyrann befiehlt, wir Sklaven müssen gehorchen." . . .
„Tyrann!" lachte der Baron hell aus. „Das ist er wirklich. Am schlimmsten gegen sich selbst. Er hat geradezu bedauernswerte Vorurteile. Was meinen Sie, er hat meine Freundschaft glatt zurückgewiesen!"
,La!" sprach Hedwia ernst. „Er ist etwas eigen. Aber Sie dürfen ihm darum nicht böse fein, Herr Baron?"
„Ich brauche aber einen Freund, einen Menschen, mit dem ich sprechen kann, ohne daß mir alle Augenblicke der Herr Baron an den Kops fliegt. Ich empfinde dieses Worb einmal als eine Brandmarkung. Jeder, der sie trägt, ist in meinen Augen ein Ausgestoßener."
„O, Herr Baron!" ries Hedwig, entsetzt über diese Lästerung. . , pjri
„Also auch Sie, Fräulein Hedwig!" sprach er enttäuscht. „Auch Sie haben sich vorgenommen, mir jeden Tag ein paar schmerzhafte Beulen zu versetzen! Von Ihnen hätte ick es am wenigsten erwartet. Können Sie nicht verstehen, daß ich nur den einen Ehrgeiz besitze, ein Mensch zu sein?"
Sie nickte schweigend und schlug die Augen nieder.
„Und wenn ich Sie nun bitte," fuhr er dringender fort, „herzlich bitte, von all diesen lächerlichen Vorurteilen abzusehen und mir zu helfen in dem Kampf, den ich hier auszufechten habe. Denn Ihr Vater respektiert in mir nicht den Menschen, sondern den Baron, ein blasses Prinzip, den Ma- joratsyerrn. Im letzten Grunde seines Herzens verachtet er mich."
„O nein, nein!" rief sie erschreckt und hob die Hände. „Sie kennen ihn nicht!"
„Doch!" erwiderte Fritz von Winketberg mit Entschiedenheit. „Kann ich aber mit einem Manne, der mich verachtet, auf die Dauer zusammen arbeiten? Und ohne ihren Vater kann ich mich hier aus Britzkawe überhaupt nicht halten. Ich verstehe nichts von der Landwirtsck>aft. Ich sehe in diesen Dingen sehr klar. Es handelt sich um meine Existenz, obgleich es aussieht wie eine lächerliche Marotte."
Hedwia schwirrte der Kops, aber ihr gesundes Gefühl leitete sie sicher.
„Wollen Sie mich nun auch zurückweisen?" fragte er
sanft.
„Nein!" sprach sie fest und streckte ihm rasch die Hand hin.
„Und Sie würden mir Ihre Freundschaft auch schenken, wenn ich nicht zufällig da drüben im Herrenhanse geboren wäre?" fragte er, ohne ihre Hand losznlasseii.
Sie nickte sllunm.
„Weshalb?"
„Weil Sie mir gefallen!" antwortete sie und hielt seinen forschenden Blick tapfer aus.
Da neigte er den Kops uub drückte einen leisen Kuß aus ihre Fingerspitzen. Hastig entzog sie ihm die Harck


