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etn Kessel mit Milch über dein offenen Feuer hing, dahinter lagen, fßch im Halbdunkel verlierend, die Ställe, zur Rechten öffnete sich die WirtSstube, in der der grüne Kachelofen behaglich knackerts Und die roten Geranten am Fenster ein Stückchen Frühling in dm trübm Wintertag trug«:.
„Grüß Gott!" sagte der Wirt, der dicke Zlvirner, und reichte dm Emtretenden die Hand. „Na, laßt ihr euch »nieder mal sehm? Man hat diesm Winter hier oben ordentlich seine Unterhaltung."
„Waren die Franzosm hier?" fragte Rainer.
„Ja, gestern aderst)," antwortete der Wirt. „Neue Truppen, Alpenjäger. Sie haben ein Viertelfaß Wein mitgehen heißen, die Gaudiebe."
„Wir wollm einen Posten ausstellen," sagte Rainer, „während wir uns einen Augenblick auswärmen. Alex, du bist dran."
Der richtete sich zusammen und perließ das Zimmer. In seinem hübschen, leichtsinnigen Gesicht lag eine dmtlrche Unmutsfalte. So! die anderen trankm jetzt ein Glas Rotwein, und die reizmde Rest kredenzte es ihnen, und er konnte derweilen im Schnee stehen und sich nasse Füße holen.
Er ging um das Gebäude herum und spähte über den Kamm in das unsichtige Schncegrau: nichts regte sich. Er ging zurück und sah ins Wirtszimmer. Tatsächlich schenkte Resl den Kameraden ein Glas Roten ein. Wie sie dabei mit dem Oberjäger Rainer schön tat! Und er konnte hier Schnee treten. Wieder ging er ums .Haus und spähte über die einsame Kammhöhe. Tic Rest hatte es ihnc nun einmal angetan. Umsomehr ärgerte es ihn, daß sie nichts von ihm wissen »vollte und immer Rainer vorzog. Was sie an dem nur fand? So ein langweiliger Kerl, durch und durch Kommiß! Gegen ihn kam der doch gar nicht auf, — und schließlich war's am Ende Absicht, daß er ihn hier als Posten kalt stellte.
Er hörte die Haustür knarren — Resl! Sie ging mit einer Karaffe zum Brunnen. So ein lyübsches, feines Mädel! Er verfolgte ihre sch'.anke Gestalt mit.den Blicken.
„Fräulein Resl!" Mit einigen langen Schritten war er bet ihr, „h.ut müssen Sie ohne mich zurecht kommen. Wird Ihnen sauer, wie?"
Resl zuckte schnippisch lachend die Achseln, während sie die Karaffe unter den aus kleiner Röhre fließenden Quell hielt. „Nicht so arg, wie Sie sich das denken," gab sie schlagfertig zur Antwort. „Im Gegenteil, wir unterhalten uns sehr gut."
„Ach. wirklich?" fragte er spöttisch. „Kann denn einer von denen etwas anderes erzählen als von seinem Schießprügel oder von seinem Hund wie Rainer? Ten können Sie auf eine Spur setzen, welche Sie wollen, er kommt immer auf seinen Hund."
„Und manchen andern können Sie auf eine Spur setzen, welche Sie wollen, er konrmt immer auf seine eigene Person," versetzte Rest. „Lassen Sie mich aus! Stecken Sie die Nase lieber in den Wind und gucken Sie nach dem Feind hinüber." Sie lachte und verschwand mit muntern Schritten in der Tür.
Ter schöne Alex machte ärgerlich wieder kehrt und stapfte zur
t ausecke, wo ein großer Stapel Brennholz lag. Donnerwetter!
ah er richtig? Trüben »vurde es im Paßsattel lebendig. In aufgelöster Ordnung zog eine ganze Kompagnie Franzosen über den Kamm, Alpenjäger, kenntlich an ihren großen, runden Mützen. Ein Teil kam drüben von der andern Sötte des Bärenkopfes, der als runde Kuppe sich über dem Kamm erhob. Die Spitze dieser Abteilung hatte bereits den Wald erreicht. Der Rückzug war ihnen damit abgeschnitteu ! Atemlos sprang der schöne Alex um das Haus und stürzte ins Zimmer.
„Franzosen! Eine Kompagnie!" schrie er. „Wir haben keinen .Ausweg mehr?"
„Verflucht!" stieß Rainer hervor und war mit einem Satz am Fenster. Es war »oahr! Sie saßen wie im Fuchsbau. Sein Gewehr niederlegen, die Waffen strecken! Er wurde fahl bei dem Gedanken. Mer hinausstürzcn, sich durchschlagen? Ein Blick auf die vorgehenden Feinde lehrte ihn. daß das Wahnsinn sei.
„Schnell, schnell ! In ein Versteck!" rief Zwirner, „daß sie euch nicht fassen. Vielleicht bleiben die Franzosen bloß ein paar Stunden, luie schon so oft."
Me eilten in den Stall, und Zwirner stellte die Leiter zuM Heuboden an. Ms letzte stiegen Rainer und Mex hinauf. An diesen trat Resl heran, mit stammenden Augen. „Sie haben 's verfahren, mit Ihrer Schmachtlapperei!" fuhr sie ihn au. „Jetzt scheu Sie, »me Sie's wieder herauSbringen."
Zlvirner folgte den Soldaten und führte sie in einen Verschlag, dessen Tür er von außen durch dicke Heubündel verbarg.
Tie Eingeschlossenen mußten sich mäuscl)enstill halten. Sie m)rten letzt die Stimmen der Franzosen im Hause, ihr Lachen und Rodomvntteren. Jetzt taten sie mit Resl sckiön! Teren letzte Worte batten den schönen Mex aufs tiefste getroffen. Ja, er war schuld, weil er von einem schönen Mädchen nun einmal nicht die Augen lassen sonnte, wenn sie gefangen wurden und den Rest des Feldzuges m Algier oder sonst ivo saßen. Er war ein leichtherziger Vursck>e, aber ein deutscher Soldat. Er mußte sehen, »vie er's wieder ms Gleiche brachte, Rest hatte recht!
Rainer hatte an der kleinen Dachluke einen Beobachtungs- ftF bezogen. „Verdammt!" stieß er nach einiger Zeit durch die »ahne, „die Kerls graben sich ein. Sie denken nickst daran, »vie- v& ÄMrückeo."
f !m Hause war'S wieder Ml geworden. Mle Mann w-aren en bei der Arbeit, in dem steinigen Boden Schützengräben anzulegen.
„Einer muß versuchen, sich dnvchzuschleichen," sagte Rainer, „um Hilfe zu holen. Freiwillige vor!"
„Hier!" sagte der schöne Alex.
Einen Augenblick musterte ihn Rainer aus finstern Augen. „Gut!" sagte er dann kurz.
Mit Dunkeltverden tönten ganz leise Schritte auf dem Boden, mau hörte, wie die Heubündet beiseite geräumt wurden. Resl trat ein.
„Etwas Mendbrot," sagte sie, und reichte den Eingeschlossenen ein Larb Brot und einen ganzen Käse.
!" Rainer nahm sie bei der Hand, „einer von uns muß bei Nacht hinaus. Sie müssen ihm forthelsen."
„Gewiß!" entgegnete Rest. Einen Augenblick sann sie nach. „Ich bringe einen alten Anzug vom Vater. In ZivU geht's vielleicht." Wie ein Wiesel huschte sie fort. Nach wenig Minuten war sie »oieder da und händigte dem schönen Alex Joppe, grobe Beinkleider und einen breitkrempigen Hut ein.
„Du mußt gleich gehn/' sagte Rainer, „jetzt im Menddäuimcrn, in der Richtung aus die Kammhöhe, als ob dort etwas zu tun für dich »väre. In einem »veiten Bogen schivenkst du dann herum. Morgen früh muß der Entsatz hier sein."
Schnell war Alex- umgezogen und zog als regelrechter Bauernknecht die Bodenleiter hinab. Resl erwartete ihn unten im Metk- zrmmer und händigte ihm, ohne ein Wort, ein Beil ein. Zugleich öffnete sie ihm die hintere Stalltür, um Ihn ins Freie zu lassen.
Dicht neben dieser Tür standen, in ihre dlinkeln Radmäntel gehüllt, ein paar-Alpenjäger, frierend, die Hände in den Taschen, die glimmenden Pfeifen im Mund. Alex- sah ihre dunkeln Augen aus nächster Nähe blitzen. Es versetzte ihm doch ettvas den Atem.
„Wohin?" rief der eine Franzose. Alex verstand zwar kein Französisch, aber er entnahm den Sinn auS der entsprechenden Bewegung des Franzosen. Er zeigte sein Beil und deutete aus den Paßsattel, dort »volle er hin.
Der Franzose nickte gleichgültig und ließ ihn passieren. Der schöne Alex beeilte jetzt seine Schritte und war schnell in derst niederstäubenden Schneegerinsel verschwunden.
„Er ist durch!" raunte Rainer seinen Leuten zu. „Vielleicht kommen »vir doch »wch aus der Klemme."
Jndeß wurde es im Hause »nieder lebendig. Tie Franzosen hatten ihre Schanzarbeit getan, nur die nötigsten Posten bttebün in den Gräben. Das Haus »oar erfüllt von Lachen und echt gallischem Schwadronieren.
„Stopft die Oeffnungen zwischen den Latten gut zu!" mahnte Rainer, „und hallet euch ruhig." Er hatte einst bei einer großen Überschwemmung einen Fuchs beobachtet, der im Geäst einer alten Korbweide saß und das Weitere abivartete. Sie waren jetzt in einer ähnlichen Lage.
Es war inzwischen ganz finster geworden. Ihre Gewehre z»vi- sKen den Knien, saßen und lagen die Jäger ganz still, ohne ein Glied zu rühren. Rainer ertvog, was zu tun sei, wenn ihr Versteck doch entdeckt würde? Es blieb fast keine andere Wahl, als das Gewehr zu strecken.
Unten erhob sich ein lautes Fluchen. Die Franzosen »vollten auf. dem Boden übernachten, Zwirner sie aber lieber unten in den Ställen behalten. ,Ln dem verfluchten Mist kannst du selbst schlafen, du Ferkel!" schrie ein Sergeant.
„Meine Herren!" rief Zlvirner, der, wie die meisten Elsässer gut französisch sprach, „wir haben hier ein Kraut in unferm Heu, dessen Tust gefährlich ist, auch »venu das Heu schon ganz trocken ist. Gehen Sie hinauf, bitte sehr! Aber »venu morgen ein paar Mann betäubt oder gar tot sind, — ich habe keine Schuld!"
Mit einigem Hin- und Herreden, Brummen und Schelten fügten sich die Franzosen.
„Gott sei Tank!" sagte Rainer oben zu seinen Jägern, „daß wir unter dem Dach von so guten, rechtschaffenen Leuten sind." Und er bat Zlvirner und Resl im stülen sein Mißtrauen ab.
Endlos schlick die Nacht hin. Trübe brach der späte Wintertag an; im Hause rührte sich nichts. Die Franzosen, müde von dem Marsch und der Sckianzarbeit gestern, schienen ui dem „verfluchten Mist" ganz gut zu schlafen. Es ging auf zehn Uhr vormittags, und noch immer regte sich nichts.
Ta knallten plötzlich Warnungsschüsse durch den Nebel, gleich darauf setzte das scharfe Knattern eines Maschinengewehrs ein. Hurra! klangs kurz und bündig vom Waldesrand her. Das »var ihre Kompagnie! Im Sturm kam sie durch die kaum verteidigten Laufgräben.
Mit wildem Hallo waren die Franzosen aufgesprungen, ihr Hauptmann suchte seine Leute in Eile aufzustellen. Er stand vor dem Hause, gerade recht für Rainer. Ter schob sein Geivehr durch die Luke, ein Knall, und der französische Hauptmann stürzte, in den Rücken getroffen, zusammen. Zugleich feuerten seine Jäger: 4, 5 Mann fielen auf einmal.
Ta war bei den Franzosen kein Halten mehr. „Verrat!" schrien sie, „Verrat!" und liefen, was sie konnten, bergaufwärts vor den deutschen Bajonetten.
Der Kampf »oar vorbei. „Alex!" sagte Rainer, „ich »vollte


