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In zwanzig Jahren wird sich der Wald schon sehen lassen. Wann werden der Herr Baron ans die Jagd gehen?"
„Nein!" sprach Fritz von Winkelberg. „Vorläufig muß ich mich schonen. Bleibt alles Ihnen überlassen, Ruppert. Knallen Sie drauf los, daß mir das Zeug nicht in die Felder kommt."
Der Förster trat betroffen zurück. Moritz Gaffel ließ die Peitsche krachen, und der Schlitten flog ans dem Walde heraus. Da sah Fritz von Winkelberg zum ersten Male seit dreizehn Jahren sein Heimatdorf wieder. Aus dem Hügel in der Mitte ftnub noch immer die alte, wacklige Holzkirche. Nach vier verschiedenen Richtungen strebten die dünnen, von Gärten lind Höfen durchsetzten Häuserzeilen den sanften Abhang hinunter. Aus dem Nachbarhügel schwang eine hölzerne Windmühle ihre Flügel. Sehr lvenig hatte sich das Dörs- ck)en verändert, Und Moritz Gassel, der neue Lehrer, fuhr den neuen Baron von Winkelberg mit heiterem- Schellew- tzeläut ins Dorf, setzte ihn vor dem großen, kastenförmigen Herren hause ab, brachte Hedwig vor das Jnspektorhaus, lvo sie von ihrer Mutter mit Sehnsucht und Neugier erlvartet wurde, und lenkte das Gefährt endlich bis in den .Hof Franz Wiegelts, dem er die Tiere absträligen half.
Dann schritt er zu seiner Schule hinunter, schloß auf, machte Feuer im Ofen, setzte sich aus das altersschwache Sofa, zündete sich eine Zigarre an, stützte den Kops in beide Fäuste uild dachte lange und regungslos über irgend etwas Wichtiges nach.
Fritz von Winkelberg stieg unterdessen hinter seinem Inspektor her durch die leeren Ställe und Scheunen, durch die Keller und Böden, durch die Schuppen und Remisen und Dienstwohnungen des Gesindes und fand in dem ganzen übergroßen Gewese nichts, was des Mitnehmcns wert gewesen wäre.
Nur Schutt, Gemüllc und zerbrochene Geräte lagen in den Ecken.
„Nicht eine einzige Pflugschraube haben diese Schufte dagelassen!" schalt August Knorreck und wies auf den großen Düngerberg. „Aber den hier konnten sie nicht mitneh- men. Die Kälte ist doch zu etwas gut."
„Ultd das ist alles?"
„Nein, Herr Baron!" sagte der Inspektor, schrägte über den Hof und zog einen Schlüssel aus der Tasche. „Noch etwas' Hab ich den Räubern abgejagt!" Der Schlüssel knirschte, und das breite Tor des Herrenhauses tat sich auf. Dumpfe, mod- rige Luft schlug ihnen entgegen. Auch hier grinsten sie leere Wände an. Sogar die Ahnengalerie, die im Flur des ersten Stockwerkes ihren Platz gehabt hatte, war verschwunden. Nur die rostigen Nägel staken noch im groben Kalkputz. Da stieß August Knorreck zwei Türen auf. Diese beiden Zimmer warein nicht leer. Es waren die Räume, die Fritz von Win- kelberg in seiner Jugend bewohnt hatte. Wortlos dankte er dem treuen Diener. Dann traten sic zusammen ans Fenster. Der Inspektor zog die Vorhänge zurück. Weit nach Süden hinein schweifte der Blick über die sanftgehügelte, schneeglänzende Landschaft.
. "Da haben sie noch etwas vergessen!" rief August Knorr rrLIfrür l &* '*®l e ^iden Karpfenteiche, da unten an bei Chaussee. Die sind vor vier Jahren besetzt worden. Könner letzt ungefähr dreißigtausend Pfund drin sein."
„Das ist nicht viel," meinte der Baron und starrte hinaus aus die weißen Fluren, ans den dunklen Wald, der
Eisfläche,7im Süden" 6eibe " worsbegrenzte" glatten
Boron!" sprach August Knorreck langsam. „Das alles gehört den Herren von Winkelberg!"
~ r»"^in!" sagte der Baron und stützte aus dem hohen Fensterbrett den Kops müde in die Hand. „Der Boden ge-
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„Befehlen der Herr Baron »och etivas?" fragte er. ÄÄ l ’i e ? 9 r 'Ö von Winkelberg, wandte sich um Freund!" 6nbc auS ' -Knorreck. ich brauche einen
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„eie wollen mich nicht verstehen, Knorreck!" sprach Fritz von ^Winkelberg und seine Stimme zitterte. „Warum wol- len Sie mein Freund nicht sein?"
„Jeder treue Diener ist der Freund seines Herrn!" sagte August Knorreck fest und schaute dem Baron in die Augen. „Ein solcher Freund will ich dem Herrn Baron sein. Das andre darf ich nicht."
„Wer verbietet Ihnen das?"
„Ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch," sprach August Knorreck und senkte den Nacken.
„Diese Vorurteile!" rief Fritz von Winkelberg und schlug ärgerlich die Hände zusammen. „Wie kann ein gebildeter Mensch, wie Sie, in solchen Vorurteilen stecken. Das, was Sie sagen, ist geradezu komisch. Ich bin auch nur ein gewöhnlicher Mensch. Und ich ivill nur ein Mensch sein. Der Geburtsadel ist ein verdammter Humbug!"
August Knorreck senkte den Nacken noch tiefer, aber cs war kein Zeichen des Einverständnisses. Er glaubte, über diese. Dinge anders denken zu müssen. Respekt mußte sein! Baron blieb Baron, und tvenn er's auch nicht sein wollte!
„Ich werde Sie Dickkops noch herumkriegen!" sagte Fritz von Winkelberg und klopfte ihni auf die Schulter. „In der Hartnäckigkeit nehm' ich's mit Ihnen auf, mein lieber Knorreck!"
„Wann darf ich dem Herrn Baron das Abendbrot bringen?"
„Das ist ein Gedanke! Ohne Ihre Fürsorge iväre ich hier ja verraten und verkauft. Grüßen Sie einstweilen Ihre Frau von mir."
Uhr?"
Befehlen der Herr Baron das Abendbrot um sechs
„Ich befehle Ihnen gar nicht mehr, Knorreck!" lachte Fritz von Winkelberg. „Aus Wiedersehen um sechs. Ich komme zu Ihnen hinüber."
(Fortsetzung folgt.)
ver ,cyone mex.
Skizze von Kurt K ü h n s.
Tief verschneit lag der Wasgenivald; die Zweige der Tannen bogen sich unter ihrer weißen Last, und wie mit blanken Helmen geschmückt, ragten ihre Kronen in den düstern Himmel, an dem echncegewölk zog, das weit die BerMmme deckte und schwer wie ein Bahrtuch mit brauendem Nebel die Täler füllte.
Durch den Hochwald pirschte vorsichtig, die Gewehre schuß- fertig im Arm. eine ^ägerpatrouille. Wie die Schatten, wie graue Waldgnster stiegen sie langsam zwischen den schneebehangenen Wald- riesen den steilen Saumpfad empor. Nur selten klirrte ein Stein unter dem Tritt eines eisenbeschlagenen Stieses; mit Jägerschritten, katzenartig giiig cs aufwärts.
An der Spitze der kleinen Schar ging der Oberjägcr Rainer, ein stattlicher Mann Ni,l kurzgeschnittenem blondem Vollbart, gleich lstnter ihw folgte der schöne Alex, wie er in der ganzen Kompagnie Aiigen eiH hübscher, schlanker Junge mit großen, miltivikligen
Langsam stieg die Patrouille höher, ohne ein Wort zu weckstelu. scharf ausspaheild Nichts rührte sich im winterlichen Hochwald. m ... £€r lichtete sich und der Kamm dehnte sich mit kahlem Rucken vor dem Wanderer. Durch das Schneegrau des trüben Lagcs sah man bereits den Kammsattel und in diesem ein ein- ^bäude, dessen Mauern so grau waren wie das sie umgebende Gestein eme lener großen Sennwirtschaften, Melkereien E '" rin Wasgenwald. wie sie sich zahlreich in den Hochvogesen ^ b ^ ??? w,rd zum Winter lstuab ins Tal getrieben, uur dne Barcnkopfhutte. Uwe jene Melkerei hieß, blieb auch iw Winter bewirtschaftet, um Bergwandcrcrn, die den Gebirgspaß überschritten, erneu Unterstand zu geben. ü
.Patrouille verteilte sich, weit sich auseinauderzichcnd, und schlich mit besonderer Vorsicht über die offene Fläche. Tie Bären- kopshutte wurde ebenso oft von französisck>en Patrouileu besucht wie von deutschen. Wenn man trotzdem noch nicht mit dem Feinde zusammengestoßen ivar, hatte man das nur dem Zufall zu danken ^ivar aus den Wrrt, den gemütlichen, lustigen Zwirner und seine tochter, die Rest, mit ihren dunklen Augen und den reizenden Grubckien im Kann, konnte man sich verlassen, aber, dachte der Oberiager Rainer, er hatte als Förster seine Erfahrungen ge- ammelt, Vorsicht rst die Mutter der Weisheit, — obwohl es ihm gerade der Rest gegenüber schlver lvurde. so zu denken. Er hätte für ste die Hawd ins Feuer gelegt.
SMrorfojWitt« »wir auch heute vom Feinde frei. Die ickager stampften den echnee von den Füßen und ttaten tn den dunklen Flur: geradeaus ging es in dt« große MelMube. in dev


