Mittwoch, den 5. Mai

Lurück zur Scholle.

Roman von Ewald Gerhard Seeliger.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Hinter dein Dorse lenkte Hedwig in den Wald ein. Es kam eine schlechte, von tiefen Gleisen zerquälte Landstraße, die den leichteil Schlitten von einem Kufen auf beit andern warf. Hedwig mußte die Tiere schärfer Kugeln, daß das schivache Gefährt nicht kurz und klein geschlagen ward. Alle Gedanken mußte sie zusammen nehmen. Und doch konnte sie es nicht verhindern, daß hin und wieder einer zum Baron flatterte. Auch an Moritz Gassel mußte sie denken, den sre immer noch nicht eingeholt hatte. Er ivar ivohl den Kirchweg über die Felder marschiert. Bei der nächsten Schneise bog dieser schmale Steg in den Fahrweg ein. Und als sie an die Stelle kam, wo sie dem Vater versprochen hatte, Thomas Haaschild zum Bleiben zu ermuntern, dachte sre auch an den. Der stand jetzt sicher bei Pelagia Dubin! Und hier scheute das Sattelpserd plötzlich vor einem jungen Tannenbaum, den die Schneelast über die Straße beugte, ging durch und riß das Handpferd mit. Zum Unglück löste sich noch die Schnalle des Zügels, daß Hedwig nur noch das Handpferd regieren konnte. Aber es gehorchte ihr nicht mehr. Ta streß sie einen lauten Schrei aus, der durchaus nicht geeignet ivar, die Tiere zu beruhigen. -In voller Karriere jagten sie die holprige Straße hinunter, daß der Schlitten aNe Augenblicke nahe am Umschlagen ivar. Hedwig ließ die Zugel fallen, wert sie sich mit beiden Händen festhalten mußte, um nicht aus dem Gefährt geschleudert zu werden. Da sah sie ivett vor srch einen Menschen, schrie noch einmal und schloß dre Augen. Der Mann, der etwa sechshundert Schritte voraus ivar, drehte sich auf den gellenden Schrei sofort herum und über­sah mit einem Blick das Unheil, das da l)erangehetzt kam. Der leichte Schlitten sprang mit langen Sätzen von einem Kufen auf den andern. Nun hieß dieser Mensch, aus den die Pferde zupreschten, Moritz Gassel, und ein Held, der sem eigenes Leben so ohne iveiteres in die Schanze schlug, war er nicht. Deshalb warf er sich dein wild gewordenen Gespann nicht in den Weg. Es wäre ihm auch schlecht bekominen. Aber deii Ueberrock warf er ab, griff, als der Schlitten an rhw vor­beisauste, glücklich den Kutschbock, der hinten auf den Kufen aiigebracht war, schwang sich hinein, über die Srtze, hinaus aus die Deichsel, die schon in allen Fasern knirschte, erwischte bald die Schnalle und brachte die Tiere «um StAen. schnell schlug er de,i Züaelriemen in die Schnalle, stieg in den! Schlitten zurück und nahw die Peitsche.

Hedwig hatte sich unterdessen von ihrem Schrecken er-

**° U©ie sind es, Herr Gassel?" ries sie verwundert.

Jawohl!" lachte er und wendete den Schlitten, um seinen Ueberrock zu holen.Ich habe die Eklegenhett ivahr-

licht und reichte ihm die

i

enommen, Ihre nähere Bekanntschaft zu machen.- Der 'ausend, die Tasche voin Herrn Baron ist heratwge-

orungen! Brrr!" , - .

Die beiden Rappen standen und stampften. Hedwr, prang heraus und hob die Tasche aus dem Schnee. Au«

>en Ueberrock, der etwas weiter lag, holte sie heran.

Ich danke Ihnen!" sagte sie "~ K '

Wofür?" lachte er laut.Jeder andere hätte dasselbe ietan. Und so schlimm, wie es aussah, war es lange nicht.

Daß Sie etwas davon verstehen?" rtes sie lebhaft, als »r das feurige Gespann mit leichter Mühe auf dem holprigen Wege herumholte.

Nicht wahr?" meinte er grimmig.Weil ich doch nur :iu Schulmeister bin. Weiß Gott, ich würde heilsroh sem, venn ich dem ganzen Krenipel die Peitsche geben konnte.

Dabei fnattte er, daß es wie ein Pistolenschuß klang, and ließ die Pferde laufen. Hedwig mußte sich sesthaltem )enn es ging Hals Liber Kopf, und die Straße war noch immer uneben. Bei der Waldecke rührte sie an seinen Arm. Halt! Hier müssen wir warten!" v . .

Brrr!" machte Moritz Gassel, und die Pferde standen mit fliegenden Flanken.

Erzähleti Sie meinem Vater nichts davon bat sie

leise

Keinem Menschen!" schwur er.Das bleibt unter uns." Da reichte sie ihm die Hand, und er druckte sie diesmal

ö(Uth /!ft kommen sie schon!" ries sie plötzlich und wies an der Lärchenschonung entlang.Geben Sie mir die Zügel. Was ich habe, das halte ich!"

Aber, was wird Vater denken?"

Uebung macht den Meister!" w -

Gleich daraus stiegen Fritz üon Winkelberg und August Knorreck in den Schlitten. Moritz Gassel ließ die Rappen laufen Voll der Waldecke ab \mx der Weg glati wie etil Spie­gel. Im Galopp gings bei der Försterei vorbei Kaum hatte Karl Ruppert, der alte graubärtige Förster, Zeit, vre

Mütze herunterzuziehen. , . . K .

Fritz von Winkelberg ließ halten und winkte den

Waldmann heran. . t ,

Guten Tag, Herr Baron!" rtes der schon von weitem und schwang ein paarmal seine Mütze.Wiinsckse deni gnä­digen Herrn Baron einen guten Tag!" , r

Schon gut, schon gut!" begütigte ihn Fritz vvn Wmkel- bevg und reichte ihm die Hand.Alles ivohl aus die alten Tage?"

Hab nicht zu klagen, gnädiger Herr!' Und der Wald, Ruppert? Wie steht

uuu uc», W u«,, ,.JI der Wald au«?"

"Nicht meine Schuld, gnädiger Herr! Der selige Herr >tt Winkelberg hat es so besohlen. Hat nur selber ,oeh 'tan. War nichts dagegeti zu machen."

Wie ist der Wildstand?"

Wild genug, nur kein Holz! Wächst aber schon lunrg.