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..Wie sollten sie! £ie glauben uns längst loeit fort im Westen. Ja. wenn die wüßten, daß unser Rückzug eine Scheinrctirade ge wesen ist..." Die folgenden Worte erstorben im Dunkel der Nackt, und die verlmllenden Schritte zeigten an. daß die beiden Plaudernden fick nach Westen entfernten.
Jakob lag noch immer und lauschte: er füllte deutlich, wie sein Blut anfing, in seinen» K-örper zu kreisen. Hier nun* Gefahr — höchste Gefahr für die Seinigen.
Und er selbst mit seinem Peterle, er sollte das Werkzeug sein, das die Sinnigen vernichten sollte?
Er sprang aus.
Noch eine Sturrdc mochte cs dauern, dann mochte das schmetternde Kikeriki seines Hahnes die ausgehende Sonne begrüßen ... Das durste nicht sein.
Seltsam, plötzlick rvaren alle Schmerzen von ihm gewichen. Er richtete sich aus: feine hagere Gestalt straffte sich, und er fühlte, wie ihn plötzlich Kraft und Entschlossenheit durchströmten. Ortskundig, mit der Geschicklichkeit des Naturkindes »vand er sich zwischen den Stämmen hindurch und raste in tollem Lauf talabivärts.
Der Himmel begann zu erblassen. Tie Sterne wurden trüber, uno die Mondsichel stand tief am Himmel. Jeden Augenblick konnte es dell werden. Jasiib jagte in Todesangst.
Endlich? Im ersten Dämmerlicht grüßte ihn dort drüben das armselige Tach seines Hauses. Atemlos riß Jakob die Gartenpforte auf und stürzte in den Hof. Ter Hahn fuhr schlaftrunken flatternd empor.
Jakob lies mit drei Schritten aus das Tier zu. das seinen Herrn erkannte und freundlich, mit den Flügeln schlagend, auf ihn zukam. Eckerle fühlte, lvie es ihm heiß und brennend im Herzen aufstiea. Einen Atemzug lang zuckten seine Hände zurrick. Tann, plötzlich hörte er wieder die Stimme der beiden feindlichen Soldaten in seinem Ohr dröhnen. Tie Seinen sielen ihm ein, die jetzt ahnungslos dem jungen Morgen entgegenschlummerten, deren Schicksal vielleicht in seine Hand gegeben tvar — und zitternd, mit abgervandten Gesicht griff er nach dem Hahn, der mit dem Instinkt des Tieres zurückslatternd den nahen Tod fühlen mochte — und mü einer einzigen Bewegung drehte er ihm den Hals um.
Einen Augenblick stand er reglos. Aber nein, — noch war die Gefahr nicht vorüber. Es galt die Stadt St. zu warnen, sie zu benachrichtigen von dem Nahen der Feinde. Er stürzte zur Pforte und lief, den Kops gesenkt wie ein Träumender, rrach Osten.
Ein paar farbige Flammenbündel schossen über den Himmel. Mit sieghaftem Lächeln stieg drüben im Osten die Sonne empor. Und während der arme Jakob ins Tal hinunter raste, fühlte er, roie ihm schwer und unaushaltsam die Tränen niederrannen.
vermrschtes.
* 3 otfre a n der Arbeit. Als die erste autorisierte Darstellung von Ioffres Arbeitsweise, die seit dem Beginn deS Krieges veröffentlicht wird, bezeichnet die „Times* die Schilderung eines Berichterstatters, der den französischen Oberbefehlshaber in seinem Hauptquartier besucht hat. .Tie Pracht und der Prunk des Krieges, wenn sie je vorhanden gewesen sind, haben aulgehort*. erzählt dieser. .Ein Besuch bei General Ioffre ist mit Ausnah,ne der 'Anwesenheit von ein oder zwei Ordonnanzen an der Türe >vie ein ganz gewöhnlicher Bestich in einem gewöhnlichen Hause. Vater Ioffre, in deffen Hand das Schicksal Frankreichs liegt, empfing mich zur sesigesehteir Stunde in einem flelneii Zimmer mit einem lange,! schmalen Tisch, der einen weißen Filzüberzng hat, so ivie ihn die Tische m den Wirtschastsräuinen haben. Um '/,? Uhr betritt Ioffre reden Morgen diesen Raum und um 7 Uhr hat er eine Konferenz uE den sechs ersten Offizieren des Generalstabes, mit General !? , : m ^^eit Adjutanten und drei anderen Oisizieren. In dieser Besprecht,ng iverden alle Depeschen und Berichte der Nacht durchgeqangen und erörtert und die Befehle für den Tag gegeben. Um Punkt Li wird stets das Frühstück ausgetragen, das inuner aus denselben Gerichten besteht, aus Eiern und Koteletts. Danach findet um 12 Uhr eme zweite Sitzung statt. Do,i 1-4 Uhr geht der General aus. Er unternimmt entweder einen Spaziergang in den nahen Wald, reitet oder fährt. Um st.9 Uhr abends findet die dritte Sitzung statt, an der dieselben Offiziere teilneh,nen. und Punkt .- 5 .* ^awt fich Ioffre zu Bett, »venu nicht etwas Besonderes vor- aut. Den übrigen Teil des Tages verbringt er in seinem Zimmer, über die Karte,, gebengt. Ioffre bleibt die gante Zeit in seinen, Hauptquartier; nur einmal in der Woche verlaßt er eS, um die Truppen an der Front zu inspizieren oder Generale zu besuchen vorzüglich organisierter Telephondienst ,nacht seine Anwesen- Yen im Hauptquartier unnötig. Seine Art der Schlachten- lenkung wird gut beleuchtet durch sein Verfahren bei der Schlacht an der Marne. Alle Befehle, von ihm eigenhändig geschrieben, waren bereits am 87. August für die Schlackt fertig, die an, r* ^pEember begann. Er dachte sie alle einzeln an- und setzte sie dann m seinem Geiste die ganze Schlacht Stück für Stück zu- fäfeft’nhfeines Uhrwerk, das, wenn die Zeit fommt, von selbst ablaust. Seme Hauptarbeit in der französischen Arn,ee war deS Generalstabes, als er im Jult 1911 Ober- belehlshaber wurde. Co konnten sich die Offiziere des Stabes drei
Jahre lang aufeinander einarbeiten. Ioffre trägt einen blaßblauen Unilormroch der ihm aber sehr ,vett ist. keine Orden und Abzeichen ,nit Ausnahme dreier Goldsterne seinem Arm und an seinen Stulpen, und rote Hosen mit schwarzen Streiken. Als er den großen grauen Kops von seinem Schreibtisch erhob, nrachte er auf nitch den Eindruck von Massigkeit. Der große Kops Iossres, sein eisernes Kinn, jeine freundlichen» ziemlich trüben Augen sind den Photographien von ihn, ganz unähnlich und haben nichts gemeti» mit der Vorstellung vom „TurchjchnitlSsranzosen"
vüchertisch.
— K u n st w a r t. Erste? M a i h e f t. (Kriegs-Ausgabe zum halben Preis. Vierteljährlich 2,25 Mk. Georg D. W. Callwey, München.) Größere Aussätze: Hermann ttllmann. Der pflügende Soldat. Friedrich Dusel, Kriegs- und Friedens stücke. Avenarins, Deiregger. — Gedichte von Stefan Milow. — In der Rundschau u. a.: Avenarilis, Amerika. Ctolterfoth, Politik deS roten Kopsts. Seemann, ^Kriegsdeuisch-. Liebscher, Tatterata-Klatsch-Klatsch- „HninorE. ^ Schnndkuuz, Schulweseu und Kriegszeiten. Ferner: Zur Heimstätten beweguiig; DieAustlärung unserer Kriegsgefangenen: John Bull der Aufrichtige usw. Bilderbeilagen : Egger-Lienz, Der Säemann. Eecile Leo, Frühling übers Jahr. Eva Schmidt. Sckcttcnschuitt. Notenbeilage: Eduard Krenzhage, Der sterbende Soldat.
— D i e HerallSgabe von Kants Nachlaß. Eine in der Welt der Wissenschast einzig dastehende Ausgabe ist die Veröffentlichung vor» Kants handschrisllichcm Nachlaß, die Professor Erich A dickes im Aufträge unb auf Kosten der vreuß^chen Akademie der Wiffenschaiten durchführt. Wie Dr. Otto Braun in einem Aussatz der „Deutschen Literaturzeit,mq- erö'tert, sind von den sieben in Aussicht genommenen Bänden bisher drei erschienen, und diese Riesenarbeit allen» hat den ailSgezeichneten Herausgeber 20 Jahre gekostet. Tie Schwierigkeiten, die bei der Lesung der Handschriften des Philosophen zu überwinden sind, sind außerordentlich groß, und gutem hat sich Adickes nach reiflicher Ueberlegnnq dazu entschlossen, aus dem Nachlaß im strengsten Sinne des Wortes alles zu drucken. Da- Werden der Kantfchen Werke und die Entwicklung feiner Gedankenwelt lassen sich ja nur lückenlos verfolgen, wenn auch die feinsten Verästelungen seiner Gedankenivege zugä>»glich sind, und da kann jeder kuaze Satz seine besondere Bedeutung gewinnen. Eine gewaltige Vorarbeit war zunächst zu bewältigen, denn eS galt, eine möglichst genaue Tatierring der zahllosen Notizen aus Blättern oder der vielen Randbemerkungen tu den von Kant benutzten Kompendien zu gewinnen. Wenn die direkten Anhalts- vunkte, wie Datierung der Briefe, all! die Kant seine Notizei» geschrieben usiv«, versagten, so inußten die kollipliz,e,testen Wege ein- geschlagen werden. Tie sehr verschiedenen Tinteiüarben, die die Anfzeichttungeu des Rachlaffes ausweisen, boten enten wichtigen Wegweiser, und dann erforschte 21-dickes geradezu die Lageraugen der einzelne» Blätter seine! Nachlasses, tim Ordnung in daS Chaos zu bringen. „Was für den Geologen die Schichten, Verwerfungen, Faltungen rc. bilden', sagt er, „daS »varen für den Herausgeber die Ctellnugsiudizieu, und die hat»dschriitlichen Kriterien vertraten die Stelle der Le ttossilien*. Auf Grund dieser uusägltch »nuhevoUen Arbeit kau, der Gelehrte dazu, nicht weniger als 33 Phasen in der zeitticken Ordnung des Nachlasses zu unterscheiden, nach denen nun die Klassifizierung der einzelnen Notizen erfolgte. Nach sachlichen Gesichtspunkten wurde der riesige Stoff in sieben allgeuleirle Gruppen geschieden: Mathematik und 91aturmifTcttfc1)afr, physische Geographie, Anthropologie. Logik, Metaphysik, Moral- und Recl tSphtioiophle, NeligionSphilosophie. Eine reiche Fülle sachlicher Anmerkuugeil, die jede fCemfle Einzelheit erklären, sowie der Abdruck der heute sehr schwer zugänglichen Werke, die Kant bei seinen Vorlesungen als Leitfaden benutzte und ln die er feine Bemerkungen eintrug, vervollständigen dieses Monmnentalwcrk, daS nach seiner Vollendung ein denkwürdiger Ruhmestitel in der Geschichte der deutschen Wissen» schüft sein wird.
Geographisches Verschiebratfel.
Florenz — Berlin — Paris — München — Graz —
Breslau — Wien — Karlsruhe — Hamburg — Karlsbad — Wiesbaden.
Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben iverden, daß eine Buchstaben reihe, von oben „ach unten gelesen den Namen eines böhmischen Badeortes ergibt.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummerr
R
Fee Hobel R e b h n h n
P r n t b Ohm


