Ausgabe 
28.4.1915
 
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Mittwoch, den 28 . April

Mb^r.autg. H.Moil. frjt.SS£

Lurück zur Scholle.

Roman von Ewald Gerhard Seeliger. (Nachdruck verboten.)

I.

* r .-® rau Knorreck brachte die Kaffeekanne, goß die die und schob den kleinen Strenselkuchenbera ir die Mitte des Frühstücktifches. Tenn es war der vierb

3m Ofen prasselte das Feuer D^auj-en lag eine dünne, hartgefrorene Schneedecke. Dei Ehiustbaum stand noch ziwischen dem Fenstern, durch dik man den Welten, leeren Gutshof und das ganze Dar" Brrtzkatve übersehen konnte.

.August Dlorreck, hex Inspektor, hatte, noch immer das alte, sorgenschwere Gesicht .aufgesteckt und schweigend f*\ tn . e zuweilen mit einem scheuen Blick,

hütete sich aber, zu seufzen; denn dann konnte er wild wer­den. Hedwlg hatte kernen rechten Appetit, schob bald die zurück und schaute gelangweilt zum Fenster hinaus. Nur Thomas Harrschrld, der Wirtschastsaffistent, legte Ehre

wüb^^pfte zu 3rau Knorrecks Zufriedenheit mit unge­wöhnlicher Ausdauer die fußen Streifen in sich hinein. Als er sich zum drittenmal die Tasse füllen ließ, erhob sich

i UO v Crf/ r J a ^I n Mütze und Stock und ging mit leicht tem Nicken hinaus. Sie sahen ihm schweigend nach, wie er langsam und mit gesenktem Haupt über den Hof schritt und hinter den Kuhställen verschwand.

Jetzt stieß Frau Küorreck einen, langen Seufzer aus.

I £"5 e P?* noch dauern wird!" sprach Hedtoig

unwillig und warf den schmalen, von flachsblonden Flechten gekrönten, Kops rn den Nacken.Es ist zum Auswachsen

.. . ^E's aus!" Lammte Thomas Hauschild zufrieden uno bat um neue Füllung.

Ach Sie!" rief Hedwig wegwerfend.

Hedwig!" mahnte die Mutter.

'/fassen Sie nur, Frau Knorreck!" lachte der Wirb- k!, s/hnfe, und zeigte seine weißen, gesunden Zähne, mrotschw" iyabtn mt UnferU Fastnachtsball in

trotzdem rot **** 9eB id) ^ nen !" r^f Hedwig und würde

» ."MwarLen!" erwiderte Thomas Hiauschild unaläubia stand auf, stellte sich vor den Spiegel und zwirbelte herauSU svr^rnd s^nen braunen Schnurrbart!. Er war ein gutae- Junge von zweiundzwanzig Jahren, und ^ennmrt fthreser Mutze und blanken Schaftstiefeln durchs ^0^ kicherten die Magde hinter ih!m drein,

ein Gähnen^ vertag!" sagte er und unterdriickte mühsam

rrui'j^ ^rden's auch aus halten, wenn's ein ganzes Jahr Feiertage gäbe?" erwiderte Hedwig gereift.

Das will ich nicht schlankweg behaupten," lackte er und nahm die Mütze vom Stuhl.Aber ausprobieren macht ichs mal!"

Hedwig hatte schon wieder eine spitze Antwort auf beit Sippen, doch die Mutter legte sich ins Mittel.

Bemühen Sie sich nicht, Frau Knorreck!" begütigte sie ^.homas Hauschild.Ich bin nicht verwöhnt. Was sich liebt, das neckt sich!"

Und draußen war er. Die Hände in den Hosentaschen schrttt er pfeifend über den kirchenstitlen Hof ins Dorf hin-

Du behandelst ihn schlecht!" mahnte die Mutter.

Er verdrent's nicht besser," erwiderte Hedwig und trat zum Spiegel.

. . benn aus einen Prinzen warten?" sprach

sanft und faltete die Hände auf der SckMze. Du bist doch keine sechzehn mehr! Mit einundzwanzig muß ihn?"^^^ lm re * nen f e ^ n - hast du eigentlich gegen

Ich finde ihn unausstehlich!" rief Hedwig wütend.

Das ist eine von deinen Redensarten," entgegnete die Mutt«:, die viel hartnäckiger war, a!LDi sie aussah.Er ist nun schon bald zwei Jahre hier. Wemi du ihm nur einen Schritt entgegenkommen würdest!" ' ,

Ich mag aber nicht!" erwiderte .Hedwig und stampfte mit dem Fuße auf.

Er ist wirklich ein anständiger Mensch und erbt ein­mal das Gut. Vater kennt es genau, er war mal in der Nahe angestellt. Dreiundsechzig Morgen sind's. Und im Schweidnitzschen auf der andern Oderseite ist der Boden noch einmal so gut. Ein schönes Stück Geld kriegt er auch mal in die Hand. Und wenn er jetzt auch ein bissel wild ist, das gibt sich alles in der Ehe. Glaub mir's, dein Vater war Nicht viel anders. Willst du denii eine alte Jungfer werden 2"

Ich will überhaupt nicht heiraten!"

Denk doch nur ein bissel weiter. Jetzt bist du noch die Tochter vom Britzkawer Gutsinspektor. Wenn aber Vater seine Stellung verliert?"

,>Oho!" begehrte Hedwig auf.Das gibt's nicht. Fünf­undzwanzig Jahre auf einem Gute, ich denke, das genügt."

Trotzdem kann uns der neue Herr sofort den Stuhl vor die Türe setzen!" wies die Mutter sie zurück.Vater ist doch nur ein Privatbeamter. Und die neuen Herren"

(£rft muß er doch mal da sein!" warf Hedwig ein.

>,Und wenn er nicht kommt, wer weiß, wer dann das. Majorat übernimmt. Darm wird Vater gekündigt, und wir müssen ausziehen. Und wenn wir erst in Zdurotschin auf der MietLwohnung sitzen, dann bist du nur Fräulein K'uorreck und kannst in Stellung gehen. Denn wir haben nichts,

t ugo, der arme Junge braucht auch so viel zu seinejm Ludieren. Und Vater hat es nie verstanden, etwas auf die Seite zu bringen. Alle lassen sich Provision geben, bloß er nicht. Er hätte in den Jahren längst ein reicher Mann sein können. Aber so?"