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Der BKarfeiendrv unseres Bataillons hatte seinem Laben in dem von Einwohnern verlassenen Quartierdorfe mtt fr sachkundiger Mannschaften „den feinsten Schliff" verliehen — ^ fehlte nicht der Ladentisch, das Regal, nicht ein Sammelsurium von Tonnen und Säcken und an der erneu Wand nicht der elegische Spruch: , Borgen macht Sorgen" und an der andern Waich die zarte Mah^ nung: „gable niemals übtu Jahr, sondern immer blank urw bar", höchste Noten seiner Delikatessen waren ansänglich Rvll- mopse und Dauerwürste Die angeblich feinste Qualität dle,ev Wunfte hieh Bene-Salami, ein Name, dessen bezaubernder Woht- klang den» Käufer jeden Gedanken a^Hottehüh iunwegtegtt Erfreulicher,veise wurde später die Beno-salam» entthront durch einen vorzüglichen Fromagr de Brie. .
Rahmkäse in runder Tortenform aus der unfern von Paris gelegenen ehemaligen Grafschaft ,'dne-Franea»fe' genießt stiwrr seit Meusckenalter wohlverdiektten Viuf. In MeauL, vierzig Kilometer östlich von Paris, findet allwöchentlich ein Haupnnarkt m Brie käse statt. Ter Wsatz an solchem Markttage beträgt gegen zweitausend Dutzend Käse. Das Dutzend zwischen vierzig und hundert Frank. Hauptabnehmer sind die Pariser Gasttvirte und Hotelbesitzer Damals gehörte Meaux zu unseren Etappenstationen. Marketender ließen sich daher die Gelegenheit nicht entgehen. Fro- inage de Brie aus Meaux herbeizuholen. Als gewandte Mchlimsten verwandelten sie ihn in pures Gold — sie zerlegten so eine Käsetorte von etwa vierzig Zentimeter Durchmesser in mindestens mer- mrdzrvanzrg Teile und berechneten iedes Teil mit fünfzig Pfeumy. Und der brave K-rieaSmaun, froh die Eintönigkeit fernes kulinarischen Daseins,nial rüc kurze Zeit unterbrechen zu können, zahlte den Preis. , . . . . , r _
Das Geschlecht der Marketender tst uralt und wird nremalS aussterben. Marketender begleiteten schon die griechischen Helden gen Troja, die Mannschaften deS Xerophon während der Anabasttl und die Legionen Eäsars nach Gallien und die des Drusus, Trberrud und Barus nach Germanien. Aber ihre Mütezeit gehört dem Mittelalter und der Renaissance an. Zogen die Landsknechte, gefolgt von Weib und Kind, ins Feld, dann waren die Marketender für die Beschaffung von dtahrungs- und Genußmitteln rwttvendrge Vermittler. Tempi passati — aber ein gewisser Wert ist dem Marketendenvesen mich heute noch geblieben.
Vermiete*»
* Wälder, die der Krieg ,nordet. Schon vor dem Kriege war Frankreich ein rvaldarme» Land; wo der Krieg getobt hat, sind die französischen Wälder jetzt derartig verwüstet, daß «ach dem Urteile von Fachleuten drei volle Jahrzehnte kaum ini- stände fein werden, die geschlagenen Wunden zu heilen. Freund und Ferild haben sich vor der gleichen unerbittlichen Notwendigkeit gesehen, ganze Wälder niederznlegen, um das unbedingt nötige Bau- und Brennholz zu beschaffen oder ein freies Schußfeld für ihre Geschütze zu bekommen. Ein im Felde stehender fr »nzösi scher Architekt, Jean Paul Alaux, hat nun der „American Forestry' seine Erfahrungen über die Wälder mitqeteilt, die der Krieg gemordet hat. Begibt man sich von PanS auS znr Schlachtlront, so trifft man unmtltelbar vor den Toren der Hauptstadt die Spuren de» Krieges in den Wäldern. Al« im August und September die Deutschen sich der Hauptstadt näherten, mußten die Franzoien selbst ganze Wälder nieder-leger», die dem Feinde als Aufenthalt hätten dienen können. Der Wald von Montmorency hat ans diese Weise schwer gelitten, die Wälder von DincenneS haben nicht so starken Schaden genonrmen. Weiter nördlich Kt e» aber viel schliminer. Ter Wald von Bouvtgnu bei Arras und der Wald von Berthon- val mußten wochenlang immer neue- Holz hergeben. Durch die Regengüsse waren alle Pfade vollkommen ungangbar geworden, »md tun die Geschütze und den Munitionsnachschub befördern zu können, muhten Bohleuwege angelegt werden. Eine einzige Bohlenlage erwies sich als zu schwach, und so wurde eine zweite und schließlich anch eine dritte darüber gelegt. Ebenso gewaltige Holz- utengen sntd für Unterstände und Wohnungen verbraucht worden, ferner zum Heizen, t,nd so sind beispielsweise der Wald von Vitri- inout und der Wald von Neufchäteau in der Nähe de« Forts Bourlemeut vollständig abgeschlagen. Im Walde von Ehampe- no»ix sind alle Bäume in Meterhöhe abgejchnitteu, im Walde von Meaux, aus der Hochsiäche von Arnance vor Nancy, im Walde von Ersvie bei dlrancourt und in vielen andereit Wäldern steten überhaupt fast keiue Bämne rnehr. In» Walde von La Haye sind Bäuure und Ilnterholz vollständig verbraucht. Tagei»» tagaus sah der ^lrchitekt die Soldaten zum Holzfällen auSziehen und mit schweren Lasten wiederkommen. Hierbei handelte es sich nur um die Wälder, die absichtlich niedergelegt wurden. Es kommen noch die ungezählten Bätune hinzu, die der Artillerie oder anch den Maschinengewehren zun» Opfer geiallen sind. Gegen da» Niederschlagen ganzer Waldungen durch die Truppen hat sich d»e sranzo- siscte Walüverivaltung gewandt, aber Alaux meint selbst, eS sei schwer, ihre Vorschrtsten durchzusetzen. Unter den Wäldern im Kampfgebiete ist wohl keiner ganz unverletzt davon gekorninen; die schönen Waldungen von Chantilly und Compi^gne haben wegen ihrer Lage den geringsten Schaden erlitten.
* Sonderbare F»ldposibrieke. Traunen im Felde fehlt es mitunter an Schreibpapier. Die Freunde tn der Heimat verlangen recht oft ein briefliche« Lebenszeichen, aber sie vergeffen meist ganz, Briefbogen und Umschläge mttzuschicke»». So gehen denn oft recht merkwürdige Krtegsbrtefe au» dein Felde hetrnwärtS. Dickes Packpapier ist schon ostrnals -u der Ehre gekommen, als Feldpostkarte z»l dienen. Die neuesten und zeitgemäßesten Postkarten auS dem Felde aber bestehen aus — Birkenrinde. Sauber wird jo ein Stück Ha»lt der Birke abgeschält, eil» rventg getrocknet und — eine eigenartige, gelblich,veiße Feldpostkarte ist fertig. Auch mancher Zigarrenkistendeckel hat schon den gleichen Dienst verrtchlen müssen. Künstler fleben aus diese AushUsskarten ein blaues Veilchen auS den Argonneu, ein Eseublatt aus Belgien oder ein Kiefernzweiglein a»»S Polen. Manche feindliche Kanzlet hat ihre amtlichen Briefbogen mtt schönem Vordruck hergeben müffen. Da schreibt der Kanonier Schulze stolz aus dicken» Papier, da» der belgische E»senbahi»m»nrster oder ein anderer seiner Minister kollegen z»» benutzen ^pflegte. Ern paar recht sonderbare Feldpostbriefe kamen aus detz Gegend von» dftrkanal. Dort hatte »vahrscheinlich eil» belgischer Philosoph sein Hein» mtt verkrachten algerischen Aktien tapeziert. Teni» unsere Feldgraue»» benutzten etiitge dieser prächtigen biinten Aktien stücke, die freilich längst keine Zinsen mehr abwarsen. auf ihrer schönen »veißen Rück- se»te als Briefpapier. Man muß sich alles zu nutze »»»achen. Daß Malifchetten m»d Bieruntersähe als Drucksache schon oft voll den fleißigen Briefträgern ansgetragen »vorden sind, war auch in Friedenszeiten bereits bekaniit. Ein Feldqra»»er in Polen aber schoß den Vogel ab. Er schrieb einen recht dicker» Gruß a»» die liebe Gattin auf einen ersparten, grau,veißen Zehnmarkschein nnd steckte ihn in einen schon etivas feldgrauen Briefumschlag. Und der kostspielige Feldpostbrief ist richtig zu Hause anyelangt. Die teure Ehegattin aber möchte ihn des darauf besindllchen Gruße» wegen am liebsten gar nicht auSgeben.
vachertifch.
— Reliefkarte vor, Warschau und Urngebung (Reliefkarten von den KciegSschallplätzen, Nr. 20). Preis 26 Pfg. Franckh'sche VerlagSha»»dlnng, Stuttgart.
- „Der Leutnant erzählt'. Geschichten au- dem Weltkriege 1914/15. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. 1 Mark. - Der Land enthält ernste und hcitere KriegSerzählungen a»»S der Feder bekautter und beliebter Schriftsteller. Vertreten sind: Wilhelm ArminiuS, Älrth»»r Babillotte, HanS Friedrich Blunck, Waldemar BonselS, Paul Burg, Earl Busse, Elisabeth Dauthcndey. Liesbet Dill. Rudol» Greriiz, Georg Hirschseld, Hern»ann Horn, Kurt Küchler, Kurt Marten», Fritz von Ostini, Richard Rieß und Peter Scher.
— Deutschland sei »v ach! Vaterländische Gedichte von Ernst v. Wildenbruch, gesaniu»elt von Maria v. Wildenbruch. XV »lnd 169 Se ten Oktav. Verlag von G. Grote. Berlm. — Wilhelm Tilthey hat Ernst v. Wildendrnch oft gemahnt, seine vaterländischen Gedrehte zi» famir»eln und in einem Bande vereint herauS- zugeben: imnier hat der Dichter dem Philosophen geantwoitet: .Noch »licht, ich habe ,»och allerlei 51 t sagen". Nach dein Tode der beiden Männer karnen Jahre in Deutschland, da sprach mm» »licht vom Vaterlands, es luurbe totgeschwiegen. In dieser schrecklichen Zeit wäre es mir, so schreibt tue Herausgeber»», in einer Vorrede, wie eti» Frevel an Wildenbriich erschienen, diese Gedichte in einer Ausgabe m DiltheyS Sinne erscheinen zu lassen: an arme Vögel hätten sie mich gemahnt, die sich tm Dunkel verflattern mußten. Das ift nun vorbei — überstanden — und ins Morgenrot des verjüngten Vaterlandes fenbe ich sie nun au», ihnen des Freundes Rede am Sarge WildenbruchS zun» Geleite gebend.
Silbenrätsel.
d, da, dort, en, frei, frey, gen, har, hl, Ir, Ion, ui, 1110, net, nl, nl, nk, nol, 0, 0, ph, rat, re, sch, Bi, lät, tho, u, an»,
ver, Ylo.
AuS vorstehenden Silbe»» und B»»chstaben solle»» nenn Wörter gebildet und derart untereina»»der geletzt »verden, daß die Anfangs- buchslaben, von oben nach »»»»tet», und d le Endbuchstabe»» vor» unten nach oben aelese»», ein Sprich,vorl ergeben. ES bedeuten aber die einzelnen Wörter lolgeirdeS:
1. Eine UnterrichtSal»stall.
2 . Geschichtlich bekannten Ort.
3. Stadt in Westlalei».
4. Stron» in Vorderasien.
5. vlützlichen Gegenstand.
6 . Ein Musiki,»strulnent.
7. Nordanierikailischen Freistaat.
8 . Mittelhochdeutschen Dichter.
9. Französischen Staatsmann.
Auflösung in nächster Nummer.
A»iflösung deS Logogriphs in voriger Nummer: Kehle. Kühle, Kohle.
Schrtftleititiig: Aug. Goetz - Rotalion»dr»»ck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-B»»ch- und Steindr»lckerei. R. Lgnge, Gießen.


