Ausgabe 
26.4.1915
 
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tn der Faust. Dann spring ich -us und getz in die frethe, wehende Gotteslust und warte auf den Tod. Nur nicht rm Bette sterben!

Der Kaiser schwieg eine Weile.

Besucht mich in Wien. Werth. Will Euch schon auf. heitern. Uno lebt wohl indessen, alter Freund."

Er reichte Jan die Hand. Nach zehn Schritten wen dete er sich um, Jan stand noch da, gebeugt, und sah ihm nach. Da winkte Ferdinand noch einmal zurück und mur­melte vor sich hin:

Ist mir so, als hätt' ich ihn zum letztenmal gesehen." Im Parke, da, wo man einen weiten Blick über die Gefilde Böhmens hatte, bis an die blauen Wände des Jser-

i lebirges, in der lauen Septembersonne des sinkenden Tages, Marie-Anne mit Joss Maria. An Jos6 Marias Knie wängten sich zwei Kinder, ein vierjähriges Mädel mit blan­ken, schwarzen Augen und ein weißblonder Bub von zwei Jahren mit den zwinkernden Aeuglem des Schenkknechts Jan.

,^Joss Maria," sagte Marie-Anne,Ihr müßt ihnen nicht allen Willen tun. Sie sind schon so, daß sie weinen, wenn Ihr sie einmal nicht zu Bett bringt."

Laßt mir doch die Kinder die Friedenskinder. Sie sollen früh merken, daß ich chr Freund bin."

Unser aller Freund. Hätte ich Euch nicht, wie sollt' ich meinen Jan meistern können? Ihr steht mir bei in mei­nen Soraen."

Und Ihr, Marie-Anne, schenkt mir mehr einen edlen Gegenstand der Liebe."

.Merktet Ihr, wie der Kaiser bestürzt war, als er Jan sah? Er drückte mir die Hand wie einer Witwe."

Es war eine schwere Pause. Jos6 Maria nahm die Kin r aus seine Knie und leitete ihre Händchen um den Hals r weinenden Mutter.

Wir wollen Zusammenhalten, wir vier, was auch kommt." sagte er leise.

Marie-Anne küßte die Kinder und sab den Abb6 lange an. Plötzlich deutete sie nach dem Schlosse hinüber. Dort ging Jan, schwerfällig, mit geneigtem Gesicht. Langsam trat er an die Mauerbrüstung. Man sah sein schwerfälliges Ge- Mt sich erheben dorthin, wo über Stoppelfeldern und Weinbergen, über Dörfern und Flüssen, über schwarzen Tannenwäldern die Sonne sich aus den Kamm der Berge neigte. Jetzt berührte chr Rand die Höhen, ihre glühende Scherbe sank. Um sie war ein mildes Leuchten reiner und sanfter Farben. Jan stand noch immer und schaute. Die Sonne war untergegangen.

Da nickte er mehreremal langsam vor sich hin und wen­dete sich und schwankte rns Haus.

Marketender im Zelde.

> Bon Georg Buß.

Ä /Was? Der Blitz!

« Das ist ia die Gustel von Blasewitz."

So 'ne.Sutzl, wie die aus Blasewitz, und deren Schwester- »nd, das niedliche Schelm engesickst, sucht man heute bei unseren Regimentern vergebens.

Dtaickatenderrnnen werden in unseren Heeren nicht mehr ge- bulttt. nur noch solche männlichen Geschlechts, und diesen tritt. Mrsch auf die Finger gesehen. Jedes Bataillon darf sich von einen, Marketender begleiten lassen, aber nur von einem solchen, der ein

S LeuniuntHengnrs aufzuweisen und seiner militärischen Timst, genügt hat. Auch must er, bevor ihm die Erlaubnis zur üenderei de, dem gewählten Truvstenteil erteilt wird, eine a:i,ie aller derzeingen Waren unter genauer Angabe der Preise ein- rmlzen, mit denen er zu handeln gedenkt. Sorglich wird die ein- £° u b ^3nftt t i> a ntur geprüft und. wenn nötig, auf bas rechte Mast zurückgeftibrt, Dre Preise sind vom Marketender K "°Adcr festgesetzten Norm innezuhftlten, der Msschank alko- yoltschcr Getränke wrrd nicht geduldet, die Qualität der Waren, besonders der Lebensmittel, unterliegt scharfer Kontrolle, und dm Marketender selbst untersteht den Militärgesetzen und der Diszi­plinargewalt des Befehlshabers des Truppenkörpers, dem er zu- gewiesen ist.

Wie streng auch die Bestimmungen sind, so finden sich doch tfeute genug, bte in Hoffnung auf outen Verdienst das Marke­tendern in einem Feldzug wagen. Ihr Hoffen ist selten getäuscht worden, denn der Soldat ist gern bereit, seinem Magen trotz reich­licher Krregsverpfleguna noch einige andere schmackhafte Zugeständ­nisse zu machen und für sie tiefer als gewöhnlich in den Geld­er ru greifen. Selbst die vorzüglichen Leistungen der jetzt zu Ruhm und Ansehen gelangten Gulaschkanonen haben nicht vermocht, die braven Krtegsmänner dem Marketender zu entfremden er ist

wnen als Spender gewisserTeMaieffen", die der: Reiz des Feld­daseins erhöhen, noch immer eine schätzenswerte und teure Per­sönlichkeit. Allerdings wäre manchem KckegSmann eine Marke­tenderin wie die Gustel von Dlaisewitz und deren Schwesterkind lieber, doch höhere Gewalten haben in der Zulassung solcher zungen- und geschästsgewandten Damen ein Haar gefunden und scharfsinnig erkannt, daß die früher geübte Galanterie nicht mehr am Platze ist.

Im preußischen Heer ist man noch Jahrzehnte nach den Be­freiungskriegen gegen die Marketenderinnen ziemlich nachsichtig genesen. Sowaden und deren Ehefrauen konnten, laut Reskirpt vom 29. Februar 1632, gleich jedem anderen Gen erbetreiben den Marketenderei oder Biktualienhandel treiben, gleichviel, ob sie innerhalb oder außerhalb der Kaserne wohnten. Wohnten sie innerhalb der Kaserne, so mußten sie an Stelle des polizeilichen Qualifikationsattestes die Erlaubnis des Mililärbefehlshabers, dem die Handhabung der Polizei in der Kaserne zuftand, beibringen. Allerdings hatten die Marketenderinnen in den Kasernen zwei Taler Gewerbesteuer zu enttichten ein Obolus, zu dem die Damen sich nur ungern bequemten. Der Zulaß zu den Lagern und Biwaks der Truppen hing schon damals von einem Erlaub­nisscheine der Intendantur des zuständigen Armeekorps ab war die Person einwandfrei, so erhielt sie den Schein. Allmählich«, wurden aber die Marketenderinnen auf den Index gesetzt. Das Reglement vom 7. Mai 1875 gestattete nur noch! dm Ehefrauen der Marketender, den Gatten ins Feld zu begleiten. Es war dabei festgesetzt, daß die Marketender aus dem Beurlaubtenstande und der Landwehr zu wählen und schon im Frieden zu bestimmen seien. Auch wurden ihnen Verpflegung, Löhnung und Rattonen zuaebillrgt. Aus allem geht hervor, daß die peinliche Sorgfalt unserer Heeresverivaltung sich> auch auf das Marketenderwesen er­streckt und ihm gewisse althergebrachte Auswüchse zum Bestell der Truppen genommen hat.

Ein leichtes Lebm ist dem Marketender nicht beschieden. Sind die Truppen nt langen Märschen gezwungen, so hat der Marke­tender seine liebe Not, ihnen mit seinem ein- oder zweispänniaenj Planwagen zu folgen. Die Gäule, die er vorgespannt hat, sind gerade keine Prachtexemplare, und der Wagen ist auch nicht einer der stärksten Sorte. Natürlich großes Lamento, wenn aus bat fürchterlich mitgenommenen Wegen ein Gaul stürzt und ein> bricht, oder wenn große Kolonnen daS Borwärtskommen erschweren. Wer da nicht findig ist, kann zusehen, wo er bleibt in Feindes­land eine heikle Geschichte. Noch schlimmer steht es um ihn bei einem Rückzüge, der unter denl hartnäckigen Nachdrängen deS Feindes erfolgte. Goethe hat einen solchen meisterlick) geschildert in derCampagne in Frankreich 1792". ES war der Rückzug der deutschen Truppen nach der unglücklichen Kanonade von Balmy. Die Fuhrwerkskolonnen suchten nach Möglichkeit die Entfernung znffchen sich und dem Feinde zu vergrößern. Ein toller Wirrwarr entstand, in dem liegen blieb, was nicht mehr fortkonnte. Sorge lagerte auf allen Gesichtern. Zu Goethe Und seinen Gefährten hatte sich, gelockt durch das hochftammende Wachtfeuer, eine alte Marketenderin gesellt. Ihr Wagen mußte irgendwo niedergebrochm fern, denn ihre Habe bestand nur noch in einigen Bündeln, die sie unter dm Armen trug.Nach Gruß und Erwärmung hob sie zuvörderst Friedrich den Großen in den Hinrmel und pries den Siebenjährigen Krieg, dem sie als Kind wollte beigewohnl haben." Dann begann sie zu schimpfen über die Fürsten und Heerführer, die daran schuld seien, daß eine brave Marketenderin ihren Han­del nicht treiben könne.Man konnte sich", fährt Goethe fort,an ihrer Art, die Sachen zu betrachten, gar wohl erlustigen und sich für einen Augenblick zerstreuen." Auch spielten fid> groteske Sze­nen ab. Nur ein Beispiel:Zwei alte Marketenderinnen", sck^rerbt Goethe,hatten mehrere seidene Weiberröcke buntscheckig um Hüfte und Brust übereinander gebunden, den obersten aber um den Hals und oben darüber noch ein .Halb mäntelchen. In diesem Ornat stolzierten sie gar komisch einher und behaupteten, durch Kauf und Tausch sich diese Maskerade gewonnen zu haben." Der Rückzug hatte eben eine Atmosphäre geschaffen, die mit Tollheit geradezu geladen war. Daß es mit der Marketenderei bei solcher Kata­strophe und noch dazu in den Händen solcher Weiber übel bestellt war, liegt auf der Hand.

Dem Marketender ergeht es am besten bei lang sich hin­ziehenden Positionskämpfen und Belagerungen. Er kann alsdann im Quartterdorf seines Truppenteils die Rößlein getrost aus- spannen, den ganzen Kram vom Wagen schaffen und suh genüsser- maßen als Ladcnbesitzer häuslich nicherlasscn, denn ein passendes Geschäftslokal in einer leer stehenden Behausung ich schnell ge­funden. Seine Sorge hat sich einzig auf die Ergänzung des Warerv- bestandes zu ttchten. Ist die Umgegend reich und eine größer« Etappenstation in der Nähe, so wjird es ihm ziemlich leicht sein, neue Ware zu beschaffen, andernfalls hat er mit Schwierigkeiten zu kämpfen, zumal wenn ihn bestellte Sendungen aus der Heimat aus irgendwelchen Gründen nicht erreichen oder infolge langen Lagcrns auf der Bahn sehr verspätet und gar in verdorbenem Zustande eintreffen.

Während der Zernierung von Paris im Feldzüge 1870/71 finb alle Marketender wohlhabende Leute geworden. Ihr Geschäft stand auf der Höhe vom 21. September 1870, dem Tage der Ein­schließung, bis zum 29. Januar 1871, dem Tage, an dem die orts von unseren Truppen besetzt lourden. Und auch nach dey «esetzung der Forts haben sie noch manchen guten Batzen verdient.