Ausgabe 
26.4.1915
 
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Jan, in der Morgenfrühe sind wir im kaiserlichen Feldlager. Hast du bedacht, was der Kaiser tun wird?"

Jan suchte in seinem Gesicht zu lesen.Nun," sagte er zögernd,er wird sagen:Grüß, Gott, Werth.""

Meinst du?"

Zackerbombenund, was kriecht dir im Hirn? Jos6 Maria, deine Gedanken sind giftig! Hat nicht der Kaiser mich gerufen? Hat er nicht gesagt:Werth, kommt zu mir?""

Ja Werth und deine dreizehntausend Mann. Aber du kommst allein?"

Ist nicht meine Schuld."

Danack fragen die großen Herren nicht. Jan noch ist es Zeit. Ich glaube an niemand mehr. Ich habe gesehen, wie alles von dir abfiel. Es waren viele darunter, die an deiner Brust gelegen. Und sie sielen ab. Wie wird ein Fürst harrdeln, der nur nach Zweck und Nutzen fragen muß? Höre laß uns einen andern Weg nehmen. Wir kommen unbehelligt davon. Sind wir erst über den Main, so sind wir ganz in Sicherheit. Geh! nach Flandern Hort stehen die braven Holländer noch immer gegen Frankreich. Sie werden dich mit offenen Armen aufnehmen. Ich bitte dich, höre aus meine Worte! Du hast nicht lange Zeit. Entschließe dich. Morgen ist es- zu spat!"

Jose Maria!"

Fahre nicht auf! Ferdinand steht allein er braucht einen Fürsprecher bei Frankreich und Schweden. Er kann einen Fürsprecher in Maximilian haben, der jetzt in Paris alles vermag wenn er dich nach München schickt. Ich sehe die Dinge kühl an. Tu du's auch."

Ferdinand sollte mich festnehmen lassen? Ferdinand? Der letzte Ritter! Nun wohl, wenn Ferdinand so an mir handeln will nun wohl, dann tu' er's. Ich Hab' dann keine Lust mehr zum Leben. Aber sei ruhig deine Sorge um mich läßt dich schwarz sehen. Ich glaube an den Kaiser."

Und ich habe dich gewarnt!"

Torheit! Jos6 Maria! Ferdinand sollte ? Ach geh. Ich nehme Gift im Vertrauen auf ihn!"

Er schlug den Abb6 herzhaft auf die Schulter. Dann weckte er sein Weib mit einem Kusse, und als sie ihn schlaf­trunken anblinzelte, setzte er seine gehöhlten Hände an den Mund und ahmte das SignalAussitzen" nach,

Herren und Freunde," rief er munter,in den Sattel! Ich verspüre ein Verlangen, unserm ritterlichen Kaiser die Hand zu küssen! Aufsitzen!"

Es war noch früh am Morgen, als sie in der Ferne das Lager der kaiserlichen Soldaten erblickten. Man sah Regi­ment nach Regiment das Lager verlassen; ungeheure Staub­wolken begleiteten ihren Zug.

Sie rückten ab," rief Jan.Vorwärts!"

Sie ritten im Galopp die lange, geneigte Ebene ab­wärts. Sie hörten jetzt die munteren Marschklänge der Feldmusik. Jenseits eines Flüßchens stießen sie aus Troß- knechte; die tviesen ihnen das Quartier des Kaisers. Jan gab seinem Pferd die Sporen und jagte voraus. Auf einer flachen Huaelkuppe sah er das kaiserliche Banner im Morgen- unnd sich blähen. Das Herz begann ihm zu schlagen. Er er­blickte eine Gruppe von Pferden, einzelne Kavaliere traten aus den Zelten. Und dort der große, schlanke Mann, der da dem Rappen den Hals klopfte, war das nicht ? Der Kaiser! Er setzte einen Fuß in den Bügel, da schienen ihn einme Herren auf den einzelnen Retter aufmerksam zu machen, der da hugelan jagte, in der Ferne von einem tteinen Trupp gefolgt. Der Kaiser zog den Fuß aus dem Bügel und legte die rechte Hcnid über die Augen, denn die Morgensonne blendete. Jan sah seine Züge jetzt ganz deut­lich, er glaubte Erstaunen und Freude auf ihnen zu lesen. Jetzt ließ Ferdinand die Hand sinken und machte schnell einige Schritte nach dem Rande des Hügels. Jan parierte den Gaul, sprana ab, Zügel über ben Arm, Hut herunter, und da nef der Kaiser:

Werth! Er ist es!"

des ^ai[er| UÖte ^nie und faßte die ausgestreckte Hand

^,<"^^bstät!" sagte er, und Tränen würgten in seiner Kehle,das ist alles, was ich bringe!"

c Pt 1 Ferdinand zog ihn an seine Brust und küßte ihil aus beide Wangen.

Grüß Gott, lieber Werth! Waffenbruder von Nörd- lingeu! Seid Ihr glücklich entivischt? Gott sei gelobt, daß er Euch beschützte! Ist das Euer Gemahl'?" rief er

denn Marie-Anne war mit den Offizieren herangekommen. Er eilte auf sie zu und hob sie aus dem Sattel.

Willkommen in Christi Namen! Und weint nicht, edle Frau. Nun de rWerth gerettet, ist alles gut! Sporck! Gebt mir die Hand. Werth kommt! Gebt Exzellenz ein Pferd von mir! Es ist Truppenschau. Ich werd' Euch dem Heer vor­stellen, kommt Herr Feldmarschall!"

Majestät, womit habe ich verdient, daß ich der ich ohne Heer?"

Papperlapapp, Werth ist mir mehr wert als alle bayrischen Regimenter!"

Majestät, als die Truppen mir nicht folgten, habe ich den Glauben an die Soldaten verloren. Wie soll ich zu den Regimentern Eurer Majestät ?"

Werth, das sind österreichische Stammtruppen, kein Söldnergesindel! Joseph" sagte er zu seinem Vetter, dem Erzherzog,geh und laß die Truppen antreten!"

Und Jan ritt durch das Lager, an der Seite seines' Kaisers, so wie er von der Flucht kam, zerrissen und be­schmutzt.

Werth," sagte Ferdinand,Ihr müßt schon erlauben, daß ich meine Soldaten kommandiere. Aber meine und meines Landes Hoffnung steht bei Euch. Sporck soll General­leutnant werden. Habe das Vertrauen zu euch beiden, daß ihr mir die Frarrzosen stille macht. Die Schweden sind's schon. Also den Franzosen an die Kehle! Und dann ist Friede. Diese eine Aufgabe habt ihr noch zu lösen, und dann sollt ihr Ruhe haben!"

Sie ritten ein in das ungeheure Viereck der para­dierenden Truppen. Die Nachricht von der Ankunft Jans mußte schon bekannt sein. Die Regimenter waren unruhig; man sah, wie sie nur mit Mühe Linie hielten. Mitten auf dem Platze hielt der Kaiser an. Er zog den Degen und stand in den Bügeln hock. Uno mit seiner tönenden Stimme, die bis ins letzte Glied orange ries er:

Soldaten! Hier präsentier' ich euch den Generalissi­mus, den Grafen Jan von Werth! Soldaten! Attention r Vivat Jan von Werth!

Das war kein Geschrei, kein Gebrüll sondern die Erde donnerte und bebte.

Vivat Jan von Werth! Vivat Jan von Werth!"

Die Fahnen flatterten, von markigen Händen geschüttelt, die Musketen kreisten im Schwünge, aus den gereckten Denen blitzten die Stahlhelme in der flimmernden Sonne. Und in dem Toben der sechzehnlausend Soldaten, in dem Donnern der Heerpauken und dem Schmettern der Feld­musiken zog der Kaiser seinen Feldmarschall Jan an die Brust, und Jan preßte mit der Linken die Hand seines Weibes, und es war ihm, als ob das Glück ihn packe und erhöbe und schweben ließe, und er schloß die Augen Und wünschte: Jetzt möcht' ich sterben!

15. Kapitel.

Sonnenuntergang.

Es war fünf Jahre später, ein milder Herbsttag. Längst war Friede. Vor dem Portal des Schlosses Benatek stieg der Kaiser Ferdinand der Dritte in den Sattel. Neben ihm stand der Schloßherr Jan von Werth. Ist das Werth? dachte der Kaiser. Dieser gebeugte Mann, der, kaum fünfzig Jahre alt, wie em Greis aussieht?

Alter, lieber Werth, ich komme bald wieder. Dann vedeii wir wieder von alten Zeiten."

Können nur noch davon schwätzen, ja."

, "Abr seid unzufrieden? Kann ich Euch einen Dienst leisten? Gefallt Euch Benatek nicht? Das blühende Land, die Arbeit des Friedens, das Glück des Volkes? Friedlicher Herdrauch und Glockengeläut?"

. äst schön. Bin ich's nicht gewohnt und fühle

dreißig Kriegchahre zehrten nicht so an mir wie drei Frie­densfahrt."

Ihr möchtet, ich sollte Euretwegen wieder Krieg an­fangen!"

Regt sich der Türke nicht?"

Den schreckt Euer Namen."

Weiß schon bin ich tot, gibt es Krieg."

Schämt Euch, Ihr, ein Mann auf der Höhe des Lebens, vedet vom Sterben!" Jan trat dicht an das Pferd des Kaisers.

bodj bei der letzten Affäre eine Kugel ge­troffen. Kaiserlicher Herr! Aber im Bette sterben? Nachts - oft, fühle ich, daß die Kraft mir fortrinnt wie Heidesand