Jan von Werth.

Noman aus dem Dreißigjährigen Zkriags von Franz Herwig.

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Krau Marie-Anne," sagte Jos« Maria tonlos,Ihr müßt nach Böhmen."

Was ist geschehen? Man hat geschossen."

Man darf gelassen sagen, daß alles verloren ist."

Marie-Anne schrie aus:

lind mein Kan?"

Wird sich rechtzeitig iit Sicherheit gebracht haben."

Ih, wißt Nichts von ihm ?"

Nein, nur daß seine Regimenter sich zum Kurfürsten geschlagen haben."

Seine Regimenter? Ihn verlassen?"

Da habt Ihr die hundssottische menschliche Kreatur! Macht Euch bereit, ich bitte Euch Die Soldaten hier sind aufgeregt: man weiß nicht, was geschieht."

Marie-Anne sagte entschlossen:

Ohne Jan gehe ich nicht. Er hat mir geschrieben, hier solle ich ans ihn warten. Und hier warte ich auf ihn. Würde ein schönes Gesicht ziehe«, der Jan, wenn in dem allge­meinen Abfall auch sein Weib. ausrisse "

Das ist Eigensinn - verzecht, in solchen Fülleu heißt es selbständig handeln. Vielleicht ist Jan längst über die Grenze und wartet ans Euch."

Meint Ihr? Ihr wollt mich in Sicherheit haben, aber ich warte auf Jan. Und sagt nichts mehr dagegen."

Ans ihrem Reise sack «ahm sie ^o.'i Pistolen und legte sie auf den Tisch. Dauu setzte sie sich an das F-enster und wartete.

In der Stadt war ausgelassener Jubel. Aus den Lagern strömte alles in die Gassen und betrank sich. JinLetzten Heller" war unsinniges Geschrei und Gejohle. Die dreißig Taler waren ausgezahlt: sie wurden verpraßt bis aus den letzten Heller.

Erst als es völlig Nacht war, hatten die Soldaten sich heiser gebrüllt und von Sinnen getrunken. Marie Anne halte ihren Fensterplatz nicht verlassen. Als der Lärm uach- Ueß. war sie ein wenig eürgeschlmnmert. Bon einem Ge­räusch aufgefchreckt, fuhr sie empor; sie sah das Zimmer voll Menschen und sprang aus, nach ben Pistolen greifend. Da sagte eine ach! so bekannte Stimme:

Willst dir die zehntausend Taler verdienen?" und Jan nahm sie in seine Arme.

Sie konnte es nicht fassen.

Du hier? Mein Jan?"

Das Vieh hat nicht einmal Wachen vor der Stadt. Niemand hat uns aufgehalden. Hier sind Freunde die letzten."

Es waren an die vierzehn Offiziere von verschiedenen Regimentern, die sich aus der Flucht vor ihren Soldaten Jan angeschlossen hatten.

Der Oberst Fleckenstein trat vor:

Exzellenz der Herr Abbe versichert, die Brücke ser frei. Nehmt meinen Rat nicht krumm aber wir müssen aufbrechen."

Laßt die Gäule zwei Stunden verschnaufen," sagte

Jan.

Die Kreutzischen Dragoner sind hinter uns. In zlvei Stunden sind wir alle tot oder in Eisen. Aber wie's Euch beliebt."

Tann also vorwärts," sagte Jan müde.Komm, Marie-Anne."

Als er in den Sattel stieg, sah er sich um. Sein Blick fiel ans das Wirtshausschiid. Er lachte laut und bitter.

Mein Jan," sagte Marie-Anne

Sieh dort:Zum letzten Keller!" Das Eiefchut ver­höhnt mich."

Jan fröstelte, denn vom Flusse her wehte es kalt.

Fertig?" ries er zurück.Dann vorwärts."

Der traurige Trupp trabte an und vertteß Bayern.

Sie ritten, jo schnell die Pferde laufen tonnten, durch die Nacht. Gegen Morgen tauchten sie in den Wäldern unter. Bei der ersten Rast war man schon in der tiefsten Einöde. Weiter! Der Kamm des Gebirges wurde erklommen. Die zweite Nacht kam; man lagerte zwischen den Tannen. Morgen würde man im kaiserlichen Feldlager sein, das in der Gegend von Pisek zusammen gezogen war.

Jose Maria fand keinen Schlaf. Er hatte Sorge um Jan. Der hatte während der Flucht nicht zwei Worte ae- sprochen. Ob Jan des gitten Empfangs beim Kaiser wirklich so sickier war? .

Der Abbö ging leise dorthin, wo Jan lag. Er btugstt sich über ihn und sah in seine offenen Augen.

Du schläfst nicht, Jan?"

Schlafen?" stieß der höhnisch heraus.

Komm," sagte Josä Maria,ich muß mit dir reden."

Jan deckte den Mantel sorgsam über MarieAnne. die mit gelösten Gliedern schlief, und folgte.

lieber ihnen war ein Heller Julihimmel, überschüttet mit Sternen. In den Spitzen der Tannen hing der Biertel- mond. Es waren seltsam unwirkliche Geräusche in dieser Nacht. Auch mußte irgend,vo ein Bach sein, der dumpf rauschte. Zuweilen atmete der Nachtwind, und die schwarzen Wipfel regten sich.

Jan fühlte, wie seine nagende Bitterkeit nachließ Er umarmte Jose Maria und lag bange an seiner Brust.

Sieh, Herzbrnder," sagte er dann leise,nun liegt der Jan im Dreck."

Niemand liegt im Dreck, als der sich selbst hineinlegt. Mcht das quält mich."

Rehe!"