Ausgabe 
24.4.1915
 
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iiirhtt'u Schäden sin!) so ziemlich durchgeführt: man sieht die neuen Eg^and^ Rückseite des Grand Hotel und die mehr oder weniger ausgedehnten Arbeiten, die in den Mauern anderer 8>Ü!user au-ge- mx würben. Damit diese Spuren nicht zu schnell vnwlscht wer­den bat man in schönen Buchstaben angeschrieben. welch denkwür­dige- Schicksal die alten Mauern erlebten. Tre ^tadt ist außerdem ^Trovbäen" in Form non Granaten und Granatstücken, KL»rTÄoUigen und eNzöllig^r von denen dre me gesuchtesten und am meisten bewlmdertsten sind. Al- Kostbarer Schon »verden in dem sichersten Verlies des Rathauses sechs vock^ ständige Granate:! ausbewahrt. zwei seckfszöllige unbüier taeiäollifle, hie eines Tag^ gegen hohen Eintrittspreis einem sA"lustig.en aez^iat werden sollen. Mit Euer vertiefen sich bereits Gelehrte und^ Bürger in dies denkwürdigste historische Ereignis aus der Gn'chichte Scarboroughs, und der Ltadt-Jngenrenr hat eine sebr interessante Karte entworfen, auf der genau ,ede einzelne Stelle angegeben ist. die durch eine Granate ausgez^chnetwurd^ Ta gegen 6Ö0 Schüsse abgegeben wurden und die BefÄneßung nur 20 Minuten dauerte, so kommen 30 Granaten aus die Minute, und her Verlauf des Bombardements läßt sich aus der Karte, drc eben­falls eine Sehenswürdigkeit darstellt, genau veriolge:n. ^o sorgt Scarborough schon jetzt für die Zukunft.

* B e t r ü g e r i n K b a k i. In Kitcheners neuer 2lrmee be­st,ide.l sich auch nianche recht zweifelhaften fernen ite, u iib c« ij daher nicht verwunderlich, dav diese ,bre Ul'lsonn zu Bet , qereien mißbrauchen. Gegen die Schwindeleien von eoidateu seheni s ch englische Blätter sogar schon geuot gt. Warnun^u zu erlasieu. Sehr bezeichnend ist ein Fall, der dieser Tage das Londoner Poliz«. geeicht beschäftigte: Josevh Henry Orchard war bei emer Neserve Batterie der Feldart,llerie eingestellt und verschwand nach der sväteren Aussage seines Leutnants, an, 5. Marz vlotzlich ohne Urlaub von feigem Regiment. Bon da an trieb er sein ^"'"sen am Victoria-Bahnhof, wo er in voller Uni'orm btt Arnberg ehe, den anbettelte. Eine« Tage« wurde er vo» emem al eren Herrn er blickt, als er ,nühfam an eine,n Stock dahergehinkt tanr. Lx lebten grobe Schmerzen zu haben und stch kann, mehr aufrecht halten zu können. Der Herr, der natürlich glaubte, enien verwundeten Sol­daten vor sich zu haben, hatte grobe, Mitleid und riet chm an Krücken zu gebrauchen. Ter arme Soldat aber sagte daß , ti mcht genug Geld hätte, um sich solche zu kaufen. Ter Wohltäter ging mit ihm in ein Geschäft und schenkte ihn! Krücken. An d e en humvelte Orchard von da an umher, o't von einem kleinen Pu nve begleitet, den er feinen Kameraden ans dem Schützengraben nannte. So traf ihn eine Tarne, die sich des armer, Vater landsverteidigers erbarmte und für ihn einen Krankenwagen 'nietete. u, den, er al» bil'loser Invalid-, da, linke Bein mit einem akrtrrmö um hüllt, Zoologischen Garten herumgefahren wurde. Eme andere Lame Hüne durch ihre Tienslboten von dem armen verwundeten ^otvaten usid lieb ihn zu sich kommen. In einem Lehnst uh. bequem in Kissen gebettet, erzählte er ibr und ihrem Manne seine traurige Geschichte, wie er bei La Bassse seine schlvere Verwundung davon- getraqen habe, dab er drüben aus dem Lazarett eut affen worden sei und nur noch im Et. Georgs Ho''p tal täglich se,ne B unden Nachsehen ließe. Er habe auch sehr viel abgenommen, und um das zu beiveisen, zeigte er, dab seine Kleidung ihm viel zu weit sei. Eine ganze Woche hindurch bezahlten die beiden mitleidigen Zuhörer sein Unterkommen in einen, Soidatenbeim und gaben ihm anber- dem alle Mahlzeiten und allerlei SkärkungSinittel. Orchard erhielt neue Unterwäsche und noch eine schöne Portion Labak. So gut ging es th.n, bis der Verdacht der Dienstboten erwachte, ^eme Schwindeleien wurden entdeckt,, man bolle die Polizei und er wurde verhastet. Seine vielen Wohltäter mögen recht erstaunt gewesen sein, al, sie hörten, daß ihr »Schützling in Khaki,nc an der Front gewesen ist und dab beim Abnehmen des Verbände- ein ganz gesundes Bein zum Vorschein kam.

* Bei der Pariser Wahrsagerin. Niemals haben die Pythia- von Paris so viel zu tun gehabt wie jetzt: m den üppig au-gestatteten Salon, der Modevrophetinneü und n, den engen dunklen Zimmern der Wahrsagerinnen s»,r die armen Leute dränge., sich die Kunden in Scharen. Früher kamen d,e Frauen mit der einen einzigen Frage: Liebt er mich oder liebt er nnch nicht? Heute wollen sie wissen. ob der Bräutigam oder Mann, der Vater oder Bruder im Felde, von denen sie seit langem nicht, mehr gehört haben, noch leben oder tot sind. Im .,T e m p," wird der Besuch bei einer Wahrsagerin des Armenviertels und bei einer vornehmen Pythia geschildert °. »In der Rne de Montmartre wohnt eine dieser Priekterinnen der Zukunft zwischen einer Wäscherin und einem Flickschuster. Durch den langen dunkeln Korridor drängen sich die Frauen nach diesem unansehnlichen schmutzigen Tempel. Köchinnen und Arbeiterinnen, kleine Ver- läuserinuen, deren billige Kleidung viel Anmut verrat. Fererlich ,vie in eine Kirche treten sie ein, und alle scheinen sie sich Hoff­nung zu holen, denn ihre Blicke sind heller und heiterer, wem, sie sich durch die enge Türe wieder herausdrücken. TaS Geheimnis dieser Prophetinnen ist, dab sie stets das Schicksal der künsligen Tage elivas rosig iärbeiy den« dadurch iesseln sie ihre Km,du,neu an sich, und wenn dann der Zweifel kommt und die Ungewißheit sie zermartert, dann kaufen sich diese armen Frauen wieder für

40 Sous ein wenig Hoffnung und guten Mnt. Die Geschäft-- tüchtigkett dieser Trostverkäuserinuen ist grob, und sie preisen ihre Gaben i,. den Zeitungen an. Qriiv« von ihnen zeigte z. B. dieser Tage an, ,daß sie nicht au§ den Karten lieft, sondern hellsichtig ist aus den ersten Blick/ Im besseren Französisch, mit geflegteren Planieren, in einem eleganteren Hause und hübsch au-gestatteten Zimmern liegen andere dem gleichen Geschäft ob. Sehr anständige Leute, die mit einem Hohnlächeln auf die Ausbeutung der Leicht­gläubigkeit der Armen blicken und die schlauen »Wundertäterinnen" von Belleville und St. Denis sür gemeine Schwindlerinnen er­klären. opfern mit unerschütterlicher Ueberzeugung Goldstücke diesen prächtig gekleideten Prophetinnen, die sich vor allem auf die Aus­machung verstehen. Ter Wert einer Prophezeiung wird hier nach der Höhe des Preises gemeffen. lind doch sind alle diese Orakel der Reichen und der Armen gleich viel wert. Aber wir wollen nun einmal unter bestimmten Formen betrogen werden, und die Lüge mutzach unserem Geschmack gekleidet sein. Seien wir also nicht zu unduldsam gegen diese modernen Besragerinnen der Sphinx, selbst wenn die Sphinxen die Züge und die Sprache eine- häßlichen alten Weibes haben'/ .

Gladstou es Enkel gefallen. Das englische Unter­haus hat einen schweren Verlust erfahren, der aus seine Mitglieder einen groben Eindruck machte. Nach ''Arthur O'Neitl ist nunmehr das zweite Mitglied des Hauses gesalleu, ein Mann, der ,lm seiner selbst von großer Bedeutung ,var und zudem einen der ruhm­reichsten Namen des Landes trug: als Leutnant der Noyal Welsh Füsiliers ist W. G. C. Gladslone, der Enkel des berühmten Staats­mannes, in Flandern in der Schlacht getötet worden. Ter Treibig« jährige, deffen Mutter eine Tochter des zwölften Lord Blantyre ,var, hatte die diplomatische Laufbahn ergriffen und ,var eine Zeit­lang EhrenattachS der britischen Gesandtschaft in Washington. Dann ivurde er Gonvernenr von Fltntsbire. und damals mutzte Asgnith auf eine Anfrage im Unterhaus erklären, dab Gladstone nie Militär­dienste getan habe. Als aber der Krieg ansbrach. eilte der junge Diplomat zu den Fahnen und trat al- Sekondleutnant bet den Füsilieren ein. Das englische Unterhaus weist ander diesen beiden gefallenen Mitgliedern vier Mitglieder auf, die verivundet wurden, und zwei, die in deutscher Gefangenschaft sind. Die letzteren sind Major Morrison-Bell und der jetzige Lord Stair, der bet seiner Gefangeunahmeoch Mitglied des Unterhauses ivar und als deutscher Gefangener durch den Tod seine- VaterS zum Lord ivurde.

vücherllsch.

Deutsche KriegSklänge 191415. AnSgewahlt von Johann Albrecht Herzog zu Mecklenburg. I. Helt. Verlag K. F. Koehler. Leipzig. Preis 40 Pfg. Las Unternehmen, von dem das l. He t vorliegt, ist ctn Zeichen der Zeit: es zeigt, wie Fürst und Volk, hoch und niedrig, zusammengeschmiedet morden ist in dem Willen, alle Kräfte für den einen Gedanken cinzusetzen, der unS alle beherrscht. Ein deutscher Fürst, dem lauge Jahre die Negeulschast von Brannschiveig anvertraut war. hat die Dichtungen auS grober Zeit gesammelt, die in ernster und heiterer Abwechslung die Taten und Stimmungen ividerspiegelu, die in dem jetzigen Riesenkamvie um unsere Freiheit die Seele unseres Volkes ergreifen und durchbeben. Dem ersten Heit, das hauptsächlich Dichtungen aus den ersten Wochen des groben Krieges eirthält, sollen in Kürze weitere Bändchen folgen.

Vor der Ehe. Roman von Ida Boy- Ed. De, lag Ullstein & Co., Berlin-Wien. Ter neue Roman von Ida Boy-Cd hat zum Thema die zärtliche Anteilnahme einer Mutter am Ge­fühlsleben ihrer erwachsenen Söhne. Vornehmes Frauentum spricht sich in diesem Werke auS. das durch die gedämpfte Schwermut leidensvollen Entsagens einen besoiiderS innerlichen Ton erhält. Vorurteilslos und abgeklärt ist alles, waS die Dichterin über die heutige Stellung des jungen Mädchens in der Gesellschaft sagt, über die Tendenz der Frauen, vor die Oeffentlichkeit zu treten, über per- önltche Freiheit in Liebe und Ehe.

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Logognph.

ES ist mite* au« Fleisch und Haut Gar zart und künstlich aufgebaut.

Glückselig, iveun Metall d'rm wohnt, v, AlS Münze, die das Prägen lohnt!

Doch hüte dich, trifft dich'« mitü\

So ist umsonst des Lernens Müh';

Meist kommt er her vom rauhen Norden Und krank Ist mancher d'rau geworden. Schnell mußt du's daun mito* entzünden, Das wärmt, du wirst Genesung finden. Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummert «ybinstr - Ubier Düna Opium Liter Fönfata Farin» Athen© Uauchart - »urga,; RudoisFalb, Steiermark.

Stfriftleltunn: 91..#. G°ktz, - SRotationSbn.cf und «erlag der SBriW,rfjen Unw.rs'tSlS-Bttch. und S,ki»dr»-k-r-l. m. Lang.,

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