Jan von Werth.
Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Laßt Euch belehren, Werth. Wenn ick) Frieden gemacht habe, für mich und Bayern. )'o tat ich's aus Liebe zu Oefter- reich. Ja! Es gibt eine Liebe, Werth, die vorerst nicht so aussieht. Indern ich Frieden mache, zwinge ich den Racker, mir nachzufolgen. Versteht Ihr? Er muß Frieden machen, 'muß? Je rascher er's tut, desto besser für ihn. Hab -ch recht, ihr Herren?"
„Ihr sagt sehr wahr: er muß nun Frieden wachen, will er nicht von den Schweden und Franzosen und den protestantischen Reichsfürsten erwürgt werden. Aver, kurfürstliche Gnaden, da er nachgeben muß. wird er und) Die Bedingungen annehmen müssen, die ihm 'gestellt^ werden. UUD ich mein' — die werden hart und bitter sein."
Der Kurfürst lächelte hämisch:
„Ist nicht meine Sache."
„Ist nicht Ellre Sache. Ah. so' Nur iveil >chr vorhin von Liebe zu Oesterreich überflosset?"
Maximilian stand auf. ,
„Ich weiß nicht, was mich bewegt, mit Euch hernm-
zureden."
Jan trat dielst an ihn. . , . . ^ . .
„Herr Kurfürst, Ihr sagt : „Ich habe den Frieden unter- zeichnet." Ist es dieses Papier?" - Er nah", em Perga- nient auf, das vor des Kurfürsten ^e,,el lag. „Ist es oiev . °>cf) qeb's noch eiiimal in Eure Hand. Deiikt an die gemeinsame Sache Ich flehe Euch an. denkt an den Kaiser, an den Glauben — Kurfürstliche Gnaden — ich wrtl als einfacher General dienen unter jedem, den Ihr schickt — aber zerreißt das P: rgament! Reißt's mitten durch und schmeißt s aus den Tisch!" ‘
„Seid Ihr von Sinnen?" ^
Nein, nein — mir blutet das Herz — das ist alles. Denn ich fühle — das. was Euer Kurfürstliche Gnaden tun ivill, kommt einem Perrate gleich, einem Perrate an Deutschland !"
„Schweigt l. Oder ich lasse Euch verhaften!"
„Tut's. Laßt mich verhaften — hier ist mein Degen, mein Degen, der ein Pierteliahrhnndert Euch und der großen Sache gedient hat. Tut's, aber laßt Euch sagen, wenn zwei Reiter -einen Posten lwlten, und der eine geht zum Feinde und läßt den Kanieraden im Dreck, so gebührt ihin der Strick. Ist ein deutliches Exempel."
„Ich werd' Euck das Maul stopfen! — Kuttner!
Der Kurfürst schrie es, blau vor Wut.
.Küttner!"
Aber da traten zwei seiner Räte zu ihlti und nahmen
ihn von beiden Seiten unter den Arm und redeten aus ihn ein. Und Maximilian nagte an der Unterlippe und hörte zu. Erst schüttelte er heftig den Kops, aber als die Rate ihm von Schweden sprachen, und daß der Schwein an den Grenzen stehe, und das; Gnaden der Herr Kursnrst vorläufig keinen General habe, der den Ltlstveden D.ider- pari bieten könne, keinen als den Werth — da faltete er Me Hände und blickte nach oben. ... . .
„Geht ins Lager zurück, Werth, jagte er dann beherrscht, ohne ihn anzusehen. „Ick) vergebe Euch die unbedachten Worte. Geht und beiift besser von mir —
Als Jan mit seinen Freunden München dmter sich hatte, sagte er entschlossen ans seinem finsteren Grübeln
Würfel liegen still. Ich führ' dem Kaiser das
„Jan! Jan!" ries Jose Maria. „Hast du bedacht-? „Alles! Deutschland und der Glauben stehen hoher al>..
dieser Kurfürst!" .
14. Kapitel.
„Zum letzten Helle r".
Marie-Anne nlnßte das Heer verlassen und nach Bils- hofen nahe der böhmischen Grenze geben. Jan war nicht mehr ihr Jan. Ein tödlicher Ernst beherrschte sein Wesen, seine Unruhe war ohne Grenzen. Sein Weib war gehorsam von ihm gegangen, besorgt, ihn nicht noch mehr zu erbittern. Sie hauste in einem schlechten Gasthos, der „Fum letzten Heller" hieß. Er lag dicht au der Donaubrucke und hing mit seinem oberen Geschoß über den grünen Strudeln des Flusses. Dieses Quartier hatte ihr Jan angewiesen „Bist mit zwei Schritten auf der Brücke - und drüben ist kaiserlich Erbland." Sie fühlte sich immer aus dem Sprunge zur Flucht, und diese Unsicherheit, dieses Rechnen mit der Flucht ließ sie keine rechte Zuversicht finden. Was geschah inl Heer? Wo war Jan? War der Plan schon ruchbar. Nichts antwortete auf ihre Fragen. -
Endlich — nach Wochen kamen zwei Reiterregimenter nach Pilshofen. Es hieß, daß das ganze Heer sich hier sammeln solle Zugleich erhielt Marie-Anne einen Brie, von Jan. der ihr empfahl, sich den Truppen nicht zu zeigen. Im übrigen gehe alles gut. ,#•*»,
°Niitmev mehr Truppen ruckten heran: die ^olDareu wußten nicht, was dieses seltsame Lagern an der bölnnstchen Grenze, wo doch kein Feind stand, zu bedeuten hatte. Wenn Marie-Anne bei geöffnetem Fenster saß. konnte ,ie die lärmenden Gespräche der Soldaten in der Schenk,tube belauschen. Ihre Sorge wuchs. Wußten die Soldaten nicht, weshalb man sie hier zusammenzog? Und die Offiziere?
Sie wäre Joss Maria, Htzer eines Abends, von langer Reise erschöpft, in ihr Zimmer trat, säst um den Hals ge
* atlC !!seib Ihr es wirklich?" ries sie. „Gott sei Dank! Sprecht, sprecht! Was geht vor? Wie stehen die Dmge? Steht der Kaiser zu Jan? Ich bitte Euch — sprecht. JH.


