Zelt. Immerhin, Geleen konnte er verschmerzen. Aber das andere! Verrät Max den Kaiser, die katholisch Sache, dann! Ich hau' ihn zusammen inmitten seiner Schwarz rikfe! Und sollte ich hängen darum!

Vorerst gingen die Dinge ihren Gang wie sonst. Und als einige Monate verflossen waren, näherte sich Jan dem Geleen. Er fand einen bescheidenen, ehrlichen Mann, der offen gestand, das; er aus Jans Rat angerviesen sei. Sofort kehrte Jan der Lebensmut wieder. Er gab dem Loi-ckisant- Generatissimus einige Ratschläge, und sie wurden aus­geführt.Ach was," saate er da,gönne ihm den Titel, wenn er mir nur nickst oreinredet!"

Aber dann kamen doch Gerüchte ins Lager, die von den entschlossenen Verhandlungen des Kurfürsten mit Frankreich flüsterten. Man erzählte sich, daß der junae Kaiser seinen Verwandten und Verbündeten mit rührenden Briefen ge­beten hatte, von seinem Vorhaben abzustehen, und als Jan eines Morgens in das Zelt Geleens trat, fand er diesen bleich und verstört, die starren Augen auf ein Pergament geheftet.

Werth!" rief er ihm entgegen,Werth! Sagt Hunds­fott zu mir, daß ich rur Besinnung komme! Hier ist ein Befehl ein Befehl des Knrfürsten, die Feindseligkeiten gegen die Franzosen einzustetlen, da er zu einem Teil­srieden entschlossen sei. Hört Ihr? Wie? Ihr fallt nicht um'?"' Der sonst so ruhige Mann bebte in allen Gliedern. Er knüllte das Pergament zusammen und warf es Jan vor die Füße.Da habt Ihr Eures Kurfürsten Wisch! Nehmt's, nehmt's und meldet ihm der Geleen macht nicht mit! Nein, er macht nicht mit! Da!"

Der,General riß, seinen Degen axiS der Scheide und brach Ihn in zwei Stücke.

Da, bringt ihm das! Ich quittier' den Dienst! Bin mein Lebtag ehrlich gewesen und soll ruschen, mit gekreuzten Annen, wie nun die Franzosen und Schweden über den ritterlichen Kaiser herfatlen?"

Ich dank' Euch für die Gesinnung," rief Jan und um­armte den Erregten.

Denkt Ihr wie ich, dann stellt Euch zu mir. Schicken wir ihm unsere zerbrochenen Degen. Vielleicht rötet die Scham dann sein Gesicht!"

Jan trat entschlossen zurück.

,Lch denke, eine andere Aufgabe zu haben. Ich will der Schlange die Zähne ausbrechen!"

Was wollt Jh tun?"

Erlaubt, daß ich noch nicht davon rede. Vielleicht komme ich noch frei, von dem. was ich tun will. Sonst bin ich zum Aeußerften entschlossen, zum Aeußerften, Ka­merad!"

Tut, was Euch ansteht! Ich verlasse das Lager noch heute. Hab' da oben im Westerwald noch meiner Väter Haus. Besucht mich dort, Werth. Gute Verrichtung und Glück auf den Weg!"

Drei Tage später war Jan in München. Mit ihm waren sein Generalwachlmeister Sporck und Jos6 Maria. Er hieß die Getreuen in derGüldenen Gans" auf ihn warten und

E lkUt m die Residenz. Dort standen auf dem Hofe bespannte keisekutschen, einige kamen an, andere hielten vor dem gro- en Portal, und langsame und würdevolle Herren stiegen Em. Jan ging resolut geradeaus bis in das Vorzimmer des Kurfürsten: den wachthabenden Offizier durchfuhr ein gelinder Schreck, als Jan sagte:

Gehr zum Herrn Kurfürsten und sagt, der Werth müsse ihn sprechen!"

Verlegen und hochrot kam der Offizier zurück.

,'Euer Exzellenz möchten einige Zeit verziehen, da die Verhandlungen mit den französischen Herren"

Ah, sind die Franzosen da?"

Ec ging auf die Flügeltür zu.

Euer Exzellenz," rief der Offizier und streckte die Hand nach Jan aus,striktes Verbot!"

Mein Sohn," sagte Jan,du wolltest doch den Werth Nicht anfaisen, nicht wahr?"

Und er ging mit lauten Schritten zur Tür, öffnete sie weit und trat sporenklirrend in den Saal. An einer langen, blanken Cichentasel saßen so sieben, acht Herren mit Pa- pieren vor sich. Am Kopfende hob Maximilian seinen krum­men Leib aus der Tiefe des Sessels. Jan marschierte ge­radenwegs auf ibn \u und sagte:

,Lurfürstliche Gnaden wußte ohne Zweifel nicht, daß

ich es war, der mich melden ließ. Sonst hätte Sie mich sicher nicht antichambrieren lassen."

Werth," sagte der Kurfürst,Ihr seid noch immer der Alte. Aber Ihr müßt Euch schon herbeilassen, draußen ein wenig zu warten, bis ich mit diesen Herren hier fertig bin."

Kurfürstliche Gnaden, meine Sache ist die Eure. Sie ist wichtiger als alles, was diese Herren hier aushecken können."

Mein Gott, so redet immerhin," rief Maximilian und klopfte mit seiner knöchernen Faust aus die Tischplatte. Also was wollt Ihr? Oder dürft Ihr vor diesen Herren nicht sprechen?"

Sind Franzosen, wie ich höre?"

Meine Verbündeten. Der Frieden ist unterzeichnet."

Jan trat, ohne zu wollen, einen Schritt zurück.

Ist unterzeichnet? So."

Sprecht nun endlich. Was wollt Ihr?"

Vorerst eines Auftrags mich entledigen," sagte Jan. Er zog aus seinem Kollett die Stücke eines zerbrochenen Degens und legte sie dicht vor dem Kurfürsten klirrend auf den Tisch. Maximilian fuhr hoch.

Was soll das: was ist das?"

Geleens Degen."

Maximilian wurde noch um einen Schatten grauer.

So. so," sagte er langsam.Geleens Degen."

Der den Dienst Euer Kurfürstlicher Durchlaucht quit­tiert. Bedankt Euch dafür bei den Herren, die da herum- sitzen."

Geleen. Nun wohl. Er ist zu ersetzen."

Ein ehrlicher Mann ist nie zu ersetzen."

Was heißt das?"

,Lst nur eine Meinung, Kurfürstliche Gnaden."

Ist Geleen noch beim Heere?"

Vor drei Tagen abgereist."

Kommandiert die Truppen inzwischen, bis ich "

Bis Ihr einen andern zum Kommandanten ernannt habt, ja."

Mich dünkt, Ihr wäret der nächste am Oberbefehl?"

So, dünkt Euch das, Kurfürstliche Gnaden? Mein' Ihr hättet schon seit zwölf Jahren so denken können!"

Der Kurfürst wurde ärgerlich.

Werth," sagte er,Ihr bezeigt mir wenig Respekt, muß ich sagen!- Aber ich bin's von Euch gewohnt. Gin Manli von glänzenden Gaben," sagte er zu seiner Um­gebung,der Werth, nur mit der Zunge und dem Degen oft zu keck. Aber ich seh's ihm nach. Sagt mir doch, Werth, was kommt den Geleen an, so davonzugehen? Ist nie gehört, solange ich denken kann."

Er meinte, er könne nicht, Gewehr bei Fuß, zuschauen, wie Schweden und Franzosen nun über den ritterlichen Kai­ser herfallen. Ein verhenkert gutes Wort, Kurfürstliche Gna­den!"

Meint Ihr? Ich bin erstaunt. Euch so reden zu hören. Hält mehr Einsicht von meinen Generals erwartet. Euch Kriegsleuten allerdings kann der unglückselige Krieg nicht lange genug dauern."

Vergebt," sagte Jan und trat näher,aber solltet Ihr nicht wissen, wer den Krieg begonnen? Nun also, wir Kriegsleute waren's sicher nicht. Im übrigen wollen wir lie­ber heute als morgen den Degen einstecken. Aber, Kurfürst­liche Gnaden" er erhob seine Stimmenur wenn ein einziges Rasseln von Degen, die in die Scheide fahren, durch ganz Deutschland gehr!"

(Fortsetzung folgt.)

Micks Timoreits Schwein.

Eine wahre Geschichte aus Ostpreußen.

Bon Lothar Wende.

Im ostpreußischen Kolonistendörfchen Wannaguppchen raste Angst durch die kleinen Hauserchen.De Rufs' koanrt all!" flog es schreckend von Mund zu Mund. Grita Timoreit. das Stuben­mädchen von dem eine halbe Wegstunde entfernteri Restrittergute Wannaguppchen war in aller Frühe durch das Dorf mit dieser unangenehmen Nachricht getrabt und hatte sie auf dem Wege ins elterliche Heim, das als Abbau weit ab vom ergentlick-cn Torf lag, in alle Häuser gcschrien.

Gestern abend spät hatte der Herr Landrat die gnädige Frau telcphoniich angerufen der gnädige Herr ivar mit den Litaui­schen Dragonern im Fel>e und ihr eine amtliche Bekanntmach­ung vor«elesen, man möge alles Vieh und alles gedroschene (»-