Donnerstag, den 22. April
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Uan von Werth.
Roman aus dem Dreißigjährigen Kriegs von Franz Herwig.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Jan meinte später, seit den ersten Jahren seines Kriegslebens nie so glücklich gewesen zu sein wie in den Jahren nach der Pariser Gefangenschaft. Vereint mit seinem Waffenbruder von Mantua, Feldmarschall Mercy, fegte er Deutschland von den Feinden frei. Den französischen Marschall Gn4- briant, den Kardinal Mazarin nach dem Tode Richelieus nach Deutschland geschickt hatte, machte er am Leben verzweifeln. Die französischen Soldaten rissen vor dem Namen „Werth" aus wie vorm Teufel, und die Rekruten mußte mail an den Rhein treiben, wie Sklaven gefesselt, so fürchterlich schien ihnen der Krieg gegen einen General wie Jan.
Aber das Glück, das über Jans Leben stand, verlor allmählich sein strahlendes Lächeln, setzte ein kühles, dann ein abweisendes Gesicht auf, und nach einer kurzen Zeit entschwand es ganz.
Zuerst fiel der alte Mercy bei Alerheim. Als Jan von dem rasenden Vorstoß seines linken Flügels zurückkam, fand er den rechten Flügel vernichtet und seinen Waffenbruder tot, von Wunden entstellt, von Marodeuren bis aufs Letzte entkleidet. In den Schmerz um diesen Verlust klang Jan aber bald ein freundlicher Ton: der Letzte der alten Generale, die so oft durch ihr Zögern den vollen Erfolg hintangehaltcn hatten, war vom Kriegsschauplatz abgetreten. Jan wußte: nun bin ich frei, nun ist das ganze Heer .in, meiner Hand. Die Offiziere beglückwünschten ihn als Generalissimus, und den Soldaten war die Aussicht, Jan fortan gehorchen zu müssen, mehr wert, als es der Sieg bei Alerheim gewesen wäre. Alle wußten, wie gewaltig dieSprung- kraft eines Heeres unter dem alleinigen Befehl Jans sein würde, und so wartete man zuversichtlich der Order von Maximilian, die da kommen mußte, und die nur so lauten konnte: Das Heer gehorcht fortan dem Werth.
Vorerst erregte das Zögern und Schweigen in München kein Mißtrauen. Aber eines Tages kam der französische Marschall de Gramont, den Jan bei Alerheim gefangen genommen und nach München geschickt hatte, in Jans Lager, um ihm anzuzeigen, daß er nun wieder auf der Kriegsbühne austrete.
Jan war nicht wenig erstaunt, denn er wußte, daß Pie Franzosen feinen ligistischen Offizier von gleichem Range zum Auswechseln in der Hand hatten.
„Vergebt," sagte er zu Gramont, „aber gegen wen seid Ihr ausgewechselt?"
Gramont sab aus die Schar der Offiziere, die Jans Zelt aufilftte, und fragte:
„Kann ich mit Euch ein paar Worte im geheimen sprechen?"
Sie verließen das Lager und gintzen schweigend einen ausgefahrenen Hohlweg hinauf, der brs an den Rand des Tannenwaldes führte. Oben am Waldsaum legte der Franzose dem kleinen Jan die Hände aus die Schulter und sagte:
,„Wcrth, ich Hab' Euch gern, Ihr seid ein ritterlicher und kühner Mann. Ich bin Euch zudem verpflichtet, denn Ihr habt mich mit eigenem Leib gegen die Wut der Lands- huter Bürger beschützt, als ich ern wehr- und waffenloser Gefangener war. Ich will offen gegen Euch sein. Werth — Euer Kurfürst ist nicht ehrlich."
Jan sah den Marschall tzroß an.
„Dem Kurfürsten bin ich geschworen — ein Landes- feind soll vor meinen Ohren nicht schlecht von ihm sprechen, hört Ihr?"
„Werth, schlecht sprechen? Ich will Euch Tatsack>en sagen, zu deren Geheimhaltung mich niemand verpflichtet hat. Daß es Tatsachen sind, versichere ich bei meiner Ehre."
„Nun aso — welche Tatsachen?'
„Geleen ist zum Generalissimus ernannt."
„Ihr seid schlecht unterrichtet. — Wie? Geleen? Ein Mann ohne mehr Meriten als irgendein Feldsoldat? Geleen? Der gefangene Geleen, Generalissimus? Geht, geht!"
„Ich hoffe, Ihr wollt damit keinen Zweifel an meinem Wort als Edelmann äußern?"
Jan biß die Zähne zusammen, daß die Backenmuskeln wie Bündel von Schnüren hervorsprangen. Er hieb mit seinem Reitstöckchen durch die Luft, daß es pfiff. Aber er drückte seinen Zorn nieder. Nur dem Franzosen nicht zeigen, wie eS hier bei uns steht!
„Nun? Und was noch?" fragte er mit gleichgültiger Stimme.
„Wißt Ihr, daß der Wrangel dem Kaiser Ferdinand bös zusetzt? Nun wohl — trotzdem hat Maximilian mich beauftragt, in Paris seine Bereitwilligkeit, Frieden zu schließen, zu versichern."
„Zweifellos hat er Euch auch beauftragt, dies überall zu erzählen, mein Herr?"
„Mir ist kein Schweigen auferlegt."
„Trotzdem würde ein deutscher General dieses Versehen nicht also ausnutzen."
Der Franzose richtete sich aus.
„Ich sehe, Ihr verkennt meine Absichten. Mögt Ihr. Ich wollte Euch, als Herrn von Werth, einen Dienst erweisen. Ich habe getan, lnas ich tun zu müssen glaubte. Das übrige steht bei Euch. Lebt wohl."
Und er ging langsam den Weg nach dem Lager zurück. Jan sah Blut und Feuer vor feinen Augen tanzen; er krallte sich an einer Tanne fest und stöhnte wie unter dein Schmerz einer tödlichen Wunde. War die Lage wirklich so, dann —> dann —!
Sie war so. Nach drei Tagen kam Geleen beim Heer an, mit der Order des Kurfürsten. Jan verschloß sich in sein


