Ausgabe 
21.4.1915
 
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nrtffccr den Plan, am dem sich daS kurze, aber heftige Ringen ab­gespielt, bestrichen. geschleppt hatte. Nun uxir der (JVegncr lvett »urückaewichen, und man konnte daran senken, die Verwundeten sortzuschaffen

Der OderstavSarzt hatte den Kopf geschüttelt, als er SteffenS den ersten Verband angelegt.HoffmLNgsloS!" sagte sein ernster GcnchtScnrSdruck.

MS die Sonne langsam, langsam aus brauenden Nebeln emporstieg, öffnete Steffens seine Augen. Ter Blick, mit dem er Doktor Trewing anschaute, lvar seltsam klar, aber schien wie auS einer anderen Zeit -urückzukehren.Ist sie da kommt sie die Feldpost?" formten tonlos seine Lippen

Doch Doktor Trewing, der sich über den Kameraden beugte, verstand ihn. Er las das Flehen, das Forschen und Fragen in den Augen des Sterbenden.Sie ist gekommen, Stessens, und ein Brief für Sie ist diesmal mit dabei, Steffens. Ein Brief aus Ham­burg Soll ich Ihnen den mal vorlesen'? Können Sie mich hören, SteffenS? So, ich^ beuge mich zu Ihnen"

Er zog ein Schreiben aus der Brusttasche seines feldgrauen Rockes, der noch die Spuren des blutigen Kampfes an sich trug, und begann mit Heller Stimme zu lesen. Bor seinen Augen stan­den die geliebten, bekannten Schristzüge seiner Muttern er aber las zwischen den Zeilen des Briefes, und ihm war's, als sagte die gütige Stimme der alten Frau dicht an seinem Ohr:Gut so. mein Sobn, cS ist Letzte und Beste, tvas du für deinen armen Waffen­bruder tun kannst!"

Er las Save, die ihm wie von selber auf die Lippen kamen, Sätze, die von Hoffnung und Glück, von Sehnsucht, Treubleiben und froher, seliger Wiederkehr sprack>en. Er könnte ja so viele- aus den Schilderungen Fritz SteffenS, daß eS ihin nicht schwer fiel. Bild um Bild hervorzuzanbern, Erinnerungen, die ein seliges Ccko in der Brust des Sterbenden hervorriefen.

Fritz Steffens lag da und schaute in die Sonne. Sie blendete ihn nicht mehr, denn er blickte über sie hinaus in eine noch strah­lendere jHelle. TasfLetzte, was er auf dieser Welt vernommen hatte, war da-, twtf Hic Feldpost ihm durch Dokwr Trewing gesandt hatte, waren die Worte:Ich warte auf Dich, lieber Fritz! Wenn Du heimkommst, will ich Deine Frau lverden Ich sehne mich nach Dir und denke an dich immer immer" Mit diesen Worten war Fritz SteffenS' heißersehnter Feldpostbrief für ihn zu Ende ge­wesen.

Doktor Trewing drückte ihin die Augen zu, er sah den Frieden auf den Zügen des Toten, und er sagte sich, daß er recht getan hatte. Langsam faltete er den Brief seiner Mutter zusammen und sprach leise ein Vaterunser.

5tn paar Stunden später war er bereits aus der Heimfahrt nach Deutschland Seine Wunde war doch nicket so leicht, rvie eS zuerst den Anschein gehabt hatte. Wenn er wieder in die Front -urückkehrtt, würde ein anderer als Fritz Steffens an seiner Seite schreiten. Er hatte heute noch dabei gestanden, wie sie dem armen Kameraden da- Grab schaufelten.

Au der Grenze der Heimat kam dem Transport der Verwunde­ten die Feldpost entgegen

Ob diesmal für Steffens etwas mit dabei ist?" fragte sich D»kt»r T-rewmg, und malte sich dann das liebe, halb erschrockene, halb vor Freude strahlende Gesicht seiner Mutter aus, wenn er ihr sagen tvürde:Da bin ich, Mutter: anstatt eines Feldpostbriefes ich selber pfleg' mich schnell gesund, damit ich wieder bald hin­aus kann!"

So heimelig, so lieb ihm auch die Vaterstadt war, wie ein Fremder wüvde er sich jetzt in ihr Vorkommen, solange er sich sagte:Meine Feldkameraden liegen in den Schützengräben vor dem Feind."

Armer Fritz Steffens! Ihm hätte er jetzt so gern eine Feld- Postkarte geschrieben, damit docheiner an ihn. dem die Feldpost niemals etwas gebracht hatte, dachte"!

Jene Feldpost aber, der Doktor Trewing begegnet ivar, hatte wirklich etwas für Fritz Steffens, den Schlosser aus Hamburg, eine kurze Karte nur, in krickliger Schrift. Auf dieser Karte stand: Lieber Fritz, ich muß Dir Mitteilen, daß meine Mieterin, das Fräulein Lene, vor vier Wochen im Krankenhaus gestorben ist. Es^ kam ganz schnell. Lungenentzündung, sagte der Doktor. Sie ließ dich noch schön grüßen. Du sollst nicht traurig sein, sagte sie. Ich wußte Deine Adresse nicht, sonst hätte ich früher geschrieben. Aber die Hiobsposten erfahrt man ja noch immer früh genug. Nimm es Dir nicht zu Herzen, lieber Fritz, und laß es Dir gut gehen im Feldzüge. Das wünsckü von Herzen mit besten Grüßen Deine Tante Anna Volkmann.

?. 8. Deinen Feldpostbrief an Fräulein Lene, der nach ihrem Tode hier ankam, hebe ich Dir aus, bis Tu wiederkommst.

Tie Feldpost rattert weit hinein in Feindesland, sie eilt an einem Soldatengrabe vorüber. Dem stillen Schläfer hier kann sie ja nun nicht- mehr bringen sie fährt lstnaus und wieder zurück in heimisches Land und führt Schicksalschweres mit sich. Frohes und Trübes, Tod und Leben so, als wäre sie selber das unerbittliche Schicksal, vom Willen des Höchsten über Himmel und Erde geleitet.

vüchertlsch.

Der zweite Band deS,KrtegS-Echo*. Verlas Ullstein & Co., geb. Mk. 2,50. Ter soeben erschienene zweite Band desKriegs-Echo" setzt ebenso übersichtlich und reichhaltig den ersten sort.Das Kr,egS-Echo* gibt die Chronik aller Geschehnisse tn lebendigen Etnzelfchilderuugen, läßt Abgeschlossenes klar vor- überziehen und ermöglicht so den Ueberbltck über die bewegten Kriegsmonate. In treuem Spiegel hält es fest, wag im raschen Flug der gewaltigen Zeit nur allzu leicht dem Gedächtnis ent­schwindet. WaS sich auf den Kriegsschauplätzen, tn Ost und West, in Nord und Süd, jenseits aus und unter den Meeren ereianet hat, zieht noch einmal in fesselnden Schilderungen vorüber. Aber auch all das Große, was sich tin deutschen Vaterlands zugetragen, hat seinen Platz gefunden und reiht sich ein in das große Gemälde de« KriegSivinterS. Weit mehr als hundert Bilder begleiten den Text und als Zeitdokumente sind alle bedeutsamen Bekannt­machungen wiedergegel en. Größere und kleinere Karten für die verschiedenen Kriegsschauplätze lassen dank ihrer Genauigkeit alle Käinpfe Schritt für Schritt verfolgen. Neben beu besten Gedichten, die der Krieg geschaffen, ist auch den Erscheinungen deS Humors, der sich wie alles Deutsche nicht auShungern läßt, ein Raum ge­gönnt. Ter Bet lag lUlfteiu & Co. hat in einem .Atlas des Krtegsecho" ( Pfg.) eine Reihe klarer und übersichtlicher Spezial­karten des östlichen und westlichen Kriegsschauplatzes zusammen- gefügt.

r V o r t r u p p", Halbmonatsschrift für daS Deutsch­tum unserer Zeit. Herausgegeben von Dr. inr. Hermann M. Popert. Hamburg, rurd Kapitänleutnant a. D. Hans Paasche, Berlin. Verantwortlicher Schriftleiter: vr. phll. R Kraut, Ham­burg. Verlag von Alfred Janssen, Hamburg. Preis: Jährlich 5 Mark, vierteljährlich 1 Mark 2» Pf.; Einzelnummer 30 Pf. Tie Nulnmer 6 des 4. Jahrganges hat folgenden Inhalt: China, Japan und wir von Gouverneur a. D. Admiral v. Truppe!; Unzeitgemäß« Wasservergeudung von R. S.; Der Schatz inr Acker; Der Germane von Wilhelm Müller.

v lIm 24. Heft der KriegSzeitschriftDer Völker krieg" (Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart), bringt der italienische Kriegsberichterstatter Luigi Barzini eigentlich den ganzen Inhalt des mit Heft 23 beginnenden neuen Abschnitts Die Kämpfe an der Wesffront bis Mitte Januar 1915" auf eme ein­heitliche Formel. Die Hefte 23 u. 24 behandeln im wesentlichen die Kämpfe in Flandern und Nordfrankreich, denen der große amtliche französische Gesamtbericht über die ersten vier Kriegsmonate und eine eingehende Schilderung des Lebens im Schützengraben voran­gestellt sind. Jedem Kapitel sind eine vorzügliche Uebersichtskarte und eine Anzahl interessanter photographisäier Aufnahmen bei­gegeben. Das einzelne Heft kostet 30 Pfennig.

Auf der Wacht an den Masurischen Seen, dem Bollwerk des Ostens. Knegsbilder von der ost- preußisch-russischcn Grenze von Hans Gränitz, Leutnant beim Stabe eines Art.-Reats. im Osten. Mit Karte der Masurischen Seen. Preis 0,80 Mk. Leipzig, Verlag von Krüger & Co. ES sind lose Blätter aus dem Kriegstagebuch eines Mitkämpfer-, keine Kriegsgeschickste, sondern Momentphotographien aus dem Schlachtenleben. _

Schach-Ausgade.

Schwarz.

Von A. B i ck u p.

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MT

Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Versteckrätsels in voriger Nummert Der ist arm, den die Sorge grau macht.

vchrlstleitung: Aug. Goetz - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'fcben UniversitätS-Buch- und Dteiudruckerei. R. Kanoe. Gieüen.