Ausgabe 
21.4.1915
 
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Mittwoch, den 2 \ April

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Jan von Werth.

Atom an aus dem Dreißigjährigen Krieigv von Franz Herwig.

. (Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Hätte der Kardinal von allen diesen Vorgängen gewußt, er hätte zweifellos nicht so nachdrücklich, wie er es in Wirk­lichkeit tat, die Auswechslung Jans betrieben. Allerdings­muß man zugeben, daß dies nicht durchaus Jan zulijebe geschah. Denn in Breisach war Herzog Bernhard von Wei- mar an einer Wunde gestorben, und der einzige General von einigem Rang, den Schweden und damit Richelieu! noch hatte, war Horn. Aber Horn saß in München fest. Um ihn zil bekommen, mußte man eben den Werth ver­geben, was man nun auch tun wollte. Indessen wollte nun Maximilian den Horn nicht ansliesern, damit die schwedische Sache nicht wieder in Fluß käme. Daher mußte Richelieu mit wortreichen und vieldeutigen Versprechungen den Kur­fürsten bearbeiten, so daß dieser glauben konnte, Horn würde fortan nicht mehr gegen Bayern sechten.

Inzwischen lebte Jan ganz in der Aufregung seiner Liebe. Und seltsam, mit seinem Wesen schien sich auch sein Aeußeres zu verändern. Er strahlte förmlich Sonne aus, ging gravitätisch einher, und die Wäscherinnen in Vincennes konnten kaum so viele Spitzenkragen und Spitzenmanschctten sauber halten, wie Jan brauchte. Als er au einem gewissen Abend zu Pferde stieg, bewunderte Herr de la Meillerane seinen Anzug aus bronzesarbenem Seidensamt, mit Gold­stickereien, seinen ungeheuren, silbergrauen Hut, an dem eine Diamantagrafse drei dunkelblaue Straußenfedern hielt, und seine glänzenden, braunen Stieseln, an denen eine Stulpe kokett herunterhing.

Ihr seht aus, als wenn Ihr zur Hochzeit rittet," sagte lachend MeiUeraye.

Jan lächelte vieldeutig und setzte sich umständlich im Sattel zurecht.

Wann seid Ihr zurück, Herr von Werth?"

Noch vor Mitternacht. Und sagt dem Koch, daß er zu dieser Zeit ein nettes, königliches Mahl für vier Personen bereit hält?"

Wenig später als Jan ritt Joss Maria fort. Sie trafen auf einer würzigen Lichtung im Walde von La Cloche wieder zusammen.

Ist alles bereit, Jos6 Maria?"

Ja, alles, wie verabredet."

Man hörte die Turmuhren von Corbeil acht Uhr schlagen.

Mit Gott," sagte der Abbs, gab Jan die Hand und ritt inl Schritt los. Er war nicht zehn Minuten unterwegs, als er aus dem Wiesenwege von fern drei Reiter sah. Er ritt Langsam weiter und las dabei sein Brevier: oen Zügel­

riemen hatte er über den Hals des Gaules gelegt. Er war den Umständen nach andächtig bei seinem Gebet, denn er blickte nicht einmal auf, als er an Marie-Anne vorbeikam. der in dreißig Schritt Entfernung eine Dame mit einem Kavalier folgte. Er sagte nur bestimmt und leise:

Reitet ruhig weiter."

Und da er im Gebet sowieso die Lippen bewegte, würde der kurze Vorgang selbst von einem Lauscher nicht bemerkt worden sein. So kam er an die Begleiter Marie-Annes. Und plötzlich machte sein Gaul einen Seitensprung, bäumte sich und jagte, mit den Hinterbeinen ausschlagend, davon. Jose Maria lag stöhnend am Boden.

Heiliger Gott?" rief die Dame, die ein wenig an­gejahrt und wie alle diese Damen sehr fromm war.Ehr­würdiger Herr, seid Ihr verletzt?"

Jose Maria stöhnte nur, versuchte, sich zu erheben, siel aber wieder zurück. Der Kavalier sprang vom Pferde und beugte sich über den Abb6.

Sprecht, ehrwürdiger Herr seid Ihr verletzt?"

Es scheint in der Tat so. Ter wehende Schleier der Dame muß. inein armes Pferd scheu gemacht haben. Oh !"

Die Dame neigte sich über den .Hals ihres Kleppers.

Also bin ich die unschuldige Ursache Eures Unglücks? Ich flehe Euch an, Herr Novitles reitet zurück und holt Hilfe!"

Aber bedenkt Frau de Jujsae!"

Reitet, um Gottes willen! Ich rufe sie zurück. Ver­gebt einen Augenblick, ehrwürdiger Herr!"

Und sie ritt im Trabe den Weg weiter, indessen der Kavalier nach dem Schloß zurückgaloppierte.

Sie ries.

Marie-Anne! Kind?"

Aber als sie an die Büsche kam, sah sie in der Ferne Marie-Anne neben einem Fremden reiten, was die Pferde hergaben. Da schrie sie aus und ritt zurück. Aber seltsam: der geistliche Herr war verschwunden. Sie begann zu lamen­tieren, bei ihrem mißtönenden Geschrei bockte ihr Gaul, und sie hatte Mühe, ihm einen widerspenstigen Galopp abzuzwingen.

Marie-Anne war ruhig wcitergcrittcn und hatte getan, als wenn sie von dem Vorgang mit Josä Maria nichts ge­merkt hätte. Als sie in das Gebüsch kam, ritt Jan aus den Weg, ries:Los", und die Gäule ragten davon.

Sie galoppierten durch den Wald, ohne sich umzusehen, dann in die Dorsstraße von La Eloche und hielten vor der winzigen 'Kirche. Ein Bauer nahm ihnen die Pserde ab; sie traten ein. Vor dem Altar standen ein unbekannter Geistlicher und zwei ebensalls unbekannte Männer.

Ich bin Werth. Macht schnell, ich bitte Euch," sagte

Jan.

Und nach zwei Minuten legte er einen schweren Leder­beutel in die Hand des Geistlicl>en, denn die Ehe Jans mit Marie-Anne war geschlossen.