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Avofessor Eduard Hahn in einem vor kurzem erschienenen Buche „Von der Hacke znm Pflug". In alten Zeiten und Religionen glaubte man, das; dieses n-ichtigste Ackergerät göttlichen Ursprunges sei und von den Himmlischen zu den Menschen herniedergebrcuht wurde. So kam es, c>aß oie nach den Sternen schauenden urvölker her Kultur auch den Pflug als ein überirdisches Geschenk an den Himmel versetzten, und die Astrologie der alten Babylonier. Aegyp- hx und Griechen gibt uns wertvollen dlusschluß über die Urgeschichte des Gerätes. Das auffallendste Gebilde des Himmels, das
breite Band, das sich etwa von Osten nach Westen erstreckt, wird ja noch heute als Straße bezeichnet, und damit steht in engem Zu-
mimenhanae, daß eines der grasten Gestirne als Wagen erscheint, ter Gebannt liegt zu Grunde, daß sich die Götter aus der himmlischen Strafte im Wagen sortbewegten, und der himmlische Wagen
erscheint ursprünglich als der Thronwagen der Gottheit. In einem leicht verständlichen Doppelsinn wird der Wagen nun aber
in vielen Gebieten, in denen die Pflugkultur sich einbürgerte, „der Pflug'' genannt, und am griechischen Sternenhimmel nannte man ein rn der Nähe des Wagens stehendes Gestirn den „Ochsenführer" oder „Pflüger". Uebercrll in der alten Mythologie, von der vorderasiatischen Königssage bis zu der alttestamentlichen Geschichte der Provhelen Elias und Elisa kehrt-diese eigenartige Verbindung von Wagen und Pflug zurück, und Virgil in seinem so wertvollen landwirtschaftlichen Gedicht berichtet, daß nach der antiken Anschauung das Sternbild des Stiers die Pflugfurche Über den Himmel ziehe. Aus diesen Symbolen des gestirnten Himmels gebt hervor und die Erforschung der Tatsachen beweist es, dast die Erfindung des Wagens der des Pfluges vorangegangen
sein must. Wahrscheinlich war es zuerst der Himmelswagen der Götter, der von den Priestern nachgebildet wurde, um dem Volke
die Fahrt der Himmlischen zu veranschaulichen. Der Thron, auf dem die Götter saßen, wurde znm Gefährt, von dem aus sie di« Geschicke der Menschen lenkten. Die Erfindung des Wagens ist wohl, so zu erklären, dast den Anlaß dazu zwei Spinnwirtel, runde Scheiben, die in der Mitte durchbohrt umreit, gaben, die man auf ein« Achse steckte. Jedenfalls ist der Wagen in seiner 3^rbreitung ursprünglich ganz auf das Gebiet der Mlugkultur beschränkt; er war da, bevor in Wefeit Gegenden der Pflug die frühere Form der Landwirtschaft, den Hackbau, ablöste. Und auch der Gebrauch der Zugtiere muß sich bereits vor der Entstehung des Pfluges eingebürgert haben. Es war ein gewaltiger, für uns heute freilich schwer begreiflicher Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit, als man dazu überging, das Tier in den Dienst der Kultur zu stellen, indem man es zum Ziehen eines Wagens verwendete. Es sind wahrscheinlich die heiligen Tiere, die den Gottheiten beigesellt ivaren, die man nun auch dazu benutzte, den Nagen der Gottheit aus ihrer heiligen Fahrt durchs Land zu ziehen. Zahlreiche Zeremonien alter Kulte weisen darauf hin; man denke nur an die Fahrt der altgermanischen Nerthus. Und zwar ist der Ochse in erster Linie der dienende Genosse der uralten Ackergöttinnen, die als die Vertreterinnen des Frnchtbarkeitsprinzips als die Mütter der Menschheit gedacht waren. Es ist ganz unmöglich, anzunehmen, wie man früher getan hat, daß der Pflug das erste Zuggerät gewesen sei. Di« Urform des dlckerbaucs, bei der mit dem Grabstock oder der Hack« eine Garten attlag«, kein Getreidefeld geschaffen wurde, bot kein« Vorbcdtngiingen für die Entstehung des Pfluges; «m einfaches Fortschreiten vom Hackbau zum Pflugbau wäre ein unvorstellbarer Sprung, den die Enttvicklung nicht macht. So mußten als Zwischenglieder Wagen und Zugtier aufkommen, und das Zugtier mußte auch schon in der Stellung sein, in der nur es dann am Pflug in den allermeisten Gebieten bis auf die heutige Zeit ausschließlich finden; es mußte von dem Götterwagen an ein ebenso hochheiliges Gerät, wie es der Pflug in seinen Mnfcinaen war, überfuhrt werden. Aus der Tiefe dieser religiösen Vorstellungen entstand der Pflug, der, wie die ägyptischen Geräte noch zeigen, zunächst der Hacke außerordentlich gleich, aber in einem ganz anderen Sinne und in ganz anderer Handhabung verwendet wurde 4.ie Hacke war von Männern und Frauen bis dahin zumeist in hockender Stellung gebraucht lvorden; der Besteller des Gartens arbeitete lwr sich iveg. Nun diente der Pflug dazu, uni mit dem kürzeren Ast im langen Zuge vor dem Pflüger her den nackten Scho,; der Erde aufzureißen; beim letzten Pflügen wurde dann die Saat der Furche an vertraut, und so entstand das fruchtbar« Kleid der Erde, das ,ich im Getreidefeld uns darstellt. Grade, für Babylonien, wo wir wohl die Entstehung des Pfluges und des Getreidefeldes zu suchen haben, war dies befruchtende Gerät wie geschaffen, denn die ausgedehnten Schlammflächen, die die Ueber- ichweminnllg der großen Ströme htnterliest, die dann die Sonne ,chiie!l ansdorrte und in tief gespaltene Schollen zerriß, verlangten ein Werkzeug, das zwischen dem Kanal, der die Wasserzufuhr
Dsich, der das Feld vor der Ueberschwemmung wdtC'Of Vorbereitung für die Saat die lange Furche in den
, _ vermischtes.
B 0 in g u t c n Soldaten lt iefel. 'lederne schwarze Jniäntert,* nannigfaltigsten Ansprüchen m
I^nvarze Onfmiteiieflie^el unübertroffen ist und d md Witterungen a>n besten Genüge
Daß der preußische und den
leistet, das ist das Ergebnis der im jetzigen Kriege gemachten Gr- fahriMgen über das zweckmäßigste Schuhwerk für den Soldaten, wie Oberarzt Dr. G l a s e w a t d in einem Aufsatz Über waffer- occhte Fußbekleidung und Erfrierungen in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift mitteilt. Der Jnfanteriesttefel muß allerdings von dem Träger richtig angewendet werden, denn bei Benutzung zu dicker Lagen von Strümpfen und Fußlappen wird die Blut- zirknlation herabgesetzt und damit die beste Vorbedingung für ein Erfrieren deS Fußes geschaffen. Gegen das Erfrieren der Füße glauben sich nun unsere Soldaten am besten durch wasser- ? » t e tr ®f ie f schützen zu können. Diese große Wertschätzung des wasserdichten Stiefels ist aber ein Irrtum, denn bet völlig wasserdichter Fußbekleidung ist die Gefahr der örtlichen Erfrierung größer als bei einem durchlässigen Stiefel. Die große Mehrzahl oer im Gebrauch befindlichen Militärstiesel, auch der größte Teil derer, die für ivasserdicht gehalten werden, ist nun aber freilich ntajt wasserdicht. Entweder bestehen sie aiis einem etivas porösen Er, das nur bis zu einer geivissen Zeitdaner der Turchtränku.ig ,tanohalt, oder aber, wenn sie ans undurchlässigem Leder gearbeitet snid, haben sie an den Nähten und am Sohlenansatz kleine Löcher. 4)t6 wirklich wasserdichten Stiefel aus Leder oder aus Gummi, mit oöet ohne Aussütternng durch Schweinsbtase können freilich viele f OQ® Ia,, Ö lin Waffer stehen, ohne daß ein Tropfen Feuchtigkeit ns Innere dringt. Aber dieses Stiefeliöeal an Wasserdichtigkeit l m ^o/^"lch schivere Nachteile. Im wasserdichten Stiesel bleibt der beim Marsch diirch die Ausdünstung naß gewordene Fuß sehr viel länger naß als im durchlässigen; eigentlich müßte er dauernd naß bleiben, da ebenso kein Wasser voii ihm heraus kaum wie keins von außen herein. In Wirklichkeit wird aber die kseuchtlgkeitsiuenge aklmä'hlich doch diirch die zivischen Fuß und Stte'el liegenden Schichten von Wollgewebe aufgefoqen. Sodann stellt wasserdichtes Leder ein viel dichteres Gewebe dar u>id ent- halt fast gar keine lustersüllten Spalträume; deshalb wird der zwischen Stiefel uiid Fuß liegende Raum allmählich iininer lnst- armer iind ivasserreicher und teilet die Wärine besser. Tie äußersten Strmnpsschichien frieren in solchen Stiefeln leichter zu Eis, und fI , V?5* r eren Zußes ist viel eher möglich. Sobald also ein tägliches oder iventgsteuS häufigeres Wechseln der Strüinpse u>id Stiesel nicht möglich ist, be&entet der wirklich wasserdichte Stiefel direkt eine Gefahr. Da§ zeigt sich auch besonders bet Verwunde- en die ja oft mehrere Stnndeii im Freien in der Kälte liegen bleiben.
vüchertisch.
K u ,i st w a r t. Zweites Aprilheft 1 9 1 S. (Kriegs- Ausgabe zu,n halben Preis. Verlag von Georg D. W. Callwey München.) Größere Slufsätze: Avenarius, „Ich kenne nur noch Deutsche". Wolfgang Schumann, „Bücher der Zeit". 2. Zu der *? vn ne: Was man heilte lesen Zoll"? Otto Bartning. lieber- Ileierung und bewußte Kiinst. Werner Liudner, Kricgerehrung in Gedenkstätten. In der Rundschau n. a.: ^lvenarins, Kenergerichte
ud Kriegspsychose. Stapel, Gewalttaten im Kriege. Häfker. Krieg u,id Kinematographie. Leopold Schmidt, Berliner Mufik irn Kriege.
Züricher, Frau Lang nsw. BilderberlaqenMaximilian Schelm Avril,norgen im ivilden Kaiser. (Farbig.) Ferner Hmdenburg- Bildniffe von Bernhard Winter und Rudolf Riege. Nokcnbeilaae' Otto Crufius, Tie heilige Not.
— ?' o e V • S£} "euesten (9.) He t dieser Oktav-Ausgabe von „Ueber Land und Meer' (Deutsche Berlags-Anstalt, Stuttgart) ist auf den 100. Geburtstag des Fürsten BiSmarct in Wort und Bild hingewiesen. Wir finden da neben dem erhebenden Gedicht von Karl Rosner Bismarckworte von Christa Gräfin Eickstedt Ermnernngeil eines Verivaltnngsbeamten, Briese von Bismarcks Frau ruid die schöne Btsmarckbüste von Reinhold Begas. Selbstverständlich begegnen ivir auch in diesem Text hübschen Bildern. Den Araber in Hülte und Palast lernen ivir in einem Artikel kennen; wir könne,r uns in eigenen Berichten über die Vorgänge aus beiden Kriegsschauplätzen orientieren und finden ,veiler Lesenswertes in Poesie und Prosa.
versteckrätsek.
Man siiche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, nne die Silbe „an" in „Wanderer". Rudersport — Pistolendiiell — Armband — Boden-
Armband
bach — Kammerdiener — Sorbonne — Landgericht Grnlibünden — Großmacht.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des 2>ahn — Abba — Fafan — Anim
Arithmogriphs in voriger Nummer: Safran — ILad — Anden — IVanae - ttese — Kaff — Frde - Leander; Das 9! a d f a h r e n.
Schriftleitung; Ada. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Nuiversitäls-Buch- ,md Steiud
R. Lange, Gießen.


