Ausgabe 
19.4.1915
 
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Cloche, Horst du? Nichts \vtitet hast du zu tun. Wie viele siud bei dir?"

Ein Kavalier und eine Dame."

Vortrefflich. Du reitest ein wenig voraus. Altes übrige laß mich machen. Und nun gute Nacht, süßes Herz,! Ge­liebte? Weib!"

Mein Jvn!"

Jan riß sich los und eilte die Treppen hinab. Nuten er­wartete ihn der Wachhabende.

Alles erledigt?"

Ja," sagte Jan, sprang auf sein Pferd und galoppierte davon.

(Fortsetzung folgt.)

Das Lnde des petar Brujac.

Eine Geschichte von der montenegrinischen Grenze. Von Martin P r o s k a u e r.

Als die österreichischen Soldaten die Bergstraße bauten, die von Cattaro aus am Wachthaus Krstac vorbei den Lovcen herauf­kriecht, war Petar Brujac, der Sohn des Hirten Stanko Bruiac, ein kleiner Junge von 10 Jahren. Jeden Morgen lies er aus Vrba, wo sein Vater die langhaarigen weißen Ziegen hütete^ fort und suchte die Soldaten auf, denen er kleine Gänge um Tabak oder Salami besorgte und wo immer ein paar Kreuzer für ihn av- fielen. Als die Bergstraße fertig war und die Automobrle aus Ragusa und Cattaro die engen Kehren herauf bis nach Cettmie hinein ratterten, war auch Petar Brujac größer geworden und lief nicht mehr um 2 Kreuzer einen halben Tag du Serpentine entlang.

Jetzt lungerte er an der Marina unten in Cattaro herum, wo bte Dampfer aus Triest anlegten, und hängte sich an die Frerw- den. denen er das Gepäck schleppte, die Stadt zeigte und auf alle Fälle Kronenstücke entlockte. Wenn kein Dampfer in der Bocche zu sehen war, half Petar den Fischern oder lungerte tn den FelS- hängen herum, die Cattaro schwarz und wuchtig umrahmen.

Eines Tages kam ein Schiff, dem ein magerer Herr entstieg, der die ihn umlauernden montenegrinischen und dalmatinischen Jungen genau ansah, dann den Petar zu sich herannnnkte und ihm seine Tasche zu tragen gab.

Neidisch.sahen die andern aus Petar. der anscheinend einen ganz reichen Forestiere erwischt hatte und stolz hinter dem Herrn her- keuchte. Der Fremde ging in das nächste Hotel, nahm den Jungen mit in sein Zimmer und begann ihn auszufrcmen. Da der Fremde ganz gut italienisch sprach, eine Sprach, die Petar m den Jahren feiner Tätigkeit im Hasen länast aufgeschnappt hatte, war die Verständigung teiclit; und nach eiltet Stunde verschwand Petar im Trabe ans dem Hotel.

Am Abend kcnn er wieder, wurde von dem Fremden in sein Zimmer gelassen und berichtete, was er erforscht liatte. Der fremde Herr schrieb jedes Wort eifrig mit und nickte, denn die Auskunft, die Petar brachte, bewies, daß er bei geeigneter An­leitung ein tüchtiges und wertvolles Werkzeug im Dienste der englisch-französischen Spionage an der Lldria werden konnte.

Der Herr sah Petar lange prüfend an. Petar erwiderte den Blick aus seinen verschmitzt blitzenden Angen, schlenkerte mit den Beinen uno sagte ruhig:

Eh, Signore, Hab' ichs gut gemacht? Soll ich auch zum Fort Trinita und Fort Derniac gehen?"

Der Fremde schwieg verblüfft. Petar lächelte und sagte: Und das neue Fort da oben am Lovcen, unterhalb Petro- vici, das jetzt gebaut wird, das ist doch auch sehr schön?"

iegenhirten, gesiegt und esitz von soviel Lkronen,

Damit hatte Petar, der Sohn des Und war eine halbe Stunde später im fvie er vorher kaum Heller besessen hatte. Außerdem hatte er die

e -ündete Aussicht, bald noch mehr zu verdienen. Er war sehr be­ugt, ebenso der Fremde, der schon am nächsten Morgen mit Eildamvfer absnhr.

Einige Zeit später verschwand Petar Bruiac, der inzwischen durch bunte Schlipse und glitzernde Fingerringe berechtigtes Auf-

E rt unter den ehemaligen Freunden an der Marina gemaM e, aus Cattaro und damit ans deni Gesichtskreis der miß- .ischen Finanzer, die den montenegrinischenBazi" schon lange mit Verdacht beobachtet hatten.

Aber schon 2 Jahre darauf tauchte Petar Brujac wieder auf. Er trug wieder die montenegrinische Tracht und die strohgefloch- tenen Opanken, hielt sich sorglich von jeder verdächtigen 2ln- näherung an die Forts fern und verlebte seine Tage friedlich als biederer einfacher Fischer. Bei Orahovac, dem kleinen Ort über der Bucht, dicht am Lfutabach, stand ein leeres Häuschen. Tort nistete er sich ein, malte das Haus schön hellrosa und die Fensterläden leuchtend hellblau an und brachte im übrigen seine Frsck>e rede Woche auf den Markt an der Porta Fiumera in Cattaro, wo er mit den Korporalsfraueu als echter Sohn der schwarzen Berge eifrig inu jeden Heller feilschte. . .

Da grollte der Donner durch Bosnien und das nrllslenland und rollte durch Oesterreich weiter über Europa. Ter Krieg begann, der zweite und dritte Kriegsmonat folgten. Tie Steine des Lovcen- berges splitterten von Granaten aus österreichischen und montene- grinisckien Geschützen, und vor der Bocche lauerte das französische Panzer g esch wader.

Ta ließ sich eines Tages der Hafenkapitän beim Brigadekom­mandanten von Cattaro melden.

Exzellenz," sagte er,ich brauche ein paar tüchtige Leute. Wir haben nämlich irgendwo einen Spion hier. Eben bekam ich wieder die telegraphische Meldung, daß unsere Unterseeboote an der Lustica von dem französischen Geschwader beschossen worden sind. Das ist nun schon das fünfte Mal in diesem Monat. Exzel­lenz wissen selbst, daß man, wenn's mit rechten Dingen zngeht, von da draußen kein Unterseeboot erkennen kann."

Der Brigadier runzelte die Stirn: ,

Was wollen Sie machen?"

Ich Hab' einen Verdacht," sagte der Hafenkapitän,aber ich muß erst Gewißheit haben. Dazu brauche ich ein paar gute Schützen als Patrouille."

Der General nickte und ivinkte einein Adjutanten. Am Abend stieg der Kapitän mit fünf Mann vom Feldjägerbataillon, alle das -schützenschnür'l am Rock, in ein Motorboot und fuhr die Bucht entlang gegen die Adria zu. Vor dem Canale di Kombur schon hielt das Boot, die Männer stiegen aus und kletterten die Berglehne hinan zwischen die Felsen. Die Nacht kcnn, ein Scheinwerfer aus dem Fort Mamola strich mit seinem riesigen weißen Finger über die Bucht; unbeweglich lagen die Männer, aber nichts rührte sich, nichts leuchtete auf, was als Signal dem FetndeSgeschwader dort draußen hinter dem Berge hätte gelten können.

Eirdlos dehnten sich die Stunden, bis die Dörfer und Inseln wieder im hellen Morgenlicht dalagen. Der Kapitän hob daS Fern­rohr au die Augen und suchte Strich um Strich daS Gelände ab.

Plötzlich fuhr er zusammen, stellte daS Rohr noch schärfer ein und richtete es auf ein kleines helles Fleckchen, das harmlos und friedlich im Bergschatten lag. Die Feldjäger folgten der Richtung des Glases. Ihre Augen, gewöhnt, im Gebirge die Gemsen auSzu* spüren, sahen zusammen gekniffen Und doch schärfer dorthin.

Ja nid," brummte einer,daS iS a kloan'S Häus'k, wei­ter nix!"

Da hielt ihm der Offizier schon das Fernrohr hin.

,>Grad auf daS Häuf'l schau und aus die Fensterläden," sagte er hastig,und sag' an, was er macht!"

Der Feldjäger blickte durch daS Rohr:

Jeffas, was is das? Da is oaner narrisch geword'n! Im­mer auf und ab mit die Fensterladeln I"

Der Kapitän nahm sein Notizbuch und einen Bleistift Und befahl: ,

Jetzt paß genau auf, wie er die Fensterladen aufmacht, ob beide auf einmal oder einen? Sag's genau an, hörst du!" Eintönig begann der Soldat:

Oaner beide oaner beide beide oaner. . f* Der Offizier machte hastig Striche und Punkte in seinem Buch. Wahrhaftig kurz lang kurz lang" brummte er vor sich hin,einfach nach dem Morsealphabet! So ein Kerl, so ein miserabler! Telegraphiert mit den Fensterladen nach den Kriegsschiffen da draußen! Na wart', Du Hund!"

Er klappte das Buch zu, ließ die Soldaten antreten und fuhr gleich darauf im Schatten der Berge das Ufer entlang bis zur Ljutabucht. Hier unten ließ er drei Mann zwischen den Felsdlöcken sich verstecken, mit den beiden andern stieg er den steilen Hang zu dem rosafarbenen Haus mit den hellblau gestrick>enen Fensterladen hinaus. Friedlich und harmlos lag das Häuschen da. Da klirrte unter dem Fuß des Kapitäns ein großer Stern polternd in die Tiefe, oben am Häuschen flog die Tür auf, und ein Mann sprang in langen Sätzen heraus, über die felsigen Platten des vlbhanges hinauf zum Grat. v ^

Ehe noch der Offizier einen Befehl geben konnte, knallte von unten aus der Bucht ein einziger Schuß, scharf und peitschend, und der Mami fiel, im Sprunge zusammenknickend, auf das Ge­sicht nieder. , _ . r .

Als die Soldaten hinzueilten und den Mann uirwrehten, fanden sie, daß Petar Brujac die Kugel gerade in den Kopf be­kommen hatte. Mil einer Hand hielt er noch das Signalzeichen- Buch krampfhaft fest umklammert. v ,

Und unten <m der Bucht entlud der Feldlager, der eben ge­schossen hatte, sein Gewehr Und sagte gleichmüttg zu den beiden

Is scho' recht gescheh'n! Der Kerl, der tut uns nix mehr ausspionier'n!" ___

Die Entstehung des Pfluges.

Die segensreiche Arbeit des Pfluges hat jetzt wieder begonnen, um den Boden für die in diesem Jahre fo besonders wichtige Nahrung vorzubcreiten. Wir können uns heute fernen Ackerbau. Teilte Landwirtschaft ohne dies uralte befruchtende Gerat vorstellen, und doch bat es Zeiten gegeben, in denen der Pflug unbekannt war Tie Entstehung und Erfindung des Pfluges schildert der um die Erforschung der primitiven Wirtschaftsformen so hochverdiente