Jan von Werth.

Noman ^rus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Jan war verliebt. Jose Maria hätte es bemerkt, auch wenn Jan weniger vertrauensselig gewesen wäre. Er war verändert, unruhiger als .sonst, und, was das schlimmste war: schwärmerischer. Er fand Gefallen an einsamen Schlendereien durch den Vineenner Wal-d, an langen Reden, die schwungvoll begannen und plötzlich abbrachen, und an Seufzen. An Seufzen, ja, denn er wußte so gut wie nichts über die Meinung Marie-Annes.

Und selbst wenn ich wüßte," sagte er zum Abb6, ,Haß sie mich liebt, wie ein Weib ihren Gatten lieben soll - so

Nun? Sprich weiter!"

Verdammt! Wenn ich sie küssen würde, glaubte ich immer den alten Jussac zu schmecken. Zackerbombenund- flöh!"

Und dann fliehen mit ihr? Wo er sein Ehrenwort gegeben, nicht zu fliehen? Die Befreiung abwarten? Sollte fr sie dann entführen? Dadurch würde sie ihres Vermögens beraubt. Zwar schadete es nicht viel aber immerhin! Dem Kardinal Grund zum Händereiben zu geben, lvenn der Geld und Güter einzog? Schließlich freilich konnte es ihm niemand verwehren, sein Weib sich zu suchen, wo er wollte. Aber wie die Dinge hier lagen die Partei, der Königinmutter regte sich wieder fanden sich leicht zwei falsche Zeugen, und Marie-Anne saß fest.

Fürs erste schien der Kardinal ihm allerdings selt­sam wohlgesinnt. Richelieu lud ihn zu einem großen Fest ein, das auf seinem Schlosse Conflans stattfinden sollte. Jan lächelte befriedigt.

Dummer Jan! Glaubst du, der Walfisch lüde dich ein, wenn er nichts von dir wollte?" sagte Jos6 Maria.

Ach was. Jan ging hin. Er hatte Grund, iiber den Prunk erstaunt zu sein, der ihn in den Terrassengärten an der Marne empfing. Es waren viele hundert Menschen zugegen, die unter der Last ihrer goldbestickten Kleider schwitzten. Man sagte, daß Stutzer darunter seien, die bas Gewicht ihres Leibes in Edelsteinen und Gold an sich schleppten. Die Damen gaben ihnen nichts rurch.

Auf dem .grünen Rasen, über den schlanke Bronze­knaben Blumengirlanden emporhielten, drängte man sich um Jan. Edelknaben gingen zu viert umher und trugen aus Ebenholzplatten, die mit Silberblech beschlagen waren, Kristallschalen voll gefrorener Früchte und goldene Kannen, die von der Kühle des Weins, den sie enchielten, bcckaut waren. In Grotten, die von oben durch blaue Scheiben beleuchtet tvaren, rieselten unsichtbare Wasser. In Bassins,

J

mit Goldmosaik ausgelegt, schwammen große, goldfarbene Fische, während auf einem von Seerosen überwucherten Teich Jünglinge in florentinischer Tracht Barken dahin­trieben, deren Teppiche im Wasser schleiften; Schwäne mit geblähten Flügeln folgten im Kielwasser. Ueberall sprangen Fontänen. Da waren solche, die über die Wipfel der alten Buchen emporschossen, bis in das freie Licht. Andere bil­deten eine flache Glocke, die stille stand wie eine silberne Kuppel. In einem Bassin war das lustige Spiel bronzener Leiber, die von plumpen Ungeheuern mit Wasser besprengt wurden, indessen Pferde mit Flossensüßen sich bäumten und Najaden sich an ihren Hals klammerten. Dazwischen ab es dämmerige Winkel, in die der Lärm der Wasser, as Lachen der Gäste, der Gesang der Chöre, die Rtusik nur als ein träumerisches Raunen und Klingen drang, Winkel, iit denen sich zu seiten kühler Moosbetten die Alabasterleiber von Göttinnen erhoben, indessen ganz im Hintergrund der Taxuswände ein Ainor, geziert lächelnd, mit aufgelegtem Pfeile der Paare harrte, die sich auf der Moosbank niederlassen würden. Aus der Marne, die für profane Fahrzeuge abaesperrt war, wiegten sich buntbemalte Schiffe, mit Blumen behängt bis an die Wimpel. Zwischen ihnen schwammen Jünglinge lind Mädchen im Takte der Musik, schlangen Reigen und Figuren und besprengten die Kavaliere und ihre Damen, die sie mit Rosen belvarsen.

Am jenseitigen Ufer des Flusses aber lagerte und stand das Volk, stumm und andächtig.

Der Jan alles dies zeigte, lvar Gaston von Orleans, der Bruder des Königs, ein geschworener Feind des Kardi­nals, vielfach kompromittiert, ohne daß Richelieu es bisher gewagt hatte, zuzupacken.

Das Vergnügen, zu dem Jan sich eingeladen glaubte, nahm bald eine andere Gestalt an. Der Prinz zog ihn in einen verschwiegenen Winkel und vertraute ihm an, daß er vergeblich daraus rechnen werde, bald befreit zu sein, denn Jan hatte ihn nach dem Stand der Verhandlungen gefragt.

Herr von Werth, der Kardinal fürchtet Euch. Ich weiß es. Er hintertreibt Eure Auswechslung mit Horn. Denn Horn scheint ihm die einzige Gewähr zu bieten, daß Schweden treu zu ihm steht."

Zu ihm?"

Ja, zu ihm. Denn Frankreich gefällt das Bündnis mit Schweden wenig. Die Schweden drängen aus Heraus­gabe Horns, und da der Feldmarschall gefangen ist, solange Ihr es seid, umschmeicheln sie den Kardinal. Der macht Ausflüchte."

Und Seine Majestät der König?"

Ist mein Bruoer, aber das hindert mich nicht, zu sagen, daß er schwach ist wie ein Kind. Und dann: Richelieu soll einen General !vie Euch, der, ohne Euch schmeicheln zu wollen, der beste Soldat in Europa ist, den soll er sreigeben?"

Jan brütete. Der Prinz trat dicht an ihn heran.