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spiel: „Der Kampf mit dem Riesen" in einer großen Veranstaltung oeS Fürsorgevereins einen schönen Erfolg.
Nüdlings Lyrik — seine Dichtkunst ist vornehmlich lyrischer Art — ist in seiner Entwicklung mit voller Klarheit begründet. Betreut von einer über alles geliebten Mutter von feiner Her-ens- dildung, wuchs der Knabe in einem stillen Rhöndorf fern der großen Welt auf. Wahrer Beruf und der Wunsch seiner Eltern bestimmten ihn zum geistlichen Stande. In diesen zwei Sätzen kann man fast alle Wurzeln seines dichterischen Schaffens finden: Heimatlicher von süß-verschwiegenem Reiz, die in ihrer Innigkeit an Claudius oder Mörike mahnen, sind ihm gelungen, die mit wenig Worten und in schlichten, wahren Bildern Höchsten Stim- mungsgehalt malen. Ein Beispiel dafür:
Und irgend woher ein Lied!
Schon wieder versunken ein sonniger Tag.
Im Schatten des tiefsten Tales lag Auf der Lauetr die Sommernacht.
Und ein früher Stern zog auf Wacht.
Mein geschwätziges Dörfchen ward stiller und still,
Wie ein müdes Kind, das schlafen will.
Ueber einsamen Gärten lag Rosendust . . .
Und irgend woher ein Lied in der Lust-
Ein Lied, das ich kannte, ein Lied, das ich sang-
Wer weiß, wann das lvar? . . . Schon laug —
schon lang!
Ich schloß meine Augen und lauschte verwirrt
Dem Lied, das sich wieder zu mir verirrt.-
Ich träumte . . . Und hoch durch das Abendrot Fuhr meiner Kindheit verschollenes Boot.
Die Dichterblumen, mit denen Nüdling das Andenken seiner Mutter umkränzt, atmen den Dust und den Frieden ruhevoller fonnenbeschienener Dorfgärten, wo neben dunklern Buchsbaum stohe Malven und köstlicher Goldlack blühen. Die leise Melancholie, die aus des Dichters ganzein Wesen klingt und namentlich in einer Äeinen Sammlung „Aus einsamen Stunden" dumpfere Saiten anschlägt, erscheint hier durch die Erinnerung an die Lichtgestalt der Toten zu reinerem Gefühl verklärt: ein unendlich zarter wehmütiger Humor mischt sich bisweilen in die einfachen, herzbewegenden Worte. Und so rvill er verstanden sein, wenn er von seiner Mutter singt:
Und wenn der Regen aus den Wolken rinnt.
Dann weinst du wohl um mich, dein armes Kind,
Das nun so einsam und verlassen ist,
Seit du ins Sternenland gepilgert bist.
Dann sprengt die Sehnsucht meine Seele schier-
Doch ach, ich weiß nicht Weg, nicht Steg zu dir . . .
Ein Sternenmeer wogt zwischen dir und mir. und wenn er in der Art des wohlmeinenden, sich selbst und di« andern verstehenden Alters von dem alten Lehnstuhl spricht, an den die gelähmte Mutter manch langes Jahr gefesselt war:
Nun ist sie tot. Tie Hände sind erkaltet.
Die sie mir segnend dort aufs Haupt gelegt. — kch bitt nur eins, so lang das Herz euch schlägt,
>aß ihr den Lehnstuhl mir in Ehren haltet!
Bon eindringlicher Bildkraft und unmittelbarer, weil ungesuchter Wirkung sind einzelne Naturgedichte. „Gewitter" scheint uns zu dem Besten gezählt werden zu dürfen, was diesem herausfordernden Thema dichterisch nachgesagt werden kann:
.... Tie Schwalbe nur schießt scheu und bang Imj Zickzackstug das Haus entlang.
Schier totenstill stehn Strauch und Baum Ms wagten sie zu atmen kaum.
Es zittern die Zagen, es schweigt der Spott:
Es kommt ein Gewitter — bewalst' uns Gott.
Das ist höchste Wahrhaftigkeit und Kraft mit einfachsten Mitteln. Innerhalb dieser kurzen Würdigung ist es nicht möglich, auf all die vielseitigen Gebiete einzugehn, auf denen der Dichter sein echtes, gemütstiefes Können erprobt hat. Nur soviel sei noch gesagt, daß namentlich auch unsere Kinderdichtung Nüdling Vieles und Reiches dankt, und — als Zeichen seiner Vielseitigkeit — daß er in vielen unserer ersten Zeitschriften mit Poeffie- und Prosabeiträgen aller Art vertreten ist. Wie Nüdling selbst sein Schaffen charakterisiert — kurz und erschöpfend, fein und gehaltvoll, wie seine ganze Art — das sei zum Schlüsse noch angeführt:
Was mir der Wechsel der Tage beschied.
Das ward in meiner Seele zum Lied.
Ost stng ich mir Regen und Sonnenschein Ganz heimlich in meinem Herzen ein Und ließ sie als Lied dann tvieder frei Mit einem Tröpstein Herzblut dabei.
Tie Beschäftigung mit der reinen, kristallklaren Kunst des anspruchslosen Poeten im Priestergewand verdient eS. von manck>em zum Gegenstand der einen oder anderen stillen Einkehrstunde gemacht zu werden.
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Grau und Feldgrau.
Auch Farben haben ihre Schicksale. Welch einen warmen Ton der Liebe, des Stolzes, der Verehrung hat plötzlich das Grau bekommen! Wie überstrahlt heute diese stille und bescheidene Farbe all die Pracht des Hellen Mau, des feurigen Rot, des lichten (öelb, jener bunten Fanfaren, die einst Schmuck und Schönheit des Kriegers ausmachten! Ein A)sct>enbrödel der Fcrrbenwelt hat der Krieg emporgeboben und mit einer unvergänglichen Gloriole des Ruhmes uuikleidet. Dies schlichte Feldgrau ist zum Symbol des gewaltigsten Völkerringeus geworden, zum Sinnbild all des stillen Heldentums, zum Mbild dieser Schlachten, die sich auf einem leeren Schlachtfeld fast in Unsichtbarkeit vollziehen, zum Abbild dieser Kriegführung, die den Soldaten in Gräben zwingt und seine höchste Tatkraft in eine ungeheure Nervenprobe legt. Bei allen Völkern ist das Grau, diese trübe Mischung zweier Farbenverneinungen, des Schwarz und Weiß, lauge mit einem Fluch belegt gewesen. Grau war ja die Dämmerung, die im ungewissen Zwielicht Tag und Nacht scheidet, grau das öde weite Meer, grau der Himmel des Winters und grau die Erde, wenn Tod und Verwesung sie überfallen haben. Wie Schillers Drache war alles „gekleidet in ein scheußlich Grau," was Schrecken und Furcht einflößte. Grau nennt Goethe die unfruchtbare leblose Theorie im Gegensatz zu den goldenen Früchten an, grünen Baum des Lebens. Welch eine traurige Sippschaft von Worten nimmt von dieser Farbe ihren Ausgang: gräulich, grausam, gruselig, Greis, gräßlich, Grauen. Graus, Gram und grämlich, Grimm und grimmig und »vie viel Anderes! Ward die Lust des Daseins gleich gesetzt mit dem Farbenprangen des Frühlings und Sommers, so wollten auch frohe, reiche, gesunde Menschen in bunter Kleidung einhergehen.
Im Mtertum ist,Grau bezeichnenderweise die Farbe, die dem Sklaven zukommt. Ter freie Mann hüllte sich selbst in höchster Trauer nicht in diesen widerwärtigen Ton. Und so blieb es iüt Mittelalter und Renaissance. Tie ritterliche Gesellschaft freute sich an kräftigen Farben, an bunten Stickereien und lebhaft gemusterten! Stoffen. Wie schwelgen in starken stolzen Farben die Maler der Renaissance, ein stiaffael und Tizian, und diese Orgie der Farben- freudiakeit steigert sich zum Bacchanal in den Bildern des Rubens, wird festgehalten i.n ‘bem leuchtenden Blau und Rot der Hofmaler Ludwigs XIV. Nur was arm und elend war, was in erzwungener oder steiwilliger Niedrigkeit lebte, das brachte unwillkürlich die dunkle Dumpfheit seiner Gefühle in gebrochenen, unscheinbaren, schmutzigen Farbtönen zum Ausdruck. Und bald wurde Grau die Leidfarbe derer, die der Welt und ihren Freuden für immer entsagt hatten, der Mönche und Nonnen. Tie grauen Brüder, die grauen Schwestern, sie verliehen der Farbe »vohl eine Stimmung des Mitleides und der Barmherzigkeit. 2lber daß Grau stolzen Lebensmut, kriegerische Kraft, hohen Srnn ansdrücken könnte, das wäre keinem Menschen des Mittelalters und der Renaissance in den Sinn gekommen.
In England legen im 17. Jahrhundert im Gegensatz zu den üppigen Kreisen des Adels die Puritaner graue Kleidung an: die „Frommen" und „Heiligen" Cromivells, die mit dem Schrvert in der einen und mit dein Gebetbuch in der anderen Hand die i" Samt und Seide gekleideten Kavaliere bekämpften, wählten zu iV *■ Uniform die unscheinbarste und bescheidenste aller Farben. Mit den Puritanern und Quäkern ging das Grau nach Amerika; es rvurde die Farbe der Pietisten und war so stets religiös betont. In der Malerei hatte die Farbe sich allerdings unterdessen einen bedeutenden Platz erobert, indem sie in der kühlen Palette der Holländer als Gegensatz zu allem Farbenprunk auftritt. 9lber tvenn das Grau, wie es um die Mitte des 19. Jahrhunderts geschah, aus der Kunst ins Leben hinüber griff und zur Modefarbe wurde, nxmn es sich in Kleidung und Einrichtung allzu sehr bemerkbar machte, dann sind immer Männer aufgetreten, die auf den Widersinn dies- Erscheinung hinwicsen, und so hat Jakob von Falke noch in den 80er Jahren des '19. Jahrhunderts einen gel-arnischten Protest gegen die Verwendung dieses „Farbenungetüms" erhoben. Da kam der Weltkrieg, und er schrieb das Feldgrau auf sein Panier. Zum' erstenmal in der Farbengeschichte erhielt diese nüchterne Farbe einen warmen Ilnterton des Gefühls, ward sie verwoben mit dem Höchsten, was Menschentum kennt, mit todeskühuer Tapferkeit, mit herrlichem Opfermut. Feldgrau ist heute das sckwnste Kleid des Mannes, schöner als alle gleißende Pracht des Ritterttuns. als all der bunte Glanz früherer Uniformen, und unsere Maler lvissen — man denke an Liebcrmanns letzte Porttäts — dieser Farbe eine lichte Frisch und zarte Heiterkeit abzugewinnen, die man nie inr Grau vermutet. Der Feldgraue ist der Held unserer Zeit, der Liebling der Frauenwelt: feldgrau ist das einende Band, das sie atte umschlingt, die Verteidiger des Vaterlandes, vom Kaiser und inzler bis zum einfachen Soldaten. Etwas Ehnvürdiges hat die Farbe erhalten, die den Krieger gleichsam zu einem Stück der Natur macht, lhnr eine Schutzfärbung verleiht Nne Vögeln und anderen Tieren. Unsere Lyriker feiern in diesen grauen Männern die Söhne einer neuen großen Zeit, die »vie die Drachensaal des Jason dem Heimatsboden entwachsen scheinen, um in ihm daS Heiligste zu schützen. So ist das Grau von dem alten Fluche erlöst, ist im Feldgrau §ur Losung einer gewaltigen Epocl?e geworden, und auf ewig wird diese stille Farbe mit unfern Tagen verknüpft sein, deren geheimste und weihevollste Stimmung sic in einem ganz neuen unvcrgäiiglick-en Sinnbild ausdrückt.


