Ausgabe 
14.4.1915
 
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nehmen. Die Hauptsache bleibt auch bet den Mädchen die körper­liche Ertüchtigung, die Kräftigung und Stählung des durch Schule und Erwerbsleben geschwächten weiblichen Körpers für den Beruf der Mütter. Neben dein heute schon allenthalben betriebenen Wan­dern und allen Arten von Sport möchte ich vor allein auf die segensreichen Folgert des Gartenbaus Hinweisen, die in einer der letzten Nummern der Giehener FanruienblLtter von Frau Ully Pfältzer, hier, eingehender besprochen wrd beurteilt »onrden.

Auch die Hauswirtschaft ist zu pflegen und zwar ebenso une die oben erwähnte Betätigung in der Wohltätigkeit, Kindergatten u. a. möglichst im Anschluß an schon bestehende Einrichtungen nne Kochschulen. Es darf nicht das Bestrebendem, selbst alles Mög­liche Neue ins Leben tzu rufen, die Mittel würden ja wohl auch sehr bald fehlen!, sondern vielmehr sich möglichst eng an das Bestehende anzuschließen. Damit ist wiederum beiden Teilen genützt. Die Mädchen erhallen jeine wirklich gute, langjährig erprobte Unterweisung, und die betreffenden Institute erweitern ihren Wirkungskreis um ein jganz Bedeutendes und können so immer mehr dem Ideal ihres Zweckes, der Allgemeinheit Segen zu bringen,. näher fommen.

Ich wollte hiermit einige Vorschläge bringen, wie zur Er­tüchtigung unserer jungen Mädchen beigetragen werden kann. Die ganze Frage, soodurch hier zu helfen ist, ist zu wichtig, als daß sie nicA -endlich teinnial «gründlich erörtert werden müßte. Tie Güte der bestehenden Einrichtungen soll dabei in keiner Weise bestritten werden: es darf nur nicht verkannt rverdcn, daß eS eine allgemeine und weit umfassende Jugendpflege für junge Mädchen bis heute leider noch nicht gibt.

vermischte-.

* Zeppelinserster Ausstie g". Eine kleine Erinne­rung an den Grafen Zeppelin erzählt ein alterMarineoffizier imTemps* : ES war im Jahre 1861, als die französische Korvette Ttsiphone*, die längere Zeit im Hafen von New Bork gelegen hatte, nach Baltimore abging. Kurz vor der Abfahrt kam plötzlich noch ein Passagier an Bord, ein junger Mann von etioa 26 Jahren, der mit nach Baltimore wollte. Ta Kriegsschiffe niemals Passagiere ausnehmen, so handelte es sich hier um eine besondere Ver­günstigung, und der neue Ankömmling wurde mid) von dem Kapi­tän mit besonderer Hochachtung begrüßt. Er speiste daiin mit dem Kapitän zll Abeiid, und es war bereits spät, als er sich zu beu Offizieren des Schiffes gesellte. Es ,var ein lustiger junger Herr, der sogleich Leben in die Gesellschaft brachte und um die Erlaubnis bat, de«» französischen Ceeleiiteu eiueii guten Tropfen Rheinwein vorsehen zu bürfcit, den er tu feinem Koffer mit sich führte. Zwölf Flaschen wurden auf beit Tisch gestellt, und bald ,var man sehr gilter Stimmung. Die Offiziere aber hatten während der Nacht ihre»l Dienst zu tun; der eine nach dem andern entfernte sich, und so blieben schließlich nur noch der Passagier und ein junger See­kadett beieinander, den die Pflicht nicht abberies. Sie tranken und plauderten die ganze Nacht zusammen, und als die letzte Flasche geleert ivar, unternahmen sie einen Spaziergang durch das Schiff, der schließlich aus der höchsten Stange des Bramsegels hoch oben aus der Spitze des Fockmaste- e,idete. Die- Kletterkunststück war ein BeiveiS, daß sie beide noch fest aus den Beinen »varen. Für den Seekadetlen bedeutete die Sache übrigens nichts Besonderes, den« das Wetter war schön und das Meer ruhig. Eiiie desto er­staunlichere Leistung war es für den Passagier. Term er gestand seinem Kameraden, daß er als Kavallerieoffizier nienials vorher Gelegenheit gehabt halte, einen Maftbauni zu erklinuuen, daß dies fein ersterAusstieg* in so lustige Sphären war. Das kühne Stückchen, das er bei dem unerschrockenen Mitklettern vollbracht l-atte. sicherte ihm die lebhafteste Sympathie des Seekadelten, die er sich auch fernerhin für seinen Kleitergeuossen bewahrte. Ter Pasiagier derTisivhone* gab dem andern seine Bisitenkatte, aus der die Worte standen:Gras Zeppelin, Adjutant Seiner Majestät deS Königs von Bayern". Ter Graf befand sich danialS auf feiner Steife, um an dem amerikanischen Sezessionskriege teil- zunehuien, und er hatte die Gastfreundschaft des französischen SchifleS tn Anspruch genommen, um dem Kriegsschauplätze uiöglichst rasch näher zu kommen. Der Seekadett, der diesemersten Ausstieg* Zeppelins beiivohnte, ivnrde später Fregattenkapitän mid Mitglied der französischen Akadeniie der Wissenschaften.

* Merkwürdige Wirku,igen de» Granatseilers, lieber die seltsamen Wirkungen, die die furchtbaren Explosionen des modernen Graiiatseuers aus die Nerven haben können, handelt ein Aufsatz der englischen medizinischen Zeitsck)rtst The Lancet. Tie Gerat,sche der moderiien Schlacht sind so mannigfach und merkwürdig, so verschieden in Ton l,nd Stärke die Explosionen der verschiedeneli Geschosse, so iieu und furchtbar die dadurch her- vorgeiusenen Körperverletzungen, daß die psychologischen und physiologischen Wirkungen des großen Krieges die Gelehrten aus Jahre hin beschäftigen werden. Ganz unglaiiblich ist es, aber durch verschiedene Beispiele gilt belegt, daß manche Leute ein auf­regendes Vergnügen daran finden. im Auto immer wieder die Fenerzone ansziisuchen. Aus diese Männer und Frauen wirkt der Granaten regeii etwa »vie auf einen Morphinisten das Morphium.

Je liiehr sie davon bekornlnen, desto mehr wollen sie haben. Ohne daß ein besonderer Anlaß vorltegt oder ein Zwang für sie be­stände, fühlen sie sich mit einer krankhaften Begier zu Stellen hin­gezogen, aut denen Schrapnells in jedem Quadratmeter Luft zu explodieren scheinen. Man beobachtet sie, wie sie in höchster Auf­regung hin und hergehen oder fahren mitten unter den explodieren­den Geschossen und einstürzenden Mauern. Es ist bekannt, daß Arbeiter, die aus Wersten oder in Stahlwerken beschäftigt sind, ebenso wie Eisenbahner, allmählich taub gegen bestimmte Geräusche weiden-, sie haben sich an den monotonen Lärm, besonders wenn er ununterbrochen auhält, so gewöhnt, daß sie ihn nicht mehr hören. Diejenigen Enden ihres Gehörnervenapparates, die Tönen von einer bestimmten Höhe antworten, sind überreizt und in ihrer Funktion gestört. Der Kanonendonner verursacht dieselben Stö­rungen, die jedoch leichter wieder vorübergehen. Es erhebt sich die Frage, ob mit den Gehörnerven dann eine organische Veränderung vorgeht. Jedenfalls sind die physischen Wirkungen des Granat- seuerS auf verschiedene Individuen so stark gewesen, daß einige Fälle von unverwundeten Männern vorkamen, die Formen von Tallbheit, Taubstummheit und sogar Tallbstummheit verbunden m,t Blindheit allswiesen. Diese Erscheinungeil ivaren inehr oder weniger vorübergehend. Weniger deutlich als die Wirkungen aus das Gesicht und Gehör sind oie Einflüsse des Granatseiiecs auf Geschmack und Geruch. Fälle, in denen die beiden letzteren Sillne durch daS Granatfeuer eineStörung erlitten, sind noch nicht deutlich und einwandfrei sestgestellt worden/'

* Höfliche Feinde. Unter diesem Titel bringt die Bibliothek der Unterhaltung und deS WissenS" (Union, deutsche Verlagsgesellschast in Stutt- gart) folgende interessante historische Erinnerung. Man hat die Schlacht bei Fontenoy, in der der Marschall Moritz von Sachsen am 11. Mai 1745 die Engländer besiegte, nicht mit Unrecht dieletzte Schlacht der Kavaliere" genannt, denn wohl in keinem späteren Treffen haben die Gegner einander höflicher behandelt, als während dieser blutigen Schlacht, die Frankreichs Vorherrschaft in Europa gegenüber England behauptete. Als die französischen und Schweizer Garden im Walde von Fontenoy aus das in Schlachtordnung auf­gestellte englische Heer stießen, machten sie fünfzig Schritte vor der feindlichen Gefechtslinie halt; da nahmen die Eng^ länder Gewehr bei Fuß, ihre Offiziere traten vor und grüß­ten die Franzosen, indem sie die Hand an den Hut legten. Auf französischer Seite erwiderten der Graf v. Chabannes und der Herzog v. Biron, die ebenfalls ihte Reihen ver­lassen hatten, diesen Gruß. Nach der gegenseitigen Be­grüßung, die ebenso aut während einer Parade hätte statt- sinden können, ging Lord Charles Hoy, Kapitän in der eng­lischen Garde, auf die französischen Offiziere zu und sagte: Schießen Sie, meine Herren von der französischen und Schweizer Garde!" Nach diesen Worten trat der Garde­leutnant Graf v. Hautroche ebenfalls vier Schritte vor, ver­neigte sich und rief mit lauter Stimme:Wir schießm nicht zuerst, meine Herren. Beginnen Sie selbst, wenn ich bitten darf!" Nachdem der Gras in so bescheidener Weise den Feinden den Vorrang eingeräumt hatte, setzte er seinen Hut wieder auf, den er, während er sprach, abgenommen hatte, grüßte ebenso verbindlich und trat wieder in seine Reihe zurück. Wenige Minuten später donnerten die Kw- nonen und die Schlacht begann.

Areuzratsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben &aa&&&&a, c c, d d d d, e e e e, g g, h h h, i, k k, 11, n n, 0 0, rr, 8 8 8 8 8 8, tt, U U, W derart einzutragen, daß die senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgende- ergeben:

1. Nützliches Tier.

2. Spartanischen König.

3. Industrielles Unternehmen. (Auflösung in nächster Nummer.)

Auslösung des Logogriphs in voriger Nummer r Reise, Reihe, Reize, reite.

Schrlftleitnng: Ang. Goeh. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitälS-Buch- und Steindruckerei R. Lange. Gieße«.