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gmffert w i rkte n , und Me für alle Zukunft düster bleiben. Wb eine Persönlichkeit mit einziger Einsicht und Kraft ihre Ziele be­herrschte und aufbaute, wo sie allein die schwierigsten Aufgaben einer verworrenen und erschütterten Lage bewältigen konnte, da hat sich mehrfach die große Tragödie wiederholt, daß der Held Mitten in der Bahn zu Fall kommt, daß er sein Werk unvollendet »urückläßt, das niemand aufnehmen und fortführen kann. Freilich haben die Größten von der eigenen Kraft soviel, in ihr Werk ge­legt, daß es, einem inneren Gesetz folgend, weiterlebt, daß der schöpferische Genius in ihm fortwirkt.

Zu solchen dunkeln Tagen gehört der 14. April 1665. An ihm fiel Abraham Lincoln in den, Augenblick einer Mordtat -um Opfer, als er eben daran ging, die Union Nordamerikas, die kr negrerch in dem überaus blutigen Setzessionskriege (1861 biS 1865) behauptet hatte, nun auch innerlich durch versöhnende Gerech­tigkeit und innere Ordnung auszubauen. Niemand außer ihm war da^u in vollem Mbße fähig. Der praktische klare Blick, die un­bedingte Ehrlichkeit seines Willens, vor allen, die unantastbare Lauterkeit und menschliche Hoheit seins Wesens hoben ihn hoch empor über die leidenschaftlichen Gegensätze und den Kampf der praktischen Interessen, die den Norden und den Süden der Union trennten.

m c£f r r langen Reihe der Nachfolger des großen und edlen

George Washington ist keiner, der ihm an politischer Begabung und an sittlich-menschlichem Wert so nahe steht, wie der schlickige, lautere Farmersohn Abraham Lincoln. Was Washington, der fernes Volkes staatliche Existenz errungen und gesichert liatte, als fern politisches Testament nach seiner zweiten Präsidentschaft in dem berühmtenAbschied" vom 19. September 1796' geraten ^itte:Ermutigt nicht den Parteiaeist. bestrebt Euch auf's äußerste, ihn zu mäßigen. Wahrt Treu und Glauben gegen alle Nationen. Kern leidenschaftlicher Haß, keine leidenschaftliche Zuneigung gegen eine Nation, seid Amerikaner und seid Euch selbst treu,^ das ist in Lrncolns Werk unter schwierigsten inneren Verhältnissen behauptet worden.

Abraham Lineoln gehört zu den ganz seltenen Größen, die aus elementarer Kraft und Begabung das Größte leisten, ohne je Me Möglichkeit gehabt zu haben, in ruhigen uiid arbeitsamen ^Wkndiahrcn sich die Voraussetzungen anzueignen, soweit Kennt- mNe für ihr Wirken in Frage kommen. Gy war völlig aus dem Eigerien geworden, ist sein eigener Bildner und Lehrer gewescii und hat dadurch jene frische. geniale Unniittclbarkeit selbstge­wachsener Naturen behalten. Geboren am 12. Februar 1809 auf einer Farm in Kenkuckp, wo sich um 1780 sein Großvater nieder­gelassen hatte, ist er in kulttirferner Wildnis emporgcivachseu. Den Großvater hatten Jüdmner erinordet, der Vater führte bei seinem wild-rastlosen Weser, nn ruheloses Dasein. Er konnte nicht lesen und schreiben. 9tber Lmcolns Mutter erhob sich an Geist und Bil­dung weit über die Verhältnisse des rauhen Farmerlebens. Ihr und seiner Stiefmutter, Sarah Johnston, verdankt Lincoln die ersten Anleitungen zu den Elementen des Wissens. Nur ein halbes Zahr im ganzen hat er Schulen dürftigster Art besucht. Ms er Aivn 16 Jahre war, konnte er nur notdürftig lesen, schreiben und etwas rechnen.Ich habe meine geringen Kenntnisse von Zeit zu Zeit unter dem Zwange der Notwendigkeit zusammen gelesen," behauptet er von sich selbst. Und doch ist er einer der großen poli­tischen Schriftsteller der Welt gervorden. Seine in 10 Bänden ge- sammelteri Werke sind eine Schatzkammer staatlicher Ideen von höchster Klarheit. Tie durckchringende praktisch Klugheit hat ihm auch die Macht der edelgeformten, ln n reißen den, überzeugenden Rede verliehen. An ferner geistigen Bildung hat er lebenslang gearbeitet. Die Bibel, die Fabeln des Aesop und die unver­gleichliche mystischePilaersahrt" von Bunyan sind die Nahrung tzrner Jugend gewesen. Kein Buch Txit ihn so tief ergriffen, wie ein leben Washingtons, in das sich die Seele des tverdenden Staats­mannes versenkte. Ein leidenschaftlicher Leser blieb er; Slxtte- speare war chm ,vie unserem Bismarck das eigentliche Lebensbuch.

Nach mannigsaltigen Lebenswandelungen wird Lincoln Rechts­anwalt. Geschäftskunde führt tim diesem Beruf in reichern Maße zu. In ihm erwirbt er sich taird) Klarheit und Redlichkeit das, Vertrauen seines Heimatsstaates. Er wird ins Repräsentantenhaus gewählt, für ,l>n die Vorstufe zur Präsidentschaft (seit 1860). In dieser Stellung erlebt Lincoln den Ausbruch des furchtbaren Bür­gerkrieges zwischen dem agrarischen Norden und den industriellen Handersstaaten des Süderks, den sogenannten Sezessionskrieg. Eine Nebenerscheinung dieses auf tiefen »virtschaftlickien Gegen­sätzen beruhenden Krieges war es, daß die Sklavensrage für Ame- r,ka zur Entscheidung kam. Maßvoll, bedächtig vorgehend, aber entschieden trat Lincoln für die Aufhebung der- Sklaverei ein.

Der Krieg hatte die militärischen Kräfte rind die starken Führertalente erst erzogen. Ter Sieg lvar schließlich das Werk eines Grant, vor allem Shennans rmd Sheridans. Mer damit war die große Frage nicht entschieden, wie die Einheit der Union zu sichern sei. Diese Aufgabe erkannt irnd ihre Bewältigung vorbereitet zu haben, ist Lincolns Verdienst. Im Jahre 1861 war er nnt überwältigender Melirheit wiedergewählt worden. Seinem klaren, bestimmten Wesen, seinen: versöhnlichen Geist und seinem Wil en vertraute die Nation die große Aufgabe an. Es galt, die Versöhnung nnt dem Süden durchzuführen, obwohl man ihm ein so wesentliches Mittel seiner Nnrtschasllichen Macht wie den Sklaven

besitz entzog. ES galt aber nicht ininder, die extremen Bestrebungen im Norden der Union einzndämmen. Neigungen zu einer verhäng­nisvollen. Politik der Rache am Süden waren keineswegs selten. Mit ernst nrahnenden, tiefen und ergreifenden Worten hatte Lincoln in seiner letzten Botsck)aft zum Frieden geredet. Ihm zur Seite stand der Feldherr des Nordens, Grant. Der Friede kam, der große Führer des Südens, General Lee, kapitulierte- Lincolns eigentliches Werk konnte jetzt erst beginnen. Da bewaffnete der leiden schaftlick>e Fanatismus des unterlegenen Südens die Hand Hand des Mörders. Fünf Tage nach der Kapitulation Leos (9. Mr,l) erschoß ein Bruder des danrals berühmten Schauspielers Bovch den Präsidenten im.Fordtheater zu Washington. Es »var die Tat einer größeren Verschwörung. Ein Mitverschworener ver­letzte den Staatssekretär Seward und seinen Sohn schwer, auch Stanton und Grant sollten ermordet werden. ,,8 i c semper tyrannis. Der Süden ist gerächt!" hatte der Mörder dem Pu­blikum zugerufen.

Tie Tat bewirkte das Gegenteil ihrer Msicht. Man fühlte die Notwendigkeit eines Mannes, wie Lincoln. Seine kluge und maßhaltende Tattraft »var nicht zu entbehren. Tem Toteil galt die Teilnahme der ganzen Natton. Sein hoher Gerechtigkeitssinn hatte ihn für die Nation zum weithin lenchteirden sittlichen Vor- bild erhoben. Mit Moses, der vom Berge das gelobte Land sah, das er selbst nickst betteten sollte, verglich man Lincoln. Es mag kühnere, umfassendere Geister in der Geschichte der Union gegeben haben; sittlich höher als dieser lautere und reine Charakter steht nteniaiid. Nächst Washington gilt ihm mit Recht die dank- bare und tiefe Verehrung der Nation. Die Einheit der Union, die 'Washington begründet liatte, ist von Lincolii in der schwer­sten Krisis, die sie je erlebt hat, gerettet worden. Was Amerika heute als geschichtlich-sittliche Lebeuslverte in sich birgt, ver-i dankt es nächst Washington dem großen, edlen, reinen Charakter dieses tapferen und klugen Mannes.

was unseren Mädchen von ,2 - 20 Zähren not tut

Bon Direktor Brackemann , Gießen.

Die gesamte moderne Betvegung zur Ertüchtigung unserer Ju­gend leidet an dem Uebelstande, daß für die werbliche Jugend so gut wie nichts geschieht und alles nur den Knaben und Jüng­lingen zugute kommt. Wohl wird nie vergessen, daraus hinzuweisen, daß auch für die Mädchen etivas geschehen muß, aber alles bleibt meist nur graue Theorie und prakftsch geschieht wenig oder gar nichts. Als Mitglied des Bezirksausschusses des Jungdeutschland- buudos für Gießen-Stadt halte ich es für meine ganz besondere Mf- aabe, ans diesen Mangel hinzuweisen und gleichzeittg einen Vor­schlag zu machen, was vielleicht geschehen könnte.

Zunächst muß betont »verden, daß den Mädchen, jüngeren und älteren, natürlich andere Veranstaltungen geboten werden müsseii wie den Knaben. Neben der rein körperlichen Ertüchtigung sind noch andere Zweige der Ausbildung zu pflegen, auf die ich hier zunächst emgehen nröchte. Da wäre vor allem die soziale Ausbildung zu neunen und alles, was mit ihr zusammenhängt. Sie kann theo­retisch und praktisch betrieben werden. Theoretisch, indenr die jungen Mädchen durch eine Reihe von Vorträgen, die mit einem möglichst reichen LichMldermaterial ausgestattet sind, mit der Materie be­kannt gemaM werden. Zu behandeln wären Thematas wie: die Lebensbedingungen und das Wohnunasivesen der mit der Hand arbeitenden Bevölkerung in Stadt und Land, mtter Hinweis auf die moderne Hygiene, Gesundheitspflege, Geldwirtschaft. Sparkassen- und Banktvesen, Einführungen in die Grundzüge der Bermögensverwaltting, der JnvaliditätS- und Mtersversichc- rung. sowie Privatversicherung, ferner: Mlgenieines über Wvhl- fahrtsbesttebungen, Krankenpflege, Einführung in die Staatsbürger­kunde und das Rechtswesen, soipert es für das tägliche Leben von Bedeutung ist. Praktisch wären dann diese Fragen zu behandeln durch gemeinschaftlichen Besuch von industriellen Anlagen, Klanken- häusern, Wohlfahrtseinrichtungen, Arbeiterkolonien: ferner durch Betätigung in Kindergärten (Pvlkskindergarlen), Veranstaltung von Weihnackstsbescherungen. ohne jede gesellsckmftliche Aufmachung na­türlich. Außerdem müssen die Mädchen Auleitting erhalten für das! Verhalten auf Reisen.

Wie all diese zahlreichen Aufgaben nim tatsächlich zu lösen ftnd, dafür bringtdas Pfadftnderbiich für jimge Mädchen" von Ense von Hopffgarten sehr annehinbare Vorschläge. Ich möchte jedoch, bevor ich darauf eingehe, ausdrücklich bemerke,!, daß es gau- gleichgültig ist, ob man die zur Erreichimg des Zieles unbedingt notwendige Organisation nun Pfadfinder oder svnstivie nennt. Es kommt lediglick) auf die Sack>e an, nicht ans den Namen. Z. B. kömrten ja auch in einer Schule diese ganzen Reformbestrelmugeii im Lehrplan einbegriffen sein.

Die Arbeit ist in Winter- und Sommerarbeit zu teilen. Die oben erwähnte tl-eoretische Misbildung ist im Winter, l^sviiders bei schlechtem Wetter auf Untcrhalttmgsabenden und -Nachmittagen wrzunehinen. an die sich jedesina! ein geselliges Zusammensein chließt. Natürlich alles mit Maß! Das oben a,igedeutete Petisum ist langsam und stufenlveise darzubieten und kann über mehrere Winter verteilt »verden. Denn wenn ich die. ich will sagen, geistige Ausbildung zuerst in den Kreis meiner Betrachttingen zog, so ge­schah das nur, um das fast noch nirgends Erwähnte vorivegzu