Jan von Werth.

Roman auS dem Dreißigjährigen Krieyv von Franz Herwig.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Jedoch am nächsten Tage schon schickte der König zu ihm und ließ ihm sagen, daß er daraus brenne, ihn zu sehen, und es dauerte nicht lange, so kamen Edelleute!, um mit ihm zu plaudern, und sie fanden einen netten, jovialen Jan, der herablassend die Schmeicheleien anhörte, mit denen man sich überbot. Wenn der Weihrauch ihm allzusehr in der Kehle brannte, nahm er einen herzhasten Schluck, indessen Jose Maria ernsthaft hinter der vor- aehaltenen Hand hüstelte. Die Besucher gingen fort mit dem Entschluß, in den Salons das Lob Jans zu singen.

Der König, den auch ein paar Wellen dieser Gespräche erreichten, wurde immer begieriger, Jan zu sehen, und endlich faßte er sich ein Herz und fragte Richelieu, ab wohl etwas dagegen zu sagen wäre, wenn er Jan zu sich holen ließe, und als der Kardinal verneinte, schickte er einen Wagen mit zwölf Lakaien, die Laternen trugen, in der Dämmerung nach Vincennes und ließ Jan einladen, in den Louvre zu kommen.

Jan fand einen kleinen, aufgeregten, sommersprossigen König, der trotz seiner achtundzwanzig Jahre wie ein Jüng­ling aussah, mit unregelmäßigem, nichtigem Gesicht. Er saß zusammengesunken in einem ungeheuren Armsessel, während der Kardinal hochausgerichtet, in violetter Seide, majestätisch hinter ihm stand.

Am liebsten wäre Ludwig aufgesprungen wie ein Knabe, als Jan eintrat; über er schlug nur die Hände zusammen und sagte ungeduldig:

Setzt Euch hierher, schnell. Ich wollte Euch schon lange sehen, aber die Staatsgeschäfte... Wißt Ihr, daß man meine kleinen Untertanen mit Eurem Namen in den Schlaf schreckt? Ich finde, Ihr seht nicht aus wie ein Menschen­fresser."

Richelieu lehnte sich schwer aus die Sessellehne, und diese knarrte. Sofort bemühte sich der König, einen strengen Gesichtsausdruck zu zeigen, und fuhr fort:

Uebrigens habe ich Grund, auf Euch erbittert zu sein! Gesteht, es war nicht hübsch von Euch, die armen Bürger so in Schrecken zu jagen! Jedenfalls habe ich mich bei dem Herrn Kurfürsten von Bayern, der mein Freund ist, über Euch beschwert. Ja sozusagen Freund, wenn auch die äugenblicklichen Umstände"

Er brach ab, denn er fühlte, zuviel gesagt zu haben, und spielte verlegen mit seinen Fingern. Jan räusperte sicy und sagte:

Ich würde untröstlich sein, wenn Euer Majestät einen Groll gegen mich hegten."

Aber der König erhob abwehrend die Hände:

Nein, nein ich ehre Euch, ich bewundere Euch. Ihr seid ein Held. Ich wünschte, immer von Helden umgeben zu sein. Bleibt noch lange bei uns!"

Sire, der Krieg ist noch nicht zu Ende; ich tun eitel, genug, zu glauben, daß man mich braucht!" ^

Um so fester müssen wir Euch halten. Ist es nicht so, Eminenz? Uebrigens, gefällt es Euck) in VincenneS? Geht Euch nichts ab? Sagt immerhin, wenn Ihr etwa­entbehrt. Wenn Eminenz, der Herr Kardinal, uicht» dagegen hat, könntet Ihr Euch auch in Paris ein wenig Umsehen?"

Der Kardinal sagte langsam mit seiner klangvollen Stimme: .... . _

Euer Majestät mögen immerhin bedenken, daß Herr von Werth Kriegsgefangener ist."

Jan sah ihn fest an: . .

Ich selbst wünsche keine andere Gnade, als die l So ein Kavalier zusteht." .

Aber wenn Herr von Werth uns Kavaliersparole gibt, nicht zu fliehen?" fragte der König schnell.Tut mir den Gefallen, Eminenz! Seid Ihr bereit, Herr von Werth? Gebt mir die Hand!"

Kavaliersparole, Sire," sagte Jan und schlug ein. Und gebe Gott, daß ich mein Wort besser halte als ein gewisser französischer Edelmann" .

Wie?" rief der König und runzelte die Stirn,Ihr habt Euch zu beklagen, daß? Namen, mein Herr,

Namen!"

Der Herr Kardinal kennt den Namen."

Ludwig wendete den Kopf und sah Richelieu fragend an. Der strich sich über den Spiybart und zog die Schultern:

Ich habe nicht die Ehre, Herrn von Werth zu ver­stehen."

Eminenz!" sagte Jan lauter, als sich in Gegenwart eines Königs zienlte,Eminenz, Ihr solltet nicht wissen, wen ich meine?" ,

Den Namen, mein Herr, den Namen!" rief der König und stand auf.

Durante."

Ah, Durante," sagte der Kardinal leichthin,ich dachte, ihr wäret Freunde geworden?"

Ja, so gute Freunde, daß wir uns den Kopf abreißen könnten, vor lauter Liebe, ohne Zweifel."

Hierauf erzählte er dem König, während der Kardinal mit anscheinend gespannter Aufmerksamkeit zuhörte, wie Du­rante ihm sein Ehrenwort gegeben hatte, damals in Mantua, sich ihm mit bloßem Degen zu stellen und

Und dieser Herr Durante hat Euch die KavalierS- parole nicht gehalten? Hört doch, Eminenz! Und Ihr sagtet doch, daß es ein verdienter Offizier wäre! Schöner Verdienst, in der Tat, den französischen Adel, Frankreich, seinen König so zu beschimpfen. Ihr müßt zugeben Erm- menz, daß ich Grund hätte, recht betrübt über diesen Schütz-