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etwas wissen muß, und txi er stets seine höcl)sten Bez-iehun- gen und genauesten Informationen im Munde führt, so macht er schließlich Eindruck. Er kann auch alles aus die einwandfreieste wissenschaftliche Art erläutern, und nrögen seine Ansichten noch so falsch, seine Erörterungen noch so tödlich langweilig sein, es ist sein Organ, das schließlich siegt, weil es die Tragweite eines modernen Feldgeschützes hat. Stets ist es die allerletzte und allerneueste Nachricht, verössentlicht oder unveröffentlicht, die er ausposaunt. Seine Kritik macht vor nichts halt, und allen Generalen weist er ihre Fehler haarklein nach. Selbst rul)ig essen kann man nicht, sondern er verwandelt den Eßtisch plötzlich in ein Schlachtfeld; die Teller, Messer, Gabeln und Löffel müssen für seine strategischen Darstellmraen herhalten, und schon ist eine Bratenschüssel zu den Befestigungen von Neuve Chapelle befördert, gegen das ein paar Lössel den Sturm! eröffnen. Selten wird man ihn mit dem Gefühl der Beruhigung und der Zuversicht verladen. Vielmehr lauern in seinem Orakelton stets dunkle Ahnungen kommenden Unheils; immer ist etwas nicht richtig, und häufig ist hps Schlimmste zu befürchten. Im Grunde seines Herzens ist er ein ganz guter Bursche, aber der Krieg ist nun einmal seine fixe Idee geworden, und man darf rhn nicht für das verantwortlich machen, was er tut und sagt. Wenn alles vorüber ist, dann wird er gewiß wieder ganz erträglich werden. Aber bis dahin steht er da als ein seltsames Nebenprodukt dieser Zeit, als das traurige Beispiel eines' Menschen, der in diese unruhigen und ungewissen Tage nur noch mehr Unruhe und Ungewißheit hineinbringt."
vermischte».
* Mißglückte ErnährungSresormen. Die Knappheit unserer Hauptnahrungsmittel hat zahlreiche findige Geister auf den Plan gelockt, um unS Surrogate und Ersatzmittel bet der Herstellung des Brotes zu einpsehlen. Ein Teil dieser Vorschläge ist sicherlich theoretisch gerechtsertigt, aber ihrer Umsetzung in die Praxi- stehen unüberwindliche Schwierigkeiten gegenüber. So werden als Ersatzmittel sür das Roggen- und Weizen,nehl Mehle von anderen Zerealien empfohlen. Diese würden, das muß zugegeben werden. einen vollivertigen Ersatz gewähren, »venn sie überhaupt in nennenswerter Menge vorhanden wären. killet,», werden die Bestände, die wir zurzeit von ihnen besitzen, herangezogen, so sind sie so gering, daß sie bei den ungeheuren Quantitäten, die in Frage kommen, gar nicht ins Gewicht lallen. Andere Reiormvorschläge vernachläisigeil das Gebot, daß bte Nährgemische auch schmecke»» und nicht Widerivillen erregen sollen. Man braucht die Bedeutung de- Wohlgeschinackes einer Nahrung sür die Verdauung und Ernährung nicht ganz so hoch einzuschätzen, ,vie man e- bisher unter dem Einfluß der berühmten Pawlowschen Experi- menle getan hat. Tenn daS Wesentliche, jedenfalls das, worum man be» der Massenernährung zimächst sich zu künnnern hat, ist die Größe der auS der Nahrung gespendeten Kraft, sodann ihre Ausnützung. Wir wissen jetzt, daß auch Speisen, die sich nicht durch hervorstechenden Wohlgeschmack auszeichnen, soiidern eher etivaS langweilig schinecken, dennoch gut verdaut unb ansgenützt werden. Dies dars aber nicht dazu verleilei», den psychologischen Faktor des Geschmackes völlig zu mißachten. ES gibt Geschmacks- gualitätei», die, einn»al erregt, als angenehln empsunden werden, während sie das Gefühl des Widerwillens auSlösei», wenn sie dauernd in der Rahrting auftreten. Dies gilt, wenigstens bei Er- ivachsenen, sür stark zuckerhaltige Speisen. Deshalb ist der kürzlich zur Erörterung gehellte Vorschlag, das Brot durch Ztlckerzusatz zu strecken, undurchführbar. I,» dieser Richt»mg hat sich auch der bekannte ErnährungSphys,ologe Professor Max Rubner in Berlin aus- qesprochen. Der Genuß derartigen BroteS würde einen dauernden süßen Geschmack im Munde erzeugen, der zuin Widerwillen gegen Nahrungsaufnahme führt und dadurch die Ernährung selbst zu schädigen inlstande ist.
* Unter dem Kanonendonner getraut. Eine inerklvürdige Eheschließttng ist dieser Tage in Frankreich, iit einem Torf in der Gegeird von Verdun, gefeiert worden. Die Bra»lt, die von weither kam, begab sich geradenwegs z»,r Schule, »vo ein de- scheide»»er Saal mit Blumen und Kriegstrophäen ausgeschmückt ivar. Der Saal war voll von Soldaten in Feldnnisorm, und unter diesen errvartete sie der Bräutigain, der die Bra»it bei der Hund nahm und sie vor eilten Ti'ch führte, an dem eil» Offizier mit dein geöffneten Bürgerlichen Gesetzbuch vor sich saß. Draußen donnerte das Feuer der Geschütze urid der Maschinengewehre. Unter der Begleitung dieser eigenartigen Hochzeitsmtlsik gab der Sisizier, der die Stelle des BürgernreislerS vertrat, unter dem Beistand eines Unteroffiziers als Sekretär die beiden j»»ngen Leute zusammen. Die Feier ivar uur von kurzer Dauer, da da- Geschütz euer an Stärke zlmahin. Trotzdem fand der Offizier die
Zeit, den beiden Neiivernrählten eine kurze Traurede zu halten: „Während Ihr Gemahl sich wieder zu seinen Kameraden begeben wird, die in den Schützengräben das Vaterland verteidigen, werden Sie, junge Frau, in Ihre liebe Heimat mit geiecht ertigter Trailer alletn zu»n häuslichen Herd zurückkehreil; aber ich bin über- Ituqt, daß Sie wie alle guken Französinnen, die daheim warten, seine Rückkehr lucht -vor dem Siege wünschen. DnS ist daS ge- meinsaiue Ideal. Wie die Sparlanermnen werde». Sie, »venn Sie sich von dem trennen, den ich eben mit Ihnen verbunden habe, sagen : siege oder stirb sür Frankreich I Verzweifeln Sie nicht, junge Frau, da and) wir nicht verzweöeln, sondern siegen wollen I* So erzählt der „Figaro-, der feslntlll, daß dies die erste Eheschließung beim sranzöstschen Ostheer gervesen ist.
* Der keusche Joseph von W a s h i n g t o n. Einen Schadenersatz von 6900 Mk. wegen .durch einen unerwünschten Kuß auSgestalidener Angst und Pein- verlangt aut dem Klagewege Sh. (£, 9)1. Griffin, der im Kasinothealer von Washington der Gegei,stand eines .Angriffes- von feilen der Miß Babe Norman wurde. Miß Norman sang mit drei anderen hübschen jungen Damen ln einer Operette .Der Honigjunge* ein Quartett mit dem schönen Refrain: .Willst Du nach küssen?-, und die Ta»nen tanzten zur Erhöhung des Vergnügens nachher durch den Saal, wöbet sie ihre Aufforderung auf der Stirn eines geeigneten Ob- jeklS anschaulich erläiiterlen. Mr. Griffiu saß neben seiner Frau aus ei,»ein Ecksitz, und alS Miß Norman inr Vorübertanzen ihren Rosenmund auf feine Stirn neigte, stieß er einen Schrei der Ent- rüstung aus und „'ehrte die Dame höchst unranlt ab. Nun bat er gegen das Theater und die Ehortni,» auf 0000 Mk. geklagt, weil man ihn in seiner Ehre gekränkt und lächerlich geinacht habe. Miß Norman aber behauptet, er hätte sich als Ehemann vorher kenntlich machen müssen, dann würde sie ihn nicht .mit ihrem Kuß torpediert haben.-
vüchertisch.
— Deutsche Krast. Von dieser durch Leo Eolze unter Mitarbeit von Geheinlrat Prozessor Joses Köhler, Geh in,rat Lujo Brentano, Prozessor Tr. Silbergleit, Pro'estor Dr. Voigt, Professor Burgeß. Proseffor Fullerton, Pro essoc Tr Kimmle, Fra»» Hedwig Heyl, Björn Björnson, Axel Rtpke n. a. herallsgegebenen Monographienfolge über Kriegsknltur und Heimatarbeit finö soeben die ersten He te erschienen. Eine Wertung Hindenburgs von Hanpt- mann Waldemar Müller-Eberhart bildet den Inhalt der ersten Monographie. DaS von August Hajduk geschmückte Heit ivird der kulturellen Bedeutung Hindenburgs in äußerst seiltsinniger und verständnisvoller Weise gerecht und bildet eine unbediu te und notwendige Ergänzung zu der Lebensbeschreibung des Geueral- seldmarschallS a»lS der Feder seines Bruder-. ES ist neben dieser die einzig literarisch wertvolle Arbeit aiis der Fülle der ms Un- en liche gehenden Hindenburg-Vubltkatioiien. Daß sie einen Mtlilär- schristsleller von Ruf wie Hauptmann Müller-Eberhart tum Autor hat, läßt sie noch wertvoller erscheinen. D.>S r,veile Heft der bei Arthur Collignon, Berlin W. 62, erschienenen Alonograpbiensolge bringt, zum ersten '-ale, eine kulturelle Würdigung der Firma Krupp in Esten au- der Feder des Hochschuldozeuten Dr. Hermann Hasse. Der Einzelpreis der nach jeder Richtung hin so überaus erfreulichen Publikationen beträgt 40 Pfg. lind vermindert sich bei Subskription mit die gesamte Folge aus 30 Pfennig.
— „Weltkrieg-Satiren- von Johannes Cotta (Vaya- Verlag, Halle a. d. S., Mk. 1.60) sind eme Abwechselung in der Hochflut der Kricgsliteratnr. Tie in dem Buche enthaltene Satire „Fremdwörter* wird seit Krtegsbeginn von unzähligen Verwundete» bei Lazaretlvorträgen bejubelt und hat auch vielfach ihren Weg in dte Schütze,lgräben gesunden. .Ruhm*, „Leben- und.Der MenschE habe», philosophischen Charakter, sind aber trotzdem mit gefuubein Humor durchwürzt.
Logogriph.
Mit .f* erfreut es viele Leut'
Zur schönen Sommerszeit.
Weil's nach dem Wort mit .h* uns beut Biel Neues weit und breit.
Allüberall erscheinl's mit ,z- Bo»r lern und in der Näh',
Wenn'- Fahren und Wandern nicht »nehr geht, Co tu's nur gleich mit „t".
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer: Fiel ein Herz im Drange,
Zwischen Reiz ttnd Pflicht,
Mensch, o richte nicht!
Weißt du, welchem Zwange,
Welchem Unglückstag Solch' ein Herz erlag?
Schristleitung: Aug. Goetz. - Rotation-dr»lck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Btich- und bteindrllckerei, R. Lange, Dießew


