Ausgabe 
12.4.1915
 
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Jan von Werth.

Roman aus dem Dreißigjährigen Krisge von Franz Herwig.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung)

11. Kapitel.

Eine neue Pariser Mode.

Keine Kompagnie begleitete den gesungenen Jan, kein Regiment, sondern ein Heer. Seine Kalesche, in der er mit dem bayrischen Obersten Enckefort saß, umgaben schwedische Kürassiere, den Pistolenkolben auf den Schenkel gestemmt.

Enckefort, man tut, als wenn ich ein König oder ein Staatsverbrecher war'," sagte Jan.Sie werden mich nicht lange so eskortieren. Wann ist der Bote sort?"

Vor zwei Stunden, Exzellenz."

^Maximilian hat noch den Horn bei sich, den ich ihm sing. Er soll mich auswechseln. Enckefort, ich halt's nicht aus in diesem rollenden Sarg? Hätten sie mifl einen Karrenaaul zum Reiten gegeben! Mich wie ein altes Weib in die Kutsche zu packen! Nein, laß die Vorhänge ge­schlossen. Wenn ich die schwedischen Kolletts sehe, spuck' .'ich Galle!"

Bald ist's Abend, Exzellenz."

,Jch geh nicht nach Paris!" schrie Jan.Man soll mich aushängen, aber nicht lebendig nach Paris bringen. Hörst du, Enckefort^ Da wird geschossen!"

Er steckte den Kopf zum Kntschenfenster hinaus. Sofort schlossen die Kürassiere sich enger zusammen. Das ferne Musketenseuer ging in ein rasendes Knattern über; es stieg in einem jähen und kühnen Bogen empor ime eine Rakete.

Man will Euch befreien!" sagte Enckefort freudig.

Können sich's sparen, übermorgen bin ich doch frei!"

Die Kuljche wurde plötzlich vorwärts gerissen; die Kü­rassiere fielen in Galopp. Jan tobte! Jagten die Kerls wahrhaftig mit ihm los, ohne daß er's besohlen! Bisher hatte man auf sein Kommando gewartet, jetzt scherte inan sich den Teufel drum? Als der Wagen in den Schloßhos von Benseld einfuhr und der Kammerjunker des Königs, Herr de la Meilleraye, ihm mit tiefer Verbeugung den Schlag öffnete, beachtete Jan den verdutzten Franzosen gar nicht, sondern segelte an ihm vorbei, knurrend und blaß.

Zwar war er nicht in einer Zelle in Hast wie damals, als die Franzosen ihn zum erstenmal singen, sondern in einer Flucht behaglicher Zimmer; auch sollte er nicht ge­hängt, sondern an den französischen Hof gebracht werden, aber er würde jedem Menschen gesagt haben, daß die Ex­zellenz von heute gern mit dem Jan von darnals getauscht hätte.

Und dazu dieser langweilige Dickkops Enckefort bei mir! dachte er. Hätten mir wenigstens Jose Maria als Gefährten geben sollen. Aber der scheint in Rheinfelden alles ver­schlafen zu haben. Wacht vielleicht gerade jetzt auf und sagt: Will mal nach dem Jan sehen." Gelegne Gott deine edle Absicht, ehrwürdiger Freund, aber den Jan führten sie im Lande umher wie den Giraffen aus dem Ände Afrika. Enckefort, hast du Tabak?" fragte er laut. Und als er in den dicken grauen Wolken des Pseifengualms verschwun­den war, wurde ihm etwas wohler, so daß er eine Stunde später sogar erlaubte, daß ihm der französische Junker seine Aufwartung machte. Da erfuhr er, daß die Bayern in der Tat einen Befreiungsversuch gemacht hatten, aber es wäre zusammengerafftes Volk gewesen. Tie meisten seien gefangen.

Uebrigens sind wir morgen über die Grenze," sagte Herr de la 'Meilleraye lächelnd.

Ueber die Grenze?" sagte Jan und nahm die Pfeife aus dem Mund.Ueber die Grenze? Wer ist morgen über die Grenze?"

Nun Ihr und wir."

Jan stand langsam aus und ging an das Fenster. Nach einer Pause sagte er:Da irrt Ihr. Geht immerhin über die Grenze, und ich werd' sagen: Glück auf den Weg. Mer ich gehe nicht." Er fuhr herum.Versteht Ihr? Ich gehe nicht!"

Exzellenz "

Zackerbombenundslöh! Eher seht Ihr mich morgen an diesem Fensterkreuz baumeln!"

Ich werde Euch Gesellschaft leisten, damit Euch kein Unglück zustößt."

Er blieb wirklich. Er und drei Offiziere. Sie hockten stumm in Jans Zimmer, die ganze Nacht, und Fan warf sich auf seinem Bette herum und schlief erst nach Mitternacht über seinem Fluchen ein. Aber als der Morgen kam, sagte er trotzdem:

Ich gehe nicht."

Man mußte ihn greifen. Er schlug mit Fausten um sich. Sechs schwedische Kürassiere packten ihn an Armen und Beinen, um den Leib. Einer stand dabei und hielt steif ltnb stumm Jans Stiefel in der Hand.

Mit einem Male stieg ein gewaltiger Ekel in Jan auf; er schämte sich. Er wurde still, und man stellte ihn aus die Füße.

Ihr vergebt, Exzellenz aber ich mußte denc Befehl gehorchen," sagte Meilleraye.

Jan sah ihn nicht einmal an. Er zog keuchend die gelben Stiefel an und stieg schweigend in den Wagen. Da rollte er los.

Also ging es doch nach Paris. War ihm schon alles gleich. Tie'Pfeife angebrannt, das machte milde im Gemüt. Man kam durch ein Dorf. Ueberall standen schwedische Sol­daten, die ihn stumm und mit Ehrfurcht betrachteten. Seht ihn euch nur an, dachte Jan, hättet ihn sonst nicht so nahe