Ausgabe 
10.4.1915
 
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Jan von Werth.

Koman aus dem Dreißigjährigen Kriegp von Franz Herwig.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Da kam ein Gerücht nach Köln, daß der Verbündete der Franzosen, Wilhelm von Hessen mit elf Schwadronen und vierhundert Musketieren die Feste Hermannstein ent­setzen wolle, in der die Franzosen blockiert waren. Da tobte Jan durch das Haus und lachte und fluchte und wirbelte Griet in seinen Armen herum, die ihn bat:Reite nicht." Und nach einer Viertelstunde ritt er los, klabaster klabaster, durch die Gassen Kölns, hatte nach einer Stunde achtzig seiner Reiter aus den warmen Quartieren geholt und jagte kreuz und quer, bis er ihrer einige Hundert bei­sammen hatte. Als er dann lospreschte, gefolgt von dem geliebten Donner der Hufe, als die kalte ßuft um ihn lauste und die Fernen eilig auf ihn zukamen, stand er im Dayinjagen in oen Bügeln aus und schrie:

Werth ist erwacht! Werth kommt!"

Und hinter sich hörte er wie sonst den hundert.sti.m- migen lachenden Schrei:

Werth! Werth!"

Im Angesicht der Franzosen, die hungernd aus den Wällen des Hermannsteins standen, fiel er die Hessen an. Nach einer halben Stunde war alles getan.

Aber als er in der Gereonsgasse beglückt und be­rauscht wieder vom Rosse stieg, flog ihm Griet bebend und bleich entgegen: sie war vor Angst fast gestorben.

Soldatenweib?" ries er, als sie allein waren,Sol­datenweib, und du hast Tränen?"

,,Jch habe so lange auf dich gewartet, herzliebster Jan, so lange Jahre. Und nun ich dich habe, drückt mir die Angst um dich das Leben ab."

Er lachte und zog das Wams aus. Da schrie Griet auf und hob abwehreno die Hände:

Jan! Jan! Da du bist verwundet! Blut!"

Jan machte ein erstauntes Gesicht.

Verwundet? Sieh da! Wirklich zwei Schrammen. Hab's nicht gemerkt. Nimm sie für zwei rote Rosen, die ich dir mit heimgebracht."

Aber Griet hörte es nicht mehr. Sie hing ohnmächtig in seinen Armen.

In den folgenden Monaten verfiel sie immer mehr. Wenn ein Reiter vor dem Hause hielt, mußte sie an sich halten, um nicht aufzuschreien. Immer fürchtete sie die Botschaft, die Jan wieder in den Krieg führte.

Nur so lauge bleibe bei mir,, bis bis unser Kind

da ist," bat sie. Und wenn Jan lustig war, sang er, daß die Wände dröhnten:

Fahr wohl, ich reit' frisch drein:

Parmvautz und bum und valdera,

Kann nicht mehr bei dir sein,

Ach, ach, ja, ja."

Aber wenn die Stille ihm allzusehr an der Seele fiaß, brach er in böse Worte aus, die ihn nachher reuten, und saß halbe Näcyte einsam beim Wein, indem er vor sich hin sprach.

So war es wieder Frühling geworden^ und eines Tags gab der Rat der Stadt dem berühmten General im Gür> zenich ein Maienfest. Es war ein Fest für Männer, und es dauerte kaum eine Stunde, da waren die Kopfe heiß, und die Reden gingen laut und frei. Jan trank sich immer mehr in eine verbissene Wut hinein, und Joss Maria hatte gut zur Ruhe und Mäßigung mahnen: Jan horte nicht mehr aus ihn.

Soll ich meine Meinung nicht mehr sagen dürfen? Hinterbringts doch dem sauberen Kurfürsten von Bayern, daß ich ihn einen verdammten Feind des Reiches nenne. Sck)weigt still! Wenn eine Aktion in gutem Rollen war er hat immer den Balken vor die Räder geworfen - Für einen Dreck haben wir Mantua erobert, denn der Kaiser mußte auf dieses Betbruders Geheiß hin wieder heraus­geben, was wir gewonnen. Wo ist Wallenstein, der all­gemeinen Krieg und allgemeinen Frieden wollte? Der Kur­fürst hat längst sein heuchlerisches Kreuzzeichen über seine Leiche gemacht. Und der gute Aldringhen! Wenn er ein Verräter war Maxens Schuld war es. Anstatt jetzt der Franzose halbtot und geduckt um Frieden bittet den ganzen Rhein herunter ist er Meister! Und wer ist 's schuldig? Er, immer Er!"

Ein hochadliger General, Gras Fürstenberg, der an der Tafeil teilnahm, sagte ziemlich laut zu seinem Nach­barn:

Was wollt Ihr? Man darf es dem Werth nicht *u hoch anrechnen, daß er von der Politik nichts versteht. Er glaubt immer noch als Schenkknecht hinter seinen Wein­fässern zu sitzen. Von da aus freilich sieht der Lauf der Welt"

Jan stand plötzlich auf. Er hatte ein böses Lächeln aus dem Gesicht und grng langsam, ein wenig schwankend, aus Fürstenberg zu.

Dicht vor ihm blieb er stehen und sagte unnatürlich ruhig, indem er ihm bei jedem Worte mit dem ausge­streckten Zeigefinger gegen die Schulter stieß:

Du Freund Hundsfott tanz mit mir!"

Jürstenberg wurde blaurot im Gefickt und zog. Die Musik brach plötzlich ab. Jan hörte nicht den leisen Schrei aus weiblichem Mund von der Galerie her und nicht den dumpfen Fall.

Die Musik soll spielen!" ries er.Wir wollen tan­zen. Einen langsamen Schleifer!"