220
die Helle, zärtliche der blonden Mutter, sah die Hanspostüle und vernahm das Wort des Kartages. Aber, seltsam, er konnte cS nicht verstehen. Nur ein Satz blieb in seinen Ohren: „Darum, daß er sein Leben in den Tod gegeben hatte —"
Was sollte ihm jetzt die,er traurige Satz? Er wollte doch leben!.
Der weiche, rcgendurchtränkte Waldboden dämpfte den Ton der Hufschläge. Unhörbar schien der Gaul unter und mit ihm dahinzufliegcn. Und das Frieren einer heimlichen Angst überkam ihn von neuem. Was ,var das nur? Trug er nicht längst das Eiserne Kreuz, hatte er sich nicht nrehr als einnial ausgezeichnet, im dichtesten Kugelregen mit einem Lächeln der Freude gestanden — und jetzt fror er in einer rätselhaften Angst? Um wen denn? Etwa um Hauptmann Stebeke, der ihm im letzten Augenblick die Braut fortgenomMen hatte?
Um den nicht! Um sie, das Mädchen seiner Liebe, seine kleine, süße Gertrud. Er nannte sie mehrmals hintereinander mit diesem Nainen. und empfand nicht, daß es ein Unrecht sei: fühlte nur eine flutende Seligkeit und das Bewußtsein, daß er niemals auf- gehört hatte, rm Geiste vor ihr'zu fnien.^ Und lwenn jetzt Hauptmann Stebeke den Waldritt ausführte und nicht ans Ziel kam, dann — ja, du großer Gott —! Eine neue purpurne Welle flammte vor seinen Augen auf, sein Herz tat einen rasenden Schlag, sein Atem woljte aussetzen. Er fühlte, wie tief diese oft unterdrückte und bekämpfte Liebe mit ihm verwachsen war. Er wollte Geduld haben. Warten. Bor ihr knien, sie behüten'und trösten. Ader eines Tages, dann sollte Warten und Bangen zu Ende sein, dann wollte er sie an sich reißen. ^ i ■
Wenn Hauptmann Stebeke von dem Waldritt nicht zurückfand? — Ob sie wohl weinen würde, wenn — ? Er meinte ihr heißes, verzweifeltes Schlirchzen zu hören, wie sie sich in Schmerzen und Leid wand, und wußte plötzlich, idaß er sich'belogen hatte. Sie liebte ihren Verlobten. Aber dennoch, als Ersatz in ihres Herzens Not würde sie den alten Freund erhören. — Wenn —. Das genügte ihm. Er forderte keine Liebe. tNur das eine — sie. Und er jagte in rasenden Sprüngen mit dem Schimmel weiter: denn hier mußte Hauptmann Stebeke zu finden sein.
Eine eigene Sache, einen in den Tod zu schicken — auf Befehl freilich! Einer den Geliebten zu nehinen — auf Befehl freilich! — Na ja, vorwärts! Schön-Gertrud, du süßes, blondes, geliebtes! '
Ta war er — mit seinen Leuten. Kaum tausend Schritte weit weg. So, nun den Befehl! Was war das? Ein Brausen in den Ohren, ein Rückwärtsreißen wie durch eine eiserne Faust. „Darum, daß er sein Leben in den Dod gegeben hat" —. Die Stimme des Vaters! Das Lächeln der Mutter! Das Singen der Heimatglocken von dem schiefen Turm der Torfkirche!
Er riß den Schimmel herum. Nicht Hauptmann Stebeke sollte in die Waldparzelle hinein, nein, er — er wollte es tun! Ausreden gab'S schon nachher: Nicht gefunden. — Gut, gut! Wenn nur der Befehl ausgeführt war!-
Ter Oberstleutnant von Wilderich stand immer lwch auf dem Rande des Schützengrabens. „Kommt er denn noch nicht zurück, noch immer nicht?"
"Z'Befehl. nein, Herr Oberstleutnant!"
„Das ist ja unerträglich! — Jetzt —"
„Z'Befehl, ja. ich glaube —"
„Richtig, der Schimmel! Ha — endlich!"
Meldung. Hand am grauüberzogenen Helm: „In Waldparzelle 3 liegt eine Schwadron französischer Elser! Nicht mehr. Aber auch bundert Gesetze liegen fest im Schlamm. Z'Befehl, Herr Oberstleutnant!"
Ter Reiter taumelte plötzlich wie ein Trunkener. Jemand sprang vor und stützte die wankende, schlanke Gestalt des Oberleutnants, kräfttge Arme hoben ihn uuS dem Sattel, betteten ihn sanft. Handbreit floß ein Purpurstreifen über das schwärzliche Gran der zerfetzten Uniform: „Herr Oberleutnant — Metzner —" Ein Stetten! „Schießen gut. die Elser. War selbst drin.
Z Befehl!"
tiefes Röcheln, ein Blick gen Himmel. Vater und Mutter uvb Glockengesang vom Torfkirchlein. Und eine geliebte schlanke Madchenaestalt, der er ihr Glück bewahrt hatte. Und Engelreigen! Ueber allem aber das alte köstliche Jesaiaswort, die Verheißung der höchsten Seligkeit: „Darum, daß er sein Leben in den Tod gegeben hat —
vermischter.
. „ * Der April nach dem Kalender. Das Wort April ,oll herstammen von aperire «= öffnen, so daß also ylpril so viel wie Eröfsnungs- oder Frühlingsmonat hieße. Im altrömischen Kalender war der -lpril der zweite Monat im Jahre und hatte in brst mit der Julianischen Kalenderreform erhielt er
M Tage und wurde zum vierten Monat. — In manchen Gegenden Frankreichs wurde in der mittelalterlichen Zeit und darüber hinaus bis ins 16. Jahrhundert hinein das Neujahrsfest am 1. April gefnert. Als dann der Beginn des Jahres auf den 1. Januar verlegt worden war, wußten zunächst viele Leute, die
gewohnheitsmäßig ein Neujahrsgeschenk verlangt hatten, nicht recht, wann sie cs nach dieser Neuregelung verlangen sollten. So wurden sie am 1. Januar auf den 1. April vertröstet und an diesem Tage auf den nächsten Januar. Auf diese Weise soll das Wort „In den April schicken" entstanden sein. In unseren Breitegraden ist der April der unbeständigste Monat: seine Wetterwendischkeit tst sprichwörtlich geworden. Er bringt uns manchmal noch Frost und Schnee, dann aber auch oft schon schöne warme Tage, und manchmal toechseln Sonnenschein und schwere Regenstürze viertel- stundemveise ab. Unter Karl dem Großen erhielt der Llpril den Namen Osterinanoth und Ostermonat oder Ostermond uiid heißt
j 1 }. deutschen Bevölkerung auch jetzt noch vielfach. Bei der ländlichen Bevölkerung wird er auch ,wch Gras- oder Wiesen- uwnat genannt. Im ihm nimmt die Tageslänge um 1 Stunde 58 Minuten zu. Nach mitteleuropäischer Zeit geht die Sonne am 31. März um 5 Uhr 41 Minuten auf, und um 6 Uhr 29 Minuten unter, am 30. dlpril aber kommt die Sonne um 4 Uhr 35 Minuten hervor, und geht um 7 Uhr 21 Minuten unter. Am Morgen scheint die Sonne 66 Minuten, am Abend 52 Minuten länger. Die Tageslänge beträgt am 31. .März 12 Stunden 48 Minuten und am 30. April 14 Stunden 46 Minuten. Im Kalender der französischen Republik fiel der Tlpril bis zum 19. in den Germinal- oder Keim- und Sprvßmonat und vom 20 ab in den Florsal oder Blütenmonat.
* Feldmarschall, Doktor. Tie Tatsache, baß Feld- Herren zu Docbores honoris causa ernannt wurden und auch dieser Tage einem Oberst im Großen Generalstab diese akademisch« Wurde verltelxm worden ist, erinnert an zwei hübsche Blücher- Anekdoten. Als Blücher seine Ernennung znm Ehrendoktor erhielt, äußerte er: „Wenn sie mich zum Doktor machen, so muß mein Gneisenau mindestens Apotl-eker werden." Als dann nach dem Kriege, am 5. August 1814, Blücher beim Staatskanzler Fürsten von Hardenberg zum Festmahle geladen war, befand sich der Gehermrat Dr. Heim, der berühmte und in Berlin ungemein populäre Arzt, unter den Festgästen. Heim ergriff die Gelegenheit, seinen neuen „Kommilitonen" zu feiern und erhob sein GlaS mit den Worten: „Es lebe der junge Doktor, Fürst Blücher". Sogleich erhob sich der gefeierte Feldherr und erwiderte: „ES lebe der Fetdmarschall der Doktoren, mein Kollege Heim!"
'Russischer Befähigungsnachweis. Wie man in Rußland einen Posten erhält, teilt Mar Eyth, der deutsche Schriftsteller nnd Ingenieur, in seinen Briefen mit. Eine Schulden- ttlgungsbehörde wurde aufgelöst. Ein bei ihr beantteter StaatS- rat sollte anderweitig verioendet we den. Nichts war frei als die Leitung eine« SalzwerkS. Ter Minister stagt den Staatsrat : ,Ver- sieben Sie etwas von Salz?- Er antwortet: „Ich weiß, daß das Salz bte Würze des Lebens ist.- Minister: .Das ist nicht viel. Aber ich denke, es genügt." Und e« genügte.
* „Doh geiht mer kapott." Ein echter deutscher Soldat kennt kern Wanken und Weichen. Die Disziplin ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen, und wo die Pflicht ihn hingestellt hat, bleibt er stehen, es mag da kommen, was will. Ein sehr lustiges Stückchen, das diese Tatsache mit einem drolligen Beispiel belegt. wurde von einem braven Kölner 1870 auSgeführt. Die Abteilung lag auf Schloß Marrs in Repli, und es wurden wie gewöhnlich Posten ausgestellt. Plötzlich schlug eine Granate in den Garten ein. Man glaubte anfangs, es sei nur ein Schreckschuß, doch fielen gleich darauf zwei Granaten ins Schloß, eine dritte nahm das Dach weg. Auf Kommando ergriff ,eder Gewehr und Gepäck, um nach den Laufgräben zu gelangen, während eine Granate nach der anderen einschlug. Durch einen Weiher, der mit einer dünnen, sofort brechenden Eisdecke überzogen war, mußte man waten, —> manchem ging das Wasser bis über die Schultern, doch rettete man sich bis auf einen Kölner, der vor dem Schlosse auf Posten gestanden und nur ein kleines Stückchen Mauer als Deckung hatte. Das wurde zusammengeschossen, alle gaben ihn daher verloren und bedauerten schon den Tod des braven Kameraden. Wer beschreibt aber die Frestde, als der brave Kölner endlich lieranmarschiert kommt und sich beim Kompagniesührer, mit der linken Haiid aufs Schloß deutend, in echtem Kölner Dialekt meldet: „Herr Leitenamb, muß ich dann doh stunn blieve, dat hält fei Minsch uhs, doh geiht mer kapott?" Trotz des Ernstes der Sittlation imißten alle lachen. Der brave Soldat hatte von 18 Granaten, die der Feind ausÄ Schloß gesandt, 14 auf seinem gefährlichen Posten auSgehalten und sich vletleicht noch unerschrockener gezeigt als manckm: in der Schlacht.
Ergänzungsrätsel.
S..g u.. .k.g.
W.ch.t .a. T.g.;
M.ß. .t. .e.j.g.n O..r e..r.g. n!
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogripys in voriger Nummer r Säge, Sage.
Kchriftleitung; Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'scken UniversitälS-Vuch- und Ctetndruckerei. R. Lange, Gießen.


