einem Abteil -weiter Klasse, und auch sonst befand sich anscheinend niemand im Wasen. ES war also efcjufaJ um mich verum, und so schlief ich denn ein, nachdem wir DNnden passiert hatten, ö« war gegen drei Uhr. Wie lange ich geschlafen habe, weiß ich nicht, darauf kommt hierbei auch nic^s an.

Mötzlich höre ich einen lauten Ruf:Hannover, fünf Minuten Aufenthalt!" Schlaftrunken fahre ich auf; da steht ein Bahn- heamter an der Wagentür. die er aufaerissen hat. Fünf Minuten, sage ich mir. Du Mlst hier ja ein Glas Bier trmken! Ich ver­lasse also den Wagen, schlafe die Tür hinter mir yn und gehe trotz meiner Schlaftrunkenheit schnell in das Restaurant zweiter Masse. Hier trete ich -um Büfett, lasse mir ein GlaS Bier geben und

Nach etwa vier Minuten verlasse ich das Restaurant und kehre auf den Perron zurück. ^ ^ ,, .

Und da denken Sie sich ist mem Zug verschwunden. Ich blicke erstaunt herum und sehe mitten auf dem Perron mein Gepäck, einen Handkoffer und den Regenschirm.

Bor Erstaunen war ich ganz außer nrir. Ich hatte weder das Lauten noch das Pfeifen gehört."Das war ja damals noch üblich, ebenso wie das Wort Perron." unterbrach sich der Erzähler.Nirgends eine Spur von einem Zug zu sehen! Ich stand vor einem Rätsel. ,

Mein Erstaunen wuchs, als ich auf che Bahnhofsuhr und meine Taschenuhr sah: beide zeigten fünf Minuten vor fünf.

Da hast du ein paar Stunden geschlafen!" sagte rch mrr emen Moment, aber sofort fiel mir ein, daß ich ia dann längst m dev Nähe von Magdeburg fahren müßte. Und ich stand doch auf dem Bahnhof in Hannover! .

Ganz aufgeregt begab ich mich nun zum Stationsvorstand. Wo ist denn mern Zug geblieben?" fragte ich in meiner Ver­wirrung.

Ja welcher Zug denn?" erwiderte der Assistent, der »urzett gerade Dienst hatte.Hier laufen viele Züge auS und ein!"

Der Zug nach Magdeburg," rief ich.Ich bin eben von Biele­feld im Schnellzug angekommen und will nach Magdeburg weiter­fahren !"

Kann ich einmal Ihr Billett sehen?"

Jawohl, bitte, hier!"

Hm. richtig, durchgehender Schnellzug von Bielefeld nach Magdeburg!" sagte der Assistent verwundert.Sie sagen, Sie seien eben erst angekommen?"

.jawohl, vor vielleicht sieben Minuten stieg ich aus dem Schnellzuge aus und ging ins Bahnhofrestaurant. um ein Glas Bier zu trinken. Wie ich auf den Perron zurückkomme, ist der Schnellzug fort und mein Gepäck steht da! Hier habe ich es!"

Das ist mir unerklärlich!" sagte der Beamte, ern ruhiger, anscheinend sehr besonnener Mann.Wie ist denn das nur mög­lich? Es ist jetzt fünf Uhr. und um diese Zeit kommt kein Schnell­zug von Bielefeld an. Saßen Sie denn im richtigen Zuge?"

Jawohl, ich bin in Bielefeld abgefahren, bin durch Minden gekommen, habe dann kurze Zeit geschlafen und bin hier in Han­nover vor wenigen Minuten angekommen und durch den Schaffner geweckt worden."

Der Beamte schüttelte den Kops. Wir redeten noch lange hin und her, aber konnten uns nicht einigen. Der Assistent blieb da­bei, und er zeigte es mir auch auf dem Fahrplane, d< der Schnell- zug von Bielefeld um drei Uhr angekommen sei. und ich blieb da­bei, daß ich vor einigen Minuten, also kurz vor fünf Uhr, ausge- stiegen war. Schließlich ging ich ganz aufgeregt hinaus und rief noch:Na, dann muß ich verrückt gewesen sein!"

Ich begab mich ins Bahnhofsrestaurant und fuhr dann mit dem nächster! Schnellzug, der gegen sechs Uhr ging, nach Magde- brrrg. Weil ich mich genierte, erzählte ich sonst niemand meine Geschichte, ich erkundigte mich aber so ganz nebenher beim KeUner und bei einem andern Reisenden über die Züge und erfuhr von ihnen dasselbe wie von dem Assistenten.

Die Sache ist mir noch heute es sind nun ein paar Jahre her ganz unerklärlich. Ich habe schon manchmal darüber nach- gegrübelt und bin ganz melancholisch gsvorden. Es ist doch auch schrecklich, wenn man daran denken muß, daß man einmal eine Geistesstörung gehabt hat! Was mvinen Sie nun," fragte er schließlich in traurigern Tone,können Sie sich die Sache anders erklären?"

Nun, meine Herren" fuhr Neuert fortfinden Sie eine Erklärung? 9luch nicht? Also weiter! Während mir mein Reisegefährte seine seltsame Geschichte erzählte, gingen mir allerlei Erinnerungen durck> den Kopf. Hatte ich das nicht alles schon einmal in der Zeitung gelesen? Mehr und mehr kehrte mir die Erinnerung zurück, und als er dann mit seiner ttaurigen Frage schloß, war ich mir klar.

Ja, ich kann Ihnen die Sache erklären!" sagte ich und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.

Wie?" ries er ganz erstaunt.

Ihre Geschichte hat in den Zeitungen gestanden," fulw ich fort,und zwar, wie ich mich erinnere, zuerst in derKölnischen Zeitung". Es muß im Jahre 1899 gervesen sein."

Jawohl, das dürste stimmen!^ rief mein Reisegefährte in höchster Spannung.

Nun, dann will ich Ihnen erzählen," sagte ich.rvas ich dort gelesen habe. Ms Sie damals das Zimmer des diensttuenden Assi­

stenten verlassen hatten, steckte ein Rangierer den Kopf in oie Tür und fragte mit geheimnisvoller Miene: ,Ls hei weg?"

Wer denn?" fragte der Assistent.

Na, der Kerl, der eben hier war!" Und nun teilte er denn. Folgendes mit:

Ms der Schnellzug um drei Uhr eingelaufen war, erhielt der Rangierer vom Zugführer den Auftrag, den letzten Wagen des Zuges abzuhänaen und ^ur Ausbesserung in die Reparaturwerkstatt zu bringen. Erinnern Sie sich, daß Sie im letzten Wagen saßen?"

Allerdings, ich erinnere mich! Doch bitte weiter!" rief mein Reisegefährte.

Der abgehängte Wagen," fuhr ich fort,konnte nun nrcht

G leich in die Werkstatt gefahren werden, er wurde zunächst auf ein tebengeleiS geschoben und ttaf erst etwa halb fünf Uhr in der Werkstatt ein. Der Rangierer warf zufällig einen Blick in ein Fenster und sah dort eine Reisetasche. Er forschte weiter nach und erblickte dann auch den dazugehörigen Reisenden, der sanft schlief!" Und das war also ich?" stagte mein Gegenüber gespannt. Mlerdings! Was nun tun? Kurz entschlossen legt er die Rangiermaschine wieder an den Wagen und fährt ibn nach dem Personenbahnhöfe zurück. Kaum steht der Wagen, da reißt der Rangierer die Tür auf und ruft:Hannover, fünf Minuten Aufent­halt!" Sie stiegen nun aus und gingen sofort ins Restaurant. Eiligst stellte nun der Mann Ihr Gepäck auf den Perron und ver­ließ mit Maschine und Wagen den Personenbahnhof."

Ach!" seufzte mein Reisegefährte tief auf.Das wäre also die Lösung des Rätsels! Der Stationsassistent hat dann sicherlich nichts von dem Vorfahren des Wagens gesehen!"

Anscheinend. Und hinterher hat er es auch für rätlicher ge­halten. Sie nicht aufzuklären."

Sie glauben gar nicht, wie dankbar ich Ihnen bin!" sagte nun mein Reisegefährte.Mso keine Geistesstörung!"

.Meinl" rief ich laut lachend.Nur der ingeniöse Einsal» eines Rangierers, einen Schnellzug zu imitieren!"

Darum, dah er sein Leben in den Tod gegeben....

Bon I. Hel d.

Nun war es beschlossen! Oberstleutnant von Wilderich als er mit sich fertig geworden, noch einmal über die blonden un! braunen Köpfe seiner Offiziere fort, weil er auf dem Rande des Sckpitzengrabens, in dem sie lagen, stand, und gab dann seinen Befehl. Er klang kurz und scharf durch den verdämmernden ?lvril- abend, zu dem hinüber, für welchen er bestimmt war:Herr Ober­leutnant Metzner, nehmen Sie das Pferd, das Kruse ll bereits anführt, und reiten Sie unverzüglich zu Hauptmann Stebeke. Jmi Galopp, wenn ich bitten darf. Befehl: Hauptmann Stebeke soll sofort die SteUung des Feindes in der Waldparzelle 3, Karte Karree 6 erkunden und bier Meldung machen!"

Oberleutnant Metzner schlug die Hacken zusammen und stiea mit steifen Knien aus dem Bau aus Erde, Schlamm und Dunst in die frische Lust empor. Dabei dachte er mechanisch:Na, da

S * 'iete ich aber dem Stebeke. In der Waldparzelle sitzt d« , und wenn er wirklich die geforderte Meldung macht, barm geht's nicht mit rechten Dingen zu." Und während er den Schimmel, der schon bereit stand, bestieg, durchfror ihn ein seltsames Zittern.

Wenn der Hauptmann Stebeke stel. Er gab sich einen Ruck und saß aufrecht und steil im Bügel. Er sprengte vorwärts, im Galopp, wie der Oberstleutnant es befohlen hatte. Aber die Ge­danken flogen mit: Wenn wenn. Und aus dein Dunst des weichen dlprilabends rang sich eine schlanke, schmale Frauengestalt

und lächelte ihm entgegen. ,

Er kannte sie gar wohl! Hatte er doch vier lange Jahre nichts anderes gedacht, als daß sie einst sein Weib sein würde. Dann aber kam Hauptmann Stebeke dazwischen. Noch war ja kein Wort von seinen Lippen gekommen, das die schöne Gertrrrd Barberlein gebunden hätte. Und das war sein Fehler gewesen. Nun sprach der andere. Ehe er auszog, steckte er den Rrng an die Linke der lieblichen Gertrud, und wenn er heim!kaM, dann gab es Öock>zeit!

Wiederum ein wenn.

Er würde aber nicht heimkommen von diesem Waldritt! Drei andere Kameraden lagen dort auch irgendwo, und, wenn die Braut den Schmerz überiounden haben würde, dann kam er. Sie war jung, und sie hatte ihn gern gehabt! Mehr als das? Wäre er nicht so voller Bedenken und Erwägen gewesen, gehörte sie letzt ihm. Das halte er oft genug gefühlt. Nur seinem Zaudern rvar es zuzuschreiben, daß sie lick) schnell für den anderen entschied. Plötzlich färbte eine heiße Welle der Sckxrrn seine Stirn. Er be­log sich ja in diesem Mgenblick? Sie liebte ihren Verlobten, und für ibn hatte sie niernals andere Gefühle, als rein schwesterlickre und steundschastliche gehabt, dlber trotzdem wenn der andere nicht gewesen wäre, oder jetzt plötzlich verschwände ° / J a , Skwih sogar! Und der Oberleutnant Metzner spornte den Schinmrel und tagte wilder geradeaus! Wenn wenn . . .

Er wollte nicht mehr an sie denken. Er zwang sich zu sesd- täglichen Gedanken; denn es war heute Karfreitag, und das Oster­fest war nahe. Ein Tag des Opferns nach dem göttlichen Vor­bilde! Ein trüber Tag. Und die Kindbeit erstand ihm ans dem Nebel. Er sah sich tvieder in dern alten Pfarrhauke. das sein Eltern­haus unrschiloß, hörte die tiefe, milde Stimme seines Vaters, und