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und in die Kutsche des Kardinals, die ich rmtnehme, werden zwei Damen steigen, die ich lange nicht gesehen. Mr werden ein hübsches .Festmahl Huben, und ein gewisser Herr Durante wird mir die Stiefel auszieheu. Ist doch eine luftige Welt!
Weit voraus in der Finsternis des späten Abends erschienen zitternde Lichter. ,
„Attention!" rief Jan leise zurück und nahm die Zuge! fester.
Man hörte das Knacken der Musketenhähne. Nach einer Viertelstunde vorsichtigen Reitens waren die Lichter größer und stiller geworden. Jan sah, daß sie aus einem U1W> heuren schwarzen Mauerkoloß schimmerten.
„Galopp!" , ^
Die Pferde jagten los. Da tauchte eine lange Reihe beleuchteter Fenster aus der Finsternis. Fast schien es, als flögen Geigenklänge herüber. Zackerbombenundflöh die hatten nicht mit Jan de Werth gerechnet. Er wird ihnen „Guten Abend" sagen, det Jan! — In der Tat Musik! Jst's ein Fest, komm' ich m Gast, dachte Jan. Fern tauchten die Türme von Corbeil aus dem grauen Dunkel. Was tut's! Ehe die guten Bürger erwachen, habe ich meinen Nachttrunk in angenehmer Gesellschaft gemacht.
Sie kamen auf guten Weg. Die Hufe klapperten Im Bogen schwang sich die Straße vor das Schloßportal. Dort schlugen Hunde an. Windlichter blitzten aus. Mau sah Leute, die, eine Hand über den Augen, in die Nacht spähten.
Jan ritt vor.
„Guten Abend, meldet einen späten Gast. — Wie heißt euer Herr?"
„Herr de Jussac."
„Nun gut, meldet also einen Gast, der die Füße ein wenig an das Kaminfeuer stecken möchte. Und kein Einwenden, Bursche, macht voran!"
Jan lächelte behaglich und strich sich den Schnurrbart. Dann schwang er sich aus dem Sattel und nahm die Zügel über den Arni. Oben brach die Musik ab. An den Fenstern zeigten sich Gesichter. Damen waren dabei. Zackerbombenundflöh, sollen sich nicht stören lassen. Jan tanzt mit.
Endlich erschienen auf der Höhe der geschwungenen Marmortreppe, im Schein zweier mächtiger Bronzekande- laber, geputzte Menschen. Ihnen voraus schritt vorsichtig und ängstlich ein kleiner Alter, dem eine schlanke, bleiche Dame zur Seite ging. Jan machte einen Schritt vor, Und als das Paar den untersten Treppenabsatz erreicht hatte, sagte er:
„Verzeiht —"
Aber sofort stockte er. Die großen traurigen Augen der Dame, die auf ihm ruhten, machten ihn verwirrt. Weshalb- nur? Er wußte es nicht.
„Verzeiht," sagte er lauter, ich bin der von Werth—"
Doch da stieß die Dame einen leisen Schrei aus, ließ ihren Begleiter frei und hielt sich an der Treppenbrüftung fest.
„Fürchtet Euch nicht," fuhr Jan fort und lachte.
Aber oa erschien oben aus der Höhe der Treppe eine zweite Dame, lehnte sich weit über das Geländer, und plötzlich ries sie laut:
„Jan, Jan!"
Und fuhr im Sturm die Stufen herab und ries in einem fort: „Jan!" und hing Jan am Halse und stammelte: „Jan, bist du endlich da?"
Jan lies es kühl und kribbelnd den Rücken hinab', und seine Knie begannen zu zittern. Das war Griet, ein wenig älter als damals, aber cs war Griet. Da wußte er nichts anderes zu tun, als unbändig zu lachen und zu rufen:
„Zacker—bomben—und—"
Aber dann wurde sein Lachen seltsam unnatürlich und war nur noch ein lautloses, inneres Schütteln, und Griet fühlte ihre Haare, in die Jans Gesicht gewühlt tvar, feucht werden.
Plötzlich fuhr er herum:
Kerls, blast! Blast, daß euch die Lunge platzt!"
Dabei klang seine Stimme so wütend, daß die zwei Dragonertrompeter durcheinander bliesen, was das Zeug hielt, mit aufgeblasenen Backen, hochrot und mit starren Augen.
„Griet!" sagte Jan da zum erstenmal und sah in ihr tränenüberströmtes Gesicht.
„Komm," sagte sie selig lächelnd, „hier ist Marie-Anne fe- setzt Frau de Jussac."
. „Ihr kommt ein wenig spät, Herr Jan, aber es ist nicht Eure Schuld. Und dieses ist mein Gatte."
Es wurde nicht mehr gesprochen, nur die Trompeter bliesen noch.
Seid still, Kerls!" schrie Jan.
„Mso geht Ihr nicht mit mir?" fuhr er leise fort.
„Nein, Herr Jan. Jetzt — ist's zu spät." .
Herr von Jussac trat einen Schritt vor, und fern Mund bewegte sich.
„Mein Herr, sagte Jan, „ich bin Jan de Werth, Ihr versteht! Und wenn ich Euch raten darf, so bedenkt, daß diese Dame unter meinem Schutze steht. Wenn ihr sie beleidigt, so stürzt Euch lieber gleich in die Seine, denn ich mache sonst Zügelriemen aus Eurem Fell." ?
„Herr de Werth —!"
,^Jawohl, geht immerhin nach England, m^in Herr, oder nach Polen. Aber ich mache Zügelriemen aus Eurem Fell' Zackerbombenundflöh, so wahr ich Jan heiße."
„Eccellenza, in Corbeil wird man munter. Es sollen zwei Regimenter dort liegen’" sagte Jans Wachtmeister eindringlich.
„Wir reiten. — Fragt nach Jan de Werth", sagte er zu Marie-Anne, „und jeder Bauer wird Euch sagen, wo ich zu finden bin, wenn Ihr mich braucht. — Griet; gehst du mit mir?"
Griet hatte sich frei gemacht, als der Wachtmeister Jan mit Exzellenz anredete. Sie stand betreten beiseite, und ihre Lippen bebten.
„Mitgehen?"
„Hätte nicht gedacht heute morgen, als ich in den Sattel stieg, daß mein Hochzeitstag sei. Vorwärts, Griet!"
^,Mit — dir, der — Exzellenz?"
„Nein, mit mir, dem Jan!"
„Nehmt einen Trunk, Herr Jan," sagte Marie-Anne und bot ihm selber den Becher. Er trank ihn aus, die Augen fest aus sie gerichtet. Dann wendete er sich ab.
Zwischen Pferd und ihn trat Marie-Anne, rasch, als wollte sie ihn zurückhalten.
„Herr Jan —!"
Sie faßte seine Hand. Sie Bang nach Worten. Endlich stieß sie hervor:
„Seid gesegnet, beide!" Sie wandte sich ab und verschwand im Hause.
„Komm, Griet!"
„So, wie ich bin?"
„So, wie du bist."
Er sprang in den Sattel und hob sie empor und setzte sie vor sich, den rechten Arm um sie geschlungen, die Linke hielt die Zügel.
So ritt er los, trab, trab, aus und ab . s *
„Mein Jan!"
„Süße Griet!"
Trab, trab, auf und ab> .,«
„Weißt du noch — V
„Hast du zuweilen an Köln gedacht, Griet?"
Trab, trab, auf und ab . . .
„Blast das Lied vom Winterkönig," rief Jan. „Und singt dazu!"
Sojort bliesen die Trompeter los, die pulverdamps- rauhen Kehlen der Dragoner sielen ein, und über das nächt- liche französische Land scholl das lustige und trotzige Lied: „Herr Kurfürst Friedrich von der Pfalz,
Einen Winter lang war er König —"
Und nach jedem Vers, wenn es stille wurde, stießen die Dragoner sich gegenseitig in die Rippen, denn da vorn, wo in der Dunkelheit das Pferd des Generals kaum noch zu sehen war, klang es wie von derben, sehnsüchtigen Kliffen. —
(Fortsetzung folgt.)
Der feige Hans.
Von L. Malten.
Hinter Goldap an der Romintener Heide lag sein Hof. Das Häusä)en mit dem buntbesäten Blumengarten davor lehnte sich an einen breiten Ausläufer des Waldes. Friedlich beschattet lag's, warm und geborgen hinter den starken Laub- und Nadel riesen. Wie ein kleines Eiland der Ruhe. Uird das war es nicht nur äußerlich. Wer die alte Großmutter hinter den sauberen Gardinen sitzen sah, wie sie das silberne Haupt zur Andacht neigte, wie sie dann mit der alltäglich gleichen Bewegung die Hornbrille an der Nase


