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unaufhaltsam nach Süden, und seine Feldzeichen spiegelten sicy in der Donau und im Lech
Maximilian suchte der, schwedischen König mit den Stricken listiger Verhandlungen zu sesseln. Gustav Mols aber lächelte:
„Der Max trägt eine doppelte Casaque: steckt heute rot und morgen blau heraus Vorwärts"
Tilly wurde abgesetzt Wallenstcin gab dem Flehen des Kaisers nach und erlaubte cs, daß man ihn wieder Generalissimus nannte.
„Hilf nur", bat Maximilian.
,-Dir helfen?" sagte der Böhme. „Du kannst mir auswarten und die Pike tragen."
Und der Schwede überschritt die Donau und setzte an zun, Sprunge über den Lech.
Da reckte sich Tilly noch einmal auf, warf Scl-anzen auf und seine sccbsunddreißig groben Kanonen brüllten zuversichtlich über den Lech: Nicht lveiter!
Aln'r der Schwede sprang zu urrd stand in den ligi- stischen Batterien, iutb als Jan am Abend in Ingolstadt von der Bastion nach Westen sah, beschiel, eine abenteuerliche Itöte der letzten Sonne zerrissene, schreckslarrende bayrische Kaufen Hub du ganze planlose Flucht eines geschlagenen Heeres. die auch den sterbeirden Tilly mit sich schwemmte, brach in Ingolstadt ein. Mit der ersten Tageshelle spie der Qualm brennender Dörfer, der den ganzen Horizont bedeckte, die blanke Srahlschlangc der Schweden aus und Jan, der von der Bastion nicht gewichen war, lieb Alarm blasen und rief einen Veteranen zu sich, der neben ihm stano:
„Sieh dort — jener Mann dort — aus dem Schimmel —"
„Ist Gustav Adolf?"
„Jst-ers?! Ich will ihn, guten Morgen sagen!"
Er schob die Feuerwerker beiseite, richtete die Kar- taune und setzte selbst die Lunte auf.
In den betäubenden Krach mischte sich das Judel- aeschrei der Soldaten: der Schimmel wälzte sich am Boden. Bier, fünf koaliere hoben den König aus, und alle sprengten im Galopp auseinander.
Kommt jetzt der Angriff? Jan eilte in die Stadt, er war der erste an dem bedrohten Tor. Weshalb konimen sie nicht?
Der Kurfürst kam heran Sein Gesicht lvar grau.
„Ltzerth, der General Tilly ist tot."
„Erlaubt mein Herr Kur ürst, ba& ich Kundschaft reite?"
Maximilian zoa die Schultern:
„Mein armes Bauern?"
Aber Jan ritt mit dem Regiment, das seinen Namen trug, aus dem Tor. Er ritt erst vorsichtig, dann kühn, endlich Galopp die Schiveden waren M'rschwunden. Nur ein paar Nachzügler sing er Man kitzelte sie ein wenig mit dem Degen, und sie sagten, tvas sie wussten.
Der Kurfürst tvohnte bei den Jesuiten. Er erneuerte in seinen wehmütigen E^edanken die Ttrae der sorglosen Jugend, die er bei eben diesen Jesuiten erbracht halte, und betete, und grübelte und betete wieder.
Gegen Mitternacht stand Jan vor ihm:
„Die Schweden z,ehn auf Regensburg!"
Maximilian wurde noch fahler und seine eiskalten Hände l>erkränksten sich ineinander. „Steh mir bei. aller- heiligste Jungfrau! Aus Regerrsburg? Und Regensburg stinkt nach Ketzerei aus jedem Haus. Es wird schon jetzt das Feier- lagsgewand anlegen, um die Schweden mit Jubel zu empfangen. — Ich dank Euch, Werth. Geht. Und betet für Bal-ern."
Jan stand steif und kalt wie ein Pfahl.
„Beten, kursürstlick-e Gnaden, ist nicht mein Metier. Mir ist, als lvenn mein Degen in der Scheide bebte. Gebt ihm Arbeit."
Der Kurfürst wandte sich langsam ab:
„Ich habe keinen Befehl für Euch."
... P cr 9 n & Iun den Respekt und trat klirrend zwischen Vcaxuniltan und den Betstuhl.
„Und wollt Negensburg dem Schlved an den Hals wer- xn, tute ein schlechter Vater sein blühend Kind?! Da sei l5ott vor!"
„Werth —! Ich bin Euer Kurfürst."
Aber Jan brach los.
. „Lasst zwei, drei Regimenter aussitzen, Dragoner-Mus- ketters dabet, gebt dem Korps einen herzhaften Befehl, als
einen Tritt in den Hintern, und in zwei Stunden prallts in Regensburg ein. Aber keines Augenblicks Zögern mehr, Zackerbombenundslöh? Sagt: ,Werth, reit' los!' Mein Gaul steht noch vor meines Kurfürsten Quartier! Und wenn morgen früh nicht ein lachender Bote vor Euch steht: Werth ist in Negensburg und Regensburg wird gehalten, so will ich von meinen Trotzknechten mich an den nächsten Baum ausknoten lassen."
Der Kurfürst sah ihn an:
„Ihr sprecht wie der Pappenheimer."
„Pappenheim ist tot, ick) bin der Werth."
„Aufsitzen Werth! Und wenn Ihr Regensburg haltet — ich bin Euer gnädigster Kurfürst."
„Pipen und Flöten", brummte Jan und war unten wie der Blitz. Die gellenden Signale der Trompeten alarmierten seine Regimenter.
„Aufsitzen und Marsch", und dreitausend Dragoner- Musketiers und Kroaten galoppierten los, am linken Donauuser entlang, indessen die Schweden am rechten User langsam dahingingen, unb parierten erst ihre Pferde vor Regenburgs Toren, in deren geöffneten Schlünden schon die Bürger geputzt und behäbig standen und der Schwedischen tvarteten.
Als sie die neuen Gäste erkannten, schrie's durcheinander:
„Zu den Massen —! Das Gatter nieder!"
Aber Jan war schon mitten unier ihnen und nach einer Stunde hockten die entwassneten Bürger fluchend in ihren Kammern und die bayrischen Banner lachten laut im frischen Wind von den Zinnen.
Negensburg, die starke Festung, das Tor Bayerns, war für das Land gerettet. Der Kurfürst zog ein. Jose Maria riet Jan, sich zur Audienz zu melden, aber Jan meinte, er Hab es nicht des Danks wegen getan. Da Wallensteins Werbetrommel einhuttderltauiend Mann in Böhnten zusammen- führre, wich Gustav Adolf nach Norden. Um seine Nachhut liest Jan seine Reiter schwärmen. Dann brachte er die aufrührerischen bayrischen Bauern zur Nä on, die schon gemeint hatten, mit den Schweden käme die goldene Zeit: uub wo er Kunde erhielt, dah die zerstreuten Besatzungen des schtvedischen Königs sich nach Nürnberg schlichen, unt die Position gegen Wallenstein zu Hallen, fegte Jan in eittem frischen Sturm heran, brach nachts in die Quartiere (die Uebersalle- nen schliefen gleich weiter — in den Tod hinüber) und tvar mit ben eroberten Gäulen und Kanonen davon, ehe die Hähne zum ersten k.ähten.
Da begannen die ziehenden schwedischen Regimenter eiliger nach Nürnberg sich zu drängen, wo ihr König den schützenden Mantel offen hielt. Aber zuweilen, wenn sie schon meinten: jetzt mühten sie aus landsmännische Streifkorps stosten, sprang ihnen der Werth an den Hals und biß sie zu Tod.
Da geschah es, daß Gustav Adolf jeden Morgen zu fragen lernte:
„Wo steckt der Werth?"
Und manchmal wurde ihm die Antwort an der Abend- tafel durch einen blutenden und schmutzbedeckten Reiter
„Der Werth? Majestät — der Werth war zur Nacht da — oder dort. Ihr sehts an mir."
Und auch der Kurfürst Maximilian, der in lächelnder Wut neben seinem Todfeind Wallenstein vor Nürttberg kampierte, fragte jeden Tag:
„Wo steckt der Werths
Aber er fragte cs grollend, und seine Generals grollten nn Chorus mit, denn sie hatten es nie erlebt, daß ein Offizier so tnt Lande herumfuhr. Und als Jan eines Tage§ vor dem Kurfürsten stand, ein breites, bergwasserhelles Lachen auf dem Gesicht und seine drei Wachtmeister jeder zwei Arme voll feindlickxr Standarten klappernd auf den Boden warfen, und als er austerdem noch einen frischen, herben Hauch durchjagter Sommernächte mit hineinbrachte, krümmte Maximi- ltan seinen grauen, vom Beten und Fasten entkräfteten Körper noch mehr zusammen und stich böse heraus:
„Ihr haltet keine Order."
Jan hiell's für einen Scherz und strich sich nur lachend den Bart.
,-Doffe, mein Herr Kursürst ist es gnädigst auch so zu- friedett."
,^Jhr habt zu gehorchen und nichts zu tun als zu gehorchen!"
„Wem?" fragte Jan schnell und sein Schnurrbart begann zu beben. „Vielleicht allen denen, die dem Tilly den Degen sesthiellen? Unt die gemeinsame Sache stünd's besser.


