Jan von Werth.
bioman aus dem Dreißigjährigen ^rtojjc von Franz Herwi-g.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Richtig, Ihr erinnert mich zur rechten Stunde. Der satter »prach auch mir davon, daß Euer Storps in Böhmen wohl zu gebrauchen wäre. Ich empfehl' Euch, tut ihm den .Gefallen."
„Bin dem (Kurfürsten geschworen."
„Und die gemeinsame Sache?"
„Macht ihr klugen Herren unter euch aus."
„Das ist's ja," rief Jan und stand auf. „niemand weiß, woran er ist. Ein Dutzend Stimmen kräht durcheinander. Der Teufel kenne sich da aus!"
„Und wen wollt Ihr zum Kurfürsten schicken?"
„Werth. — Ja, dich, Hans. Kannst dir dein Maul verbrennen bei dem Alten!"
„Bin ich recht unterrichtet, daß der Herr Oberst Werth vor Mantua war?"
„Ja, und mit großen Meriten."
„Ich rat' Euch, schickt einen andern. Euer Kurfürst sieht nicht gern Gesichter, die an Mantua erinnern."
„Was?" rief Jan und schob sich näher. „Haben wir uns nicht brav gehalten? Ehre eingelegt für die deutschen Waffen?"
„Eben drum." Der Rat lachte spöttisch.
„Versteh' ich nicht."
„Ich möcht's Euch erklären."
„Sprich", sagte Aldringhen.
„Die Herren werden wissen — aber ich habe das Versprechen, daß alle — ?"
„Verschwiegen sind, jawohl."
„Die Herren wissen also, daß damals, als die Forderung an den Kaiser ging, Wallcnstein abzusetzen —"
„Der Teufel hol' alle, die den Einschlag ausgebrütet. Ja, und dem Kurfürsten mag's hinterbracht werden —"
Man rief durcheinander:
„Hinterbringen?" — „Wer soll's hinterbringen?" — „Sind hier Verräter?" — „Ruhe! Ruhe!"
„Ferdinand mußte nachgeben. Denn Euer Kurfürst drohte, sich fonft und die Liga mit Frankreich zu verbinden." (Jan schlug auf den Tisch.) „Damals wollte man sich einigen: dem Kurfürsten wird der Fahneneid geschworen, Tilly wird Oberbefehlshaber der ligistisch-österreichischen Truppen, aber er muß den Befehlen des Hofkriegsrats folgen. Wallenstein wird Oberbefehlshaber in den Erblanden und in Italien."
„In Italien auch?"
„Ja, und das wollte der Kurfürst nicht. Ihr müßt wissen, daß der Herr Kardinal Richelieu Partei für Italien ergriff: »denn er fürchtete Wallenstein. Der Kardinal drohte also Maximilian: entweder wird der Böhme ganz ausaeickal-
tet und der Kaiser macht Frieden in Mantua oder — bde Liga hatte auch gegen Frankreich zu kämpsen. Also ging der Kurfürst her unb drohte dem Kaiser abermals, daß er mit der Liga sich zu Frankreich schlagen wollte, und der Kaiser mußte — versteht Ihr? — mußte in Mantua Frieden machen."
„So also", rief Jan, „sieht der Kurfürst aus! Mit dem Kardinal Walfisch sich verbinden!"
„Uiid durch ihn mit Schweden", setzte der Rat nachdrücklich h!n;u.
Die Offiziere schwiegen alle miteinander. St. Georg begann mit der Ave-Maria-Glocke anzuschlagen, denn seine Turme umspielte schon der Goldstrvm des Abendlichtes. Da neigten sich alle Häupter, und die Hände ließen die Becher fahren und verschränkten sich im Gebet.
„Du hast mir da Skorpione ans Herz gesetzt", sagte Aldringhen später zu Reumann, und er war wieder vollständig ernüchtert. „Leg' dem Kaiser meine Reverenz zu Füßen und sag' ihm — der Eid — der verfluchte Eid!"
Reumann nahm seinen Arm und ging mit ihm langsam die geschwungene Treppe hinunter.
„Ich sehe es wohl, der Eid bindet Euch. Geht also immerhin zu Tilly. Aber Ihr würdet Euch dem Kaiser wohlgeneigt machen wenn Ihr uns ab und zu eine vertrauliche Relation aus dem Lager Tillys schicken würdet. Ihr versteht —■ was Tilly vornimmt, was er plant, wie er denkt; und spricht. Denn ich hoffe, das geht nicht gegen Euren Eid."
„Rein, das nicht", sagte Aldringhen nachdenklich.
„Und schickt den Werth immerhin zum Kurfürsten. Mag er sich giften."
Jan aber ging in sein Quartier, von hundertfältigen Gedanken bewegt. Sah so die Staatskunst aus, dann Gnade Gott dem Reich! Halte er, Jan Narr, geglaubt, eine Kriegstat müsse einen hohen Zweck haben! Und nun sah er Zehntausende hingeschlachtet, und alles war umsonst. Da sollte ein Soldat die Courage behalten! Und ein Reichsfürst paktierte mit dem Neichsfeind! Zackerbombenundflöh! Eher hätte er Pulver aus einer Tabakspfeife geraucht als das geglaubt! Und der Kardinal war immer an der Arbeit mit Netze spinnen. setzte keinen Mann ein, keinen Gaul, und sie tanzten alle, wenn er pfiff.
„Rein, Josv Maria, mich ekelt das Kriegshandwerk an!"
Und auch der Abbe wußte nichts dagegen zu sagen. — Indessen Tilly in dem Sturm der widerstreitenden Befehle ans Wien und München wie ein stellerloses Schiff schwankte, setzte das schwedische Heer, dem Steuer seines kühnen Königs gehorsam, sich in Bewegung, mit steilen und knatternden Fahnen, rallschte heran und überrannte Tillys schwerfällige Macht bei Möckern, llnb von dem Iubelgeschrei der protestantischeil Fürsten uinbralist, zog es in die katholischen Länder ein, die breiten Schaumwellen des Entsetzens aufwersend. Indessen erst in Frank- furt, dann in Ingolstadt die bebenden unb schwatzhaften und vorsichtigen Ligisten verhandelten, stürmte der Schwede


