Ausgabe 
27.3.1915
 
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Du glaubst wirklich, Griet, daß dein Jan ?"

Oberst geworden ist. Der Franzos hat uns mit dieser Nachricht kränken wollen, sonst hätte er es nicht gesagt. Wie er wohl aussieht, der Jan? Braun sicher und mit einem großen Schnurrbart, vielleicht mit ein paar Narben über der Backe. Aber seine Augen müssen die alten sein. Die guten, kleinen, strahlenden Aiigen."

Nun freust du dich. Und ich?"

Du mit, HerzenSgräfin! Jan ist treu! Die einzige Bot­schaft, die bis zu uns drang, lautete: Jan ist treu! Weiht du's nicht mehr? Er wird uns retten, so oder so. Er vetz gibt uns nicht."

Marie Anne schüttelte den Kops.

Doch, doch! Und sollte er warten müssen, bis er Gene­ral ist. Aber dann, daun kommt er mit seinen wackeren Regi­mentern nach Paris und! Wenn wir nu. einen einzigen treuen Menschen fänden, der ihm Nachricht brächte!"

Griet trat zum Fenster. Wenn sie ihr Gesicht fest an die Eisenstäbe preßte, konnte sie noch einen Streifen des Gassen­grundes sehen. Sie fing plötzlich hell an zu singen:

Der Kurfürst Friedrich oon der Pfalz,

Einen Winter lang war er König,

Einen Winter lang steckte ihm Böhmen im Hals,

Dann"

Griet! Griet! Weshalb singst du?"

Der heilige Alphonsus steht vor seinem Gewölbe. Ich sehe gerade auf sein ölglänzendes, langes Haar. Er hört mich wohl, denn er schielt unruhig umher, wie ein Köter, der gern möchte, aber Angst hat."

Um Gott, Griet, willst du dem eine Botschaft für Jan geben?"

Nein, der schwarzhaarige Halunke ist falsch. Nur necken will ich ihn."

Du Kind!"

Lab mich. O weh", ries sie plötzlich und sang dann, so laut sie konnte:

Und als die Schlacht geschlagen war.

Da halt' er verloren Pferd, Schwert und Land.

So wird die Falschheit immerdar

Zuschanden werden durch Gottes Hand!

Zuschanden werden durch Gottes Hand!"

Ich bitte dich, Griet, schließ das Fenster!"

,Ha, jetzt. Aber diesen schönen Vers mußte ich noch singen. Gerade ging Herr Durante unten vorbei, und der heilige Alphonsus verschwand, als er ihn sah, mit vielen Ver­beugungen."

Hat dich Durante gesehen?"

Nein, aber gehört. Ich weiß es. Aber er ging nicht einmal schneller. Oh, der hat ein hartes Herz."

Die Oberin trat erregt ein.

Hier ist gesungen worden. In einem Kloster gesungen! Ich werde die Fenster mit Brettern vernageln lassen müssen."

Griet küßte ihre Hand.

Ich bin's gervesen, ehrwürdige Mutter. Verzeiht mir. Aber laßt Marie-Anne nicht tragen meiner leiden!"

Die Oberin gab ihr einen leichten Backenstreich.

Ich habe euch ja lieb! Aber der Kardinal ist ein stren- ^öseS "kr ^irit nicht, Marie-Anne, ich tue euch nichts

Gerade jetzt dachte Jan allerdings nicht an Paris.

Als Durante das Auferstehungskloster verließ, saß Jan nnRoten Hahn" zu Nördlingen an der Tafel, zusammen mit dem Generalwachtmeister Fürstenberg, dem General Aldringhen und einigen Obersten der italienischen Armee, die sich seil Wochen in Franken und Schwaben l)erumdrückte, um me Reichsstädte zur Vernunft zu bringen. Denn Magdeburg lvar gefallen, vom Schwedenkönig war nicht viel zu hören, und die Kaiserlichen hatten Oberlvasser.

Die Fenster standen offen. Der Abendwind, der die großen Ulmen an der Georgskirche bewegte, strich den Offi­zieren um die tveinglühenden Stirnen.

Wischt Euch dreimal das Maul," ries Aldringl-en einem Obersten zu,dann habt Ihr den bayrisck-en Sold!"

Er schlug auf den Tisch.

^ ^^ld? Von Bauern Sold, von den Reichsständen Sold? Greis zu. Bruder, praktizier' Wallensteinsche Maxime. Sold liegt überall", sagte der."

Haben ihn drum auch abgesetzt."

Der bat ihn abgesetzt?" schrie Aldringhen.

Der Kaiser."

Nein, der Kurfürst von Bauern, der Herr Maximilian! Und die Dreckhosen von Neichssürsten haben ihm zugestimmt. Und lvoshalb? Angst hatten sie vor ihm, weil seine Soldaten zu essen haben wollten, und weil sie an ihm hingen.Frcßt, Kerls," sagte Wallenstein,wo ihr Futter findet, und wär's in Kurfürstlich Bayrischem Gebiet." Nur ja nichts opfern! Die Ketzer ausrotten, ja. Aber es darf nichts kosten. Dreck­hosen. allesamt."

Jai^ saß besinnlich da und trank andächtig und mit kleinen Schlucken. Sah nett aus in Deutschland, wenn's so war.

Und da trat ein schlanker Graukopf in die Tür, schwarz von Kopf bis zu Fuß, mit einer großmächtigen goldenen Kette über der Brust.

Neumann!"

Aldringhen fuhr hoch und schwankte nach der Tür. Er umarmte den gutmütig Lächelnden und zog ihn an seiner goldenen Kette an die Tafel.

Den Herren präsentier' ich hier den Hofkriegsrat Neu­mann aus Wien. Setz' dich, Herzbruder. Wo wehst du daher?"

Bin auf München zu. Ich horte hier, daß der General Aldringhen"

Und bekamst Sehnsucht, Bruderherz, nach dem guten, alten Aldringhen. Das lohn' dir die heilige Jungfrau. Trink!"

Ihr seid immer noch frisch und allewege lustig. Kein Wunder! Ihr zieht durchs Reich, hierhin, dorthin, schlagt zu, macht Beute uird so ein Hofkriegsrat sitzt in seiner Kanzlei oder fährt in der Kutsche durchs Land, und der Bauer glotzt und zieht die Kappe. Und hat man etwas ausgedacht der gemeinsamen katholischen Sache zum Vorteil, so werft ihr Kriegsleutc es mit dem Schwerte wieder um."'

Oder unser gnädigster Kurfürst mit dem Maul."

Der Rat stimmte in das wilde Gelächter diskret ein. Jan wollte von anderen Dingen erfahren und neigte sich vor:

Weiß der Herr Rat, wie es mit Schweden steht?"

Herrlich. Man konnte wünschen, einem protestantischen Reichsfürsten zu dienen."

Wird man also bald die Kanonen donnern hören?"

Euer Generalissimus, Herr Graf Tilly. marschiert und weicht und rückt vor und marschiert. Er hat kein Zutrauen."

Soll draufgehen, dann kommt das Zutrauen von selber", sagte Jan, und seine Augen blitzten.

Ja, Hans," sagte Aldringhen und hob den Pokal,aber zum Drausgehen gehört Willen, und den hat er nicht. Er nicht, und keiner hat ihn."

Der Kaiser", sprach der Rat vor sich hin.

Aldringhen hatte die zwei Worte vernommen, aber trotz des Weins, der in ihm rumorte, ließ er sich nichts merken.

Sag' mir doch, Neumann, was ich tun soll. Der Kur­fürst will drei Regimenter nach Donauwörth haben, der Tilly mein Korps nach Thüringen, der Kaiser schreibt mir, ich soll nach Böhmen ziehen, wo Wallenstein gegen die Sachsen steht. Lehr' mich das Kunststück, wie ich's machen soll."

(Fortsetzung folgt.)

ver gute Major.

Eine Erzählung von Wilhelm Hagen.

Nun wären wir ja endlich über den Berg! Die Wunde heilt, die Eiterung ist iveg. ein paar Wochen noch und wir haben Sis wieder auf die Beine gebracht, Herr Leutnant!"

Der alte Stabsarzt schob die Decke über das Bett, in dem noch blaß und matt, aber mit klaren Augen der junge Infanterie-Offizier lag. wandte sich zur Schwester, die ihm beim Verbinden geholfen hatte und nun im kleinen Lazarettzimmer noch etwas Ordnung machte:Ich danke Ihnen, Schwester Marie, und ich will Sie nicht loeiter in Anspruch nehmen. Ich bleibe noch eine kleine Weile bei dem Herrn Leutnant. Wenn etwas ist. rufen Sie mich." Leise, fast geräuschlos verließ die Schwester das Zimmer und schloß die Türe hinter sich. Der Stabsarzt nahm gemächlich neben denr Bette Platz, währeird ihn der Offizier verwundert und fragend ansah

Sie wundern sich wahrscheinlich. Herr Leutnant, daß ick "nch so eiieach bei Ihnen zu Gaste lade, aber ich w ll Ihnen gleich sagen, warum ich das tue. Ich möchte mir nämlich elwaö von Zi.uan erzählen lassen."

Wenn ich dazu in der Lage bin"

_Ich glaube ja. Sie standen doch beim Bataillon meine- Freundes Eder, nicht wahr?"

Gewiß, Herr Stabsarzt."

Sie waren auch bei ihm, als er fiel, wenn ich recht untere richtet bin?"