Jan von Werth.
tftoman aus dem Dreißigjährigen Krieiga von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Sie sagte die Fliesen dc
„Und _^_ * ..
^Sie wirk sogleich hier sein. Herr Durante."
. Ms sich Stritte der Tür näherten, warf Durante seinen Hut auf eure Bank. Die Oberin ließ Marie-Anne und Griet, mütterlich lächelnd, vorbei und ging lautlos aus dem Gemach.
)Lch bin gestern," sagte Durante und verbeugte sich, -aus Italien zuruckgekommen. Ich bin geeilt, um nacl) Eurem Wohlbefinden zu fragen."
... • Marie-Anne sah ihn hilflos an und hielt sich fester an Griets Arm. ' '
ift sanft wie ein Engel und still wie eine Taube.' Oberin ru dem Kavalier, der ungeduldig auf dei s Sprechzimmers auf und ab ging, langsam wie eine Srbneckt»" Frtnr-i-pr
!»«ehmt Platz, ich bitte Euch/' sagte sie teife. In ihre, Stimme horte man ihr Herz klopfen.
..Darf ich hoffen, daß es Euch wohl geht?" Marie-Anne stiegen die Tränen auf. Sie schüttelte hef. tig den Kopf. ^ v '
~ Durante," sagte Griet, „wie lange will der Herr
Kardinal die Gräfin noch quälen?"
„Ah, du bist auch da? llebrigens, da ich dich sehe, erinnere ich mich, daß ich bei Mantua jenen Burschen traf 1-enen —" u
^.Werth!" rief Griet und hob die Hände.
,Hch glaube wohl, Werth. Er läßt sich jetzt Oberst nennen und hat em Weib genommen. Eine Mantuaner Dame wie man sagt."
Marie-Anne umarmte Griet; man rvußte nicht, wollte sie Halt suchen oder Trost spenden. Durante sah gelassen zu Boden und fuhr dann fort:
„Uebrigeiis ist die Frage, wie lange der Herr Kardinal die Gräfin noch quälen wolle, töricht. Ich weiß nicht, was wrt dieser Fraae gemeint ist. Denn ich bin der Ansicht, daß die Gräfin nach ihrem eigenen Wunsche l/ier wohnt'?'
5 'Erstellt Eilch nicht, Herr Durante, ich bitte EucLu" sagte Marie-Anne und sah ihn an. „Ihr wißt so gut, lme ich es weiß, daß ich hier gefangen bin. daß ich eingekerkert, bin, daß ich schlimmer behandelt werde als eine Ber- brecherin."
„Wenn Ihr wirklich die Wahrheit redet, so steht es doch jeberjcit bei Euch, eine standesgemäße Heirat zu machen, wie der Herr Kardinal, Euer Vormund, dem Ihr, verzeiht, mit Undank lohnt. Euch vorgeschlagen."
„Schweißt doch, ich bitte Euch." rief die Gräfin. „Man soll mich freiaeben. Soll mich nach Deutschland oder Flandern reisen lassen."
„Mitten hinein in die Kriegsfurie? Uebel denkt Ihr vom Herrn Kardinal, wenn Ihr meint, daß er Euch solchen
Gefahren aussetzen würde."
„Dann will ich in den Staaten des Königs bleiben; ich will in ein Asyl mich verkriechen, wo ich niemand störe."
„Das habt Ihr hier."
„Hier, wo ick —?" Sie brach in Schluchzen ans.
„Sie wird schwächer von Tag zu Tag," sagte Griet.
,Zch werde den Arzt senden, den Leibarzt Seiner Eminenz."
„Nein, nein!" rief die Gräfin. „Fort will ich — hinaus."
„Mer, ich bitte Euch — befehlt nur, und morgen hält dw Kntsche des Herrn de Iussac vor dem Kloster, und ich gebe Euch mein Wort, daß der Herr Kardinal zu Eurer Hochzeit kommen wird."
„Griet? Bring mich fort von diesem Menschen!"
„Noch nicht," sagte Durante und stand auf. Der Mensch, von dem Ihr sprecht, ist Euer Freund." (Marie- Anne schlug die Hände vors Gesicht) „ist Euer Freund. Eu er Freiiiid wird den Hern» Kardinal bitten, Eiich einen anderen Wohnort anzuweisen."
„Wie?"
„Ein anderes Kloster, um deutlich zu sein. Vielleicht St. Petrus mit dem Schlüssel in der Normandie. Es ist allerdings dort noch ein ivenig stiller als hier, aber bedenkt, Ihr habt Torheiten begangen. Ihr seid noch nicht ruhig genug geworden, und der Herr Ordinal liebt Euch zu sehr, um Euch wieder solche Abenteuer unteriiehmen zu lassen wie damals — Ihr wißt."
Marie-Anne aiitwortete nicht mehr. Mer Griet trat dicht vor Durante hin utib sagte sehr fest:
„Es gibt keinen falscheren Menschen als Euch Das wissen wir. Wir wissen auch, daß Herr Werth kein Weib genommen hat. Wissen es zuversichtlich!"
„Woher?" fragte Durante unbedacht.
„Zerbrecht Euch den Kops. Herr Durante," rief Griet triumphierend, bcmt sie freute fick), daß ihre List gelungen. „Zerbrecht Euch den Kopf!"
,.?ar le mort bleu!“ schrie Durante und riß an dem Klingelzng. Aber Griet zog Marie-Anne mit sich fort, indem sie lachte. Sie hörte noch, wie Durante nuten tobte:
„Saubere Botschaft für meinen Herrn! Es sind Briese ins Kloster gekommen, jawohl. leugnet es nicht ab!"
Oben sank Marie-Anne erschöpft in ihren Lehnsessel. Sie sagte müde:
„Du glaubst noch immer an die Menschen. Sie könnten dir das Aergste antun, und du würdest noch immer an sie glauben."
„Ja", lachte Griet und ging in der schmalen Zelle tänzelnd auf und nieder. Sie nickte dem handgroßen Spiegel- chen zu: „Meinen Glückwunsch, Griet. Glnckötind; Jan ist Oberst. Ich möchte dich küssen. Griet."
Marie-Anne hielt sie am Kleide fest.


