Bismarck und der Berliner.
Fürst Bismarck arbeitete einst auch beim Stadtgericht in Berlin. Eines Tages nun hatte er einen Berliner zu vernehmen, welcher durch Unverfrorenheit die Geduld Bismarck- so erschöpfte, daß dieser plötzlich aufsprang und jeneni zurief: „Heer, menagieren Sie sich, oder ich werfe Sie hinaus!" Der anwesende Gerichtsrat, als Chef Bismarc^, klopfte diesem, seinem erbosten Auskultator. freundlich auf die Schulter und sagte beruhigend, doch wohl auch im verweisenden Sinne: „Herr Auskultator, das Hinauslverfen ist meine Sache!" Daraufhin wurde die Vernehmung fortgesetzt, eS dauerte aber nicht lange, so geriet Bismlrrck über die Dreistigkeit seines Jnkulpaten abermals in die Hitze, erhob sich erregt vom Stuhle und donnerte jenen mit den Worten an: „Herr, menagieren Sie sich endlich, oder ich lasse Sie durch den Hern: Stadtgerichtsrat hinauswerfen!" Gegen die sckiarfe Logik Bismarcks konnte auch sein Vorgesetzter nichts einwenden.
Exzellen -haben doch angefangen!
Beiseiner Rückkehr vom Kriegsschauplatz im Jahre 1866 ward König Wilhelm auch in Görlitz ein feierlicher Empfang bereitet. Junge Damen überreichten ihm und ebenso auch den Prinzen Lorbeerkränze. Auch Bismarck sollte einen solchen Kranz haben. Der aber meinte ru der schönen Spenderin: „Nein, mein gnädiges Fräulein, ich verdiene diese Ehre nicht. Ich bin nicht Kombattant gewesen und habe an den Siegen keinen Anteil!" — Im ersten Augenblick tvurde das junge Mädchen durch diesen Einwand völlig aus dem Text gebracht. Sie rvußte sich jedoch zu helfen. „Aber Ew. Exzellen-z haben doch den Krieg angefangen," versetzte sie, und lachend nahm nun Bismarck den Kranz.
C h a r a k t e r i st i s ch.
Bismarck erzählt: Bei Königgrätz hatte ich nur noch eine
emsige Zigarre in der Tasche, und die hütete ich während der ganzen Schlacht wie ein Geizl-als seinen Schatz. Ich gönnte sie mir augenblicklich selbst noch nicht. Dtit blühenden Farben malte ich mir die wonnige Stunde auS. in der ich sie nach der Schlacht in Sieges ruhe rauchen wollte. Aber ich hatte mich verrechnet. Ich sah einen armen verwundeten Dragoner. Hilflos lag er da, beide Arme waren ihm zerschmettert, und er tviminerte nach einer Erquickung. ich suchte in allen Taschen nad), fand aber nur Gelb, und r»s nützte ihm nichts. Doch halt, ich hatte ja noch eine kostbare Zigarre! Die rauchte ich ihm an und steckte sie ihm zwisckwn dre Zähere. DaS dankbare Lächeln des Unglücklichen hätte man sehen sollen. „So köstlich hat Mir noch keine Zigarre geschmeckt, als diese, die ich — nicht rauäfte!"
Stammbuchver s e.
Eine Dame erbat sich von Mtöltke und von Bismarck einige Worte für ihr Album. Der grosse Schlachtendenker schrieb kurz: „Lüge vergeht, Wahrheit besteht!
von Mollke, Feldmarschall."
, llnb der große Staatslenker schrieb darunter:
» „Wohl weiß ich, daß in jener Welt *
" Die Wahrheit stets den Sieg behält.
Doch gegen Lüge diese- Leben- 1 '
— Kämpft selbst ein Feldinar schall vergeben-. '
von Bismarck, Reichskanzler."
Sechsundsechzig.
. Es wird erzählt, daß König Wilhelm den Fürsten BiSMarck berm Beginn deS französischen Krieges gefragt habe: „Was machen wir nun mit Frankreich?" „Wir spielen mit ihn: Sechsundsechzig", soll dessen lavonllche Antwort gewesen sein.
^ Ich bin auch Schuster.
^ von Blunventhal kaufte Graf Bismarck im
Jahre 1667 dre Güter Varzin. Däussow, Puddiaer, Misdow, Cho- mrtz mtt Cl-arlottenthal. Die nächstgelogene Eiserrbahnstation der Berlm-Danzrger Bahn ist Schlawe. Bei Bismarcks erster Ankunft frort ereignete sich der nachsteheirde höchst komisckie Zwischenfall. Kaum aus dem Zuge gestiegen, erregte Bismarcks stattliche Erscheinung die Auftnerksanckert der Passanten deS Bahnsteigs, Bürgern des Städtchens die zuin Zeitvertreib dem Bahnverkehr zuschauten. Nachdem sich Blsnmrck auf einer Bank nieder-gelassen und sich seine Zigarre angezündet hatte, konnte ein wißbegieriger Sastawene« Schuh rnacher seine Neugiett>e nicht länger zügÄn. Der brave Fuß- beNerdungskünstler näherte sich schüchtern dem Frencken, setzte sich auf das Ende der Bank und rückte leise näher Mit der Frager "fi e kommen wohl von Berlin?" „So ist's. Wer sind Sie?" „Zch bm der Sämhnrack)er Th. von hier — und mit wem Hab' ich die Ehre?" Ick) bin auch Schuster!" „Schuster, ei der Tau- 2V *** baben Sie aewiß große Kundschaft in
Berlin? „Ich danke, es geht!" Doch bevor rwch der Schuster leine Neugier weiter beftiedigen konnte, erschien ein Postbemntev rrl. ^ fremden ehrerbietiast: „Exzellenz ftnben die
Extrapost bereit. — Ganz bestürzt über seine Dreistigkeit einem SJäSk N^über ivollte sich der ehrsame Pechkünstler ge- zunnndst entschuldigen, doch der Fremde ließ ihn nicht zu Worte kommen, klopfte ihm vertraulich auf die Schulter uiid sagte: „Wenn
fr! f S? lTn ^ ,0 besuchen Sie mich in meiner Werkstatt, Wilhelmstraße Nr. 76. Auf Wiedersehen!^
Beinahe nicht wieder erkannt.
. „ Bismarck reifte 1871 zu den Verhandlungen über den definitiven Frieden nach Frankflirt a. M. in Zivilkleidern. Als er in dem von ftüher her ihm schon bekannten Gasthofe abstieg, er- laubte sich der Oberkellner die Bemerkung, daß er Se. Durchlaucht beinahe nicht wieder erkannt habe. „Ja, mein Lieber," entgegn«« der große Staatsmann, „den Herren Franzosen ist es ähnlich er«? gangen tme Ihnen. Die haben uns auch erst erkannt, als wir die Umform anhatten!"
-r- Die ägyptische Frage. cnr. ^lsmarck wurde einst von einem, gern das große Wort führenden und gegenüber dem Reichskanzler etwas zudringlichen Industriellen gefragt: „Nun, Durchlaucht, wie wird es jetzt mit der ägyptischen Frage?" Sehr ruhig antwortete ihm der Fürst Mit semer „wurstigen" Miene: „Das weiß ich nicht, Herr Kommerzienrat, ick habe heute die Zeitungen noch nicht gelesen."
_ „Niemal s."
Als Fürst Bismarck nach der Ablehnung seines ylbschieds- gesuches, die von seiten Kaiser Wilhelms I. mit dem bekannten) ?borte: „Nienials" erfolgte, wieder Audienz bei dem Kaiser hatte, äußerte sich .dreier, veranlaßt durch das durch Kränklichkeit und, Mer mottvierte Abschiedsgesuch, tvürtlich dahin: „Ich bin viel üUer als Sie und reite sogar noch." Worauf Bismarck erwiderte: &y \ Malestat, der Reiter hält es immer länger aus als das Pferd." .
, In Fried richsruh.
Bismarck begegnete eines Tages unverhofft mehreren jungen Damen im Parke von Friedrichsruh in dem Augenblicke, als sie Blatter abpflückten, um sich damit zu schmücken. „Aber meine Damen, redete er die Ueberraschten an, „wenn jeder Besucher nur ern Blatt aus dem Garten mitnehmen wollte, würden hier bald Nicht mehr Blätter übrig bleiben als Haare auf meinem Kopfe."
B i S - M a r k.
Gelegentlich der Prägung von Zweimarkstücken machte ein Witz- Lunchen Vorschlag, diese doch mit der Bezeichnung „Bis-Mark (bis, lateinisch zweimal) einzuführcn. Die Vorteil! dieser Beriennung würden in einer alle Parteien befriedigercken Weise bestehen. Denn die Nationalliberalen Hütten dann Bismarck m der Tasche, die Sozialisten sähen ihn geschlagen, die Ultra- Montanen könnten ihn nach Belieben wechseln und die Polen ver* lubeln. -- Der Bismarcksche Einfluß würde somit auch nach de- Fursteii Rücktritt noch maßgebend sein.
, Die Küche im Kriege.
(Nachdruck dringend erwünscht.)
Salzheringkoteletten. 1 Salzhering, 125 Gr. gekochte Kartoffeln, 60 Gr. Speck. 1 Ei, 1 Messerspitze gehackte Zwiebel. Der 24 Stunden entwässerte, gehäutete, entgrätete Lerina wird recht fein gehackt. Die gekochten Kartoffeln streicht man durch ein Sieb, gibt das ganze Ei, den fein gehackten Speck, die Zwiebel und zuletzt das Heringsfleisch dazu, vermischt es gut und formt Koteletten davon, welche man in geriebenem Brot wendet und in Fett hellbraun brät. Man reicht die Koteletts zu Gemüsesalat oder grünen Bohnen. _
vüchertisch.
^ — Die „Nationale Rundschau", Zeitschrift für deutsches Geistesleben, (Herausgeber: M. Rogge, Verlag: Georg Gornitzka, Buchhandlung, Berlin-Wilmersdorf. Motzsttaße 49) brmgl ut ihvern vorliegenden 4. Heft imcderiim eine red>t Zlück- lidje ZusanimensteNung verschiedener Beürage aus Federn hervorragender Persönlichkeiten. Eine „Umschau über die Nation" leitet, wie in den bisherigen Heften, die bereits erfreulichen Mklang gefunden haben, die Artikelsolge fesselnd ein. Generalmajor z. D. von Hnmerdinger bringt sodann einen sehr belehrenderi Aufsatz Ker die „Französische Feldartillerie", während der ausgez-eickmete Balkankenner Generalmajor z. T. Janke eine Schilderung des man- ^ukgrischen Kriegsschauplatzes gibt. Ein prächtiges StiminungS- bUd „Wiesbaden in Kriegszeiten" von Bertha Freiftau von ykauen- ein Original-Feldpostbrief eines Leutnants z. S. auf M. S. „Gnersenan" fließen fick) an. Ein Zeitgedicht von Kvrl Erasnms Klnnert und „Theater- und Bücherrundschau" vervollständigen den reichen Inhalt dieses 5)eftes.
^ Geographisches verschiebrätsel.
Spanien — Basel - Berlin — Indien — Nizza —
Wien — Paris -- Teplitz — Bayern Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten geleserk den Namen einer italienischen Insel ergibt. (Ausl, in nächst. Nr.)
Auflösung des GleichklangrätselS in voriger Nummer r Der R egen.
8chr,„l-ituna- Aug. ®oelj. - Rotationsdruck und Verleg der Brühl',chen Universit^S-Buch- und R, Lang,, »lefc«*“


